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Maxim Vlasov um Sieg betrogen?

Mit einer mehr als fragwürdigen Punktrichterentscheidung endete der Kampf zwischen dem Amerikaner Joe Smith jr und dem Russen Maxim Vlasov. Bei diesem Kampf in Tulsa / Oklahoma machten die 3 amerikanischen Punktrichter mit 115:112, 115:113 und 114:114 ihren Landsmann Smith jr aus Long Island / New York zum neuen WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht.

Wer diesen Kampf in voller Länge gesehen hat, kann dem Urteil nicht zustimmen. Gewiss waren einige Runden knapp, aber die Ringdominanz und mehr zählbares kam eindeutig von Vlasov, der den Kampf eigentlich hätte gewinnen müssen. Selbst das von Punktrichter David Sutherland beurkundete Unentschieden wäre noch geschmeichelt. Man ist ja einiges von Boxurteilen gewohnt, aber dieses Urteil scheint wohl ganz sicher ein Anwärter auf das Fehl- oder besser gesagt: Gefälligkeitsurteil des Jahres zu sein.

Von Beginn an war es Vlasov, der besser in den Kampf fand und die erste Runde klar für sich holte. Im zweiten Durchgang wurde Smith etwas lebendiger und konnte die Runde vielleicht knapp für sich entscheiden, auch wenn es rein optisch so aussah, als wäre er noch immer nicht recht im Ring angekommen. Smith erlitt bereits in Runde 2 eine Cutverletzung über dem linken Auge, die sein Cutman allerdings bis zum Kampfende gut im Griff hatte.

In den meisten Runden trieb Vlasov Smith jr vor sich her. Er bestimmte die Ringmitte und konnte weitgehend auf Deckung verzichten, weil Smith einfach viel zu wenig unternahm, was Vlasov gefährlich werden konnte. Ab Runde 6 nahm der Russe etwas an Tempo raus, weil er davon überzeugt war, nach Punkten weit vorne zu sein. So kam Smith in der Kampfmitte vielleicht zu ein paar Runden, obwohl das, was er gegen Vlasov brachte, nicht wirklich überzeugend war. Viel zu viele der wilden Schwinger von Smith fanden ihr Ziel nicht. Das muss den Punktrichtern wohl entgangen sein.

In Runde 11 wusste der fast schon verzweifelnd auf verlorenem Posten kämpfende Smith sich nicht anders zu helfen, als Vlasov mit voller Absicht auf den Hinterkopf zu schlagen. Vlasov war angeklingelt und nahm Knie. Er bekam von Ringrichter Gary Ritter Zeit, um sich zu erholen. Das sahen einige am Ring anwesenden Typen scheinbar anders und protestierten wild gestikulierend dagegen, dass Vlasov sich nach dieser unsportlichen Aktion von Smith erholen durfte. Einer der Punkrichter wertete das Knie nehmen scheinbar sogar als Niederschlag.

Es galt für Vlasov eigentlich in der letzten Runde nur noch, seinen Punktvorsprung zu halten und sich kein KO einzufangen. Er kam gut über die letzte Runde und hätte den Kampf mindestens mit 115:113, eher mit 116:112 gewinnen müssen. Doch die Punktrichter sahen es anders und gaben den Sieg am Smith jr. Maxim Vlasov, der deutliche Gewinner dieses Kampfes und sein Team waren nach der Urteilsverkündung zu Recht fassungslos.

Hier der Kampf:

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4 Kommentare

  1. 11. April 2021 at 13:25 —

    So im Groben stimme ich dir zu, fuchs, allerdings mit ein paar Einschränkungen. Vlasov hat auch schon viele unnötige Treffer von Smith gefressen, was er verhindern hätte können, wenn er ab und zu mal die Fäuste nach oben genommen hätte und nicht versucht, alles, was vom Ami kam, nur auszupendeln. Smith ist teilweise gut zum Körper gegangen (allerdings insgesamt noch zu wenig), was sich in den letzten beiden Runden für ihn ausgezahlt hat.

    Mit dem Niederschlag sehe ich etwas anders. Es war kein absichtlicher Hinterkopfschlag aus meiner Sicht, sondern Vlasov ist, wie öfters mal, mit dem Kopf nach vorne, um einem Schlag auszuweichen und hat dabei die Rechte von Smith an den Hinterkopf bekommen. Worüber sich DeGuardia aufgeregt hat, war, dass Vlasov zum Erholen danach in seine Ecke ging, was regelwidrig ist, er hätte in die neutrale gehen müssen.

    Insgesamt stimme ich exakt der Scorecard von Andre Ward zu (114:114), der als Experte bei ESPN meiner Meinung nach einen prima Job macht und sehr objektiv urteilt. Wobei es ein enger und vor allem super geiler und dramatischer Kampf war, bei dem es keinen falschen Sieger gab, nur einen falschen Verlierer.

    • 11. April 2021 at 18:59 —

      “Es war kein absichtlicher Hinterkopfschlag …” In einer Wiederholung hat man deutlich gesehen, dass Smith mit Absicht zwei mal auf den Hinterkopf geschlagen hat. Danach kam die Auszeit. Vlasov war ausgepumpt und konnte sich danach nur noch über die Zeit retten. Er war in der 12.platt. Smith hat es aber nicht geschafft, ihn zu finishen.

      • 11. April 2021 at 20:24 —

        Wie gesagt, ich hatte geschrieben „aus meiner Sicht“ – am Ende weiß nur Smith selbst, ob er absichtlich auf die Stelle gezielt hat oder der Schlag mehr im Gemenge und Gekeile dahin gegangen ist, und für mich sah das eher so aus. Wenn eine eindeutige Absicht erkennbar gewesen wäre, hätte es doch auch Punktabzug für Smith geben müssen, gab es aber nicht. Vlasov (eigentlich beide, aber der Russe noch mehr) war schon vorher platt, weil Smith in der Runde davor endlich mal gut zum Körper gegangen ist und hat nur noch gehalten und geklammert – da hätte es auch mal eine Ermahnung sein dürfen.

        Die MD war ungerecht, aber aufgrund seines starken Willens, der hohen Workrate und des guten Bodypunchings von Smith war 114:114 das richtige Resultat nach meiner Beobachtung. Dass dann so ein Heimscoring einen WM-Fight entscheidet, ist bitter, aber im Boxsport leider die Regel und nicht die Ausnahme.

  2. 11. April 2021 at 18:41 —

    Vlasov hat ein Problem und das ist seine nicht vorhandene Schlagkraft. Er hatt das können und Talent um in der Weltspitze mitzumischen und um Weltmeister zu sein, nur seine Kinderschläge machen einem top Boxer nichts aus. Falls möglich sollte Vlasov eine Klasse runter gehen dann würde er Körperlich nicht so unterlegen aussehen.

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