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Max Baer – Der Showman mit der Hammerrechten

Es bleibt ein schwarzer Tag in der Geschichte des Boxsports. Am 25. August des Jahres 1930 steht Max Baer in San Francisco im Kampf gegen Frankie Campbell. Jeder kennt die vernichtende Wirkung seiner Rechten.  Der junge Campbell ist überfordert. In der fünften Runde überfällt ihn der Kalifornier mit einem Trommelfeuer an Schlägen, so dass Campbell verteidigungsunfähig wird. Der Ringrichter weigert sich, den Kampf abzubrechen, obwohl Frank nahezu bewusstlos in den Seilen hängt. Und Baer drischt weiter auf den Wehrlosen ein. Campbell ist am Boden. Er steht nicht mehr auf und stirbt wenige Tage später in einem Krankenhaus. Für Baer ist dieser Kampf der Schock seines Lebens. Nur mühsam kann er sich davon befreien. Dennoch wird er vier Jahre später Schwergewichtsweltmeister und schlägt in  einem aufsehenerregenden  Titelkampf den italienischen Zweimetermann  Primo Carnera  nicht nur vorzeitig; er demontiert ihn gnadenlos.

Die Familie

Max Baer, mit vollem Namen Maximilian Adelbert Baer, wird am 11. Februar 1909 in Omaha in Nebraska/USA geboren. Sein Vater, Jakob Baer, ist jüdischen Glaubens. Die Mutter, Dora Baer geborene Bales, entstammt einer schottisch-irischen Familie. Der jüngere Bruder von ihm, Jacob Henry Baer, wird später als Buddy Baer ein ebenfalls bekannter Schwergewichtler, der Anfang der 1940er  gegen Joe Louis in zwei Kämpfen um den Schwergewichtstitel antritt.  Die Familie zieht einige Jahre später wegen des Gesundheitszustandes des Vaters, der mit seinem Rheumaleiden in wärmeren Gegenden leben möchte,  nach Kalifornien.  Zunächst kommt die Familie in nordkalifornischen Ortschaften unter, bis sie in  Livermore, einer mittleren Stadt in Kalifornien, eine Heimat findet. 1928 kauft Max‘ Vater eine große Farm mit zahlreichem Viehbestand und bewirtschaftet sie mit dem Ehemann seiner Tochter.  Schon früh arbeitet er auf der Farm seiner Eltern mit. Seine außergewöhnlichen Körperkräfte werden in den Quellen auf diese harte Farmerarbeit, die auch das Schweineschlachten mit der Axt in der zur Farm gehörenden Schlachterei einbezog,  zurückgeführt.  Unter den gleichaltrigen Jugendlichen fällt er durch seine breiten Schultern, seinen vorgewölbtem Brustkorb und den ausgeprägten Muskeln auf.  Schon mit kaum achtzehn Jahren, so wird berichtet,  ist er größer und schwerer als alle seine Freunde und Kameraden.

Der Weg zum Profi und die ersten Kämpfe

Von seinen  Freunden wird er  bedrängt und ermutigt, mit dem Boxen zu beginnen. Der junge Baer gründet eine Trainingsanlage auf der Farm seines Vaters. Hier trainiert er zielgerichtet insbesondere seine Puncherqualitäten und begibt sich auf die Suche nach einem geeigneten Manager. In Oakland, so berichten einige Quellen, arbeitet er in einer Fabrik, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, lernt da aber den Sohn des Fabrikbesitzers kennen, J. Hamilton Lorimer.  Lorimer wird für längere Zeit sein  Manager, der ihm auch den ersten Kampf vermittelt. Am 16. Mai 1929 steht er in seinem ersten Profikampf mit Chief Caribou, von dem man nie mehr etwas gehört hat, im kalifornischen Stockton im Ring und knockt ihn in der zweiten von vier angesetzten Runden aus.     

Jack Dempsey, der populäre Exweltmeister im Schwergewicht, hatte Baers Talent schon früh erkannt und öffentlich hervorgehoben. Ihm fiel insbesondere dessen urtümliche Kraft und vernichtende Rechte auf, die er, und da geht er konform mit anderen zeitgenössischen Beobachtern,  als härteste Rechte der Boxgeschichte sah. Auch dessen aggressiver Kampfstil gefiel dem ehemaligen Weltmeister, erinnert der ihn  doch an seinen eigenen Stil. Allerdings äußerte er mehrfach, dass Max unbedingt an seinen technischen Möglichkeiten  feilen müsse. Wenn dies gelänge, so die Meinung Dempseys, würde Baer bald Schwergewichtsweltmeister und auch ähnlich populär wie er selbst werden könne.

Das Jahr 1929 sieht Baer in nicht weniger als sechzehn Kämpfen, die er meistens vorzeitig beendet. Allerdings muss er eine Disqualifikationsniederlagen hinnehmen: Anfang September 1929 gegen Jack McCarthy. Das Jahr 1930 beginnt wiederum mit einer Niederlage. Gegen Tiny Abott wird er am 15. Januar im kalifornischen Oakland in der dritten Runde von Ringrichter Eddie Burns disqualifiziert, weil er während des Anzählens von Abott nach einer schweren Rechten zugeschlagen hatte. Nach sechs Knockouts und einem Punktsieg trifft er Mitte Juli 1930 in Los Angeles auf den ersten, wirklich ernstzunehmenden Gegner. Es ist der erfahrene Kalifornier Les Kennedy, der nach zehn Runden klar nach Punkten gewinnt und dem weitaus jüngeren Puncher seine boxerischen Grenzen aufzeigt.   Nach einem Knockout-Sieg einen Monat später  gegen den dreizehn Jahre älteren und ebenfalls erfahrenen  KO Christner trifft er auf den jungen Kalifornier Frankie Campbell.

Tod im Ring

Der Kampf mit dem unsäglich tragischen Ausgang findet am 25. August 1930 in San Francisco statt. Der Angriffswut des  körperlich überlegenen Baers ist Campbell nicht gewachsen. In der fünften Runde prasseln harte und vernichtende Schläge auf den jungen Campbell ein. Er hängt nahezu verteidigungsunfähig  in den Seilen, doch Ringrichter Toby Irwin unterbricht den Kampf nicht. Baer schlägt weiter auf Campbell ein, bis er regungslos auf dem Boden liegt. Frank Campbell steht niemals wieder auf. Drei Tage später stirbt er in einem Krankenhaus in San Francisco.

Max Baer sagt später selbst, dass er diesen Schock  niemals ganz verwunden habe. Es gibt nicht wenige zeitgenössische  Beobachter des Boxsports, die behaupten, dass sich Baer seit diesem Kampf mit geringerer Angriffslust in den Ring gegangen sei und dass er ohne dieses Ereignis möglicherweise  mit nachhaltigerem Erfolg  im Boxsport unterwegs gewesen wäre. Andererseits: Bekannt ist auch, dass Baer nicht selten das Training zugunsten von Vergnügungen verschiedener Art vernachlässigt (siehe hier weiter unten)  und nicht genügend Augenmerk auf die Verbesserung seiner technischen Möglichkeiten gelegt hat.

Der Weg zum Schwergewichtstitel

Nach dem Skandalkampf gegen Campbell muss Baer vier Monate später im Madison Square Garden eine klare Punktniederlage gegen Ernie Schaaf einstecken. Die Verunsicherung Baers wegen des Todesfalls im Boxring zeigt sich darin, dass Ende 1930 und auch bis Juli des Jahres 1931 sehr wechselhafte Auftritte des Kaliforniers erfolgen. Er verliert u. a. gegen Johnny Risko, der Anfang Februar des Jahres 1929 von Max Schmeling im „Fight oft he Year“ (Ring Magazine) in der neunten Runde durch TKO bezwungen worden war. Auch gegen den „Baskischen Holzfäller“, Paolino Uzcudun, verliert er am 04. Juli 1931 in 20 Runden nach Punkten. Erst nach diesem verlorenen Kampf geht seine Erfolgskurve steil nach oben. In Refights schlägt er unter anderem Les Kennedy, Johnny Risko, Ernie Schaaf und Tom Heeney. In zwei Aufeinandertreffen bezwingt er außerdem den Ranglistenschwergewichtler King Levinsky nach Punkten. Nach einem überzeugenden KO-Sieg Ende September 1932 gegen Tuffy Griffiths in Chicago wartet Max Schmeling, der Exweltmeister im Schwergewicht, auf ihn.

Max Baer vs. Max Schmeling

Mehr als 50.000 Boxfans haben sich am 08. Juni 1933 im Yankee Stadium in der Bronx eingefunden, um den Kampf zu verfolgen. Die Einnahmen belaufen sich auf fast 240.000 Dollar. Der Kampf wird später vom Ring Magazine als „Fight oft he Year“ für das Jahr 1933 eingestuft.

Schmeling hatte nach seinem skandalösen Titelverlust gegen Jack Sharkey „The Toy Bulldog“ Mickey Walker durch TKO in der achten Runde besiegt, einen ursprünglich aus dem Weltergewicht stammenden Boxer aus New Jersey, der aber trotz seiner nur 170 cm Körpergröße und um die 75 kg Gewicht bekannte Schwergewichtler wie  Paolino Uzcudun, King Levinsky oder Johnny Risko geschlagen hatte. Mit einem Sieg gegen Baer will sich Schmeling einen erneuten Anlauf auf den verlorenen Weltmeistertitel sichern. Sein Trainingslager hat Schmeling in den  kühler gelegenen  Bergen bezogen, was sich nach Meinung einiger „Experten“ rächen sollte. Denn der Kampf findet an einem  brütend heißen Tag im New Yorker Yankee Stadium in der Bronx statt. Die Hitze lässt den Exweltmeister das Blut kochen. Dennoch zeigt sich zunächst, dass Schmeling mit seinen erheblich besseren technischen Möglichkeiten  den Kampf gestaltet und bestimmen kann. Baer, der an seiner Hose zur Demonstration mit der verfolgten jüdischen Bevölkerung in Deutschland den Davidsstern an der Hose trägt,  scheint in der achten Runde keine Chance zu haben, nach Punkten liegt er weit zurück. Sein Manager hatte ihn in der Ringpause und auch während des Kampfes laut angebrüllt, dass er niemals wieder eine Titelchance bekäme, wenn er jetzt nicht den Kampf umdrehen würde. Und die Manageransprache gelingt, denn Baer geht in der neunten Runde stürmisch und mit einem wahren Schlaggewitter auf Schmeling los. In Runde zehn will Schmeling angreifen, da stoppt ihn Baer mit einer vernichtenden Rechten an die Kinnpartie. Noch einmal kommt Schmeling mit Mühe hoch, da bricht der Ringrichter den Kampf ab.

Schmeling bezeichnet den TKO-Sieg Baers in seinen „Erinnerungen“ als „die schwerste Niederlage seiner gesamten Laufbahn“. Er berichtet, dass ihm schon vor dem Kampf in der Hitzehölle des Stadions „das Wasser in Strömen den Körper herunter“ lief.  Während des Kampfes, so schreibt er, seien ihm die Beine schwer gewesen. Es sei ihm deshalb auch nicht gelungen, den Schlägen Baers wirkungsvoll ausweichen zu können.

Baer aber steht nun im Titelkampf gegen den Weltmeister im Schwergewicht, und der ist seit dem 29. Juni 1933 Primo Carnera, „The Ambling Alp“ aus Italien.     

Weltmeister im Schwergewicht

Primo Carnera, mit um die 200 cm einer der größten Schwergewichtler der Boxgeschichte, hatte den Schwergewichtstitel durch einen  Knockout-Sieg gegen Jack Sharkey in der sechsten Runde errungen und ihn zwei Mal durch klare Punktsiege Paolino Uzcudun und Tommy Loughran verteidigen können. Am Kampftag, dem 14. Juni 1934, ist er um ca. zwölf Zentimeter größer und 25 kg schwerer als der Herausforderer.

Vor dem Titelkampf dreht Carnera zusammen mit Max Baer einige Szenen in einem amerikanischen Spielfilm. Baer wird zu diesem Zeitpunkt als Boxer wenig ernst genommen.  Ein ernsthaftes und systematisches  Training ist nach seiner Einschätzung  nach dem grandiosen Sieg über Max Schmeling  nicht nötig, zumal er davon ausgeht, dass die boxerisch limitierten Fähigkeiten dem Italiener keine Siegchance  eröffnen können. Vielmehr wird er, von seinen Anhängern „Madcap Maxie“ oder „Livermore Larupper“ genannt,  dabei beobachtet, wie er mit seinem Bruder, Buddy Baer, nachts die Straßen unsicher macht und sich  häufig  in Bars und Kneipen prügelt. Carnera ist von Baer bei den Aufnahmeprozeduren für den Film fasziniert. Bei den Boxszenen für den geplanten Spielfilm spielt er dem Weltmeister vor, dass er viel von ihm lernen könne, schlägt kein einziges Mal ernsthaft zu, während ihm Carnera andererseits, ohne misstrauisch zu werden, sein boxerisches „Können“ offenbart. Baer lobt den Titelträger und erzählt ihm, dass er diese boxerische Klasse nie erreichen werde.  Und Baer nutzt diese Erkenntnisse, wenn man den verschiedenen Berichten hierzu Glauben schenken kann,  aus. Er treibt seinen Spott mit Carnera, und der eher gutmütige Italiener lässt sich nicht nur diese Spielchen gefallen, sondern ist eher geschmeichelt.  Er merkt nicht, dass Baer ihn während der gesamten „Zusammenarbeit“ genauestens studiert. Und fordert ihn nach dem Ende der Drehtage zum Titelkampf heraus. 

Im Kampf selbst wird deutlich, dass der Weltmeister nicht nur chancenlos bleiben sollte,  sondern dem Publikum vorgeführt und  nahezu der Lächerlichkeit der preisgegeben wird. Baer ist auf weitaus schnelleren Beinen; er nutzt  seine größere Beweglichkeit und technische Überlegenheit voll aus. Im Vergleich zu ihm wirkt der  Italiener im Ring schwerfällig; Baer lässt ihn wie einen tapsigen  und ungelenken  Amateur aussehen. Immer wieder provoziert er ihn zusätzlich verbal. Zwischendurch lässt er’s sich nicht nehmen, seinen zahlreich im Publikum anwesenden weiblichen Boxfans zuzuwinken und „Kusshändchen“ zu werfen. Seine Rolle als „Madcap Maxie“ hält er konsequent durch. Dann die erste Runde.  Nach wenigen Minuten läuft Carnera in eine schwere Rechte des Herausforderers. In der zweiten Runde beginnt die brutale Demontage Carneras. Einige Runden weiter  stürzen beide zu Boden, und Baer, der vom Schwung seines eigenen Schlages mitgerissen worden ist,  schreit: „Der erste, der oben ist, ist kein Weichei“. Bis zur elften Runde geht dieser Kampf, der zum Supergau des italienischen Weltmeisters wird.   Elf Mal liegt Carnera im Laufe des Fights insgesamt am Boden.   Carnera ist am Ende,  körperlich und psychisch gebrochen, schrecklich zugerichtet.  Der Ringrichter stoppt den Kampf. Neuer Weltmeister im Schwergewicht durch TKO: Max Baer.

 Sensationsniederlage und Titelverlust

Nach einem Nicht-Titelkampf gegen King Levinsky, den er in der zweiten Runde vorzeitig schlägt, bleibt  Baer nichts anderes übrig, als  seinen Schwergewichtstitel zu verteidigen. Nach dem Gewinn der Schwergewichtsweltmeisterschaft geht er wie üblich seinen ausschweifenden Vergnügungen in Bars, Kneipen nach; das Boxtraining stellt er hintenan. Schließlich vereinbart er doch einen Titelkampf gegen James J. Braddock. Dass er diesen scheinbaren Underdog, der noch im Jahr 1934 mit Arbeitslosengeld auskommen musste, ohne große Vorbereitung schlagen wird, scheint für ihn absolut sicher zu sein. Auch die Boxfans und  die meisten Experten sehen Braddock, der in den 1920er Jahren zu den aufstrebenden Schwergewichtlern zählte, dann aber eine Reihe von Kämpfen verlor,  als chancenlos an. Bis zum Titelkampf mit Baer hat Braddock bei 44 Siegen, in denen  er nur in 26 Kämpfen durch Knockouts gewinnen konnte,   23 Niederlagen hinnehmen müssen. Aber Braddock nimmt seine einzige und letzte Chance, an den Schwergewichtstitel heranzukommen, mit aller Macht wahr. Er nimmt ein hartes Training auf sich, bereitet sich auch in taktischer Hinsicht systematisch  auf den Kampf vor und analysiert mit seinem Trainer  u. a. die Filmaufnahmen von den bisherigen Kämpfen Baers. Der Weltmeister aber lebt mehr oder weniger in den Tag hinein, ist von seiner Überlegenheit überzeugt und macht in der Öffentlichkeit seine Witze über den Herausforderer.

Der Kampf, der am 13. Juni 1935 im Madison Square Garden stattfindet, geht über fünfzehn Runden. Und Braddock zeigt sich dem Weltmeister deutlich überlegen. Keiner hat den geringsten Zweifel am Punktsieg des Herausforderers. Und nach nur einem Jahr ist Max Baer seinen Titel los, der an einen der größten Überraschungssieger der Geschichte des Schwergewichts geht, an James J. Braddock. Wenn Braddock auch seinen Titel schon im nächsten Kampf gegen Joe Louis verliert, bleibt seine Inthronisierung doch eins der Märchen, die die Geschichte der Schwergewichtsweltmeister bereit hält.  Wie sehr die Öffentlichkeit vom Sieg Braddocks überrascht wurde, geht zum Beispiel auch daraus hervor, dass Walter Rothenburg, der damals bekannteste deutsche Veranstalter im deutschen Profiboxen, bereits einen WM-Kampf von Max Baer gegen Max Schmeling vertraglich ausgearbeitet hatte. Baer musste nur noch den Außenseiter zu besiegen, was Rothenburg als „Spaziergang“ ansah.

Joe Louis zertrümmert Max Baer

Bereits drei Monate später, am 24. September 1935,  steht Baer mit Joe Louis, der mittlerweile bereits zu diesem Zeitpunkt für viele  als nahezu unbezwingbar gilt, im Ring. Gegen den da erst 21jährigen „Braunen Bomber“ hat er nicht die geringste Chance. Die Presse spricht von der „Zertrümmerung“ des Exweltmeisters, als er in der vierten Runde des auf 15 Runden angesetzten Kampfes mit einer krachenden Rechten des kommenden Weltmeisters niedergestreckt wird.

Die letzten Kämpfe und der Abschied

Noch bis 1941 sieht man Max Baer im Ring, in der Hauptsache aber gegen eher unbedeutende Gegner. In einer scheinbar beeindruckenden Serie siegt er zunächst ein Jahr nach seinem Desaster gegen Louis ab Mai 1936 bis Anfang Oktober 1936 in sechzehn (!) Kämpfen, die nicht selten nur zwei Tage auseinanderliegen und allesamt auf sechs Runden angesetzt sind.  Beispielsweise tritt er am 26. August 1936 gegen Nails Gorman an, am 29.08. gegen Ali Frankco und zwei Tage später, am 31. August, gegen Don Baxter. Dann steht er am 02. September mit Al Gaynor im Ring, zwei Tage später mit Cyclone Lynch und wiederum drei Tage später mit „Cowboy“ Sammy Evans. Alle diese Kämpfe gewinnt er vorzeitig durch Knockout.  1937 lässt er’s mit zwei Kämpfen weniger häufig angehen, muss allerdings eine Punktniederlage gegen Tommy Farr im Garden einstecken; auch 1938 und 1939 steht er nur zwei bzw.  drei Mal im Ring und siegt dabei in vier Kämpfen, wird aber von Lou Nova im Yankee Stadium vorzeitig besiegt.  Im Jahre 1940, als in Europa im Zweiten Weltkrieg die Lichter ausgehen, kann er in zwei TKO-Siegen seine Kampfbilanz aufbessern.  Zu einem Titelkampf ist er aber nie wieder gekommen. Im Grunde war seine Karriere mit der Niederlage gegen den kommenden Mann, Joe Louis, vorbei. Seinen Abschiedskampf verliert er am 04. April  1941 gegen Lou Nova, gegen den er schon Anfang Juni 1939 vorzeitig verloren hatte,  durch TKO in der achten Runde.

Max Baer hat insgesamt 80 Kämpfe absolviert, von denen er 67 gewann. In 52 Kämpfen siegte er vorzeitig; dreizehn Niederlagen sind registriert.

Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wird Baer als Konditionstrainer für die US-Air Force verpflichtet. Nach dem Krieg tritt er u. a. mit dem früheren Halbschwergewichtsweltmeister, Maxie Rosenbloom, in einem Nightclub auf und betätigt sich auch als Ringrichter bei größeren Boxveranstaltungen. Sein jüngerer Bruder, Buddy Baer, war, wie oben schon angesprochen, ebenfalls ein Schwergewichtler, der in den Ranglisten an vorderen Stellen  Aufnahme fand , und der zwei Mal gegen Joe Louis, allerdings erfolglos, antrat.

In einem Hotel in Los Angeles, in das er nach einer Boxveranstaltung in Phoenix eingecheckt  hatte, erleidet Baer am Morgen des 21. November 1959  einen Herzinfarkt und stirbt kurz danach in einem Krankenhaus. Max Baer wird nur fünfzig Jahre alt. In Sacramento findet er seine letzte Ruhestätte. 1995 wird er in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen, desgleichen 2010 in die International Jewish Sports Hall of Fame.   

Fazit

Nicht wenige Beobachter des Schwergewichts sind davon überzeugt, dass sich Max Baer nachhaltiger und erfolgreicher an der Spitze des Schwergewichts behauptet hätte, wenn er mehr ernsthaften  Trainingsfleiß aufgebracht und auf ausschweifende „Zerstreuungen“, Alkohol und Frauengeschichten, zumindest vor großen Kämpfen, verzichtet hätte. Dennoch ist seine zerstörerische Angriffslust Legende geblieben, ebenso seine Rechte, die zu seiner Zeit als die härteste im Schwergewicht angesehen wurde. Darüber hinaus muss man konstatieren, dass Max Baer die Lücke, die sich Ende der 1920er Jahre im Schwergewicht auftat und die zu einer Flaute in der höchsten Gewichtsklasse geführt hatte, zumindest ansatzweise geschlossen hat, weil er eine fast ebenso hohe Popularität wie Jack Dempsey genoss, dem er im Übrigen auch hinsichtlich des Kampfstils glich. Zumindest hat er damit das Schwergewicht in dieser Zeit wieder attraktiver gemacht und es vorm Niedergang bewahrt, bis der alles überragende Joe Louis die Bühne betrat.

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11 Kommentare

  1. Ferenc H
    4. Mai 2012 at 13:26 —

    Guter Artikel Paul immer wieder schön zu lesen

    Mfg

  2. Serdar
    4. Mai 2012 at 14:42 —

    Ja wirklich ein intressanter artikel.hat spass gemacht zulesen. Nach “das comeback” wollte ich mehr über baer wissen…

    Danke paul!!!

  3. The big F
    4. Mai 2012 at 14:51 —

    Ja, guter Artikel und gutes Fazit.

  4. Tom
    4. Mai 2012 at 15:58 —

    @ Paul

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen,guter Artikel,der gut recherchiert wurde!

    Weiter so!

  5. werner Castellani
    4. Mai 2012 at 21:36 —

    Diese Artikel von PAUL sind kenntnisreich und schön zu lesen.
    Es sollte x ein Film über Max Baer gedreht werden…das wäre eine Geschichte.
    Und Paul sollte seine Geschichten auch in Buchform veröffentlichen.

    …Ring frei….werner castellani

  6. Lennox
    4. Mai 2012 at 23:16 —

    Es gibt da einen sehr schönen Film in der Hauptrolle mit “Russel Crowe”,
    in dem der Braddock – Kampf gegen Baer im Mittelpunkt steht.
    Braddock wird von “R.Crowe” gespielt. Kann ich nur empfehlen.

  7. werner Castellani
    5. Mai 2012 at 08:03 —

    Ich kenne diesen Film. er heißt CINDERELLA Man
    Die BRADDOCK – Geschichte wirkt etwas zu schwülstig. Aber MAX BAER wird
    sehr gut dargestellt.
    ….danke Lennox

  8. Paul
    5. Mai 2012 at 11:20 —

    @ Lennox und Werner

    Den Film sollte man sich als Boxfan wirklich ansehen. 🙂

  9. GüntherBerger
    8. Mai 2012 at 21:17 —

    @ Werner Castellani

    Darum hat sich Baers Familie ja auch gegen den Film gewehrt!

    Du erzählst Quatsch!

  10. GüntherBerger
    8. Mai 2012 at 21:40 —

    @ werner Castellani

    Völlig falsch. Baers Familie hat sich gegen die Darstellung gewehrt

    werner Castellani sagt:

    5. Mai 2012 um 08:03

    Ich kenne diesen Film. er heißt CINDERELLA Man
    Die BRADDOCK – Geschichte wirkt etwas zu schwülstig. Aber MAX BAER wird
    sehr gut dargestellt.
    ….danke Lennox

  11. StefanM
    8. Mai 2012 at 21:52 —

    Hallo Werner!
    Das stimmt so nicht.
    Baers Familie war gegen die Darstellung.
    Baer selber hat sich bittere Vorwürfe gemacht.

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