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Martinez entthront Pavlik dank starker Schlussoffensive

Halbmittelgewichtsweltmeister Sergio Martinez hat Mittelgewichtsweltmeister Kelly Pavlik am Samstag in Atlantic City nach Punkten geschlagen und sich dessen WBC-, WBO- und Ring-Titel geschnappt. Der Argentinier beherrschte dabei den Kampf zu Beginn und zum Ende hin, während Kelly Pavlik in den mittleren Runden gut aufkam, aber letztlich zu wenig tat um den mobilen Martinez zu besiegen.
Pavlik, der als deutlich größerer Mann in den Ring kam, und über Nacht 18 ½ Pfund rehydriert hatte, erwischte keinen guten Start in den Kampf und war zu Beginn etwas mit Martinez Agilität und guter Beinarbeit überfordert. Der sonst so aktive verteidigende Weltmeister fand kaum Gelegenheit seine Schläge abzufeuern, da Sergio Martinez ihm selten die Gelegenheit gab sich in Schlagposition zu bringen. Der Argentinier hingegen benutzte seine schnelleren Beine und Hände um immer wieder zuerst zu agieren und sich somit die Runde zu sichern. Zudem öffnete er mit einem Jab in der Anfangsrunde einen Cut am linken Auge Pavliks.
Der Amerikaner schien boxerisch klar unterlegen zu sein, und Sergio Martinez erhöhte das Tempo in Runde Zwei noch einmal und beherrschte Pavlik souverän mit seiner überlegenen Athletik und mit cleverem Boxen. Zwar fand Pavlik in der dritten und vierten Runde zunehmend besser in den Kamf, jedoch schienen auch diese Runden noch an den Herausforderer zu gehen, ehe Kelly Pavlik ab der fünften Runde plötzlich seinen Rhythmus fand. Dabei zeigte sich sein guter Jab als besonders effektiv und immer öfter erwischte er Martinez, der oft keine gute Balance hatte, wenn er in Schlagdistanz ging, auf dem falschen Fuß.
Auf einmal sah es so aus, als würden dem zuvor so überzeugenden Martinez die Ideen ausgehen, und als würden Pavliks Druck und körperliche Überlegenheit nun den Kampf drehen. Der Mann aus Youngstown gewann die fünfte und sechste Runde, und schickte seinen Gegner in Runde Sieben sogar zu Boden. Pavlik landete in der Nahdistanz eine Art rechten Aufwärtshaken an Martinez Kopf, doch bei genauem Hingucken war zu erkennen, was der wahre Grund war, warum Martinez, der daraufhin protestierte, zu Boden gegangen war. Das rechte Bein des als Rechtausleger boxenden Argentiniers verhakte sich mit dem linken des orthodoxen Pavlik, so dass Martinez, als er einen Schritt zurück machte, stolperte und niederfiel. Der Ringrichter erkannte jedoch auf einen Knockdown, so dass es zu einer 10-8 Runde wurde, und der Kampf nach Punkten nun wieder vollkommen ausgeglichen schien.
In der achten Runde fand Sergio Martinez wieder etwas besser zurück in den Kampf, doch auch Kelly Pavlik hatte weiterhin seine Momente, so dass es schwer war einen Sieger der Runde auszumachen. Die letzten vier Runden sollten über Sieg und Niederlage entscheiden, und Sergio Martinez drehte noch einmal so richtig auf.
Angespornt dadurch, dass er früh in der neunten Runde mit einer linken Gerade einen Cut über dem rechten Auge von Kelly Pavlik öffnete, ließ Martinez seine Fäuste fliegen und dominierte seinen Gegner in der klarsten Runde des ganzen Kampfes. Pavlik, dessen Gesicht von Blut überströmt wurde, sah sich einer großen Variation an Schlägen aus allen möglichen Winkeln ausgesetzt, und wusste keine Antwort. Die Runde war so klar, dass man sie beinahe mit 10-8 hätte werten können, obwohl kein Niederschlag stattfand.
Der Cut, der Pavlik offensichtlich Schwierigkeiten bereitete, konnte von Pavliks Cutman in der Rundenpause nicht geschlossen werden und weiterhin blutüberströmt war der Amerikaner in der zehnten Runde erneut scheinbar hilflos den starken Attacken seines Herausforderers ausgesetzt. Martinez gewann nicht nur die Runde, sondern ließ auch in den letzten beiden Runden nicht mehr nach und beendete den Kampf als deutlich frischerer Boxer.
Zweifel, ob Martinez, der in seinen letzten beiden Kämpfen einmal klar betrogen worden war, und einmal sehr unglücklich nach Punkten verloren hatte, dieses Mal eine faire Punktentscheidung bekommen würde, wurden schnell beseitigt, als die offiziellen Punktkarten vorgelesen wurden, und es klar wurde, dass alle drei Punktrichter den Kampf korrekt gesehen hatten. Mit 115-112, 115-111 und 116-112 wurde Sergio Martinez verdient zum neuen Mittelgewichtsweltmeister der WBC, WBO und des Ring Magazines erklärt.
Da es eine Rückkampfklausel gibt, könnte es demnächst erneut zum Duell zwischen Martinez und Pavlik kommen, sollte Pavlik diese ziehen. Doch da es Kelly Pavlik zuletzt zunehmend schwerer fiel das Gewicht fürs Mittelgewicht zu bringen, wäre für ihn auch ein Aufstieg ins Supermittelgewicht eine Option, wo Lucian Bute oder später der Gewinner des Super Six-Turniers warten könnten. In dem Fall würde für Sergio Martinez wohl ein weiteres Rematch anstehen, entweder gegen den Sieger des Kampfes zwischen Paul Williams und Kermit Cintron, gegen die er beide zuletzt boxte, oder gegen Antonio Margarito, der Martinez früh in seiner Karriere die erste Profiniederlage beibrachte. Als Interimsweltmeister der WBC besitzt außerdem Sebastian Zbik noch das Herausforderungsrecht, doch der Kampf scheint eher unwahrscheinlich zu sein, da Zbik in den USA vollkommen unbekannt ist.

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