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Mariusz Wach – Comeback des polnischen Wikingers

Fast 2 Jahre nach seiner Punktniederlage im WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko und kurz vor seinem 35. Geburtstag meldet sich der Pole Mariusz Wach (27(15-(1)-0) im Boxgeschehen zurück. Sein Gegner ist der ewige „Prüfstein“ und „Testboxer“ Samir Kurtagic 12(8)-6-0). Die Veranstaltung, die am Freitag dem 17. Oktober in Polen stattfindet, kommt ohne Titelkämpfe aus. Promoter Mariusz Grabowski (Tymex Boxing Promotion) und Mariusz Kolodziej (Global Boxing Promotions) lassen neben Marius Wach 5 ungeschlagene Boxer und einen Debütanten gegen machbare Gegner antreten und ihren Kampfrekord aufhübschen. Lobenswert: Auch ein Frauenkampf im Halbwelter ist dabei. Der polnische Sender „Orange Sport“ lässt den Rest der Welt an diesem Event teilhaben.

Der 2,02 m große Wach war polnischer Meister, kämpfte in Deutschland siegreich gegen Christian Hammer und schaffte es in den USA schließlich, den WBC-Baltic und den WBC-International-Titel zu holen. Richtige Top-Gegner sucht man vor dem WM-Kampf gegen Klitschko in seinem Kampfrekord vergebens. Dieser als „Kampf der Giganten“ hochgepushte Kampf verlief mehr als einseitig, um nicht zu sagen: genau so enttäuschend, wie die anderen Klitschko-Kämpfe der letzten Jahre. Es gelang Wach ein einziges mal eine gute Aktion zu zeigen, als er den Super-Weltmeister gegen Ende der 5. Runde an den Seilen stellte und mit einem Schlaghagel eindeckt. Ansonsten hatte man den Eindruck, Wach wäre total gehemmt. Entsprechend fiel auch die Statistik zu diesem Kampf aus: Klitschko schlug fast 700 mal und traf davon ca. 275 mal. Wach hingegen schlug nur 300 mal und traf dabei 60 mal.

Es sah damals so aus, als wolle Wach nur über die Runden kommen, ohne sich selbst oder dem Titelträger auch nur irgendwie weh zu tun. Es war einer der langweiligsten Klitschko-Kämpfe überhaupt. Mit seiner Körpergröße und Statur war er zumindest optisch nicht unterlegen, sondern physisch ebenbürtig. Gleiches konnte man von seinem Kampfgeist nicht unbedingt behaupten. Das Punkturteil fiel dann mit 119:109 und 2x 120:107 auch entsprechend ärmlich für Wach aus. Als er nach dem Kampf obendrein auch noch positiv auf Steroide getestet wurde, war „der Ofen ganz aus“ – niemand wollte mehr etwas von Wach wissen. Er galt als abgeschrieben. Das es für das Dopingvergehen eine Sperre von 12 Monaten und ca. 5000 € Geldstrafe gab, sei nur am Rande erwähnt.

Jetzt also, nach fast 2 Jahren Pause, der Restart der Boxkarriere des polnischen Wikingers. Sein Gegner Kurtagic ist nicht unbedingt der technisch versierteste Boxer. Doch konnte er immer wieder als Testgegner von Boxern wie Edmund Gerber, Francesco Pianeta, Carlos Takam, Alexander Dimitrenko, Denis Boytsov und zuletzt Steffen Kretschmann deren Leistungsstand abfordern. Ihn vorzeitig zu schlagen, gelang bisher keinem dieser Boxer. Ob Wach dazu fähig ist, muss man abwarten.

An einem Sieg von Mariusz Wach mag man am kommenden Freitag kaum Zweifel haben. Aber was soll danach kommen? Hat er in den zurückliegenden 2 Jahren Zeit genug gehabt, seinen Kampfgeist zu verbessern? Wo wird er nach diesem Kampf in den Ranglisten landen? Er wird es in Zukunft schwer haben, womöglich von den Top 50 in die Top 25 zu gelangen. Ohne sich zu weit aus dem Fenster zu hängen: Es müsste ein Wunder geschehen, wenn Wach noch einmal Anschluss an die Weltspitze, die Top 10 des Schwergewichts oder gar eine erneute Titelchance bekommen würde. Vielleicht weiß er das auch und spielt in Zukunft die Rolle, die Kurtagic jetzt für ihn spielt: „Prüfstein“ oder „Testboxer“ für bessere Boxer, als er selbst sein kann. Das aber auch nur, weil „Edel-Journeyman“ einfach zu blöd klingt.

Autor Johannes Passehl

Bild PA

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10 Kommentare

  1. 16. Oktober 2014 at 23:12 —

    Wach war damals einfach boxerisch total unterlegen, aber mit seiner Physis, seinem Kinn und auch so wie ich das sehe guter Schlagkraft könnte er es einigen Gegnern noch sehr schwierig machen. Für den WM-Titel wird es zwar nicht reichen, aber ein guter Test wäre es für Boxer wie Jennings, Wilder, Fury, Joshua etc. auf jeden Fall.

  2. 16. Oktober 2014 at 23:20 —

    “Das Comeback des polnischen Opfers” wäre eine bessere Schlagzeile gewesen!

  3. 17. Oktober 2014 at 01:58 —

    Lobotomie ist die einzige Lösung!

  4. 17. Oktober 2014 at 16:52 —

    Letzendlich finde ich es gut, das Wach sein Comeback gibt, aufgrund seiner Physis und seinen Nehmerqualitäten ist er immer noch ein guter Prüfstein für aufsteigende Boxer.
    Fand den Kampf gegen WK auch nicht langweilig, das er nicht richtig zum Zug kam in diesem Kampf, lag mehr an der guten Leistung von WK.
    Gegen andere Hwler, sieht er vll nicht so unterlegen aus. Außerdem konnte man auch gut erkennen, das ein größere Gegner auch WK runterdrücken kann.
    Bei einen kleineren Gegner kann das schon mal häufiger vorkommen, das ist nun mal das HW und nicht das MW!!
    Bin mal auf den nächsten Gegner gespannt, hätte Wach auch gerne gegen Charr in Moskau boxen sehen.

  5. 18. Oktober 2014 at 00:03 —

    Wer eine solch katastrophale Leistung abliefert und sich nach allen Regeln verprügeln läs.st und dabei auch noch zu gedopt war bis Oberkante Unterlippe, sollte vielleicht die Handschuhe an den Nagel hängen

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