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Mariana Juarez – Unerwartete Niederlage gegen Yulihan Luna

Mit einer fast schon blamablen Punktniederlage endete am Samstag in Cancun der WM-Kampf zwischen WBC-Bantam Weltmeisterin Mariana „Barby“ Juarez (54(18)-9(3)-4) und der bisher international völlig unbekannten Yulihan „La Cobita“ Luna (19(3)-3-1). Man ist ja bisher bei „Barby“ nie sicher vor Überraschungen gewesen. Dass allerdings meistens im positiven Sinne. Oft konnte sie noch in den letzten Runden eines Kampfes das Ruder rumreißen und verloren geglaubte Fights gegen gute Gegnerinnen gewinnen. Im krassen Gegensatz erscheint das, was sie am Samstag abgeliefert hat, als blamabel hoch neun.

Was war geschehen? Barby stand zuletzt vor 12 Monaten im Ring. Sie besiegte die Argentinierin Carolina Duer deutlich nach Punkten (98:91, 98:91 und 97:94). Bedingt durch die Covid-19-Pandemie fanden in diesem Jahr auch in Mexiko monatelang keine Veranstaltungen statt. Seit einigen Wochen ist das Boxen unter Auflagen wieder erlaubt. Juarez wollte wieder in den Ring. Ähnlich ging es WBC-Halbfliegen-Weltmeisterin Yesina Gomez, bei der der letzte Kampf bereits 2 Jahre zurücklag. Es wurden vom Matchmaker scheinbar machbare Gegnerinnen gewählt und in Zusammenarbeit zwischen 3 Veranstaltern und „Mexico Televisa“ eine Veranstaltung in Cancun auf die Beine gestellt. Weitere 6 Männerkämpfe rundeten die Veranstaltung ab. Die WM-Kämpfe der Frauen waren die Höhepunkte dieses Events. Natürlich wurden dies Gegnerinnen als „gefährlich“ angepriesen, die Juarez und Gomez alles abverlangen würden.

Nachdem Gomez ihren Kampf gegen die 21-jährige Marinez (5-0-1) gewonnen hatte, war als Höhepunkt der Kampf zwischen Juarez und Luna an der Reihe. Juarez beteuerte im Vorfeld, dass sie während der Pandemiezeit nicht aufgehört hätte, zu trainieren. Sie sei bereit, nach diesem Kampf ins Super-Bantam aufzusteigen und endlich zu dem immer wieder verschobenen Kampf gegen Jacky Nava anzutreten. Soweit die Theorie. Nebenbei: Bei einer Abstimmung sagten 98% der Beteiligten einen Sieg von Mariana Juarez voraus.

Dieser Kampf gegen eine absolute No-Name Boxerin holte Juarez auf den Boden der Tatsachen zurück. Bemerkenswert bei der Herausforderin sind ihre Körpermaße. Laut eigenen Angaben hat sie mit 1,80 m und annähernd gleicher Körperhöhe ganze 10 cm mehr “Spannweite“ als Juarez. Bei Boxrec ist sie mit nur 1,52 m Körperhöhe eingetragen. Das stimmt offensichtlich nicht. Dass sie 14 Jahre jünger ist, sei nur am Rande erwähnt.

In Runde 1 belauerten sich die beiden Kontrahentinnen, was durchaus üblich ist. Zuerst die Gegnerin abchecken und eine Strategie entwickeln ist völlig normal. Die Herausforderin war dabei die aktivere. Sie traf Juarez mehrmals mit geraden Schlägen voll im Gesicht, weil die Weltmeisterin scheinbar nicht realisierte, dass sie eine gute Boxerin vor sich hat, die in der Lage ist, Deckungsmängel blitzschnell auszunutzen. In der zweiten Runde sah es besser für Barby aus. Sie wurde aktiver und boxte halbwegs variabel. Aber ob es zum Rundengewinn reichte, bleibt ungewiss, weil auch „Die Cobra“ Luna ihre Schlagzahl erhöhte. Zu diesem Zeitpunkt sah es noch so aus, als könne das ein recht guter Frauenkampf werden. Das änderte sich dann von Runde zu Runde immer mehr. Juarez hatte von der ersten Runde an eine blutende Nase und es schien so, als würde sie langsam aber sicher an Luna verzweifeln. Spätestens ab Runde 6 hatte Juarez ihr Pulver verschossen und verlegte sich immer mehr auf fintieren und andeuten, als dass sie tatsächlich etwas für die Punktrichterzettel tat. In Runde 7 war schon „die Luft raus“. Die Weltmeisterin fand absolut kein Konzept, wie sie bei der Herausforderin punkten konnte. Wenn es überhaupt zählbare Treffer gab, dann bei Barby, nicht von Barby.

Das sollte sich auch in den letzten Runden nicht mehr ändern. Juarez verlor Runde um Runde, ohne auch nur irgend etwas an ihrer Herangehensweise zu ändern. Sie verbrachte die überwiegende Kampfdauer damit, vor Luna zu stehen, mit den Armen zu wackeln und den Oberkörper hin und her zu bewegen. Tatsächlich beherzt angreifen und Punkte sammeln – Fehlanzeige. In Runde 9 gab es eine kurze Unterbrechung weil der Ref sich scheinbar Sorgen um Juarez blutende Nase machte. Der Ringarzt sah kein Problem und ließ Juarez weiter boxen. Die letzte Runde war kaum anders anzusehen als die vorherigen. Barby versuchte zwar noch ein paar Angriffe, wurde aber von der Cobra abgekontert. Das Urteil war dann ein klarer Punktsieg für Cobra Luna, die ihr Glück kaum fassen konnte. Das genaue Urteil ist bisher noch nicht bekannt, weil der Ringsprecher es in einem englisch ansagte, dass einfach nicht normal zu deuten war. Nach 10 Runden auf 80:72 oder 79:73 zu kommen, ist schon mehr als seltsam. Mehr als zwei oder drei von den knappen Runden kann man Juarez sicher nicht geben. Das ist schon hoch gegriffen.

Unmittelbar nach dem Kampf monierte Juarez die Handschuhe von Luna. Die offensichtlich unterlegene Weltmeisterin behauptete, dass die Handschuhe der Herausforderin präpariert gewesen wären. Die Handschuhe wurden sofort kontrolliert, ohne das Unregelmäßigkeiten festgestellt werden konnten. Juarez erwies sich damit als schlechte Verliererin, die ihre Niederlage nicht recht eingestehen wollte. Es bleibt abzuwarten, ob es zu einem Rematch kommt. Geht Juarez dann wieder so schlecht vorbereitet und planlos in den Kampf, kann Luna dem gelassen entgegen sehen.

Hier der Kampf:

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