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Maria Lindberg vs Ema Kozin – Ein Punkturteil mit Fragezeichen

Es gibt sie immer wieder, diese Punkturteile bei Boxkämpfen, die einem die Falten auf die Stirn treiben. Meistens passiert so etwas allerdings bei Kleinveranstaltungen, dass dem Heimboxer vor “seinem” Publikum und seinen angereisten Fans und Freunden ein unverdienter Sieg zugesprochen oder besser gesagt: geschenkt wird.

Man kann sich an eine Veranstaltung erinnern, wo das Urteil bereits gesprochen war und dann die erste Reihe (aserbaidschanische Sponsoren des Heimboxers und der Veranstaltung) aufsprang und ein wildes Theater veranstaltete. Plötzlich hatte sich angeblich ein Fehler eingeschlichen und der eigentlich unterlegene Favorit wurde zum Sieger erklärt. Geschehen und gesehen in Deutschland. Das ist aber international kaum anders und kommt immer wieder vor. Nicht nur bei Männern, auch bei Frauenkämpfen.

Wer sich für das Frauenboxen interessiert, hat auch bei Frauen-Fights schon erleben müssen, dass bei knappen Kämpfen der Heim- und ggf. der WM-Bonus eine Rolle gespielt hat. Man erinnere sich an das WBC-Turnier-Finale im Fliegengewicht. Es ging zwischen Jessica Chavez und Esmeralda Moreno um den Turniersieg. Der Gewinnerin winkte der WBC-Diamondbelt und angeblich 100 000 Dollar Börse. Trotz eines kurzen Bodenbesuchs in Runde 7 bot Moreno einen guten Kampf und normalerweise wäre für sie ein knapper Sieg drin gewesen. Als dann das Urteil mit 99:90 und 2x 99:91 zu Gunsten von Chavez ausfiel, glaubte man im falschen Film zu sein. Auch “Barby” Mariana Juarez hat schon so manchen Sieg geschenkt bekommen. 

Aber es geht noch krasser: Am 6. Oktober kämpften die slovenische Heimboxerin Ema Kozin (18(9)-0-1) und Schwedin Maria Lindberg (18(10)-6-0) in Ljublijana gegeneinander. Es ging dabei um die Gürtel der Verbände IBA, GBU, WBF und WIBA. Es sind nicht die ganz großen Verbände, aber immerhin stand die Vergabe von 4 Titeln an. Ema Kozin ist 22 Jahre alt und wurde in den letzten 3 Jahren sorgfältig aufgebaut. Maria Lindberg ist 42 Jahre alt und stand schon mehrmals in harten WM Kämpfen gegen namhafte Gegnerinnen im Ring.

Schaut man sich diesen Kampf und das darauf folgende Punkturteil genau an, könnte man meinen, dass es so etwas gar nicht geben kann. Aber doch, so etwas gibt es. Lindberg beherrschte den Kampf von Beginn an und erzielte in jeder Runde mehr und bessere Treffer als die Heimboxerin. Die Schläge der Rechtsauslegerin Kozin kamen oft gar nicht bei Lindberg an, weil sie offenbar während des ganzen Kampfes nicht das richtige Distanzgefühl fand. Kozin traf zwar in jeder Runde auch ein paar mal, aber die Überlegenheit von Lindberg war überdeutlich, fast schon erdrückend. Der Kampf lief ansonsten recht sauber ab und Ref Ingo Barabas hatte sehr wenig zu tun. Als dann das Urteil gesprochen wurde, glaubte man Augen und Ohren nicht zu trauen. 98:94 und 2x 96:94 für Ema Kozin? 

Satire Modus an: Einfach unglaublich, wie wenig Ahnung man als Zuschauer vom Boxen hat. – Satire Modus aus.

Natürlich ist das Team Lindberg mit Khoren Gevor als Trainer nach diesem krassen Urteil noch im Ring fast „ausgetickt“. Die Enttäuschung war verständlicherweise riesengroß, was man lautstark zu verstehen gab. Aber das nützte recht wenig. Ema Kozin hat den Sieg zugesprochen bekommen und nun endlich eine erfahrene Boxerin in ihrem Kampfrekord, die sie nach Meinung der Punktrichter besiegt haben soll. Ein Protest gegen dieses Urteil wurde vom Verband WBF abgewiesen. Chris Rösen, der als WBF Delegierter vor Ort war, schmetterte auch jede Kritik an diesem Urteil in einer Antwort auf einen Facebook-Kommentar ab. Wie könnte man es auch wagen, dem Urteil von 3 Punktrichtern nicht zu vertrauen. Etwas anders sieht es Rainer Gottwald, der als Delegierter der GBU vor Ort war. Er würde ein Rematch zwischen Kozin und Lindberg an einem neutralen Ort begrüßen.

Schaut man sich den Kampf an und kennt das Urteil, ist ein Rematch normalerweise fast schon Pflicht. Weigert sich das Team um Ema Kozin zu einem Rematch anzutreten, ist das fast schon ein Eingeständnis und lässt tief blicken. Wenn sie meint, den Kampf gewonnen zu haben, sollte ihr das gewiss auch ein zweites mal gelingen. Ob das mit völlig anderen Punktrichtern noch einmal so klappt, sei mal dahin gestellt.

Hier der Kampf in voller Länge. Wer sehen will, wie eine Siegerin „über die Rolle geschoben“ wird, kann gerne mal mitpunkten und sich ein eigenes Urteil bilden.

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1 Kommentar

  1. 30. Oktober 2019 at 10:31 —

    Comedy vom Feinsten – Khoren Gevor hat auch einfach nur Sch..sse an den Hacken – irgendwie zieht er diese Quatsch-Köpfe an!

    Absolute Sauerei – und drei Gefahrensucher, die sich dreist mit diesem Fehlurteil in die Linie stellen – Sperre auf Lebenszeit für die Judges wäre hier die einzige Option!

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