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Marco Huck – Comeback Nummer 3

Marco Huck – Comeback Nummer 3

„Dem deutschen Boxen geht es schlecht. 25 Jahre nach Henry Maskes erster Weltmeisterschaft droht der Sport in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden“ schrieb der „Spiegel“ im Frühjahr 2018.

Hat sich seitdem etwas geändert? Wenn man das an der Zahl aktuellen deutschen Boxweltmeister festmachen will, dann wohl eher nicht. Ganze drei fallen mir ein: WBU-Weltmeister Christian Pawlak und die IBO-Champs Dominic Bösel und Sebastian Formella. Letzterer hatte zwar seinen letzten Kampf gegen Shawn Porter verloren, der IBO-Titel stand dabei allerdings komischerweise nicht auf dem Spiel.

Kein Wunder, dass das Boxen in den heimischen Medien ein Schattendasein führt. Das Wesen der Nachricht ist zwar die Krise, aber das Volk braucht eigentlich Brot und Spiele.

Und so erstaunt es nicht, dass Ex-Weltmeister Marco Huck es immer wieder in die Schlagzeilen schafft. Aber kann man den 35-jährigen aus sportlicher Sicht noch ernst nehmen? „Marco Huck glaubt weiter daran, der Beste sein zu können“ titelte das Hamburger Abendblatt dieser Tage und beantwortete damit diese Frage in einem Satz.

Mit Marco Huck ist es so, wie mit dem deutschen Boxen: die guten Zeiten sind Geschichte.

2015 verlor Huck seinen WBO-Gürtel im Cruisergewicht an Krzysztof Glowacki, 2017 musste der ‚Käpt`n‘ seinen IBO-Gürtel an Mairis Briedis abgeben und ein knappes halbes Jahr später zog Huck als Teilnehmer bei den World Boxing Super Series gegen WBO-Weltmeister Oleksandr Usyk ebenfalls den Kürzeren. Lag es daran, dass Marco Huck sich zu höherem berufen fühlte? Zum Schwergewichtsboxen?

Schon im Jahr 2012 hatte der damalige WBO-Cruisergewichtweltmeister Huck – gegen den Willen seines Trainers Ulli Wegner – einen Ausflug in die Königsklasse unternommen und sich gegen einen konditionsschwachen Alexander Povetkin zugegebenermaßen gut verkauft. „Vielleicht habe ich ihn unterschätzt.“ erklärte der Russe nach dem Kampf, den er knapp nach Punkten gewann.

Doch der Traum vom Schwergewicht ließ Marco Huck nicht los. 2018 erfolgte ein Aufbaukampf gegen den 41-jährigen Yakup Saglam, erst fast ein ganzes Jahr später stand Huck erneut im Ring. Der als “Stay Busy-Fight” deklarierte Kampf gegen den 40 Jahre alten US-Amerikaner Nick Guivas – bei Boxrec auf  #423 geführt – ging zwar nicht verloren, endete aber als „No Contest“. Huck hatte nach dem Trennkommando des Ringrichters nochmal zugeschlagen.

Die Huck-Version des Kampfes sieht anders aus: „Der Kampf fand in einem Spielcasino statt. Ich hatte das Gefühl, viele hatten Wetten auf einen Sieg des Amerikaners abgeschlossen. So wurde ich auch behandelt. Zunächst durfte ich nicht in meine Kabine und der Ringrichter war komplett gegen mich. Ich gab dem Ami im Ring gleich richtig was hinter die Löffel, landete reguläre Treffer. Der Ringrichter stoppte den Kampf, wertete ihn nicht. Angeblich seien es keine korrekten Treffer gewesen.“ erklärte Huck noch im Juli 2020 der „Bild“.

Am Samstag will Marco Huck es noch einmal wissen. Nach 15 Monaten Ringabstinenz. „Die schlagkräftige Legende der Cruisergewicht-Division ist (…) aus familiären Gründen inaktiv geblieben“ schrieb Boxingscene im Juni 2020, ohne weiter auf das Thema einzugehen.

Von manchen Boxern sagt man, sie würden gegen Taxifahrer boxen. Hucks Gegner Dennis Lewandowski arbeitet als Paketzusteller. Lewandowski hat – wie Boxen.de bereits berichtete – ebenfalls über ein Jahr nicht im Ring gestanden und hatte seine Handschuhe eigentlich schon an den Nagel gehängt. Bis im Juli das Telefon klingelte.

Ob er sich vorstellen könne, gegen Marco Huck anzutreten. Lewandowski konnte. Vier Sparringspartner soll der 1,90 m große ‚Ostseehammer‘ seitdem verschlissen haben. Ob das gegen am Samstag im Eisstadion von Braunlage gegen seinen ehemaligen Sparringspartner Huck reicht, bleibt abzuwarten.

 „Der Kampf dürfte nicht lang dauern“, hat Ulli Wegner in einem Interview prognostiziert. Und ihm gegenüber muss Marco Huck ja noch ein Versprechen erfüllen: „Ich habe dem Trainer diese Woche im Training versprochen, dass ich sein erster Schwergewichts-Weltmeister werde.“ verriet Huck 2014 im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Dass der Kampf gegen Dennis Lewandowski – bei Boxrec auf #232 weltweit gerankt – eine gute Vorbereitung dafür ist, darf bezweifelt werden.

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20 Kommentare

  1. 27. August 2020 at 10:33 —

    Man muss auch nicht immer alles schlecht reden
    huck ist der letzte der ein bisschen glamour faktor hat. merkt man schon daran, dass sein kampf mehr ausmerksamkeit bringt als der wirklich gute kampf baraou – culcay einen tag zuvor.
    das deutsch boxen braucht die aufmerksamkeit.
    huck wir lewandowski schlagen und dann noch 1-2 besser fights machen danach wir auch er am ende sein. naja mehr als von sturm, abraham und brähmer noch kommt!

  2. 27. August 2020 at 11:58 —

    Man sollte es also schöner reden, als es ist? Ich spreche hier von sportlichen Erfolgen … nicht vom Entertainment-Faktor.

  3. 27. August 2020 at 12:31 —

    Huck war nie wirklich gut, auch als Cruiser-WM nicht, er hatte damals davon profentiert das er bei Sauerland unter Vertrag war und Siege zugeschanzt bekommen die ja schon fast kriminell waren!
    Interessanterweise hat er seinen besten Kampf im Cruiser, den gegen Briedis, verloren!

    Als Schwergewicht ist Huck ein Nichts, quatscht davon das er wieder zu den besten im Schwergewicht gehören will….nur da war er noch nie und wird auch nie dort ankommen!
    Im Schwergewicht kämpft er selten und wenn, dann gegen Leute der untersten Reihen!

    @ Schreiberling

    Ich finde nicht das das Deutsche Berufsboxen am Ende ist, eher mal wieder in einen tiefen Tal mit nur sehr wenigen Highlights zu denen Huck sicherlich nicht gehört!

  4. 27. August 2020 at 12:38 —

    @ Marv
    “Am Ende” hatte ich nicht geschrieben.

  5. 27. August 2020 at 14:30 —

    Würde Brain-off hier grundsätzlich nicht Unrecht geben – Huck ist zwar ein miserabler Boxer, aber ein unterhaltsamer Fighter. Seine Kämpfe im CW, ob es die gekauften „Siege“ gegen Lebedev, Afo 1, Firat 1 oder seine krachenden Niederlagen wie gegen Cunningham oder Usyk waren, hatten immer einen recht hohen Unterhaltungswert und waren zumindest spannend. Und ich gebe „Marvin Hagler“ recht, in seinen Niederlagen hat er zuweilen durchaus Klasse gezeigt, gegen Briedis und ich fand noch mehr 2012 gegen Pove, wo er aufopferungsvoll gefightet hat und Pove am Rand einer Niederlage hatte – auch wenn der Russe am Ende knapp, aber verdient gewonnen hat.

    Man muss wirklich nicht alles und jeden schlecht reden, auch wenn Lewandowski natürlich kein Maßstab im HW ist, nach anderthalb Jahren Ringabstinenz kann man das schon „mal machen“. Ob es ihn – im Rahmen seiner ohnehin schon beschränkten Möglichkeiten – boxerisch weiterbringt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

    Gute Gegner für eine Standortbestimmung in Deutschland wären Charr, Hammer, Kabayel, international vielleicht Kowackni, Helenius oder Hughie Fury – oder, wenn er Mut hätte, Charles Martin. Durch einem Sieg über derartige Gegner könnte er tatsächlich nochmal in den Ranglisten nach oben kommen. Will er das ernsthaft? Kann ich mir irgendwie im Augenblick nicht vorstellen.

    • 27. August 2020 at 15:11 —

      einen kampf gegen charr kann ich mir schon vorstellen. das lässt sich gut verkaufen und es gibt dabei auch was zu gewinnen. beim rest ist das risiko viel zu groß und bei einem sieg hat er auch nicht viel gewonnen!

    • 29. August 2020 at 10:35 —

      Hammer, Kabayel, Helenius etc. gegen keinen der Genannten wäre Huck wirklich Favorit. Ich würde sogar sagen, er wäre der Underdog gegen die Mehrzahl der genannten Kämpfer. Gegen einige von denen würde er unter Umständen sogar KO gehen.

  6. 27. August 2020 at 14:48 —

    Ich möchte jetzt nicht schreiben, das Huck komplett scheiße ist.
    Er hat schon vieles erreicht und hat sich damals gut gegen Povetkin verkauft.
    Als Er Ulli verlassen hat , ging alles los.
    Er hat richtig scheisse geboxt und man hat deutlich gemerkt , wie wichtig es ist , einen guten Trainer zu haben.

    Er wäre noch 2 weitere Jahre Weltmeister geblieben.

    Aber was soll er bitte schön erreichen? Ich glaube das ist ihm auch bewusst. Einen UYsk , Joshua, Tyson, Wilder wird er niemals besiegen.

    Selbst gegner wie Dereck Chisora, Dillian W würden ihn im ring fertig machen.

    Ich gaube, er versucht aus seinem namen soviel wie möglich rauszuholen, um noch mal viel Geld zu verdienen.

    Huck war nie ein Guter Techniker. Aber Durch Ulli hat er so einiges gelernt und zwar zu Boxen….

    Marco Huck wird niemals Schwergewichts Weltmeister.

    Seine Zeit ist bereits abgelaufen.

  7. 27. August 2020 at 15:07 —

    Im Grunde genommen muss man doch froh darüber sein, das huck noch boxt.

    Sonst gäbe es doch nicht viel zu berichten?

  8. 27. August 2020 at 15:32 —

    @ c.boxing

    Mh … da wäre noch Alexander Kage

    • 27. August 2020 at 16:22 —

      Der war gut. ^^

      Ne ernsthaft. Ich kenne safe 5 Talente denen ich viel zutraue.

      Ansätze sind auch irgendwie da, Kooperationen mit TV-Sendern, Shows wie “The next Rocky”, viele konkurrierende/kooperierende Veranstalter, usw.
      Dann ist es halt nicht immer die große Bühne.

  9. 27. August 2020 at 15:44 —

    Na jetzt geht es aber los. Habt ihr alle Mario Daser vergessen?
    Immer alles nur schlecht reden geht nicht. Hier werden keine Potentiale abgerufen.
    Bei Daser fliegen alle unter dem Radar….der bekommt keine Gegner mehr. Purer Schiß

    • 27. August 2020 at 18:50 —

      Daser! Natürlich! Wie konnte ich die Faust Gottes vergessen?

    • 28. August 2020 at 08:22 —

      was ist eig. mit dem? seit seinem sieg gegen afolabi hab ich nix mehr gehört. er hat nochmal im HW gekämpft aber ist still geworden um ihn.

  10. 27. August 2020 at 18:25 —

    Huck ist ein unterhaltsamer Boxer und seine kämpfe habe ich mir immer gerne angeschaut, er sollte bei seinem dummen und aggressivem Boxstill bleiben, denn wen er zu boxen versucht dann wird er jeden Kampf verlieren, weil er einfach keine gute Technik besitzt. Freue mich weitere kämpfe von ihm zu sehen, aber ich mag ihn auch nicht charakterlich und menschlich.

  11. 28. August 2020 at 14:55 —

    @ Brennov.
    Daser zuletzt U-Haft wegen Verdacht auf Betrug. Aber nicht wegen Afolabi “Kampf” sondern geschäftlich 😉

  12. 28. August 2020 at 15:00 —

    Warum kann man eigentlich nicht Winzig-Vinni kommentieren?
    Zu viel Storm?

  13. 28. August 2020 at 15:02 —

    Naja trotzdem ist Huck zusammen mit Kabayel und Charr der einzig noch ernstzunehmende HW in deutschland. hammer, teper, dimitreko und wallisch sind bestenfalls edal journeymänner und schwarz wird auch bald von der bildfläche verschwinden.

    Und huck ist immer noch ein großer namen und die #1 im deutschen hw.

    Wie gesagt ein kampf gegen charr wäre echt mega geil!

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