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Mairis Briedis vs Mike Perez – „Folter für die Augen“

Der Kampf zwischen WBC-Champ Mairis Briedis und Mike Perez um den Einzug in das Halbfinale des WBSS-Cruiser-Turniers blieb meilenweit hinter den Erwartungen zurück. Briedis verteidigte vor heimischem Publikum in Riga durch ein Punkturteil von 116:110, 114:112 und 115:111 seinen Gürtel und zieht in die nächste Runde des Turniers ein.

Das auffallendste an dem Ganzen war die Kampfführung des Lokalmatadoren. Unter ständigen Anfeuerungsrufen des Publikums war der Titelverteidiger hauptsächlich darauf aus, den Kampf nicht etwa flüssig, sondern so safe wie möglich zu halten. Beinahe jeden seiner Angriffe beendete er damit, Perez zu klammern und so jede Gegenreaktion von vorn herein abzuwürgen. Perez wirkte dabei selbst bis auf viel zu wenige Ausnahmen eher apatisch, als dass er sich durch eigene aufgeweckte Aktionen gegen Briedis Geklammer zur Wehr setzte.

In den ersten Runden sah das noch halbwegs normal aus, aber das gleiche Spiel dauerte 12 Runden lang an. Im 3. Durchgang kassierte Perez einen Punktabzug wegen eines Kopfstoßes, der bei Briedis eine Platzwunde am Auge verursachte. Ob das wirklich Absicht war und ob es dafür einen Punktabzug geben musste, wird das Geheimnis des italienischen Ringrichters bleiben. Man hatte überhaupt während des ganzen Kampfes den Eindruck, Massimo Barrovecchio würde in Diensten es Heimboxers stehen. Beispielsweise drückte Briedis in Runde 8 Perez runter und prompt kassiert Perez dafür die Ermahnung, er solle den Kopf oben lassen. Das war schon irgendwie abartig, aber nur eine von vielen Szenen, wo Briedis vom Ref klar bevorteilt wurde. Briedis bekam dann doch noch in Runde 10 einen Punkt wegen seiner Klammerei abgezogen. Diese Entscheidung wäre schon Runden zuvor fällig gewesen.

Man muss Perez vorwerfen, dass er auf diese Kampfverhinderungspraktiken von Briedes keine Antworten fand. War es fehlender Elan, schlechte Motivation oder fehlt Perez einfach der „Biss“ diesen Kampf wirklich gewinnen zu wollen? Man fühlte sich schon teilweise an den behäbigen Solis erinnert. Selbst der alte Juan Carlos Gomez hätte sich vielleicht weniger von Briedis gefallen lassen. Bis auf einige vereinzelte gute Aktionen, blieb es nur bei kurzatmigen Versuchen, das „Ruder“ zu seinen Gunsten herum zu reißen. In diesem Kampf wurde deutlich, dass Perez einfach viel zu wenig Kampfpraxis hat und für dieses Turnier der angeblich weltbesten Boxer eine Fehlbesetzung war. Mal sehen, wie es mit ihm weiter geht. Es bleibt abzuwarten, ob er sich wieder „schlafen legt“ und auf die nächste gebratene Taube wartet oder endlich mal 2-3 Kämpfe im Jahr bestreitet. Egal ob als Cruiser oder im Schwergewicht: Er muss öfter in den Ring oder vergeudet sein Talent auf der faulen Haut.

Mairis Briedis hat es also geschafft, eine Runde weiter zu kommen. Im Halbfinale wartet der ukrainische WBO-Champ Oleksandr Usyk auf ihn. Das er bei dem mit seinem gestern gezeigten Stil durchkommt, kann er getrost vergessen. Er muss seinen Stil um 180 Grad verändern, wenn er gegen Usyk überhaupt eine Chance haben will.

Als Boxfan kann man von diesem Kampf nicht begeistert sein. Es war von beiden Boxern keine gute Leistung und auch der Ringrichter machte seinen Job nicht besser. Was man sah, war ein absolut auf Sicherheit fokussierter Briedis und ein vollkommen einfallsloser Perez. Wenn selbst ein kubanischer Boxsport-Experte bei einer Facebook-Diskussion 0 Punkte für Technik an beide Boxer verteilt und sagt, dass dieser Kampf „Folter für die Augen“ war, kann man dem wohl nur beipflichten.

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9 Kommentare

  1. 1. Oktober 2017 at 17:14 —

    “Im 3. Durchgang kassierte Perez einen Punktabzug wegen eines Kopfstoßes, der bei Briedis eine Platzwunde am Auge verursachte. Ob das wirklich Absicht war und ob es dafür einen Punktabzug geben musste, wird das Geheimnis des italienischen Ringrichters bleiben”

    Fuchs wenn es nach einen Kopfstoss ob nun mit Absicht oder nicht ein Boxer ein Cut davon trägt und der Andere nicht dann bekommt der unverletzte automatisch ein Punkt abgezogen so ist das bei der WBC

    • 1. Oktober 2017 at 19:21 —

      Das es bei der WBC bei einem Kopfstoß mit Cut automatisch einen Punkt Abzug gibt, wusste ich nicht. Danke für den Hinweis.

      • 1. Oktober 2017 at 19:43 —

        Selbst wenn dem nicht so wäre..
        Perez sprang bei gefühlt jedem 2. Angriff Kopf-voraus in den Gegner.. Wenn er diesen dann trifft und verletzt, sei es gezielt oder nicht, muss er verwarnt werden, da er mit diesen Aktionen eine solche Verletzung in Kauf nimmt..

  2. 1. Oktober 2017 at 17:59 —

    guter bericht, sehe es genau son.
    usyk hat den vorteil, dass er beweglich ist, rein raus geht und auch mit serien arbeitet und trifft.
    usyk wurde zum beispiel im kampf gegen mchunu z.t. klar getroffen. wenn briedis auch so trifft, dann werden wir sehen, ob usyk auch was einstecken kann.

  3. 1. Oktober 2017 at 18:01 —

    Auf meinem Punktzettel hatte ich 117:109 für Briedis. Der Kampf an sich war nicht nett anzusehen. Briedis hat teilweise sehr unsauber geboxt, ich konnte echt die dadurch aufkommende Frust von Perez verstehen, weil der Ringrichter echt seinen Job nicht gut gemacht hat. Mit der Leistung wird Briedis gegen Usyk sowas von untergehen.

  4. 2. Oktober 2017 at 01:21 —

    Am Ende wird noch Dorticos der Gewinner

  5. 2. Oktober 2017 at 07:01 —

    Usyk wird gegen Briedis gewinnen, würde mich wundern wenn der Kampf ein anderes ende nimmt.

  6. 2. Oktober 2017 at 12:04 —

    Gerade gelesen ,wie erwartet wird wohl wilder nicht gegen ortiz Boxen !als Ersatz wird Whyte oder Stiverne in Betracht gezogen !

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