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Mairis Briedis siegt im WBSS-Finale

Der Lette Mairis Briedis hat im Finale des WBSS-Turniers einen Punktsieg über den Kubaner Yuniel Dorticos erkämpft. Damit ging nicht nur die Muhammad Ali Trophy an ihn, sondern auch der IBF-Titel wechselte den Besitzer. Den Gürtel des „The Ring“ Magazine darf Briedis, der Polizist aus Riga, nun auch in seiner heimischen Trophäensammlung unterbringen.

Dieser letzte Kampf in der zweiten Staffel des WBSS-Turniers fand in einem Münchener TV-Studio statt. Trotz Corona-Bedingungen und fehlenden Zuschauern gab es zumindest optisch an der Ringatmosphäre nichts auszusetzen. Der gut ausgeleuchtete Ring und das nähere „Drumherum“ waren optimal gestaltet. Einzig die fehlenden Nummerngirls und die nicht vorhandene Zuschauer-Geräuschkulisse ließen darauf schließen, dass es sich um einen sog. „Geisterkampf“ handelte.

Zu Beginn des Kampfes sah man die beiden Kontrahenten auf Augenhöhe kämpfen. Dorticos bestimmte weitgehend die Ringmitte und das Kampfgeschehen. Man konnte die ersten beiden Runden guten Gewissens an den Kubaner geben. Ab dem dritten Durchgang änderte sich das. Offenbar hatte der Lette jetzt die richtige Betriebstemperatur erreicht und realisiert, dass er mehr arbeiten muss, wenn ihm der Kampf nicht schon frühzeitig entgleiten soll.

Briedis gelang es von Runde zu Runde besser, die „Herrschaft“ in diesem Kampf an sich zu reißen. Die meisten Runden waren knapp, aber gingen an Mairis Briedis. Auch wenn Yuniel Dorticos zeitweilig immer wieder aufkam und gute Szenen zeigte, war es zum Rundenende hin immer wieder der Lette, der sich die Punkte schnappen konnte.

Ab Runde 9 war klar, dass Dorticos nur noch durch KO gewinnen konnte. Es sah aber nicht so aus, als ob ihm das noch gelingen würde. Die Überlegenheit der ersten beiden Runden kehrte einfach nicht zu ihm zurück. Es ist müßig darüber nachzudenken, ob Dorticos zu schwach oder Briedis zu stark war. Es verging Runde um Runde immer nach dem gleichen Schema: Briedis hatte einfach immer ein paar Hände mehr drin und holte sich die Punkte, die er für einen überlegenen Punktsieg brauchte. Irgendwelche spektakulären Aktionen gab es von beiden Seiten nicht. Keiner machte auch nur annähernd den Versuch, einen vorzeitigen Sieg erzwingen zu wollen.

Während der Urteilsverkündung glaubte Dorticos offenbar noch an seinen Sieg. Zumindest zwei Punktrichter lagen mit ihrer Einschätzung von 117:111 für Briedis gleichauf, während einer mit seiner 114:114 – Wertung ein Unentschieden gesehen haben will. Wie er darauf gekommen ist, kann man einfach nicht nachvollziehen. Mehr als die beiden Runden am Anfang und vielleicht noch eine von den zugegeben recht knappen 10 Runden danach hatte der Kubaner einfach nicht verdient.

Damit ist auch die zweite Staffel des WBSS-Turniers Geschichte. Ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen es eine dritte Auflage geben kann, ist noch Zukunftsmusik, die im völligen Nebel ertönt.

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5 Kommentare

  1. 27. September 2020 at 11:41 —

    richtig geil wäre jetzt ein turnier in HW. die viertelfinals wären schon fix mit joshua – pulev, usyk – chisora, fury – wilder und whyte – povetkin.
    dann im Hf jeweils die wm gegen ihre PH und das finale dann gleich mit hin und rückkampf und trilogie falls die ersten beiden unterschiedliche sieger hätten. das wäre so mega!

    • 27. September 2020 at 13:19 —

      Ich hoffe auch das es so kommt und dazu bräuchte man auch kein Tuniermodus wenn sich die Promoter einigen aber kennt das ja

    • 27. September 2020 at 14:51 —

      Dann kann das aber kaum unter den alleinigen WBSS Bedingungen stattfinden. Die Börsen, um die es im HW geht, bringt ein Kalle Sauerland mit seinem Ali-Turnier nicht auf. Die Ali Trophy kann dabei nur eine Nebenrolle spielen, so wie der Gürtel vom The Ring Magazine.

  2. 27. September 2020 at 16:45 —

    Der Kampf versprach im Vorfeld dann doch ein wenig mehr, als im Seilgeviert tatsächlich geboten wurde. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, denn der Kampf war sehr taktisch geprägt und äußerst interessant zu beobachten. Allerdings fehlten mir in Anbetracht des immens hohen Preisgeldes und dem prestigeträchtigen Titeln deutlich die Emotionen und der deutlich nach außen getragene Ausdruck beider Kämpfer, beides unbedingt mit nachhause nehmen zu wollen. Dennoch bot Briedis in meinen Augen eine grundsolide Arbeit, sowohl was die Deckung anbelangte als auch seine ständige Beweglichkeit auf den Beinen sowie die kontrollierte Arbeit mit seinen Händen. Es hätte gerne wenigstens ein bisschen mehr sein können, denn der Punktevorsprung war dadurch fast durchgängig ziemlich knapp erarbeitet. Die Leistung von Dorticos wurde bereits kommentiert und dem stimme ich zu; zu eindimensional und ein fehlendes Distanzgefühl…was passiert, wenn der rechte Hammer mal nicht wie gewohnt ins Ziel gebracht werden kann, hatte ja bereits der letzte Fight von Wilder gezeigt! Dennoch war es insgesamt ein boxerischer Leckerbissen und ich freue mich, genau wie sicherlich auch die meisten hier, wenn es in dieser Qualitätsklasse weiter geht, insbesondere auch, wenn endlich eine gesunde Bewegung ins Schwergewicht kommt.

    • 27. September 2020 at 18:45 —

      …natürlich hofft man bei einem Duell zweier so gefährlicher Puncher auch insgeheim auf eine Entscheidung durch KO…

      Ich denke, das überschaubare Ausmaß an Emotionen war auch etwas der Tatsache geschuldet, dass die neue Auflage etwas wie die “abgespeckte” Version der ersten Auflage wirkte, nachdem beide Finalisten aus dem ersten Turnier nicht mehr dabei waren und das Finale diesmal von den beiden “Halbfinal-Verlierern” (soll nicht abwertend gemeint sein) des ersten Turniers bestritten wurde…

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