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Mahmoud Charr verklagt Don King

Mahmoud Charr verklagt Don King

Zwar hatte Mahmoud Charr bei einer Pressekonferenz vor seinem bisher letzten Fight gegen Christopher Lovejoy erklärt, er habe nur ein Ziel vor Augen: „den ganz großen Kampf gegen Anthony oder Tyson Fury!”, aber nun steht erst mal ein anderer Kampf an.

Nachdem der US-amerikanische Promoter Don King zwei Mal eine Begegnung zwischen seinem Schützling Trevor Bryan und dem regulären WBA-Champion Mahmoud Charr aus Köln platzen ließ und der zuletzt von der WBA in den Status „champion in recess“ gesetzt wurde, hat Charr jetzt Don King und fünf weitere nicht bekannte Parteien auf Schadenersatz verklagt.

Über seinen Berater und seine Anwälte ließ der Wahlkölner am 3. August eine Klageschrift beim zuständigen US-Bezirksgericht in Florida einreichen. Charr wirft „King & Co“ das “jahrelange Verhindern von Kämpfen durch Nichteinhaltung von Absprachen und Verträgen” vor und fordert unter anderem von Don King, Don King Productions (DKP) und Epic Sports 4.575.000 US-Dollar (rund 3,9 Millionen Euro) plus Zinsen, Erstattung der Anwaltskosten und „was das Gericht darüber hinaus für angemessen hält“.

„Mit dieser Summe soll der wirtschaftliche Schaden kompensiert werden, der Charr durch das jahrelange falsche Spiel von Don King, sowie dessen Firma und Partnern, entstanden ist”, heißt es in einer Pressemitteilung.

Zum Vergleich: für seinen Januar-Kampf gegen Trevor Bryan hätte Charr 1.500.000 US-Dollar bekommen. Doch Don King verhinderte mit juristischen Winkelzügen, dass Mahmoud Charr in die USA reisen konnte und erreichte durch seine guten Kontakte zur WBA, dass Charrs regulärer Titel neu ausgeboxt wurde – zwischen zwei Don King-Boxern.

Auch als Charr dann ankündigte, im vergangenen Mai in Deutschland gegen Christopher Lovejoy zu kämpfen, behauptete King, er habe einen Exklusiv-Vertrag mit dem US-Boxer und es sei Lovejoy nicht gestattet, ohne die Zustimmung von King an Kämpfen teilzunehmen. Der Fight am 15. Mai fand trotzdem statt, Charr besiegte den in „Pummelfee-Optik“ und ohne Team angereisten Lovejoy in seinem ersten Kampf seit November 2017 durch KO 2.

Nun darf man gespannt sein, wie sich der Prozess „Charr vs King“ gestaltet. Don King wird am 20. August 90 Jahre alt und hat in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt, dass er buchstäblich über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen. 1954 stand King  wegen eines Tötungdeliktes vor Gericht, wurde aber wegen Notwehr freigesprochen. 1967 prügelte King einen Mann mit einer Pistole zu Tode, das Opfer starb nach fünf Tagen im Koma. King wurde zunächst wegen Mordes im Affekt zu lebenslanger Haft verurteilt, später milderte das Gericht auf Totschlag und reduzierte die Haftstrafe auf 15 Jahre, von denen Don King aber nur drei Jahre und elf Monate absaß, bevor er auf Bewährung freigelassen wurde. Diese sehr frühzeitige Haftentlassung soll das Ergebnis eines privaten Treffens zwischen Kings Anwalt und dem in der Sache entscheidenden Richter gewesen sein, die Staatsanwaltschaft war nicht vertreten.

Auch im Rahmen seiner Profession als Promoter geriet King des Öfteren in die Schlagzeilen. Der bei der IBF für die Ratings zuständige Doug Beavers gab zu, er hätte ab Mitte der 80er regelmäßig Bestechungsgelder von King bekommen. In seiner eidesstattlichen Erklärung sagte Beavers aus: „Weil wir von Don King Auszahlungen erhielten, haben wir seinen Kämpfern besondere Aufmerksamkeit geschenkt und sie häufig höher bewertet, als sie aufgrund ihrer Leistung bewertet worden wären.“ Unter den Boxern, die von King promotet und deren Ranglistenplätze „aufgeblasen“ wurden, befanden sich zum Beispiel die Schwergewichtler Gary Ballard und Henry Akinwande. Nachdem die Angelegenheit ans Licht kam, wurde IBF-Gründer Bob Lee zu einer Haftstrafe verurteilt, King verlor lediglich seine Lizenz in New Jersey, zu einer Anklage kam es wundersamerweise nicht.

Vermutlich gibt es noch reichlich andere dubiose Geschichten, aus denen sich Don King nahezu unbeschadet herauswinden konnte. Bleibt abzuwarten, ob das dem Hall of Fame-Promoter auch diesmal bei der Klage von Mahmoud Charr gelingt.

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11 Kommentare

  1. 12. August 2021 at 16:41 —

    Ich frage mich allerdings, wie Charr sein fettes Leben finanziert, wenn er nicht boxt.

    • 12. August 2021 at 16:52 —

      @ Fuchs

      Flaschenpfand?

    • 12. August 2021 at 16:55 —

      Kadyrow, sein Freund und Gönner

    • 13. August 2021 at 17:49 —

      Ich hab gehört, er hat die letzten Wochen so intensiv geübt, dass er jetzt den “Purzelbaum des Pommendaseins” in Reinform perfekt beherrscht und zukünftig immer in die Verhandlungen zwischen den Libanesen und Tschetschenen purzelt, sofern es wieder was zu klären gibt. Da gibs bestimmt auch mal ein paar anerkennende Almosen für.

  2. 12. August 2021 at 17:02 —

    @ ak

    Meinste, der zieht den mit durch? Was hat er davon?

    • 12. August 2021 at 19:19 —

      Ja, glaube da gibt es eine Verbindung – in was für eine Art Geschäfte C. da involviert ist, weiß ich natürlich nicht, das ist nur eine Vermutung. Aber Kadyrov ist ein Kampfsportfan und fanatischer Moslem, das passt auf jeden Fall.

  3. 12. August 2021 at 22:57 —

    Charr wurde ja damals vor den Augen Kadyrows von Briedis kalt ausgenockt….hahaha.

  4. 13. August 2021 at 08:28 —

    mal sehen, vielleicht ist king mit seinen 90 jahren auch nicht mehr mächtig genug das abzuwehren. ich meine sein halbes netzwerk dürfte mitlerweile tot sein und der rest fast komplett in rente.

  5. 13. August 2021 at 13:46 —

    Kings Kumpel Trump lebt noch

  6. 18. August 2021 at 18:51 —

    Tja, Charr ist nicht der erste Boxer der King verklagt, mit einer Ausnahme…..weil bedroht oder eingeschüchtert, haben bis auf Tim Witherspoon, aller Boxer zurück gezogen! Witherspoon wollte, wenn ich es noch recht in Erinnerung habe von King 10 Millionen, nach jahrelangen Kampf hat er dann eine Million bekommen die er inherhalb eines Jahres auf den Kopf gehauen hat!
    Also wenn Charr glaubt in wenig Zeit an viel Geld zu kommen, bin ich eher skeptisch!

    Ach ja. Trevor Berbick hat nicht das Gericht in Anspruch genommen sondern seine Fäuste sprechen lassen….Berbick hat King ordentlich auf die Fresse gehauen, es gingen wohl 2 Zähne flöten, um Schulden einzutreiben!

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