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Luis Ortiz vs Malik Scott – Der Kampf

Die Begegnung zwischen Ortiz und Scott in Monaco ging über die volle Distanz. Genau das hätte man im Vorfeld kaum erwartet. Beim Boxen hat man zwar schon viel gesehen, aber dieser Boxkampf war schon besonders merkwürdig. Im Fußball würde man von “Zeitpiel” sprechen. Wer darauf gewettet hatte, dass Scott sich gleich in der ersten Runde hinwirft und ein KO simuliert wie im März 2014 in Puerto Rico gegen Deontay Wilder, hatte auf jeden Fall mit Zitronen gehandelt.

Diesmal sah es fast so aus, als gäbe es keine inoffizielle KO-Absprache, sondern eine offizielle Übereinkunft beiderseits, das Publikum 12 Runden einschläfern zu wollen. Selbst der 3. Mann im Ring, der monegassische Ringrichter Jean Robert Laine schien involviert zu sein. Normalerweise war dieser Kampf bereits in Runde 4 vorbei, als Scott nach einem Genickschlag von Ortiz zu Boden ging. Andere Boxer wurden in solchen Situationen schon disqualifiziert oder eben flink ausgezählt. Je nach Laune des Ringrichters.

Hart an einer Disqualifizierung vorbei ging aber auch der mangelnde „Arbeitseifer“ von Malik Scott, der zwischendurch zu vergessen schien, dass er zum Boxen im Ring steht und nicht nur zum Weglaufen. Scott bekam gestern Abend von einigen Boxfans den Titel „amerikanischer Audley Harrison“ verliehen. Er versuchte wirklich Alles, um sich keiner Gefahr auszusetzen und einfach nur über die Runden zu kommen.

Es fällt daher auch schwer, die paar Hände, die er in Runde 7 einwarf, entsprechend zu würdigen. Der Kommentar: “Ein Moment im Schwergewicht kann alles verändern“ traf nur halbherzig zu. Momente gab es genug, aber keine Veränderung. Der Kampf blieb bis zum Ende eine zähe Vorstellung beider Boxer. Einer der Lichtblicke war ein schneller Bodyshot von Ortiz in Runde 9, der seinen Gegner auf die Bretter zwang. Wollte Scott es sich nur leicht machen, wäre dieser Niederschlag die beste Gelegenheit zum Ausstieg gewesen. Der Amerikaner kam wieder auf die Beine und zeigte danach und in Runde 10, dass er durchaus Willens war, diesen Kampf zu Ende zu bringen.

Man muss allerdings auch feststellen, dass Luiz Ortiz nicht die Erwartungen erfüllte, die man als Zuschauer in diesen Kampf gesetzt hatte. Es gab für den Kubaner ein Dutzend Gelegenheiten, den Fight vorzeitig für sich zu entscheiden. Ortiz schien entweder mit angezogener Handbremse zu boxen oder war einfach nicht in der Lage, Scott zu finishen. Normalerweise hätte Ortiz dieses Dilemma spätestens nach 5 bis 6 Runden beenden müssen. Wollte er womöglich zukünftigen Gegnern nicht Alles zeigen, was er drauf hat? Diese Frage kann er wohl nur selbst beantworten.

Luiz Ortiz trägt nach diesem Kampf, der mit 120:105, 120:106 und 119:106 bewertet wurde, wieder einen WBA-Gürtel: Den Inter-Continental. Mit den nächsten Kämpfen um den regulären- und den Superchamp-Titel der WBA hat er noch nichts zu tun. Sein neuer Promoter Eddie Hearn wird ihn gewiss anderweitig beschäftigt halten, bis er endlich zu (s)einem Titelshot kommt.

 

 

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23 Kommentare

  1. 13. November 2016 at 21:57 —

    Eher der Krampf!

  2. 13. November 2016 at 22:18 —

    Chicken RUN Scott!
    War nicht der beste Tag von Ortiz. Oder er machte es schlau wie GGG gegen Brook. Um sich stärkeren Gegnern stellen zu können.
    Obwohl alle guten Schwergewichtler Kampfverträge haben. Wär ja Haye.Aber dieser wird sich wohl nicht trauen..

  3. 14. November 2016 at 08:33 —

    Bekommen Boxer für solch eine “Leistung” eigentlich Geld oder kann man ihnen die Kohle verweigern wegen Arbeitsverweigerung?

  4. 14. November 2016 at 11:29 —

    Ich bin geschockt, ich dachte immer Ortiz ist der Überboxer. 😂

  5. 14. November 2016 at 18:48 —

    Ortiz ist der Hammer!

    Das er Scott nicht kurzrundig ausknocken wollte, war nicht zu übersehen, dass er ihn aber dennoch mit, für Ortiz, recht zarten Schlägen 4 mal auf die Bretter legt, damit hätte ich nicht gerechnet. Scott war ja ständig auf der Flucht. In seiner Situation das Beste, was er hätte machen können und für Ortiz, der noch nie ein Konditionswunder war, das größte Gift.

    Klitschko vs. Haye war ähnlich langweilig, allerdings war Haye präziser und hat mehr Treffer gelandet als Scott und Klitschko hat so gut wie keinen Treffer gelandet, geschweige denn, Haye in ernsthafte Bedrängnis gebracht. Und das, obwohl Klitschkos Marschroute ein schneller KO gewesen ist.

    Ein erfahrener Techniker kann mit Boxflüchtlingen nicht wirklich etwas anfangen und ein halbwegs erfahrener Boxinteressierte käme nicht dazu, einen solchen Kampf zu bewerten, weil er um diesen Umstand weiß. Vor ein paar Jahren noch wäre Scott disqualifiziert worden heute wird es immer öfter toleriert. Ein Trauerspiel.

    Ortiz ist der meist gefürchtetste Schwergewichtler und mit seiner Leistung gegen Scott hat er gezeigt, dass er auch zu schlagen ist. Er hat keine andere Chance, an einen lukrativen Kampf zu kommen, denn die WBA wirft ihm Knüppel zwischen die Beine und die Großen wollen nicht gegen ihn kämpfen.

    So sieht es gut aus für Ortiz. Nach seiner Leistung gegen Scott könnte jemand Lunte gerochen haben, aber wenn er Ortiz Künste auf den Scott-Kampf reduziert, läuft ohne Wenn und Aber in eine Falle. Es war auf jeden Fall ein kluger Schachzug von Matchroom, Ortiz zu drosseln!

    Scott sollte dagegen aufhören. So etwas will niemand sehen.

    • 14. November 2016 at 20:25 —

      Hast du die Schläge des Klitschko / Haye Kampfes mitgezählt ? Legasthenie ist eine miese Sache.
      Klitschko Treffer : 134
      Haye Treffer : 72
      Das müsste selbst der größte Klitschko-Hasser einsehen.

    • 14. November 2016 at 20:43 —

      “Ein erfahrener Techniker kann mit Boxflüchtlingen nicht wirklich etwas anfangen und ein halbwegs erfahrener Boxinteressierte käme nicht dazu, einen solchen Kampf zu bewerten, weil er um diesen Umstand weiß”…….

      “Ortiz ist der meist gefürchtetste Schwergewichtler und mit seiner Leistung gegen Scott hat er gezeigt, dass er auch zu schlagen ist. ”

      ( Aussage 1 kollidiert mit Aussage 2 , scheinbar bist du kein ” erfahrener Box-interessierter”. )

      • 14. November 2016 at 20:53 —

        „Ein erfahrener Techniker kann mit Boxflüchtlingen nicht wirklich etwas anfangen….Interessant. Wie sieht es mit einem unerfahren Techniker aus??? kann der jetzt besser mit Boxflüchtlingen umgehen???? Man merkt sofort das du ein sehr erfahrener Experte sein musst.

      • 14. November 2016 at 20:55 —

        @ digger

    • 14. November 2016 at 20:48 —

      Ortiz könnte in den Ring scheissen und würde dafür noch von dir Applaus bekommen. Wow habt ihr diesen schönen Kringel gesehen den Ortiz da gemacht hat??? Er macht einfach die größten und besten Haufen der ganzen HW Szene. Der Haufen war meisterlich und ein super Schachzug genau jetzt ein Häufchen zu legen, jetzt kommen die großen Pay Days. Ich weiß ja nicht was du da wieder alles gesehen hast und wie du die Härte der Schläge von der Couch aus beurteilen konntest, aber deine wöchentlichen fachmännischen Ergüsse, zeigen mir das du noch nie Boxhandschuhe an hattest und einen Ring von innen gesehen. Das einzige was Ortiz gezeigt hat, war eine bescheidene Leistung gegen einen noch schlechteren obwohl handverlesenen Scott. Nicht mehr und nicht wenige und den einzigen den man hätte qualifizieren könnte dein Ortiz war, weil er im Tempo einer Weinbergschnecke Scott auf den Hinterkopf schlägt. Das Ortiz gerne mal betrügt und unfair agiert zeigen solche Aktionen und auch seine Dopingbefunde.

  6. 15. November 2016 at 05:20 —

    Gegen schnelle Fighter sind schwerfällige Boxer meist im Nachteil.Scott hatte nicht die Power aus der Distanz Ortiz zu verletzen.Da kam gar nichts.Fury z.b hätte Ortiz deklassiert.Ich denke mal selbst Joshua würde gegen “Dauerläufer” Scott schlecht aussehen.Das hat mit der boxerischen Klasse nichts zu tun.Wenn der Gegner sich nicht stellen will,was will man da viel machen.Die ganze Zeit hinterher laufen?

    • 15. November 2016 at 09:00 —

      Genau das ist das Problem. Ortiz ist anscheinend nicht in der Lage, Gegner mit halbwegs guter Beinarbeit zu stellen. Nichtsdestotrotz ist er technisch, dazu noch ein Southpaw, der beste der Gewichtsklasse.

      • 15. November 2016 at 09:03 —

        Mir ist es ein Rätsel wie man ‘Weglaufen’ mit ‘Beinarbeit’ verwechseln kann. Lomachenko ist für mich ein sehr gutes Beispiel für Beinarbeit.

      • 15. November 2016 at 11:17 —

        Ortiz ist ohne Zweifel einer der technisch stärkten im HW.. Ob er DER Beste ist, darüber lässt sich allerdings streiten…

        • 15. November 2016 at 11:43 —

          Treffend.

          • 15. November 2016 at 13:34

            Sorry, meinte natürlich der technisch beste HW.

          • 15. November 2016 at 17:38

            Technisch ist Solis sicherlich auch einer der Besten Schwergewichtler, nur halt eben nur technisch.

    • 15. November 2016 at 16:34 —

      Gute Beschreibung der Situation, Carlos!
      Aufgrund seines unkonventionellen Stils, könnte Fury in der Tat für Ortiz ein Problem darstellen.

  7. 15. November 2016 at 13:10 —

    Ortiz war und ist ein Hypetrain. Okay, Top Ten im HW vielleicht, aber untere Hälfte der Top Ten, vielleicht sogar unteres Drittel. AJ, Fury (natürlich nur in der Verfassung des Klinschmann-Kampfes), Povetkin, Parker, Haye, Wilder und sogar Klinschmann selbst sind besser als der Kubaner. In der Form vom Samstag bekommt er sogar mit Pulev, Takam, Browne, Chisora, Molina, Szpilka und Martin Probleme, wenn diese es schaffen, die ersten fünf, sechs Runden zu überstehen.

    Scott war schnell unterwegs, aber sonst war nicht viel los bei ihm. Aber wenn, wie sporadisch in der siebten oder achten Runde, konnte er den alten Kubaner locker treffen und sogar ein paar mal hübsch durchschütteln. So etwas kann man sich gegen Top-HW nicht erlauben. Es gibt ja immer wieder Stimmen, die behaupten, Ortiz’ Alter wäre seinerzeit von GBP nach unten korrigiert worden, um ihn überhaupt halbwegs vermarktbar zu machen. Am Wochenende sah es auf jeden Fall mal so aus.

    Digger Stubble … hahaha … Du bist natürlich der Superexperte, aber disqualifizieren hätte man allenfalls Ortiz können wegen Hinterkopfschlagens. Es war so etwas von eindeutig in der vierten Runde, da brauchte man nicht mal eine Zeitlupe. Statt dessen wertete RR Jean Robert Laine den Schlag als Knockdown …

    Ortiz hat jetzt besiegt: einen „top-austrainierten“ Matias Vidondo, einen von der Klitschko-Niederlage frustrierten und taktisch völlig indisponierten Bryan Jennings, einen komplett shotten, unwilligen Tiger und Running Man Malik. Dafür gibt es bei boxrec #2. Soviel zum Thema „unabhängige Computerrangliste“.

  8. 16. November 2016 at 21:55 —

    ich habe ortiz für einer der besten oder sogar den besten hw gehalten.
    was ich von dem scott kampf halten soll weiß ich nicht..
    es war nicht DER ortiz..
    der typ kann definitiv mehr zeigen..

    fettundmuskeln
    aussage stimme ich 100% zu
    in der verfassung wie beim scott kampf würde er gegen SEHR viele boxer probleme bekommen.

    aber solange es nur DIESER EINE schwache kampf von ihm ist kann man drüber hinwegsehen
    bin gespannt gegen wen er auf der joshua gala boxen wird.
    hoffe ein einigermaßen guten gegner
    aber es wird wohl drauf hinauslaufen das es einfach ein kampf wird um seine statistik zu verbessern.

    mal was anderes: hat die wba nicht angeordnet das der kampf browne vs briggs in diesem jahr stattfinden muss?
    noch gibt es keine infos garnichts
    bin gespannt ob es dieses jahr überhaupt noch was wird?

    den kampf des jahres sehen wird ja am samstag mit kovalev vs ward wobei das ergebniss ward pts ja schon fast tod sicher ist.

    abgesehen davon erwarten uns wohl leider keine guten kämpfe mehr

    parker – ruiz jr
    joshua – molina
    ortiz – ?
    stiverne – povetkin
    briggs – browne fragwürdig ob es noch was wird.
    haye wird wohl auch nicht mehr kämpfen

    und schon wieder ein boxjahr um.
    wirkliche kracher haben wir nicht gesehen.

    dennoch besser als wenn klitschko seine titel behalten hätte.
    dann hätten wir 2 fallobst bis mittelklasse kämpfe gesehn das wars.

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