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Luis Nery auf dem silbernen WBC-Abstellgleis

Bilder: WBC / Archiv

Die Lage im WBC-Bantamgewicht scheint im Moment reichlich unübersichtlich zu sein. Um es mal etwas zu erklären: Der Japaner Shinsuke Yamanaka trug diesen Titel seit 2011 und verteidigte ihn 12 mal erfolgreich. Im August 2017 verlor er überraschend gegen den Mexikaner Luis Nery durch TKO 4. Danach fing der Ärger an.

Wenige Tage nach dem Kampf wurde bekannt, dass Nerys Dopingprobe auffällig war. Es wurde die Subtanz Zilpanterpol (Clenbuterol) gefunden und eine Untersuchung eingeleitet. Nery beteuerte nicht gedopt zu haben und kam mit der üblichen Ausrede des Fleischverzehrs. Der Verband glaubte ihm und beließ es dabei, ein Rematch im März 2018 zuzulassen. Diesmal missachtete Nery das Gewichtlimit scheinbar absichtlich und fiel bei der WBC wegen grober Missachtung des Regelwerks in Ungnade. Er gewann gegen Yamanaka, diesmal noch eindeutiger durch TKO 2. Genützt hat es ihm das allerdings nicht und er flog ohne seinen Gürtel zurück nach Mexiko.

Es dauerte mehrere Monate bis die Unstimmigkeiten zwischen Nery und dem Verband WBC ausgeräumt waren. Erst war der Verband sichtlich pikiert und dann die Wende: In einer blumigen WBC-Erklärung wurde wortreich verkündet, dass Luis Nery wieder in die große WBC-Familie zurück gekehrt wäre. Wie und unter welchen Bedingungen es dann genau zur Aufhebung der einstweiligen Suspendierung kam, ist ungewiss. Der Weltmeistertitel war jedenfalls futsch. Luis Nery durfte dann „gnädigerweise“ im Oktober wenigstens um den Silverbelt im Bantamgewicht kämpfen und gewann durch TKO 3. Zwei Monate später stand er noch einmal im Ring und siegte am 1. Dezember per TKO 7. Mittlerweile hat er einen lupenreinen Kampfrekord von 28 Siegen (22 KO), keine Niederlagen und kein Unentschieden. Er ist bei Boxrec weltweit die Nr. 1 im Bantamgewicht. Trotz seiner guten Ausgangslage und seinen vielen vorzeitigen Siegen ist er im WBC-Ranking erst auf #5 zu finden. Warum das so ist, weiss nur der Verband.

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Auf #1 findet man den 22-jährigen Franzosen Nordine Oubaali (14(11)-0-0, BoxRec 12). Rang 2 belegt der 25-jährige Thai Tasana Salapat (48(33)-0-0, BoxRec international auf #45). Er ist auch als Petch Sor Chitpattana / CP Freshma bekannt. Den dritten Rang belegt der 31-jährige Amerikaner Rau`shee Warren (16(4)-2-0, BoxRec international auf #8). Rang 4 gehört momentan dem 23-jährigen Japaner Takuma Inoue (12(3)-0-0, Boxrec international #5). Erst danach folgt auf #5 der 24-jährige Mexikaner Luis Nery, sein Silverbelt und seine vorheriger Titelgewinn reichen beim WBC also nur für die 2. Reihe.

Der „richtige“ WBC-Gürtel ist also seit März 2018 vakant. Jetzt bläst der Verband zum Sammeln und will endlich eine neue Titelvergabe veranstalten. Normalerweise müsste man davon ausgehen, dass #1 und #2 darum kämpfen oder das Eliminatorkämpfe darüber entscheiden, wer um den Gürtel boxen darf. Nicht so beim WBC. Das Prozedere schreibt jetzt vor, dass #2 Tasana Salapat und #4 Takuma Inoue am 30. Dezember in Tokyo um den Interim-Titel boxen. Um den richtigen WBC-Gürtel kämpfen dann am 19. Januar auf der Pacquiao-Undercard #1 Nordine Oubaali und #3 Rau`shee Warren.

Während dessen kann Luis Nery noch eine Weile von seiner Position als Silverbelt-Besitzer tatenlos zusehen, wie sein Gürtel anderweitig ausgeboxt wird. Der Thai Tasana Salapat sieht seinen Kampf gegen den Japaner Takuma Inoue schon als gewonnen an und spricht davon, danach um den richtigen WBC-Weltmeistergürtel kämpfen zu wollen. Man kann gespannt sein, wie sich das im Laufe des neuen Jahres entwickelt und ob Luis Nery noch einmal die Chance dazu bekommt, „seinen“ Gürtel zurück zu holen. Das silberne Abstellgleis ist bestimmt nicht das, was Nery auf Dauer will.

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1 Kommentar

  1. 30. Dezember 2018 at 19:59 —

    Bei beim WBC geht es auch nicht anders zu als bei der WBA, hauptsache einige verschiedene Titelchen ausboxen lassen die kein Boxfan braucht und damit Geld verdienen und mit der Handhabung, bzw. mit einer längeren Sperrung für Dopimgmissbrauch läuft es beim WBC auch ähnlich wie bei der WBA!

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