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Lopez gegen den Rest der Welt

Lopez gegen den Rest der Welt

Zumindest kann man diesen Eindruck bekommen. Als nach 12 geboxten Runden im Madison Square Garden Theatre der australische Leichtgewichtler George Kambosos jr zum neuen Weltmeister erklärt wurde, war für die Boxfans die Welt in Ordnung: ein packender Kampf mit einem verdienten Sieger.

Doch nicht alle waren mit der Wertung einverstanden, namentlich der deutlich gezeichnete Verlierer und sein Trainervater hatten die Begegnung ganz anders gesehen. Was Teofimo Lopez auch unmittelbar nach dem Kampf verkündete: „Er (Kambosos) ist ein verdammt guter Kämpfer, aber ich habe heute Abend gewonnen, das weiß jeder”, erklärte der geschlagene Boxer dem Publikum im Hulu Theatre im Madison Square Garden. Und weil das das wohl doch nicht jeder so sah, erntete Lopez Buhrufe.

Auch Teofimo Lopez sr ist der Meinung, dass der falsche zum Sieger erklärt wurde: „Jeder weiß, dass Teofimo diesen Kampf gewonnen hat. Alle wissen das. Ich hatte es 10-2, 9-3. Und alle waren verärgert, sie haben bei der Urteilsverkündung gebuht. Am Ende des Abends war die ganze Arena verärgert über das, was passiert ist, und ich gebe meinem Sohn nicht die Schuld. Die ganze Welt hat es gesehen, die ganze Welt wird noch wochenlang darüber reden.“

Zumindest mit dem darüber reden könnte Lopez sr recht haben. Allerdings nicht in der „Richtung“, die dem Vater und Sohn-Gespann vorschwebt. Was wohl auch daran liegt, dass  „vergrätzte“ Verliererattitüde nicht so gut ankommt wie Siegesfreude. Und die konnte man schon kurz nach dem Kampf bei Kambosos sr sehen:

Ob die Niederlage nun darauf zurückzuführen ist, dass Teofimo Lopez über ein Jahr lang nicht im Ring stand oder ob ‚The Takeover‘ Kambosos schlichtweg unterschätzt hat … es spielt keine Rolle. Fakt ist: Kambosos schlug Lopez, weil er in dieser Nacht der bessere Mann war.

Möglicherweise kommen auch Vater und Sohn Lopez irgendwann zu dieser Einsicht. Im Moment sind jedenfalls alle anderen schuld an der Niederlage: die Gewichtsklasse, der Medienpartner, die Punktrichter: „Wir sind seit acht Jahren in dieser Division, bei 135, und es ist Zeit, aufzusteigen. Es ist Zeit, auf 140 aufzusteigen und dann noch dieser Bullshit, wir hätten nie bei DAZN kämpfen, sondern bei Top Rank bleiben sollen, denn das sind die Leute, die uns wirklich lieben. Und man lernt aus seinen Fehlern. Also gehen wir zurück zu Top Rank und machen nächstes Jahr zwei PPV-Kämpfe.“

Rückkampf? Fehlanzeige, wie der Herr Papa erklärt hat: „Kein Rückkampf, Mann. Mein Fehler war es, meinen Sohn so lange bei 135 zu lassen, denn in diesem Spiel muss man jeden umhauen. Wenn du nicht jeden ausknockst, passiert genau das. Es war ein kompletter Raubüberfall, wir haben den Kampf von Anfang an diktiert, aggressiv, haben alle Punkte geholt. Jeder auf der Welt weiß, was passiert ist, jeder sagt, er hat 9:3, 10:2 gewonnen, die ganze Arena hat es gesehen und es war einfach ekelhaft. Ich konnte nicht glauben, was sie uns gerade angetan haben, sie haben uns beschmutzt.”

Nun bleibt abzuwarten, was passiert. Wie Daddy Lopez weiter ausgeführt hat, geht es nun eine Gewichtsklasse nach oben: „Wir werden auf 140 gehen, im Februar einen Kampf bestreiten und dann im Frühjahr gegen Josh Taylor kämpfen. Wir werden immer noch das tun, was wir gesagt haben, dass wir es tun werden. Das ändert nichts. Ich glaube nicht an gerechte Entscheidungen. Jeder ist käuflich.“

Ob es daran liegt, dass Lopez jr sich schon wieder etwas beruhigt hat? Zumindest hat der 24-jährige Exweltmeister bei Instagram andere Töne angeschlagen: „Ich danke euch allen für eure Liebe und Unterstützung am heutigen Abend! Ich weiß, dass Gott seine Pläne für mich hat. Sie können mich oben schlagen und unten treten. Aber es wird mehr als das nötig sein, um mich zu brechen. Frohe Feiertage und Gott segne euch und eure Lieben! Wir sehen uns alle im Jahr 2022 wieder im Ring.“

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5 Kommentare

  1. 29. November 2021 at 15:59 —

    Vater und Sohn Lopez sind schlechte Verlierer…..ja die Boxwelt hat gesehen wer gewonnen hat…..KombososJr. hat zurecht gesiegt!

  2. 30. November 2021 at 05:15 —

    Sr. ist so ein Clown – und es ist hauptsächlich seine Schuld, dass Teo verloren hat. Seine Strategie war komplett scheisse. Am Ende fehlten Teo einfach die Körner, weil er sich in den ersten drei Runden sinnlos verausgabt hatte. Hoffentlich gelingt ihm wieder der Sprung in die Realität und Objektivität und er entlässt seinen Dad aus dem Team oder zumindest als Cheftrainer. Denke, nach wie vor, dass er als Boxer Zukunft hat – aber nicht so. Er sollte sich ein Beispiel an Tyson Fury nehmen, der sich ebenfalls aus der (zu starken) Familienenge befreit hat, ohne mit seiner Verwandschaft zu brechen und so als Persönlichkeit abseits des Ringes und im Ring gewachsen ist. Bezweifle allerdings etwas, dass Teo über die Weitsicht des Gypsy verfügt.

    Kambosos hat alles richtig gemacht und auch Eddie Hearn lacht sich ins Fäustchen. Gegen Haney, Garcia, Rolly oder Davies, mglw. auch Loma, stehen den beiden jetzt fette Paydays ins Haus. Außer vielleicht gegen Romero sehe ich ihn zwar jeweils als Außenseiter, aber offensichtlich kann er ja mit dieser Rolle ganz gut leben. Darüber hinaus stünde theoretisch mit Maxi Hughes noch ein schlagbarer britischer Gegner zur Verfügung, der sich IBO-Champ nennen darf und gegen den der Australier in einem Stay-Busy sogar fünf Gürtel vereinigen könnte.

    • 30. November 2021 at 10:15 —

      Nach dem Sieg über Loma dachten Sr. sowie Jr., dass ihnen die Welt gehört, sie Top Rank nicht mehr benötigen und die großen Paydays einfach so reinflattern. Nach dem Triller Desaster kam nun das böse Erwachen. Nicht nur das Sr. ein ernsthaftes Alkohol-/Kokainproblem hat, er ist dabei die vielversprechende Karriere seines Sohnes zu ruinieren. Daher kann ich mich nur anschließen, Jr. sollte sich schleunigst trennen. Anderenfalls ist ein steiler Abstieg unausweichlich.

      Kambosos ist bei DiBella und nicht bei Matchroom unter Vertrag. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass DAZN nach dieser Performance ein ordentliches Paket schnüren wird. Dem Jungen gönne ich auch jeden Cent, so eine professionelle Einstellung zeichnet einen großen Kämpfer aus. Hoffentlich hebt er nicht ab.

      • 30. November 2021 at 10:40 —

        Du hast Recht, ich dachte, nach dem Kampf gegen Selby hätte er bei mr zumindest einen Copromotiondeal unterschrieben. Darüber hinaus volle Zustimmung!

        • 30. November 2021 at 11:59 —

          Nicht das ich wüsste, aber DiBella hatte bereits einige Co-Promotion Deals mit Eddie bzw. DAZN. Somit wäre es keine Überraschung.

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