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Lawrence Okolie – nach Sieg über Głowacki in aller Munde

Lawrence Okolie – nach Sieg über Głowacki in aller Munde

Auch wenn die besser informierten Boxsport-Fans schon vor seinem KO-Sieg über Krzysztof Glowacki mit dem Namen Okolie etwas anfangen konnten, so ist der 28-jährige für viele ein doch eher unbeschriebenes Blatt.

Lawrence Okolie wurde als Sohn nigerianischer Eltern am 16. Dezember 1992 in London geboren und wuchs dort im Stadtbezirk Hackney auf. In seiner Schulzeit wurde Lawrence wegen seines Übergewichts gemobbt. Als er im Alter von 15 Jahren zum Arzt ging, weil er Schmerzen in den Knien hatte, endete der Besuch mit der Diagnose „klinisch fettleibig“ und dem Hinweis, dass er sein Gewicht reduzieren müsse.

Wie es heißt, habe ihm der Mediziner daraufhin die kostenlose Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio angeboten. Okolie soll aber erst daran interessiert gewesen sein, nachdem er in der Schule in eine handgreifliche Auseinandersetzung verwickelt war. Im Alter von 17 Jahren, im Jahr 2010, begann Okolie mit dem Boxen. Vorrangig, um Gewicht zu verlieren. Eine sportliche Karriere hatte Lawrence Okolie nicht im Sinn. Der junge Londoner begann stattdessen, im Londoner Victoria Bahnhof in einem Schnellrestaurant zu arbeiten. Okolies Plan: später mal einen eigenen Burgerladen haben.

Bild: lawrenceokolie / Instagram
Bild: lawrenceokolie / Instagram

Als Okolie dann in einer Arbeitspause sah, wie Anthony Joshua bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Superschwergewicht gewann, löste das etwas in ihm aus. Wie der jetzige WBO-Weltmeister im Cruisergewicht später in einem Interview sagte: „Ich hatte schon ein bisschen geboxt, aber nicht ernsthaft. Ich habe es bis zu den Olympischen Spielen einfach nicht ernst genommen. Aber das war wirklich inspirierend. Ich begann, mehr Arbeit ins Training zu stecken!“

Okolie trat dem Repton Boxing Club im Londoner Stadtviertel Bethnal Green bei, wechselte später zum Dagenham Boxing Club. Mit den schwindenden Pfunden wuchsen Okolies Hoffnungen, als Boxer Erfolge einzufahren. Nach 15 Kämpfen hatte sich der junge Londoner bereits für die britische Olympiamannschaft empfohlen, trat in der World Series of Boxing an, wo er den mehrfachen US-Meister Cam Awesome und den Mexikaner Jared Barraza besiegen konnte.

2016 gewann Lawrence Okolie überraschend das europäische Olympiaqualifikationsturnier, nachdem er sich gegen Cristian Constantinov aus Moldawien, den Niederländer Roy Korving, Seyda Keser aus der Türkei, Abdulqədir Abdullayev aus Aserbaidschan und Paul Omba-Biongolo aus Frankreich durchsetzen konnte und sich mit erst 23 Kämpfen für die Olympischen Spiele 2016 qualifizierte. Dort blieb Okolie allerdings der große Erfolg verwehrt: nach dem Vorrundensieg gegen den Polen Igor Jakubowski, schied der damals 23-jährige im Achtelfinale gegen den Kubaner Erislandy Savon aus.

Im Januar 2017 gab Okolie seine Entscheidung bekannt, Profi zu werden, und unterschrieb bei Eddie Hearn. Am 25. März 2017 erfolgte der erste Kampf als Profi, ein knappes Jahr später holte sich Okolie den WBA-Continental-Titel im Cruisergewicht gegen Isaac Chamberlain. Weitere Titel folgten: im Sommer 2018 der Commonwealth-Titel, die britische Meisterschaft, die EBU-Europameisterschaft, der WBO-International-Cruisergewichttitel und am vergangenen Wochenende dann der WBO-Weltmeistertitel im Cruisergewicht. Schon im Oktober 2020 listete das „Ring Magazine“ Lawrence Okolie als den siebtbesten aktiven Cruisergewicht der Welt.

Bild: lawrenceokolie / Instagram

Mit Shane McGuigan scheint nach Brian O’Shaunnessy und Barry Robinson nun auch ein Trainer an Okolies Seite zu sein, der Lawrence zu Höchstleistungen motivieren kann, wie Okolie noch vergangene Woche erklärt hat: „Shane schikaniert mich jeden Tag im Fitnessstudio und das ist gut für mich. Ich bin ein sehr selbstbewusster Charakter, aber Shane ist ein Trainer, der Dir sagt: Du hast keinen Weltmeistertitel gewonnen, aber ich bin Trainer des Jahres!“ Was sich ja – zumindest in Bezug auf Okolie – mittlerweile geändert hat.

Manager von Okolie ist kein anderer als Schwergewichtsweltmeister Anthony Joshua, der auch als Sparringspartner seines Boxers in Erscheinung tritt. Und natürlich als Berater, wie Okolie erzählt: „Es ist von unschätzbarem Wert, wenn AJ mir Ratschläge gibt.“

In ferner Zukunft wird irgendwann vermutlich der Aufstieg Okolies ins Schwergewicht erfolgen, denn solange der 1,96 m große Boxer im Cruisergewicht kämpft, steht immer wieder Gewicht machen an: „Sobald das schwierig oder unmöglich wird, werde ich mit Sicherheit aufsteigen. Ich bin groß genug und breit genug, also geht es dann nur darum, Gewicht drauf zu packen!“

Einen Kampf gegen Anthony Joshua kann Lawrence Okolie – Kampfname ‚The Sauce‘ – allerdings jetzt schon ausschließen. Wie der frischgebackene Cruisergewichtsweltmeister erklärt hat, würde seine Mutter das niemals zulassen: „Das würde sie nie akzeptieren, sie liebt ihn. Und für mich wäre es ein Interessenkonflikt. AJ hat mein Leben und mein Boxen massiv inspiriert!“

Bild: lawrenceokolie / Instagram
Bild: lawrenceokolie / Instagram

Wenn es nach dem Willen von Coach McGuigan geht, soll sein Schützling – wie es auch Oleksandr Usyk getan hat – zuerst einmal die Titel im Cruisergewicht vereinen. Doch dafür sollte sich Okolie besser auf seine kommenden Gegner konzentrieren. Wie Lawrence nämlich nach dem Sieg gegen Krzysztof Glowacki in einem Interview gestanden hat, hatte er im Ring die Gedanken ganz woanders: „Während des gesamten Kampfes dachte ich nur an eines. Vor vier Jahren (…) sagte Eddie Hearn zu mir: ‘Wenn Du irgend wann mal einen Weltmeistertitel gewinnst, bekommst Du von mir eine goldene Rolex Sky-Dweller.’ Ich musste im Ring ständig daran denken!“

Okolies Promoter Eddie Hearn war trotzdem zufrieden: „Meine Güte, war er gut! Er war nicht nur gut, das war absolute Meisterklasse!”, befand der Matchroom Boxing-Boss trotz verlorener Rolex: „Das war eine Leistung, die gut genug war, um jedes Cruisergewicht in der Division zu schlagen, und das wollen wir jetzt tun.”

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10 Kommentare

  1. 22. März 2021 at 22:00 —

    Tolle Geschichte und Geschmack hat er auch, obwohl ich die Klassiker, Daytona und Submariner noch schöner finde. Und in Gold könnte ich sie mir sowieso nie leisten – herzlichen Glückwunsch zu einer souveränen Leistung und zur neuen Uhr! 👍😀😀😀

  2. 22. März 2021 at 22:54 —

    @ ak
    Rolex ist irgendwie gar nicht meins.

    • 22. März 2021 at 23:31 —

      Mmmh … mir sind Autos scheißegal … ich fahre einen schrottigen 2007er Passat. Aber ‘ne schöne Uhr und eine Shovelhead … muss sein 😀

      • 23. März 2021 at 14:30 —

        Du sagst es ak, Daytona ist schon was ganz feines. Jedoch würde ich diese schöne Uhr eher als Wertanlage betrachten. Am Handgelenk reicht eine Omega Moonwatch völlig aus. 😀

        • 23. März 2021 at 15:12 —

          Auch keine schlechte Wahl – eine Speedmaster aus den 60ern hab ich von meinem alten Herrn geerbt. Eine Zenith El Primero mit schwarzem Zifferblatt finde ich auch sehr stylisch, verhältnismäßig günstig und ein großartiges zeitloses Design 👍😊

          • 24. März 2021 at 08:32

            Ja, die gefällt mir ebenfalls. Die El Primero Stratos mit schwarzem Zifferblatt. 🙂

  3. 22. März 2021 at 23:33 —

    @ ak:
    Rolex Shovelhead? Die kooperieren jetzt?

    • 22. März 2021 at 23:52 —

      Meine Submariner-Date ist von 1978 und die Harley von ’82 (Late Shovel) – eine einmalige Kooperation. Alter Schrott – aber funktioniert 😂

  4. 22. März 2021 at 23:57 —

    @ ak

    Mit schwarzer Lünette, hoffe ich.

    • 23. März 2021 at 00:27 —

      Ja, bis auf mit dem Datum ist das glaube ich die billigste (aber definitiv auch die schönste), die es gibt, Stahl und schwarze Lünette.

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