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Kubrat Pulev vergreift sich an US-Reporterin und wird verklagt

Kubrat Pulev (27-1-0) muss sich derzeit einem Shitstorm in den sozialen Medien stellen, weil er nach seinem Kampf gegen Bogdan Dinu (18-2-0) einer US-amerikanischen Reporterin am Ende eines Interviews einen Kuss auf den Mund aufdrückte.

Kontoverses Urteil im Fight

Am Samstag endete der Kampf von Pulev kontrovers, nachdem der Schwergewichtler aus Bulgarien seinem Kontrahenten im Schlaghagel einen unerlaubten Schlag auf den Hinterkopf verpasste, obwohl dieser bereits am Boden war.

Glück für Pulev, dass er nicht disqualifiziert wurde. Dafür gab es in der siebten Runde einen Punktabzug für ihn, aber richtig erholen konnte sich Dinu in der kurzen Pause nicht mehr. Nachdem der angeschlagene Rumäne zum dritten Mal auf die Bretter musste, wurde der Fight abgebrochen und endete mit einem K.o.-Sieg für Kubrat Pulev.

Leider ist es unmöglich herauszufinden, ob der unerlaubte Schlag ausschlaggebend für Dinus weitere Niederschläge war, oder die vorherigen Treffer ihn bereits stark beeindruckt haben.

Fakt ist, dass es bis zum Abbruch ein enges Gefecht war. Denn bis zur sechsten Runde stand es auf den Punktzetteln der Punktrichter richtigerweise 57:57, 57:57, 58:56. Glänzen konnte die 37-jährige „Kobra“ damit beim US-Debüt nicht. Deshalb wäre es sportlich fair, wenn ein Rematch zwischen den beiden Schwergewichtlern angesetzt werden würden.

Laut einem Bericht von Steve Kim (ESPN) soll Bogdan Dinu nun Protest bei der California State Athletic Commission, wegen des unerlaubten Treffers, eingereicht haben. Der Boxer erhofft sich eine Änderung des Urteil von einem „K.o.“ zu einem „No contest“, oder gar eine Disqualifikation Pulevs.

Andy Fostervon der kalifornischen Box-Behörde bestätigte, dass der Protest Mitte Mai diskutiert wird.

Blamabler US-Abgang von Pulev

Wahrscheinlich hätte ein guter PR-Berater den blamablen Abgang von Kubrat Pulev nach dem Fight verhindert. Nun muss sich der Bulgare dem Vorwurf eines sexuellen Übergriffs stellen.

Backstage interviewte Jennifer „Jenny Sushe“ Ravalo den Boxer für Vegas Sports Daily nach dem Kampf. Auf die Frage, ob Pulev nun einen Kampf gegen den Ex-Weltmeister Tyson Fury verdient hätte, antwortet er mit Zustimmung.

Dann griff Pulev plötzlich mit beiden Händen das Gesicht der Reporterin und küsste sie auf den Mund. Überrascht bleibt „Sushe“ Ravalo professionell und bedankt sich lächelnd und höflich für das Interview.

Doch dies sei noch nicht alles gewesen: Nach ihren Angaben soll der Schwergewichtler die US-Amerikanerin daraufhin mit beiden Händen an den Po gefasst haben, als sie mit dem Rücken zu ihm stand, um ihre Sachen einzupacken.

Später schreibt „Sushe“ Ravalo auf Twitter, dass das Verhalten Pulevs „ein bisschen peinlich“ und „eigenartig“ war.

Der Boxer veröffentlichte darauf in den sozialen Medien eine andere Version der Geschichte: „Die Reporterin, Jenny, ist eine Freundin von mir und nach dem Interview war ich so begeistert, dass ich ihr einen Kuss gab. Später in dieser Nacht hat sie mit mir und meinen Freunden meinen Sieg gefeiert. Auf dem Video, nach dem Kuss, haben wir beide darüber gelacht und uns beieinander bedankt.“

Der Arbeitgeber „Vegas Sports Daily” der Reporterin stellte auf Facebook klar, dass „Jenny ein Opfer eines ungewollten, unerwarteten und unaufgefordert aufgezwungenen Kusses von Kubrat Pulev wurde, als sie ein Interview mit ihm nach seinem Kampf machte.“

Sollte der Kuss Pulev in den USA bekannter machen? Jedenfalls ist es unprofessionell und respektlos eine Reporterin vor laufender Kamera auf den Mund zu küssen.

Leider zeigt so ein Verhalten nur, dass die Journalistin bei ihrer Arbeit nicht ernst genommen wurde. Private Schmusestunden können auf einen anderen Zeitpunkt verlegt werden. Diese hätte Kubrat Pulev dann auch nicht seiner Freundin Teodora Rumenova Andreeva erklären müssen.

We have a fight: Sushe & Allred versus Pulev

Jennifer Ravalo hat sich inzwischen Unterstützung von der Anwältin Gloria Allred geholt, um juristisch gegen Kubrat Pulev vorzugehen. Die 77-jährige Allred setzt sich seit Jahren für die Gleichberechtigung von Frauen in den USA ein.

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In der heutigen Pressekonferenz beschuldigt die Reporterin den Boxer ganz klar der sexuellen Belästigung und widerspricht den Aussagen des Boxers.

Star-Anwältin Gloria Allred forderte die zuständige Box-Behörde, die California State Athletic Commission, zur Untersuchung des Vorgangs auf. Dazu möchte die Anwältin den Entzug der Box-Lizenz von Kubrat Pulev erwirken.

Am Kampfabend soll die Reporterin, nach eigenen Angaben, von einem Freund zur Aftershow-Party eingeladen worden sein und begab sich angeblich dorthin, um andere Boxer zu interviewen. Pulev sei mit seinem Team erst später dazu gestoßen und habe sie darum gebeten, die Kuss-Szene aus dem Video zu entfernen.

Auf der öffentlichen Pressekonferenz erklärte „Sushe“ Ravalo den Grund für ihre rechtlichen Schritte: „Ich wollte, dass Menschen sehen, was er mir angetan hatte. Seine Handlung war ekelhaft. Keine Frau sollte so behandelt werden. Wir waren keine Freunde, hatten keine romantische Beziehung, er hatte kein Recht, mich zu küssen!“

Box-Behörde suspendiert Pulev

Aktuell hat sich auch die kalifornische Box-Behörde eingeschaltet und Kubrat Pulev suspendiert. Die California State Athletic Commission hat entschieden, dass der Sportler erst einmal nicht mehr auf kalifornischem Boden boxen darf. Der Fall wird nun untersucht und eine Stellungnahme von Pulev verlangt. Am 14. Mai muss sich der Boxer der Kommission stellen.

Wegner äußert sich zum Kiss-Gate

Währenddessen hat Kult-Trainer Ulli Wegner gegenüber BILD erklärt, dass er der Szenerie beigewohnt habe. Dabei bestreitet er den Übergriff auf den Po der Reporterin und erläutert den Kuss wie folgt: „Ich stand direkt daneben. Es war nach dem Kampf. Kubrat gab der hübschen, sehr freundlichen jungen Frau ein Interview. Ja, und dann hat er ihr einen Kuss gegeben. Das war doch aus der Emotion heraus.“

Kubrat Pulev ergänzte in einem Telefonat mit BILD: „Ich habe keine Schuld und habe in meiner Karriere schon zehntausende Interviews gegeben. Jeder kennt mich als freundlichen und höflichen Menschen. Die Frau kam schon beim Wiegen auf mich zu und sagte: ‚Nach dem Kampf machen wir Party.‘“

Über den angeblichen Übergriff auf den Po sagte er: „Das stimmt nicht. Und übrigens: Diese Frau ist nicht mein Typ. Ich habe keine Angst, habe auch noch Videos, wenn nötig.“ Doch macht es die unnötige Kuss-Attacke besser, wenn Pulev auch noch erklärt, dass „Sushe“ Ravalo gar nicht sein Typ sei?

Das Pulev-Team veröffentlichte darauf eines der Videos, wo „Sushe“ Ravalo sich bei der Aftershow-Party auf dem Schoß eines Teamkollegen von Pulev vergnügt:

Ob die US-Amerikanerin nur abkassieren möchte, wird sich zeigen. Jedenfalls wäre es sehr ungewöhnlich, wenn eine Frau in Reichweite eines Mannes sitzt, der sie sexuell belästigt haben soll und Party mit seinem Team macht. Ihre Glaubwürdigkeit muss mit diesem Video in Frage gestellt werden.

Dennoch war der übergriffige Kuss, während des Interviews, falsch und sollte Folgen für Pulev haben, damit der Boxer sich nie wieder so in den Medien präsentiert und sein respektloses Verhalten reflektiert. Denn bisher hat Kubrat Pulev noch immer keine öffentliche Entschuldigung über seine Lippen gebracht.

Tennisprofi bedrängt Reporterin

Der Tennisspieler Maxime Hamou hat die französischen Reporterin Maly Thomas während eines Interviews bei den French Open, im Mai 2017, vor laufender Kamera belästigt.

Hamou legte der Journalistin zunächst kumpelhaft den Arm um die Schultern und küsste sie dann wiederholt auf die Wange und in den Nacken. Am Ende muss sich Maly Thomas fast aus einem Schwitzkasten befreien. Danach sagte sie: „Wenn ich nicht live vor der Kamera gewesen wäre, hätte ich ihm eine runtergehauen.”

Der französische Tennis-Verband entzog Hamou darauf die Akkreditierung für das Turnier und er wurde vom French-Open-Gelände verbannt.

Foto: Anna Mieskes-Petrenko

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3 Kommentare

  1. 28. März 2019 at 18:59 —

    Jedenfalls hat seine „gute Freundin“ erstmal Gloria Allrad als Rechtsanwältin engagiert. Die ist berüchtigt für sündhaft hohe Schmerzensgeldprozesse in den USA… wäre er mal bei Sauerland geblieben… hahaha

    • 29. März 2019 at 09:18 —

      ich war mal vor vielen Jahren mit meiner jetzigen Frau in Tunesien im Urlaub. So ein Händler auf einem Markt wollte meiner Frau eine Handtasche verkaufen. In seiner schrägen Euphorie rief er ständig laut “Handeln macht Spaß”.
      Plötzlich packte er meine Frau (wie bei Pulev oben zu sehen) und küsste sie auf die Wange.
      Ich habe gleich eine gepfastert und danach zusammengeschrien. Wir waren DER Mittelpunkt von diesem scheiß Markt.
      Manche nehmen Frauen nicht für voll.

  2. 30. März 2019 at 20:00 —

    Toller Artikel.

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