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Kubrat Pulev siegt vor heimischem Publikum

Der Bulgare Kubrat Pulev suchte einige Zeit vergebens einen Gegner für diesen Kampf. Selbst eine Boxgröße wie Luis Ortiz wollte nicht darauf anspringen, in Sofia gegen Pulev anzutreten. Letztendlich sollte es logisch sein, dass Kubrat Pulev (#2) und Hughie Fury (#3) (#1 nicht besetzt) den IBF-Eliminator als bestplatzierte Boxer im IBF-Ranking unter sich ausmachen.

Die erste Runde war ein recht lockerer Start für beide Boxer. Man konnte im ersten Moment erwartungsvoll auf einen guten Fight hoffen. Was von Beginn an auffiel, war das Pulev seine Arme in Vorhalte oben behielt. Fury dagegen verzichtete fast völig auf Deckung und verließ sich anscheinend auf seine Reaktionsfähigkeit und schnelle Beine. Fury versuchte ständig mit dem Jab zu „stören“, erzielte dabei aber kaum nennenswerte Treffer. Das Publikum sah einen locker aufboxenden Pulev, der Fury in den Rückwärtsgang drängte. Ringrichter Albert Brown aus New York musste beide ermahnen, auf ihre Köpfe aufzupassen. Fury holte sich einen Cut.

In den folgenen Runden sah man immer wieder, wie limitiert Furys Schlagrepartoire war. Er stocherte mit dem Jab Löcher in die Luft und versuchte dann mit der Rechten über die lange Außenbahn zu kommen. Das ging regelmäßig hinter dem Kopf von Pulev ins Leere. Ihm schien auch nichts besseres einzufallen. Bestenfalls kamen dann noch ein paar Alibischläge zum Körper, die beim Bulgaren ebenso wenig Wirkung erzielten. Furys Kopf landete regelmäßig unter Pulevs Achselhöhle, so wie man das noch aus früheren Klitschko-Kämpfen von seinen Gegnern kannte. Der Kampf wurde immer langweiliger.

Furys „Boxerei“ (anders kann man das nicht nennen) wurde nicht besser. Ein Jab ziellos ins Leere, gefolgt von einer Rechten, die nur selten mal wenigstens auf die Deckung von Pulev kam. Statt mal gerade zu schlagen, mühte sich Fury weiter mit seinen untauglichen Mitteln ab. Scheinbar war auch seine Ecke nicht in der Lage, ihn mal in den Pausen davon zu überzeugen, dass er den Kampf so nicht gewinnen kann. Selbst wenn er mal mit einem Aufwärtshaken kam, war der viel zu schwach geschlagen. Nach 8 Runden erwarteten wohl nur noch die britischen Kommentatoren, dass dieser Kampf für Fury noch zu gewinnen ist. Bis dahin hat man ihm bestenfalls 2 knappere Runde zuschreiben können.

Mit zunehmender Dauer wurde dann deutlich, dass der 37-jährige Pulev konditionell besser aufgestellt war, als der 24-jährige Fury. In den letzten 4 Runden hätte er nur noch die Möglichkeit gehabt, durch KO zu gewinnen. Aber danach sah es ganz und gar nicht aus. Fury war selbst von seinen vielen Luftschlägen „breit“. Diese Runden gingen komplett an Pulev, der allerdings auch nicht mehr die Power hatte, den konditionell eingebrochenen Fury zu finishen. Das Ergebnis war dann ein recht deutlicher Punktsieg für Pulev (117:111, 118:110,115:113).

Letztendlich war dieser Sieg über Hughie Fury für Kubrat Pulev ein Triumph vor heimischem Publikum. Der Sieg war deutlich und das Punkturteil entsprach dem Kampf. Es brauchte weder Heimvorteil noch sonst irgend etwas fragwürdiges bemüht zu werden. Allerdings wurde dabei auch klar, dass es Pulev an der nötigen Power fehlte, einen unterlegenen Boxer auf die Bretter oder zur Aufgabe zu zwingen. IBF-Champ Anthony Joshua kann dem IBF-Pflichtkampf locker entgegen sehen.

Auf der Undercard gab es u.a. einen Frauenkampf zu sehen. Die Britin Savannah Mashal besiegte dabei die Argentinierin Yanina Orozco über 10 Runden nach Punkten und holte sich den vakanten WBA-Interconti-Titel im Mittelgewicht. Das die beiden Boxerinnen erst 3 bzw. 4 Profikämpfe auf der Uhr hatten und trotzdem schon um diesen Titel kämpften, zeigt einmal mehr die immer noch vorhandene geringe Leistungsdichte in den oberen Gewichtklassen bei den Frauen.

Hier der Kampf. Bei 0:45 geht’s los:

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