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Krasniqi stoppt Bösel in Runde 3

Im Hauptkampf der SES-Veranstaltung am Samstag Abend in Magdeburg trafen Dominic Bösel und Robin Krasniqi aufeinander. Gekämpft wurde im Halbschwergewicht um den WBA-Interim- und den IBO-Weltmeistertitel, die Bösel bisher sein Eigentum nannte. Die beiden Gürtel wechselten den Besitzer. Dem 33-jährigen Augsburger Krasniqi gelang es in diesem SES-Stallduell bereits in Runde 3, den 30-jährigen Freyburger Bösel KO zu schlagen.

Von Beginn an lieferten sich beide Boxer das zu erwartende ausgeglichene Gefecht. Zumindest soweit man das nach einem so kurzen Kampf beurteilen kann oder will. Kam Bösel mal gut durch, gab es die passende Antwort von Krasniqi – und umgekehrt. Man liegt wohl kaum daneben, wenn man Runde 1 an Bösel und die zweite Runde an Krasniqi gibt.

Was man vielleicht ansatzweise gesehen hat, war die hohe Konzentration von Krasniqi, der unter dem Druck stand, wenigstens diese Meisterschafts-Chance endlich zu nutzen. Es ging immerhin um den WBA-Interim und den WM-Titel des -zugegeben- kleinen Verbandes IBO. Krasniqi unterlag 2013 gegen Nathan Cleverly im Kampf um den WBO-Titel, 2015 gegen Jürgen Brähmer, als es um den regulären WBA Titel ging. Im Gegensatz zu Bösel schien es so, als wäre Krasniqi schon sehr früh darauf aus, den „Sack zu zumachen“. Bösel boxte etwas sparsamer und schien auf einen längeren Kampf eingestellt gewesen zu sein.

Das frühe Ende dieses Kampfes sollte dann bereits in Runde 3 kommen. Es sah erst wieder nach einer ausgeglichenen Runde aus, doch dann ging Bösel überraschend zu Boden. Das wurde allerdings von Ringrichter Oliver Brien nicht als Niederschlag gewertet. Angeblich sollte es wohl nur (wahlweise) ein “Stolperer” oder “Ausrutscher” gewesen sein. Das dieser Bodenbesuch von Krasniqis Schlägen „begleitet wurde“ und nicht von alleine passiert ist, konnte man deutlich sehen. Es war die alleinige Entscheidung des Ringrichters, Bösel nicht anzuzählen. Wollte Brien den Titelträger vor einer 10:8 Runde bewahren oder hat er es wirklich nicht gesehen, dass da auch Schlagwirkung im Spiel war? Sogar der Kommentator sagte: “… und Dominic Bösel wackelt deutlich sichtbar…”, als der Kampf weiter ging. Man wackelt nicht und ist auch nicht benommen, wenn man nur mal eben ausgerutscht ist. Es hatte bereits heftig bei Bösel “eingeschlagen”. Ein paar Sekunden mehr Erholung hätten ihm vielleicht geholfen, über die Runde zu kommen. Das ist nun mal Fakt.

Aber egal jetzt. Bösel kam jedenfalls halbwegs schnell auf offensichtlich wackelige Beine und der Kampf wurde ohne Anzählen fortgesetzt. Krasniqi hat natürlich genau gemerkt was los ist und gesehen, dass Bösel deutlich angeklingelt ist. Er sah seine Chance und setzte vehement nach. Eine Rechte über Cross zum Kopf und ein zweiter Schlag gleicher Güte seitlich an Bösels Kinn sorgten dafür, dass der Freyburger auf die Bretter ging und kampfunfähig war. Der Jubel von Krasniqi, seinem Team, seinen Fans in der Getec-Arena und allen seinen Landsleuten, die den Kampf wo auch immer im TV angeschaut haben, war riesengroß. Boxfans berichten in Internetforen, dass vor kosovarischen Gaststätten und Imbissbuden Silvesterraketen gezündet wurden. Um so mehr wird man den Sieg Krasniqis in seinem Herkunftsland Kosovo gefeiert haben.

Die entscheidenden Szenen sind hier in der ARD-Sportschau-Mediathek zu sehen: (Klick)

Sowohl Robin Krasniqi als auch Dominic Bösel werden einige Tage brauchen, um diesen Kampf zu verarbeiten. Während Krasniqi genügend Grund zum feiern hat, wird Bösel sich mit seinem Trainer zusammen setzen und Antworten finden müssen, warum dieser Kampf so geendet hat. Womöglich liegt der Schlüssel zu dieser deutlichen Niederlage beim Ringrichter, der Bösel mit seinem „Wohlwollen“ (hüstel) einen Bärendienst erwiesen hat. Ob das allein Grund genug für ein baldiges Rematch ist, wird man sehen. Für die Fans wäre es das ganz gewiss. Letztendlich wäre es allerdings besser für das Team, wenn Krasniqi die Gürtel erst einmal auswärts gewinnbringend verteidigt. Wir werden 2021 hoffentlich wieder live in der ARD erleben, wohin die Reise geht.

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15 Kommentare

  1. 11. Oktober 2020 at 09:56 —

    Toller Ko der nicht wirklich überrascht hat, außer vielleicht das er so früh kam…dachte im Vorfeld eher das es ein Kampf gibt wie Bösel gegen Murat!

  2. 11. Oktober 2020 at 09:57 —

    Jau, krachender K.O., nice

    [url=https://www.picflash.org/picture.php?key=KSETKU&action=show][img]https://www.picflash.org/img/2020/10/11/TBderKnockoutvonKrasniqigegenBsel_KSETKU.mp4.jpg[/img][/url]

  3. 11. Oktober 2020 at 11:48 —

    Hmmm, sagt schon einiges über die Qualität von Bösel aus…

    War aber auch eine schwerwiegende Fehlentscheidung des Ringrichters, den Kampf sofort wieder freizugeben, obwohl offensichtlich war, dass dem “Ausrutscher” eins, zwei ordentliche Wirkungstreffer vorausgegangen waren…

  4. 11. Oktober 2020 at 11:50 —

    Naja, kann man Krasniqi schon mal gönnen, nachdem er sich nach vielen Enttäuschungen in wichtigen Kämpfen immer wieder aufs Neue motivieren konnte…

  5. 11. Oktober 2020 at 13:42 —

    Schöner KO. Da wurde Bösel ordentlich ausgebröselt.

  6. 11. Oktober 2020 at 13:55 —

    Krasniqi wie ein auf Ritalinentzug befindliches ADHS-Männchen und Bösel das genau Gegenteil. Ich dachte schon am Start, was ist der Bösel cool, weniger Hände, ab und an einen Konter. Naja im Nachgang scheint es eher etwas sorglos gewesen zu sein.
    Was mich aber anpisst, ist, dass Krasniqi und seine Betreuer dann Sekunden nach dem Kampf mit Albanischen Fahnen durch den Ring rennen. Ich gönne jedem Menschen seinen Nationalstolz, aber warum bleiben die denn nicht Albaner, Kroaten, Rumänen … was auch immer.
    Genau wie bei Muamer Hukić oder Adnan Ćatić, nach dem Kampf dann erst einmal auf serbisch oder bosnisch die Fans grüßen, Fahne um die Schultern … warum denn die Mühe, sich als Marco Huck hier einbürgern zu lassen.
    Meine ganze Familie ist selbst erst seit 25 Jahren hier in D und gestern bei dem unsäglichen Fussballspiel gegen die Ukraine (meine Frau ist z.B. Ukrainerin, bzw. war) käme sie nicht auf die Idee, die Ukraine zu bejubeln … sie ist sicherlich etwas ruhiger als gegen Spanien oder England, aber sie hat sich gestern bei dem Boxkampf noch mehr aufgeregt als ich über die Albanischen Fahnen Sekunden nach dem Kampf.
    Naja … anyway wie der Deutsche so sagt 😉

    • 12. Oktober 2020 at 00:14 —

      Natürlich ist es ein WM-Titel dritter oder vierter Klasse, das darf man nicht vergessen. Bei der WBA ist ganz klar Bivol die #1, danach kommt Pascal, aber es gibt auch noch Browne, Gilberto Ramirez, Buatsi, Badou Jack, die wahrscheinlich besser sind als Krasniqi. Trotzdem gönne ich so einem „hard working man“ wie ihm den Titel und den Erfolg von ganzem Herzen. Er ist ein absolutes Trainingstier und hat es verdient, hier mal ein bisschen abzukassieren.

      @ against-all-odds: Ich hasse dieses Fähnchenschwenken ebenfalls, ganz generell kann ich mit Nationalstolz nicht viel anfangen, egal ob Amis, Albaner oder wer auch immer. Man muss hier Krasniqi allerdings in Schutz nehmen. Es waren seine Brüder und seine Fans, die die Aktion mit den Fahnen gefordert haben. Er selbst hat sie nur kurz seinen Leuten hochgehalten und vor allem Schaburow war von der ganzen Sache überhaupt nicht begeistert … ich fand das noch im Rahmen und es ging nicht von Krasniqi aus, der nachher auch noch sehr faire Worte für Bösel gefunden hat.

      • 12. Oktober 2020 at 11:50 —

        naja sind ja immer hin 2 wm titel 3 klasse. IBO WM würde ich sogar höher bewerten als die WBA interims wm.

  7. 11. Oktober 2020 at 16:00 —

    Ich freue mich für Krasniqi ,weil er nie aufgegeben hat sein Ziel zu erreichen.Zwar hat der Ringrichter unfreiwillig nachgeholfen.Weil Bösel bevorzugt wurde oder werden sollte,gleicht sich die Waage aus.
    Against All Odds , Nationalstolz kommt vom Herzen, dagegen kommt ein Stück Papier nicht an.
    Die Namenänderung von einigen Boxer kam auf Druck der Manager zustande.Kein Mensch möchte plötzlich anders heißen, weil seine Identität darunter leidet.Man kann eine deutsche Staatbürgerschaft haben und trotzdem Stolz auf seine Herkunft sein.

    • 11. Oktober 2020 at 22:03 —

      sorry das ist quatsch. wenn der ringrichter hier bösel hätte bevorzugen wollen dann hätte man bösel viel zeit gegeben. es war nicht zu übersehen wie groggi er war. der ringrichter war einfach ein schwachkopf mit tomaten auf den augen.

      • 12. Oktober 2020 at 00:23 —

        Ich glaube im Ernst, dass Brien die Schlagwirkung falsch eingeschätzt hat, und Bösel ist ja auch ein bisschen ausgerutscht, nur wurde er gleichzeitig halt auch hart getroffen. Erst unglücklich, und dann kam auch noch Pech dazu …

        Der Grundfehler war doch, dass ein eigentlich technisch guter Boxer wie Bösel einen Brawler wie Krasniqi überhaupt so rankommen lässt. Einen Moment vor dem entscheidenden Schlag (nicht dem Knockout, sondern eben diesem „Slip“) sieht man klein eingeblendet Dzemski, wie er die Runde schon als gewonnen abhakt und sich schon auf die Pausenansprache einstellt. Es war taktisch dumm geplant von Team Bösel; sie haben Krasniqi nicht ernst genug genommen und sind dafür bestraft worden.

        • 12. Oktober 2020 at 11:57 —

          ja das ist alles richtig. ich sage ja ich denke auch dass der ringrichter es völlig falsch eingeschätzt hat. wie man das kann wenn man nen meter daneben steht verstehe ich zwar nicht aber gut. ich denke nicht, dass er bösel “helfen” wollte.

  8. 12. Oktober 2020 at 16:22 —

    Man kann sich kurz fassen: Krasniqi hat erfolgreich am sinkenden Niveau partizipiert.
    Das ist wirklich alles.

    Zum Thema Nationalstolz hier: Es ist absolut normal, daß sich die Menschen mit ihrer Herkunft, ihrem Land und ihrem Volk identifizieren.
    Man kann nicht Fremdländern irgendetwas vorwerfen oder an ihnen herum kritteln, weil sie eben nicht so verquer sind, wie der BRD-Sonstwie-Mensch.
    Das hierzulande allerdings Ausländer medial aufgebaut werden als seien sie der herzensgute Junge von nebenan der nichts weiter möchte als feste Sport treiben und Deutschland zur Ehre gereichen, ist an Lächerlichkeit kaum mehr zu übertreffen. Wohin Krasniqi seine Kröten transferiert ist wohl offenkundig. Ebenso war es bei Katic, Mavrović, Michalczewski etc. etc..
    Aber es funktioniert, es funktioniert solange wie es massenhaft Leute gibt, die den FC Bayern München immer noch als “die Bayern” bezeichnen.

  9. 12. Oktober 2020 at 18:01 —

    der ringrichter wollte ,so glaub ich bösel und dem promoter eigendlich ein gefallen tun und den ersten niederschlag als ausrutscher werten ,so das wenn bösel die runde übelebt hätte keine 10:8 wertung für Krasniqi hätte gegeben werden können .wenn er bösel angezählt hätte ,hätte er wenigstens eine pause haben können aber die runde wäre weg gewesen jetzt kann man vieleicht von glück reden das dem bösel nicht mehr passiert ist ,gar nicht auszudenken ,was los gewesen wäre ,wenn was schlimmes passiert wäre .dann hätte ich mal gerne gesehen wer wem die verantwortung in die schuhe geschoben hätte .nachdem ich das gesehen habe hätte Krasniqinie nie nach punkten gewinnen können .mit dem ko war das zum glück kein thema .so mein eindruck .super kampf ,der bessere hat gewonnen 😉

  10. 19. Oktober 2020 at 12:30 —

    krasniqi hat verdient gewonnen, bösel ist vielleicht technisch besser aber dann darf er sich auch nicht so offen präsentieren. hochmut kommt vor dem fall!

    natürlich sind es weltmeistertitel niederer klasse…bei mehreren verbänden muss man die einzelnen titel sich eben schönreden damit die sich besser verkaufen… das nennt man profisport.

    ich hoffe, dass es keinen rückkampf gibt… sollen sich die beiden doch erstmal im ausland beweisen und sich an die großen rantrauen, so wie adam deines.

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