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Kompletter Boxer gegen Puncher – Andre Ward dominiert Allan Green

Supersixturnierfavorit Andre Ward zeigte am Samstagabend in Oakland eindrucksvoll den Unterschied zwischen einem kompletten Boxer und einem limitierten Boxer auf. Er beherrschte in seinem zweiten Kampf der Gruppenphase Neueinsteiger Allan Green in nahezu allen Bereichen und gewann jede Runde bei den drei Punktrichtern.

Der rote Faden durch den Kampf hindurch war, dass Andre Ward gerade in den Bereichen, in denen Green Vorteile zugeschrieben wurden, glänzte und so keine Zweifel an seiner Dominanz ließ. Die größte Chance für Green wurde in dessen Schlagkraft, vor allem im linken Haken gesehen, doch es war immer wieder Ward der Akzente mit seinem linken Haken setzte, ungeachtet der alten Boxweisheit, dass man nicht mit einem „Hooker“ „hookt“. Green konnte im ganzen Kampf vielleicht zwei gute linke Haken landen, und spät im Kampf zeigte Ward auch kaum noch Respekt vor Greens Power, und nahm trotz klarer Dominanz das Risiko in Kauf getroffen zu werden. Er schlug die linken Haken teilweise unvorbereitet und Green war nicht in der Lage dazu ihn dafür bezahlen zu lassen.

Doch größtenteils landete er auch die linken Haken in Kombinationen. Immer wieder schlug und landete Ward gute Kombinationen, während Allan Green zu sehr zögerte und fast nur auf Einzelschläge vertraute, mit denen Ward nicht beizukommen war. Eine Statistik verriet, dass Ward im gesamten Kampf 42 Kombinationen ins Ziel gebracht hatte gegenüber 6 von Allan Green.

Dass diese Zahl so gering war, lag auch am Fehlen von Greens Jab, der eigentlich alle Kombinationen einleitet. Zu keinem Zeitpunkt konzentrierte er sich wirklich auf seinen eigentlich sehr ordentlichen Jab, und ließ stattdessen Andre Ward immer wieder mit dessen Jab punkten. Die Statistik zeigte erneut, dass Ward etwa drei Mal so oft den Jab schlug und ihn mehr als drei Mal so oft ins Ziel brachte. Das Bizarre daran war, dass Green die Reichweitenvorteile auf seiner Seite hatte, aber trotzdem von Anfang an den Kampf der Jabs klar verlor, was sowohl an Wards schnelleren Händen, als auch an seinem überlegenen Timing und Distanzgefühl lag.

Doch auch obwohl Ward aus der Distanz den Kampf bestimmen konnte, nahm er Allan Green immer wieder den Reichweitenvorteil weg. Green hatte vor dem Kampf gesagt, dass er sich nicht vorstellen könne, dass Ward den Infight suchen würde, und dass er vermute, dass Ward viel klammern würde. In den 12 Runden am Samstag war es jedoch Allan Green, der häufiger klammerte, und das aus einem einfachen Grund: Andre Ward suchte immer wieder die Nahdistanz und zeigte sich dort Allan Green gnadenlos überlegen. Green wusste gar nicht, was er machen sollte, wenn Ward ihn an die Seile drängte, seinen Kopf in Greens Brustkorb bohrte, und ihn mit Schlägen zu Kopf und Körper bearbeitete.

Generell zeigte sich Ward variabler in den Schlägen und schenkte auch dem Körper seines Gegners mehr Aufmerksamkeit. Gleich zu Anfang des Kampfes fokussierte er seinen Jab auf Greens Bauch und Brust, und später mischte er immer wieder Körperhaken in seine Attacken ein. Allan Green hingegen verpasste es seinen schnelleren Gegner mit Körpertreffern müde zu machen und ihm die Beweglichkeit für die späteren Runden zu nehmen. Selten ging er zu Wards Körper und das vor allem in den hinteren Runden statt gleich von Beginn an.

Kopftreffer fielen ihm wenig überraschenderweise schwer, da Ward ausgezeichnete Reflexe besitzt, und zudem gut auf Greens starken linken Haken eingestellt war. Seine rechte Hand hielt er stets weit oben um den linken Haken zu blocken, während er seine linke Hand oft tief hängen ließ. Green auf der anderen Seite zeigte sich viel zu wenig beweglich im Oberkörper und kassierte eine viel zu hohe Prozentzahl von Wards Schlägen. Auch seine Deckung ließ ein wenig zu wünschen übrig, da er vor allem seine linke Hand immer ein kleines bisschen zu niedrig hielt. Ward fiel es somit nicht schwer ein Ziel zu finden.

Und als wäre es noch nicht genug, dass Green deutlich weniger präzise war als Ward, ließ Green seine Fäuste auch noch viel zu wenig fliegen. Andre Ward feuerte 520 Schläge ab, während Green gerade einmal auf 329 Schläge kam. So hatte er überhaupt keine Chance den Kampf zu gewinnen und das Unheil für ihn musste zwangsläufig seinen Lauf nehmen. Ward wurde im Grunde immer dominanter, je länger der Kampf andauerte, und Allan Green schien die Hoffnung zu verlassen den Kampf noch drehen zu können. Von seinen großen Reden, die er vor dem Kampf geschwungen hatte, war nichts eingetroffen, und es wirkte als wäre er absolut mutlos in der zweiten Hälfte des Kampfes.

Im Interview nach dem Kampf schob Allan Green seine schwache Leistung auf eine schlechte Vorbereitung und darauf, dass er zu viel Gewicht gemacht hatte, kam er doch immerhin zwei Pfund unter dem Limit zum Einwiegen. Doch der Kampf zeigte deutlich, dass Green gegen Ward einfach boxerisch vollkommen unterlegen war. Andre Ward präsentierte sich als rundum kompletter Boxer, und Allan Green trat als ideenloser limitierter Puncher auf, der zu keinem Zeitpunkt so aussah, als könne er den KO-Schlag landen. Der Klassenunterschied war enorm, und auch eine bessere Vorbereitung hätte Allan Green wohl eher nicht zum Sieg über Ward verholfen.

Andre Ward übernahm mit dem Sieg die Führung im Super Six und qualifizierte sich als Erster für das Halbfinale. Zudem bleibt er als einziger Boxer in dem Turnier ungeschlagen, und verteidigte nebenbei noch den WBA-Titel. In der dritten Runde der Gruppenphase trifft er auf seinen Landsmann und guten Freund Andre Dirrell, der wohl gewinnen muss um weiterzukommen. Allan Green tritt dann gegen Mikkel Kessler an.

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