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Koki Kameda entkommt mit blauem Auge und Titel gegen Jung-Oh Son

In einer Ringschlacht behielt Bantamgewichtsweltmeister Koki Kameda am Dienstagnachmittag im südkoreanischen Jeju so gerade eben seinen WBA-Titel. Gegen den krassen Außenseiter Jung-Oh Son reichte es für den 27-Jährigen nur zu einer hart umkämpften Split Decision. Während Kameda die Anfangsphase bestimmt hatte, war Son durch pure Willenskraft in den Kampf zurückgekommen und erzielte den einzigen Niederschlag des Kampfes, doch schrammte im Endeffekt hauchdünn an der Sensation vorbei.

Son boxte als erster Südkoreaner um einen WM-Titel seit Ji-Hoon Kim vor drei Jahren Miguel Vazquez herausforderte, und versuchte der erste südkoreanische Weltmeister seit In-Jin Chi vor gut sieben Jahren zu werden. Er begann auch ordentlich und trieb Koki Kameda in der Anfangsphase vor sich her, ohne dabei jedoch gute Treffer landen zu können. Kameda zeigte sich jedoch nach der ersten Minute aufgewärmt und bestätigte seine klare Favoritenrolle. Immer wieder kam der Titelverteidiger mit seiner linken Geraden durch, die Son bereits früh gut durch schüttelte. Auch in der zweiten Runde behielt er die Oberhand, obwohl er seine Schläge recht sparsam abfeuerte. Son machte mehr, doch kam dabei kaum durch.

Das südkoreanische Publikum feuerte Son durchgehend lautstark an, und der 32-Jährige zahlte dies den Zuschauern mit einer couragierten Leistung zurück. Immer wieder suchte er den Vorwärtsgang, auch wenn Kameda ihn beim Hereinkommen mit harten Treffern erwischte. Und nachdem er Runde Drei erneut verloren hatte, konnte er die vierte schließlich erstmals für sich entscheiden. Besonders in der Halbdistanz und im Infight gelang es ihm seine höhere Workrate und anscheinend größere Fitness auszuspielen. Auch in der Folge ließ sich Koki Kameda zu oft in den Ringecken stellen, wo Son ihn mit wilden Kombinationen bearbeitete.

Selber ließ Kameda seine Fäuste weiter zu selten fliegen und rann gleichzeitig zu sehr durch den Ring. Es wurde immer mehr zu Sons Kampf, bei dem boxerisches Können weniger entscheidend wurde als Aktivität, Aggression und Wille. Ab und zu versuchte Kameda Son mit dem rechten Jab auf Distanz zu halten, blieb dabei jedoch eher erfolglos. Auch die fünfte Runde ging an Son, während die sechste ausgeglichen blieb. Erst in der siebten Runde fand der Weltmeister wieder besser in den Kampf und kam mit seiner linken Geraden wieder regelmäßiger durch, während Son dem hohen Tempo Tribut zu zollen schien. Auch Kamedas Arbeit zum Körper zeigte Wirkung und gewann ihm zudem Runde Acht.

Wer jetzt jedoch Son abschrieb, irrte sich. Voller Energie kam der Südkoreaner zur neunten Runde heraus und bestimmte diese klar. Erneut ließ er Kameda kaum Platz zum Atmen und trieb ihn mit einer Vielzahl von Schlägen vor sich her. Jetzt war es wieder Kameda, der völlig erschöpft wirkte und das Tempo nicht zu gehen können schien. Auch in der Runde Zehn versuchte Kameda hauptsächlich die Schlagabtausche zu vermeiden anstatt sie zu gewinnen und floh regelrecht vor Son durch den Ring. Dieser konnte ihn jedoch immer wieder stellen und erzielte schließlich auch den ersten überraschenden Niederschlag. Als er den an den Seilen stehenden Kameda mit einem linken Haken erwischte, gaben dessen Knie nach, so dass er kurz den Ringboden berührte.

Das Momentum war nun klar beim Herausforderer, aber Kameda schien sich bewusst zu sein, dass er etwas ändern musste um seinen Titel noch zu behalten und nahm in Runde Elf den Kampf an. Nachdem Son die Anfangsphase noch bestimmte, meldete sich der Titelverteidiger in der zweiten Hälfte der Runde zurück und kam mit einigen guten linken Geraden durch. Auch die zwölfte und letzte Runde blieb hart umkämpft. Son blieb, wie im gesamten Kampf, deutlich aktiver, doch auch Kameda mobilisierte noch einmal die letzten Kraftreserven und landete einige gute Treffer. Es lag nun an den drei unparteiischen Punktrichtern den Sieger zu finden, nachdem sich beide Boxer beim Erklingen des Schlussgongs in ihren Ecken feiern ließen. Nach einer längeren Wartezeit verkündete der Ringsprecher dann schließlich das Urteil, welches Koki Kameda bei zwei der drei Ringrichter vorne sah.

Für Koki Kameda war es damit der zweiunddreißigste Sieg als Profi, doch gleichzeitig sein möglicherweise größter Schreckensmoment seit seiner einzigen Niederlage vor dreieinhalb Jahren gegen Pongsaklek Wonjongkam. Seitdem war es sein zehnter Sieg in Folge, von denen neun in WBA-Titelkämpfen waren. Jung-Oh Son, der vor dem Kampf von BoxRec auf Platz 145 der Welt geführt worden war, verlor zum ersten Mal seit siebeneinhalb Jahren. Insgesamt war es jedoch bereits seine fünfte Niederlage im siebenundzwanzigsten Profikampf.

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8 Kommentare

  1. meatknife
    19. November 2013 at 15:34 —

    scheint ja ne´interessante Gewichtsklasse zu sein, hab´ich nie so richtig auf´m Schirm…

  2. Ferenc H
    19. November 2013 at 16:16 —

    @meatknife auf jeden Fall die unteren sind die besten 😉 Benjamin wieder ein toller Artikel 🙂 ich habe das Gefühl als wenn Kameda überschätz ist der sammelt irgendwie zu oft knappe Punkturteile

  3. Marco Captain Huck
    19. November 2013 at 16:55 —

    Naja ich weis nicht wie man den Kampf den Japaner geben will. Hatte es 115:112 für Son

  4. El Demoledor
    19. November 2013 at 18:12 —

    Kameda ist ein Superstar in Japan, seine Brüder auch, und daher hat er oft die Gunst der Punktrichter.
    Nicht falsch verstehen: Er ist schon ein sehr guter Boxer, aber gerade in den unteren Gewichtsklassen geht es oft sehr eng zu, da fast immer eine extrem hohe Workrate gefahren wird und Kämpfe manchmal in wilde Prügeleien ausarten.
    Und es ist eben auffällig, dass bei Kameda viele enge Fights am Ende für ihn ausgingen.
    Werde mir den Kampf mal später ansehen und scoren.

  5. JohnnyWalker
    19. November 2013 at 20:24 —

    Kameda hat doch schon gegen Ruiz eigentlich verloren.
    Also bei ihm ist in letzten Kämpfen echt die Luft raus.

    Im August hieß es noch seitens Moreno das im Dezember die Pflichtverteidigung stattfinden sollte. Die muss jetzt bald kommen.Ich denke da wird “Chemito” wieder seine ganze Klasse aufblitzen lassen, egal ob in Japan oder Panama.
    Finde die Brüder aber vom Style her ser interessant, denke aber das Tomoki der bessere der 3 Brüder ist.

  6. El Demoledor
    20. November 2013 at 09:51 —

    Habe mir den Kampf angeschaut.
    Bei allem Weltmeisterbonus hat es auf meiner Scorecard nicht für Kameda gereicht: 115:112 für Son, der einfach über sich hinaus gewachsen ist und leider um den verdienten Lohn gebracht wurde.

  7. Ferenc H
    21. November 2013 at 15:19 —

    Habe den Kampf gerade gesehen bin voher nicht zu gekommen ich habe sogar 117:110 für Son Kameda hat diesen “Sieg” bei weitem nicht verdient allein schon wegen seinen andauernten Tiefschlägen.

  8. Ferenc H
    21. November 2013 at 15:27 —

    Sogar Boxrec hat ihn auf Platz 44 hochgestuft und das machen die auch nicht mal eben so^^

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