Klarer Sieg für Devin Haney

Klarer Sieg für Devin Haney

Im MGM Grand Garden in Las Vegas hat WBC-Weltmeister Devin Haney seinen Titel mit Erfolg verteidigt und Herausforderer Joseph ‚Jojo‘ Diaz deutlich deklassiert. Nach 12 geboxten Runden lautete das Urteil der Punktrichter 117:111, 117:111 und 116:112 für Haney, der nun im kommenden Jahr einen Titelvereinigungskampf gegen George Kambosos anstrebt.

„Ich werde da rausgehen und tun, was ich tun muss, um zu siegen, egal was es kostet“, hatte Joseph Diaz vor diesem Kampf erklärt: „Wenn er versuchen will, mich auszuboxen, werde ich ihn zur Strecke bringen. Wenn er kommen und punchen will, werde ich zurückschlagen. Was auch immer er auf den Tisch bringt, ich werde eine Antwort darauf haben!“

Vor Haneys Kampf gegen Jorge Linares hätte bei dieser Ansetzung wohl jeder auf Haney gesetzt, doch so war für viele fraglich, wie der Kampf gegen den sechs Jahre älteren ‚Jo Jo‘ Diaz ausgehen würde. Haney zeigte sich jedenfalls siegessicher: „Ich denke, dass sein (Diaz` ) Stil für mich maßgeschneidert ist. Er kann mich nicht ausboxen. Ich werde ihm zeigen, dass er mich nicht ausboxen. Ich habe den Größenvorteil und alle Fähigkeiten, um zu gewinnen.“

Und so verlief dann auch die Begegnung. Den von den DAZN-Kommentatoren spannenden Kampf habe ich in weiten Teilen des Kampfes vermisst. Zumeist war es der Weltmeister, der aktiver war und die Mehrzahl der Treffer landete, während Diaz auf seine Chancen wartete.

Und so plätscherte das Geschehen im Ring vor sich hin, Diaz musste Runde um Runde abgeben und hat auf meiner persönlichen Scorecard mit gutem Willen allenfalls drei Durchgänge für sich entscheiden können.

Haney traf seinen Herausforderer – trotz dessen Kompakter Doppeldeckung – viel zu oft an Kopf und Körper, die ersten beiden Runden schien Diaz komplett verschlafen zu haben. Der vierte Durchgang dann etwas besser für Diaz, dem seine kürzere Reichweite zu schaffen macht. In der fünften Runde ein paar gute Aktionen vom Herausforderer, aber Haney konnte sich auch diese Runde sichern. Auch im weiteren Verlauf der Begegnung kam man nicht umhin, sich zu fragen, ob Diaz darauf wartete, dass Haney ihn zum Schlagabtausch im Infight einlädt. Weil das nicht der Fall ist, holte sich der Weltmeister auch die Runde 6.

Den siebten Durchgang kann man Diaz geben, der ein paar gute Hände anbrachte, jedoch insgesamt viel zu wenig tat, um Haney ernsthaft zu gefährden. Der Weltmeister auch in den späten Runden der dominierende Mann, der seinen Punktevorsprung ausbauen konnte. Eigentlich war schon seit ein paar Durchgängen klar, dass Diaz nur durch KO gewinnen kann.

In den beiden Championship-Rounds versuchte es Diaz dann mal und konnte Haney in Runde 11 etwas in Bedrängnis bringen, bis der sich mit einigen Schwingern wieder Luft verschaffte.

Im zwölften Durchgang war wohl auch Diaz klargeworden, dass er etwas mehr tun muss. Eine harte Linke beeindruckte Haney, doch der hielt dagegen und beendete die Runde mit zwei Rechten.

Alles in allem: eine eindeutige Geschichte mit einem Herausforderer, dem nicht nur die boxerischen Mittel fehlten, sondern der auch viel zu inaktiv war. Für die DAZN-Kommentatoren „ein wirklich guter Kampf“. Für mich nicht. Haney holt sich seinen 27sten Sieg im 27sten Kampf und stellt unter Beweis, dass er für George Kambosos ein ebenbürtiger Gegner sein könnte.

https://www.youtube.com/watch?v=Jofl3vyClW4

Auf der Undercard holte sich Filip Hrgovic seinen 14. Sieg im vierzehnten Kampf. Der deutsche Gegner Emir Ahmatovic bemühte sich zwar im Rahmen seiner Möglichkeiten, war aber der deutlich kleinere und leichtere Mann im Ring (Filip Hrgovic: 111,9 kg bei 198 cm, Emir Ahmatovic 103,5 kg bei 188 cm).

Ahmatovic kam zwar durchaus mit der Bereitschaft, „mitzupöllen“ in den Ring, aber mit den besseren Aktionen sicherte sich ‚El Animal‘ die erste Runde.  Nach rund zwei Minuten des zweiten Durchgangs musste Emir Ahmatovic der Schlagkraft  des Kroaten Tribut zollen und ging nach einem Treffer auf die Knie. Die DAZN-Kommentatoren sprachen  von einem resignierenden Gesichtsausdruck beim Deutschen, der dann in der zweiten noch einmal runter musste. Referee Allen Huggins fragte nach, ob Ahmatovic weitermachen will … der nickte, zeigte aber in Runde 3 kaum noch Gegenwehr. Nach einem weiteren „Niederschlag“ brach der Ringrichter den Kampf ab. Trotz des enttäuschenden Kampfverlaufs war Ahmatovic einer der besseren Gegner des kroatischen Heavyweights, auf das jetzt aber doch auch mal ernstzunehmende Aufgaben zukommen sollten.

7 Gedanken zu “Klarer Sieg für Devin Haney

    1. Naja, natürlich waren Hrgovics Gegner keine Top-Leute, aber man darf nicht vergessen, dass es auch erst sein 14. Fight war…
      …zum Vergleich: Wilder hat in seinem 14. Fight gegen einen Gegner mit 38 (!) Niederlagen gegenüber 11 Siegen geboxt…
      Auch die Gegner der Klitschkos waren in den ersten Kämpfen deutlich schlechter als die von Hrgovic.
      Aufgrund seiner ständigen vollmundigen Ankündigungen hätte ich mir zwar auch mal stärkere Gegner für Hrgovic gewünscht, aber gemessen an seinem Alter und der Anzahl seiner Profifights geht die Gegnerwahl abwolut in Ordnung.

      1. @ HWF – Objektivität ist deine, aber längst nicht jedermanns Sache.

        „Auch die Gegner der Klitschkos waren in den ersten Kämpfen deutlich schlechter als die von Hrgovic.“
        ––
        Stimmt, und gegen den ersten besseren hat er dann auch gleich verloren.

    1. Devin Haney hat eine gute, konstante und effiziente Leistung abgerufen aber meiner Meinung nach große Entwicklungsfelder offenbart. Sein Jab konnte Diaz NUR zu 4,7 % treffen (10 / 211 ). Seine Beinarbeit gefällt mir prinzipiell, der breite Stand reduziert allerdings das Gleichgewicht , wobei er dies gut nutzte, um die geringere Reichweite von Diaz (163 cm) auszunutzen.

      Haney : 164 Hits (71 body ) / 26,7 % / 154 Power Punchs / 13,66 Hits per Round.

      Diaz : 140 Hits ( 32 body) / 24,4 % / 113 Power Punchs / 9,41 Hits per Round.

      Diaz hat nicht die Schlagkraft für den Stil,den er boxte. Bis einschließlich in der 4ten Runde konnte er gute Jabs landen, bis Haney diese besser antizipierte.

      Ein guter Kampf aber kein großer Kampf.

    2. „Huch … ne Fanboy-Gruppe“

      ….verdammt, Schreiberling hat uns ertappt! 😀

      Nein, bin sicher kein Fanboy, sehe Hrgovics Kämpfe aber dennoch ganz gerne, weil sie meist relativ spektakulär sind.

      Denke schon, dass es für Hrgovic gegen hochkarätige Gegner sehr schwer werden wird, weil er einfach zu viele harte Treffer kassiert, aber dass die Gegnerwahl für die ersten 14 Fights mit Sicherheit nicht außergewöhnlich schlecht war, sehe ich, unabhängig davon, ob man ihn mag oder nicht, schon als eine Tatsache an.

  1. Fand den Kampf auch okay, aber nicht berauschend. Haney hat eben einen nicht gerade begeisternden Style: Gutes Auge, gute Beinarbeit, Schlagvariabilität, physisch hat er sich, meine ich zu erkennen, auch leicht verbessert, aber vor allem gaaaaanz viel Kontrolle und extrem wenig Risiko. Für den physisch unterlegenen Diaz, der über wenig Schlagkraft verfügt, reichte das meistens aus.

    Gegen Kambosos, falls der Kampf kommen sollte, treffen nun zwei ziemlich defensiv ausgerichtete Styles aufeinander. Deshalb hält sich mein Enthusiasmus über diese Auseinandersetzung in überschaubaren Grenzen. Hätte Haney lieber gegen Lopez, Ryan Garcia oder Tank gesehen, aber erstgenannter Vollhonk musste ja unbedingt mit Pneumomediastinum und dazu noch einer völlig schwachsinnigen Taktik gegen den Australier kämpfen. Mit dem Momentum, das Kambosos nach seinem Sieg gegen Lopez gerade hat, sehe ich es gegen Haney durchaus als 50/50-Fight an.

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