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Kirkland Laing – Tod mit 66

Kirkland Laing – Tod mit 66

Er sei ein Begabter gewesen, der die Welt schockierte und dann verschwand, schreibt die britische Internetzeitung „The Independent“ anlässlich des Todes von Kirkland Laing. Der ehemalige britische Profiboxer, Kampfname ‚The Gifted One‘, ist kurz vor seinem 67sten Geburtstag gestorben. Über die Todesursache ist noch nichts bekannt.

Den größten Triumph seiner Karriere erlebte Laing im Jahr 1982, als er Roberto Duran in Detroit besiegen konnte. Doch die boxerische Geschichte von Kirkland Laing und damit eine Story voller „Ups and Downs“, begann schon viel früher.

In einem Interview hat Laing einmal gesagt, dass seine Mutter im 9. Monat der Schwangerschaft mit ihm einen schweren Unfall hatte. Deswegen sei er körperlich und geistig beeinträchtigt. Wie Laing es formulierte: er sei behindert. Kirkland Laing wurde am 20. Juni 1954 in Jamaika geboren, kam als Kind nach Großbritannien und wuchs in Nottingham auf, bevor er später nach Hackney in East London zog.

Im Alter von 17 Jahren gewann Laing 1972 die ABA-Meisterschaften im Federgewicht, bevor er 1975 unter den wachsamen Augen von Terry Lawless und Mickey Duff Profi wurde und vier Jahre später den britischen Titel holte. Sein ungewöhnlicher und unorthodoxer Stil zeichnete den jungen Boxer aus, ebenso wie die Unberechenbarkeit seines Geisteszustands.

Während seiner ersten fünf Jahre als professioneller Kämpfer blieb Laing ungeschlagen und holte sich den britischen Titel im Weltergewicht. 1980 konnte der Waliser Colin Jones ihn durch TKO 9 besiegen, auch im Rematch ein Jahr später zog ‚The Gifted One‘ den kürzeren. Fast scheint es so, als ob diese erneute Niederlage Auslöser für die zunehmende Unberechenbarkeit  von Kirkland Laing gewesen ist.

Laing feierte oft noch in den Nächten vor seinen Kämpfen, trainierte nicht regelmäßig. Seine natürlichen Fähigkeiten und seine Schlagkraft alleine reichten nicht immer aus und so sah ‚The Gifted One‘ manchmal großartig im Ring aus, ein anderes Mal wurde er von Boxern vorgeführt, denen er eigentlich überlegen war.

Die berühmteste Nacht in der Karriere von Kirkland Laing kam 1982, als er gegen Roberto Duran antrat. Duran war der haushohe Favorit, hatte zwei Jahre zuvor Sugar Ray Leonard geschlagen, doch Laing besiegte den panamaischen Helden in der Cobo Hall in Michigan mit einer Split-Decision. Duran war an diesem Abend gut, aber Kirkland Laing war besser. Die Begegnung wurde vom Ring Magazine zum „Upset of the Year“ gewählt.

Nach diesem Kampf verschwand Laing für ein Jahr. Duran machte in diesem Zeitraum mit Folgekämpfen gegen Jimmy Batten, Pipino Cuevas und Davey Moore mehrere Millionen US-Dollar, Laing gab alles aus, was er im Kampf gegen die ‚Hands of Stone‘ verdient hatte. Er ging nach New York und Jamaika, zurück nach Nottingham und schließlich wieder in sein Haus in Hackney.

Etwa ein Jahr nach seinem Sieg über Duran kehrte Laing in den Ring zurück, verlor gegen seinen Gegner Fred Hutchings und tauchte erneut für 14 Monate unter. Doch Laing boxte weiter: bis zu seinem letzten Kampf im Jahr 1994 – einer Niederlage gegen Glenn Catley – sicherte er sich noch mehrere Male den britischen Titel und holte sich auch den EBU-Europameister-Titel. Als ‚The Gifted One‘ die Handschuhe an den Hagel hängte, hatte er eine Bilanz von 43-12-1 und sein Kampfgewicht fast 20 Jahre lang gehalten: zwischen seinem ersten und seinem letzten Kampf liegen nur zwei Pfund.

2003 war der Kirkland Laing zuletzt in den Schlagzeilen, als er vom Balkon seiner Wohnung im vierten Stock gefallen war und auf der Intensivstation behandelt werden musste. Es soll einen Streit um Drogen gegeben haben, wird gemunkelt. Es war ein Unfall, behauptet die Polizei. 2012 wurde Laing bei einer Polizeirazzia in einem Crack-Haus in Gewahrsam genommen, aber nicht angeklagt. „Vielleicht feiere ich einfach zu gerne”, hatte Laing einmal im Interview mit der BBC erklärt.

Und vielleicht hätte Kirkland Laing unter anderen Voraussetzungen und mit mehr Disziplin auch Weltmeister werden können. Hat Kirkland das selber auch so gesehen? Vermutlich. Wie der von mir geschätzte britische Journalist Steve Bunce im „Independent“ schreibt, hatte er schon 2003 nur noch „eine Hülle des alten Kirk“ getroffen: „Ein paar Wochen vor dem Vorfall hatte ich ihn auf einer Parkbank im Osten Londons aufgespürt, saß bei ihm, weinte mit ihm, erinnerte mich an seine tollen Nächte, sah mir an, was er verloren hatte. Als ich Kirk an diesem Tag verließ, hatte er ein Dutzend leere (Bier-)Dosen und seinen geliebten EM-Gürtel auf dem Schoß. Er starrte auf etwas, von dem er wusste, dass er es nie bekommen würde, oder vielleicht waren es nur das Dope und die Überreste von etwa sechs Special Brews, die seinen Augen diesen mystischen, fernen Blick verliehen. Er war ein außergewöhnlicher Kämpfer, aber er war eine noch bessere Gesellschaft.“

Ruhe in Frieden, Kirkland Laing.

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8 Kommentare

  1. 11. Juni 2021 at 14:58 —

    An den Kampf gegen Duran kann ich mich noch dunkel erinnern!

    R.I.P. Kirkland

    Ps.: Laing hat mal gegen Buck Smith verloren, dieser Smith hat zwar viele Gegner mit negativen Rekord geboxt, aber einen erstaunlichen Rekord zustande gebracht….wenn ich es noch recht in Erinnenrung habe 182-20-2 und ungefähr noch 20 ND und das zwischen 1987-2009!
    Wenn man heutzutage sieht wie selten manche Boxer in den Ring steigen, von der Pandemie mal abgesehen………….

  2. 11. Juni 2021 at 15:34 —

    @ Marvin Hagler

    Muss ich mir mal ansehen, den Mann. Ich vermute, dass unter anderem die Börsen früher dazu geführt haben, dass öfter geboxt wurde.

    • 11. Juni 2021 at 16:16 —

      @ Schreiberling

      Ja, da magst du recht haben das dass an sehr kleinen Börsen lag, dennoch finde ich die Vieltahl der Kämpfe sehr erstaunlich! Ich habe in der Vergangenheit oft die Karrieren von Boxern verfolgt die in sehr kurzen Abständen geboxt haben, bzw. von “guten” Journeyman….klingt erstmal quer, aber z.B. Zack Page…der meist nur nach Punkten verlor, manchmal auch zu unrecht wie z.B. gegen Charr oder Marion Wilson fast nur nach Punkten verloren und auch für eine Überraschung gut, einer der Besten David Vedder der es immerhin zu 4 WM-Kämpfen gebracht hat, u.a. gegen Henry Maske! Das waren Leute wo nur so ein Quentchen gefehlt hat um ganz oben mitzumischen” Und Laing gehört eigentlich auch dazu….der hätte mal einen gebraucht der ihm in den Hintern tritt!

      • 11. Juni 2021 at 22:06 —

        @ Marvin, Reggie Strickland, der bei fast 280 Niederlagen nur rund 25 mal KO ging, oder Darnell Boone, der unter anderem Andre Ward niederschlug, gegen Kovalev nur per SD verlor und Adonis Stevenson durch KO besiegte, sind weitere gute Beispiele. Gerade Boone hätte es meiner Meinung nach mit ein bisschen besserem Management und mehr Fleiß definitiv weiter bringen können. Trotzdem Legenden 😁😁😁

        • 12. Juni 2021 at 07:15 —

          Emanuel Augustus vielleicht noch.

          • 14. Juni 2021 at 15:33

            @ adolf klitschko

            @ Schreiberling

            Ja, die von euch genannten Boxer gehören auch dazu und noch so etliche mehr!
            Maurice Harris war auch so einer, einer der teilweise richtig gut boxen, auch wenn sein Kampfrekord was anderes sagt, der wurde z.B. am Anfang seiner Karriere gegen zu starke Gegner geschickt und spöter auch immer mal wieder nach Punkten betrogen wie z.B. gegen den alten Larry Holmes!

  3. 11. Juni 2021 at 16:26 —

    @ Marvin Hagler

    Das hätte Andy Ruiz jr vor dem Rematch mit AJ auch gebraucht. Ist halt schwierig, wenn der Boxer alles besser weiss. Ähnlich auch Wilder vor dem Rückkampf gegen Fury.

    Siehe:https://www.boxen.de/news/deontay-wilder-the-war-has-just-begun-64042

    „Deontay war untrainierbar geworden, weil er den Punkt erreicht hatte, an dem er mehr über das Boxen weiß als wir alle”, sagte der 57-jährige im Gespräch mit „Worldboxingnews“.

    „Ein Coach kann nur jemanden unterrichten, der bereit ist zu lernen. Wir haben stundenlang auf den Champion gewartet, bevor er im Gym ankam. Jay (Jay Deas, Wilders Co-Manager) informierte uns über seine Stimmung. Wenn er einen schlechten Tag hatte, mussten wir ruhig sein, um – laut Jay – nicht gefeuert zu werden. Und ja, die die Arbeit am Boxsack, Seilspringen und laufen, steht nicht ganz oben auf seiner Beliebtheitsliste. Wenn Deontay keine Lust dazu hat, scheinen er und Jay die Bedeutung dieser Dinge nicht zu verstehen. Wenn ich versuchte, Deontay zur Seite zu nehmen, um ihm zu sagen, was ich (für Fehler) sehe, machte Jay mir klar, dass ich nichts sagen soll: Du möchtest ihn doch nicht wütend machen.“

    • 11. Juni 2021 at 17:11 —

      @ Schreiberling

      Na ja, was Wilder betrifft…..der hat ja mal sinngemäß von sich behauptet das es egal ist wie er die ersten Runden gestaltet und wieviel Runden er verliert, es reicht ihm ein Schlag um zu gewinnen!! Seit Wilder vs Fury 1 weiß man das es nicht so ist!
      Aber wenn man sich für unbesiegbar hält kann man leicht der Versuchung unterliegen das man alles besser weiß……….!

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