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Kelly Pavlik – Ein Boxer mit Höhen und Tiefen

Am Mittwoch, den 4. April konnte Kelly Pavlik seinen 36. Geburtstag feiern. Obwohl der Ex-Doppel-Champ bereits frühzeitig seine Handschuhe an den Nagel hing, ist er einer der bisher bekanntesten und besten Mittelgewichtler des neuen Jahrtausends. Er war als Amateur 1999 US-Juniorenmeister im Weltergewicht, scheiterte aber an Jermaine Taylor bei der Qualifikation zu den Olympischen Spielen von Sydney. In 98 Amateurkämpfen gab es nur 9 Niederlagen.

Pavlik startete im Jahr 2000 seine Profikarriere mit einer Serie von 14 (T)KO-Siegen in Folge innerhalb von knapp 2 Jahren. Erst im September 2002 musste er in einem 6-Runden Kampf über die Zeit gehen, Dabei dominierte er aber seinen Gegner Edson Madrid eindeutig und siegte mit einem Punkturteil von 60:52 und 2x 60:51.

Bereits zu dieser Zeit war Pavlik ein Boxer, den man in Las Vegas sehen wollte. Er war von Beginn an bei Bob Arum unter Vertrag. Arum baute Pavlik jahrelang behutsam auf. Im Jahr 2005 kam es nach 26 Siegen zu seinem ersten Titelkampf. Sein Gegner war der Kolumbianer Fulgencio Zuniga. Pavlik war in Runde 1 nach einem linken Haken zum Kinn am Boden. Er kam schnell wieder auf die Beine und zeigte keine Nachwirkungen von diesem Niederschlag. Was dann folgte, war ein „Abnutzungskampf“ den Pavlik besser meisterte als der Kolumbianer. Zuninga war völlig entkräftet gab den Kampf nach 9 geboxten Runden gegen den Willen seiner Ecke auf. Lohn der Arbeit war der vakante NABF-Gürtel für Pavlik.

Es sollte weitere 3 „Bewährungsproben“ für Pavlik geben, bevor Arum ihn im Mai 2007 in einen WBC-Eliminator schickte. Sein Gegner war Edison Miranda, der zuvor nur von Arthur Abraham in der berühmten „Blutschlacht von Wetzlar“ nach Punkten bezwungen werden konnte. Dieser Kampf entwickelte sich zu einer Schlacht, bei der Miranda ab der 6. Runde, in der er 2x am Boden war, merklich abbaute. Gegen Ende der Runde spuckte er den Mundsachutz aus und rettete sich bis in die Pause. In der 7. lies Pavlik sich Zeit. Mitte der Runde reichten ein paar Treffer Pavliks aus, um Miranda endgültig zu finishen.

Im nächsten Kampf sollte es dann gleich um die Titel der Verbände WBC und WBO einen Doppel- WM-Fight gegen einen alten Bekannten aus Amateurzeiten geben: Jermaine Taylor. Er bezwang seinen alten Rivalen durch TKO 7. Dieser Kampf war eine der besten Schlachten Pavliks. Er war in Runde 2 am Boden, sprang aber schnell wieder auf und quälte sich bis zum Gong. In den folgenden Runden lag Taylor nach Punkten vorne, bevor ihn Pavlik stellen konnte und mit ener Schlagserie auf den Boden zwang. Ringrichter Smoger beendete den Kampf, weil er sah, dass Taylor nicht mehr weiter konnte. Damit wurde Pavlik im 32. Kampf seiner Karriere WBC und WBO-Weltmeister. Für Taylor war es die erste Niederlage im 29. Kampf. Beim darauf folgenden Rematch im Februar 2008 ging es nicht um die Titel. Beide Boxer kämpften über dem Gewichtslimit. Taylor verlor auch diesen Kampf. Diesmal nach Punkten.

Im Juni 2008 verteidigte Pavlik seine Gürtel gegen Gary Lockett und siehte dabei durch TKO 3. Dann kam man auf die Idee, einen großen Fight gegen Bernard Hopkins abzuhalten, ohne das es dabei um Titel ging. Hopkins hatte vor Pavliks Zeiten fast 10 Jahre lang das Mittelgewicht dominiert und wollte einfach noch mal beweisen, was er kann. Man verständigte sich auf ein Gewichtlimit und am 18. Oktober traten Beide in Atlantic City gegeneinander an. Es war als ob Hopkins in einen Jungbrunnen gefallen wäre: Er gewann fast jede Runde (117:109, 119:106, 118:108, beide Boxer mit Punktabzügen) und man merkte ihm nicht an, dass er fast 20 Jahre älter war als Pavlik. Der 26-jährige kassierte damit in seinem 35. Kampf die erste Niederlage.

Im Jahr 2009 verteidigte er seine Gürtel gegen Marco Rubio und Miguel Espino. Es gab zu dieser Zeit immer wieder Verletzungspausen, in denen Pavlik nicht trainieren konnte. Bei einer freiwilligen Titelverteidigung gegen Sergio Martinez verlor er seine Titel duch eine Punktniederlage.

Nach seinem Titelverlust stieg er ins Super-Mittel auf.  Es gab weitere 4 Kämpf, die Pavlik für sich entscheiden konnte. Im Jahr 2012 spekulierte man über einen Top-Fight zwischen Kelly Pavlik und Andrè Ward. Diese Begegnung wurde 2x an- und wieder abgesetzt. Ersatzweise war ein Kampf gegen Lucian Bute in Planung. Im Januar 2013 verkündete Pavlik dann überraschend seinen Rücktitt vom Boxsport. Offiziell hieß es, er habe jetzt genug und will nicht erst in die Gefahr von gesundheitlichen Schäden durch das Boxen kommen. Er gab an, dass ihm jetzt seine Familie mit 2 kleinen Kindern wichtiger wäre, als das Boxen. Ward war zu diesem Zeitpunkt verletzt und es hätte womöglich noch sehr lange gedauert, bis es zu einem großen und gut bezahlten Kampf zwischen Beiden gekommen wäre. Der Kampf gegen Bute interessierte ihn schon nicht mehr. Es würde ihm die Motivation fehlen, sich weiter herum zu quälen.

Hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand wurde allerdings auch von zunehmenden Alkoholproblemen Pavliks gesprochen. Er trank bereits jahrelang mehr als es gut für ihn und seinen Boxsport war. Pavlik war nach der Niederlage gegen Martinez in einer Klinik zum Entzug.  Es gab immer wieder mal kleinere Konflikte mit dem Gesetz. Pavlik gönnte sich so machen Feierabend-Drink, auch ohne davor nur einen Handschlag getan zu haben. Er wurde mehrmals betrunken am Steuer erwischt und es gab auch immer wieder mal Zoff mit seinen Brüdern im heimatlichen Youngstown. Es kam schon mal vor, dass einer seiner Brüder bei einer Prügelei im Elternhaus durch ein Fenster flog, ein geschlossenes wohlbemerkt. Was der genaue Grund für sein frühes Karriereende war, wird er wohl nur selbst wissen. Vielleicht war es auch das Zusammenspiel von mehreren Gründen und er hatte einfach keine Motivation mehr. Offenbar spielten dabei die Dämonen des Teufels Alkohol eine zu große Rolle.

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3 Kommentare

  1. 5. April 2018 at 13:50 —

    Teufel Alkohol hat schon viele Karrieren zerstört. Andererseits ist es vielleicht ganz gut das Pavlik recht früh mit den Boxen wieder aufgehört hat, sein Kampfstil war zwar spektakulär, aber auch nicht wirklich gesundheitsfördernd.

    Hoffe das er heute sein Alkoholproblem im Griff hat!?

  2. 5. April 2018 at 15:12 —

    Pavlik vs Taylor I ist 11 Jahre her? Wahnsinn, kommt mir vor als wäre es gestern gewesen.

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