Top News

Katie Taylor vs Delfine Persoon 2.0 – Das Rematch

Der zweite Kampf zwischen Taylor und Persoon war zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich nicht geplant und kam nur deshalb auf die Hearn-Card in Brentwood, weil die ursprünglich vorgesehene Gegnerin Amanda Serrano abgesagt hatte. Im ersten Kampf am 1. Juni 2019 im Madison Square Garden gab es einen fragwürdigen Punktsieg für Taylor (96:94, 96:94 und 95:95). Delfine Persoon sah sich wohl nicht ohne Grund um den Sieg gebracht und um ihren WBC-Titel betrogen. Mit diesem schön gefärbten Urteil hatte Hearns Frauenbox-Aushängeschild Katie Taylor den 4er Satz der bedeutendsten WM-Gürtel im Leichtgewicht wunschgemäß komplett. Dafür war man wohl auch bereit, zu nicht ganz sauberen Methoden zu greifen.

Es gab allerdings jede Menge Gegenwind, was dieses Urteil anbelangt und man ging davon aus, dass es ein Rematch geben muss. Auch im Kampf danach, gegen Christina Linardatou im Superleichtgewicht, hatte Taylor scheinbar das Wohlwollen der Punktrichter für sich gepachtet. Nach vielen überzeugenden Siegen wurde deutlich, dass auch eine Katie Taylor schlagbar ist. Das es Zweifel und ihren knappen Siegen gab, dürfte auch Eddie Hearn nicht entgangen sein. Er vertraute Taylor und holte schließlich Delfine Persoon als Ersatzgegnerin für Amanda Serrano. So kam es eher ungewollt zu dem Rematch zwischen Taylor und der Belgierin.

Delfine Persoon ließ sich nicht lange bitten und erklärte sogar, dass sie dieses Rematch auch ganz ohne Börse boxen würde. Sie war hoch motiviert, diesmal den Ring als Siegerin zu verlassen. Genau das wurde ihr dann wohl auch zum Verhängnis. Persoon war permanent im Vorwärtsgang und ließ keinen Zweifel daran, was sie wollte: Entweder einen klaren Punktsieg oder Taylor so weit schwächen und zermürben, dass sie in den hinteren Runden trotz ihrer fehlenden Schlaghärte doch noch zu einem vorzeigen Sieg kommt.

Geht es nur rein nach dem körperlichen Einsatz, den Delfine Persoon zeigte, hätte sie den Kampf deutlich gewinnen müssen. Doch bei all dem Körpereinsatz und Vorwärtsdrang blieb die Treffsicherheit auf der Strecke. Taylor erreichte mit kurzen Kontern genau so viel oder sogar mehr zählbare Treffer, als Persoon durch ihren permanenten Schlaghagel aus allen und in alle Richtungen. Nach 10 Runden war eigentlich nicht deutlich klar, wer den Kampf tatsächlich gewonnen hat. Von 96:94 bis 94:96 war jedes Ergebnis akzeptabel, ohne jede Aufregung. Die Punktrichter entschieden mit dem 96:94, 98:93 und 96:94 Punktergebnis im Sinne des Veranstalters. Dabei sollte man aber bedenken, dass die vollkommen realitätsfremde 98:93-Wertung des Schotten Victor Loughlin für die Heimboxerin schon arg daneben lag.

Delfine Persoon gab sich in einem Interview nach dem Kampf geschlagen und erkannte den knappen Sieg von Taylor an. Man hätte vielleicht ein anderes Urteil gesehen, wenn der Kampf in Flandern und nicht in Eddie Hearns Garten stattgefunden hätte.

Randbemerkung: Die DAZN-Kommentierung dieses Kampfes war parteiisch hoch 9 zu Gunsten von Taylor. Man fühlte sich direkt zu Günter-Peter Ploog zurück versetzt, wenn er die Universum-Kämpfe von Felix Sturm im ZDF kommentierte.

Voriger Artikel

Formella verliert gegen Porter

Nächster Artikel

Joe Smith jr schlägt Eleider Alvarez

3 Kommentare

  1. 24. August 2020 at 08:26 —

    Guter Kommentar Fuchs! Hatte ebenfalls das Gefühl, dass die DAZN-Kommentatoren (mal wieder) die Heimboxerin hochjazzten.
    Taylor war ohne Frage stärker als im ersten Kampf, Persoon jedoch mit einer Monster-Workrate! Hatte die Belgierin eine Runde vorn.

  2. 24. August 2020 at 09:54 —

    Ach was soll man sich noch aufregen???
    Lobbyismus findet überall dort statt, wo Geld fließt!!!
    Sei es in der freien Wirtschaft, der Politik oder im Sport.
    Kritisch wird es nur dann, wenn die Revisions-Organe versagen oder Kritik nicht kommuniziert wird/werden kann.
    Mein DAZN Account wurde im März gekündigt und dafür eine Patenschaft für ein kleines Mädchen in einem 3te Weltland abgeschlossen, ich versuche zukünftig immer weniger ein Instrument dieser kapitalistisches und tendenziösen Strukturen zu sein.

    Der Sport verliert dann seine Würde, wenn er aufhört den Fan zu würdigen!!!

Antwort schreiben