Bild: Joe Joyce / Twitter

Joyce besiegt Parker durch KO

Joyce besiegt Parker durch KO

In der AO Arena in Manchester hat am gestrigen Abend Joe Joyce das Duell gegen Joseph Parker für sich entschieden. Im elften Durchgang der actionreichen Begegnung konnte Parker dem Druck des ‚Juggernauten‘ nicht mehr standhalten und ging nach einem linken Haken ans Kinn zu Boden, woraufhin Referee Steve Gray ihn auszählte.

„Slow Starter“ Joyce vergeudete diesmal keine Zeit und so war schon die erste Runde des Kampfes eine enge, temporeiche Angelegenheit, bei der sich Parker auf den Punktzetteln knapp durchgesetzt haben dürfte.
Aber Joyce baute steten Druck auf, im zweiten Durchgang begann Joseph Parker, nach mehreren Jabs von Joe Joyce, aus der Nase zu bluten. „He` s gonna walk you down!“ befürchtete Parkers Coach Andy Lee, Parker solle kein festes Ziel bilden und sich mehr bewegen.

Die dritte Runde dann anfangs eine etwas bessere für den Neuseeländer, der aber nach einigen guten eigenen Treffern mit der Rechten, harte Schläge seines Gegners einstecken musste. „I think Parker is really hurt here!“ so dann auch der „BT Sport“-Kommentator. „Im Moment kann Parker diese Treffer noch nehmen, aber es bleibt abzuwarten, wie lange er das noch kann!“ analysierte „BT Sport“-Fachmann David Haye.

Im vierten Durchgang konnte der Neuseeländer trotzdem einige harte Rechte anbringen, die aber wegen der bekannten Nehmerqualitäten von Joe Joyce ohne Wirkung blieben. Mehr Aktivität von Joyce, mehr Power von Parker.

In der Folgerunde Joyce der aktivere Mann im Ring, Parker wirkte müde, ließ sich zu häufig an den Seilen stellen. Die Runde 6 vielleicht die bisher beste Runde von Joyce, der seinen Gegner mit dem Jab dominierte, mit Kombinationen arbeitete. „Parker is on the receiving end now“ lautete der „BT Sport“-Kommentar, Parker „kassierte“ und wartete auf die Gelegenheit, selber einen Powerpunch anbringen zu können.

Ein unverändertes Bild im siebten Durchgang: Joyce arbeitete weiterhin gut zu Kopf und Körper, im Gegenzug konnte Parker zum Rundenauftakt punkten, doch ohne Wirkung zu erzielen. ‚BT Sport‘-Fachmann David Haye hatte schon in der Ringpause Parkers Schlaghärte angezweifelt. Bei einem weiteren Treffer von Joyce zog sich der 30-jährige einen Cut über dem rechten Auge zu.

Die Runde 8 eine etwas bessere für Joseph Parker, der sich anfangs von seinem Gegner durch den Ring treiben lassen musste, dann aber noch einmal seine Kräfte mobilisierte. Trotzdem Joyce der dominierende Kämpfer, dessen „Batterie“ wesentlich mehr Energie zu haben schien, als die von Parker.

Joyce dürfte zu diesem Zeitpunkt auf den Punktzetteln vorne gelegen haben, was auch Parkers Ecke nicht verborgen geblieben sein dürfte. Vielleicht aus diesem Grund in Runde 9 wieder gute eigene Aktionen des Neuseeländers, der – wenn er die richtige Reichweite fand – auch Treffer anbringen konnte. Joyce‘ Granitkinn schluckte allerdings alles, was Parker abfeuern konnte, der 30-jährige Neuseeländer wirkte nun zeitweise sehr müde.

Trotzdem versuchte es Parker im zehnten Durchgang noch einmal, aber Joyce war an diesem Abend „unstoppable“ und eine „Nummer zu groß“ für Joseph Parker, dessen Cut immer wieder aufbrach.

In Runde 11 dann offener Schlagabtausch zwischen den beiden Kontrahenten, nach rund einer Minute schlug dann ein linker Haken von Joyce bei Parker ein. Der ging zu Boden, kam zwar wieder auf die Beine, aber Steve Gray war zuvor schon bei der „Neun“ angekommen, KO-Sieg für Joe Joyce!

Joyce sicherte sich damit den vakanten WBO-Interims-Titel und positionierte sich mit diesem Sieg als Pflichtherausforderer des Unified-Titelträgers Oleksandr Usyk.

„Joseph Parker, was für ein Kämpfer und was für ein großartiger Kampf“, erklärte Joyce danach: „Es war ein harter Kampf und ein Lob an Joseph Parker, denn er hat sich verbessert, es war ein harter Kampf. Ich habe ihn wirklich genossen. Es war ein harter Kampf und ich musste mich sehr anstrengen, um die Runden zu überstehen.“

„Großes Kino“ von beiden Boxern, Parker gab nie auf, obwohl er viel einstecken musste. „Ich habe ihn mit allem getroffen, mit allem, was die Küche hergibt, mit Körpertreffern“, sagte Joyce. „Ich habe alles versucht, aber er kam immer noch nach vorne. Am Ende habe ich es geschafft, ihn zu Fall zu bringen. Es war harte Arbeit.“ Laut CompuBox-Statistik landete Joyce 308 von 844 Schlägen (37%) Parker landete 147 von 566 Schlägen (26%).

„Er ist sehr zäh, Joe ist ein harter Mann“, sagte Parker nach dem Kampf: „Wir wussten, womit wir es zu tun hatten, aber er kam immer wieder, und so hat heute der größere, bessere Mann gewonnen. Es ist eine harte Herausforderung, wenn man von jemandem wie Joe unter Druck gesetzt und gejagt wird, und ich habe den Plan, den wir hatten, nicht wirklich umgesetzt. Ich habe mein Bestes gegeben. Es war nicht mein Abend heute, jedes Mal, wenn ich ihn schlug, kam er zurück. Er ist ein verdammt guter Kämpfer.“

Frank Warren, der Joyce managed und promotet, erklärte nach dem Sieg seines Boxers: „Er wird immer besser und besser. Er ist wie ein guter Wein. Er wird mit dem Alter immer besser. Daran gibt es keinen Zweifel. Und jetzt ist er in einer großartigen Position. Er ist der Pflichtherausforderer für den WBO-Titel gegen Usyk, und wir werden Himmel und Erde in Bewegung setzen, um sicherzustellen, dass er nächstes Jahr eine Chance auf den Weltmeistertitel bekommt. Natürlich gibt es Gespräche über eine Vereinigung von Usyk und Tyson Fury, aber er ist jetzt fest in der Position, nächstes Jahr um einen Weltmeistertitel zu kämpfen, und das wird in Großbritannien sein.“

Joe Joyce / Twitter

 

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17 Gedanken zu “Joyce besiegt Parker durch KO

  1. Es war zu erwarten, dass Parker, trotz besserer Technik, gegen die Physis von Joyce keine wirkliche Chance haben wird. Schließlich war spätestens gegen Dubois zu sehen, dass Joyce ein Megakinn hat und über wildergleiche Schlagkraft verfügt. Das der Kampf gegen Parker erst in der elften Runde entschieden wurde, ist einfach nur Parkers Hammerkinn zu verdanken.

    Kein schlechter Kampf und ein guter Beweis dafür, wie ausschlaggebend im Schwergewicht die Physis ist. Joyce ist sieben Jahre älter als Parker und hat 18 Kämpfe weniger Erfahrung, trotzdem ist er der erste, der Parker eindeutig durch KO besiegt.

    Mal sehen, ob wir Joyce jetzt tatsächlich gegen Usyk sehen werden!

  2. Wirklich ein sensationelles HW-Highlight, sollte jeder Boxfan gesehen haben. Es gibt wohl keinen Fighter, den sein Künstlername besser charakterisiert, als „Juggernaut“ Joyce. Er startet schwerfällig, kommt nur mühselig und langsam in Bewegung, aber wenn er mal in Fahrt ist, gibt es kein Zurück mehr. Dazu zahlt sich die Arbeit von Mastermind Ismael Salas langsam aus, denn Joyce‘ pumpender Jab ist eine boxerisch starke Waffe und er bereitet fast alle Aktionen damit sehr gut vor, dazu geht er noch gern zum Körper und nimmt dem Gegner dadurch zusätzlich die Luft. Dazu das bereits mehrfach beschriebene Monsterkinn und die Top-Kondition, mit der er seine mittlerweile 270 Pfund (ein echtes Fury-Weight, und das, ohne optisch fett zu wirken) durch den Ring schiebt – das ergibt ein wirklich ernstzunehmendes Contender-Paket.

    Ich meine, er ist „ready for anyone“ außer Fury und Usyk, deren boxerische Klasse immer noch ausreichen dürfte, um ihn zu entwaffnen. Doch er dürfte auch für die beiden definitiv eine größere Herausforderung sein als bspw. AJ, auch wenn Usyk ihn als Amateur relativ klar besiegt hat, das war damals noch das „Juggernäutchen“, nicht der Monstertruck von heute. Am liebsten würde ich ihn natürlich als nächstes gegen Wilder sehen, dessen One-Punch-Power gegen Joyce‘ Kinn und rücklichtslosen Vorwärtsgang, das wäre gigantisch!

  3. würdiger wm kampf mit einem würdigen sieger und neuen interims wm.
    gut für joyce der damit jetzt auch etwas geld verdienen kann und falls der shot gegen einen der beiden dominatoren nicht kommt ist er immerhin automatisch wm. ja kämpfe gegen wilder oder ein rematch gegen dubois, oder auch gegen joshua oder whyte wäre sehr interessant und lukrativ. gegen dubois wäre ja sogar ne vereinigung der 2. klassigen titel 🙂

    1. Wissen kann man es natürlich nicht, aber Luftlöcher zu schlagen kostet viel Kraft und Usyk könnte wahrscheinlich auch 20 Runden extrem hohes Tempo gehen. Eine Garantie dafür, dass er nicht doch mal für einen Sekundenbruchteil unaufmerksam ist bzw. mal einen Glückstreffer kassiert, gibt es aber natürlich auch nicht.
      Wobei man gegen Chisora auch gesehen hat, dass Usyk da in den ersten Runden nicht allzu gut aussah, als Chisora kontinuierlich marschiert ist: Wenn das einem Juggernauten über 12 Runden gelingen würde, wäre das natürlich auch viel Druck für Usyk…

      1. JJ hat in der neunten Runde Usyk gestellt.Danach hat Usyk ihn ausgeboxt,weil JJ nicht mehr konnte.10-12 Runde war überhaupt kein Punch in den Händen von Usyk.Hier sah man ,dass auch er konditionell eingebrochen ist.Joyce macht ständig Druck und läßt den Fisch nicht mehr vom Harken.

        1. Und nicht zu vergessen, dass Joyce erst 2007 mit dem Boxen angefangen hat und der Kampf gegen Usyk bereits 2013 stattfand. Usyk boxte zum diesen Zeitpunkt schon seit 11 Jahren.

          Joyce‘ Jab ist heute ein ganz anderer und in Paarung mit seiner Stamina, sehe ich Joyce heute, nach Parker, als Favoriten.

          Parker sollte deutlich mehr Power in seinen Fäusten haben als Usyk und Parkers Treffer gegen Joyce hatten „kaum“ Auswirkung, so dass Joyce ständig Druck machen konnte. Gegen Usyk wäre das nicht wesentlich anders, zumal Joyce Jab mittlerweile eine richtig gute Waffe im Ring ist.

          1. Ist immer schwierig imo, von einem Gegner auf den anderen zu schließen, sowie Amateur- und Profikämpfe zu vergleichen. Usyk ist nochmal ein ganz anderes Gesamtpaket wie Parker. Gebe Maxe unrecht, wie Usyk nach einer für seine Verhältnisse desaströse 9. Runde gegen AJ in den letzten drei Runden zurückgekommen ist, zeigt sowohl Usyks mentale als auch enorm physische Stärke. Trotz seiner für HW-Bedingungen relativ unbeeindruckender Physis ist er brutal resilient, hat in der neunten härteste Treffer AJs geschluckt und ist eben NICHT eingebrochen, sondern in der 10. wie ein Phönix aus der Asche zurückgekommen. Er ist eben kein Schönwetterboxer, sondern kann auch berserkerhaft grinden, wenn es darauf ankommt.

            Was allerdings stimmt, ist, dass beide Boxer, sowohl Usyk als auch Joyce, sich physisch und boxerisch immens weiterentwickelt haben. Wie digger schreibt, ist das bei Joyce umso erstaunlicher, weil er erst so spät überhaupt mit dem Leistungssport angefangen hat. Deshalb wäre auch ein Duell mit Usyk überhaupt nicht mit der damaligen Amateur-/WSB-Paarung vergleichbar. Nur denke ich eben, dass Usyks Gesamtpaket immer noch ausreichen würde, um Joyce‘ beste Waffen wirkungslos zu machen. Ich würde es momentan 60/40 für den Ukrainer sehen, wobei ich nicht ausschließen würde, dass er einige Angstmomente durchzustehen hätte, um sich den Sieg zu sichern.

          2. Usyk ist schon ein krasser Boxer, da gebe ich Dir absolut Recht. Technisch mit Abstand der versierteste im Schwergewicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er Joyce‘ Waffen 12 Runden lang wirkungslos machen kann.

            Ja, gegen AJ hat es funktioniert, aber AJ ist mental doch ziemlich schwach. Im 2ten gegen Usyk hat sich AJ in den ersten Runden noch gut auf seine Strategie fokussieren können, aber spätestens ab der zweiten Hälfte hat er sich wieder Usyk‘ Spielchen aufzwingen lassen, ähnlich wie Wilder in Wilder vs. Fury 3. Ich glaube daher nicht, dass AJ in der neunten härter geschlagen hat, als Joyce gegen Parker in der elften Runde, obwohl AJ gegen Usyk nicht so viel und hart einstecken musste, wie Joyce gegen Parker.

            Usyk ist physisch aber stabiler, als ich nach den ersten drei HW-Kämpfen gedacht habe und durchaus bringt er alles mit, um Joyce zu besiegen, keine Frage, aber irgendwie kann ich mir das aufgrund der Physis und der Entwicklung von Joyce solange nicht vorstellen, bis ich es im Ring gesehen habe.

            Aber wie Du bereits geschrieben hast, die Kreuz-und Quervergleiche bringen nicht viel und werden im Ring nicht selten widerlegt, aber was bleibt einem vor dem Kampf schon anderes, als darüber zu spekulieren, wer wohl wie und warum abschneiden wird?

            Ein weiterer guter und neutraler Kommentar von Dir, schreiberlingfan. Eine Koryphäe hier bei boxen.de!

          3. Wäre auf jeden Fall eine krasse Ansetzung und eine sehr schwere Aufgabe für Usyk: Ein Gegner, der wie Chisora nach vorne strümt und das aber mit deutlich mehr Kondition und deutlich mehr Schlagkraft…
            Allerdings muss man schon sagen, dass er gegen Usyk das Tempo nochmal deutlich erhöhen müsste und auch viel Luftlöcher schlagen würde, sodass ich nicht sicher bin, ob er „hinten raus“ auch noch so fit wäre…
            Gegen Usyk müsste er auch schneller und „ansatzlos“ schlagen, sodass hinter den einzelnen Schlägen wohl auch nicht ganz so viel Damp stecken würde…
            Ich sehe JJ auf keinen Fall chancenlos, würde aber Usyk schon knapp als Favoriten sehen…

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