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Joe Louis: The Brown Bomber

Die Boxfans warten seit Juni 1936 auf nichts sehnlicher als auf  das Re-Match des „Braunen Bombers“ gegen Max Schmeling. Nun ist es endlich so weit. Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der sensationellen KO-Niederlage Louis‘ gegen Schmeling, am 22.06.1938, stehen sich die beiden erneut gegenüber. Joe Louis ist mittlerweile Schwergewichtsweltmeister geworden. Die  Atmosphäre im Yankee Stadium in der Bronx zu New York ist hoch explosiv. Der vormals so beliebte Schmeling ist zum Nazi-Buhmann geworden. Ihm wird beispielsweise vorgehalten, in der Kabine vor seinen Kämpfen in den USA das Horst-Wessel-Lied mit erhobenem Hitlergruß gesungen zu haben. Louis‘ ist erzählt worden, Schmeling habe ihn als „minderwertigen Schwarzen“ bezeichnet. Und der eigentlich ziemlich gutmütige und tolerante Louis glaubt zunächst die Geschichten. Beim Einmarsch der Kämpfer zum Ring wird Schmeling übel beschimpft und mit Gegenständen beworfen. Im Moment des Gongs stürmt Louis auf Schmeling zu, bedrängt ihn unablässig und lässt serienweise Schläge auf Schmeling niederprasseln. Schmeling dreht ab, erhält einen vernichtenden Schlag in die Nierengegend, so dass sogar Wirbelknochen in Mitleidenschaft gezogen werden. Noch vor Ende der ersten Runde ist er über die Zeit KO.  Louis bleibt unumstrittener Weltmeister im Schwergewicht. Auf den Straßen tanzt die schwarze Bevölkerung.  Ein Jubel-Orkan breitet sich im Land aus.  

Dass diesem Kampf einer der größten Skandale der Boxgeschichte vorausging, wird später geschildert. Zunächst etwas zur Familie Joe Louis und zu seinem Weg bis zum Weltmeister.

Die Familie

Joe ist eines von acht Kindern des Baumwollarbeiters Munroe Barrow. Von  ihm wird behauptet, er sei später geisteskrank geworden. Bestätigt ist dies keinesfalls. Die Familie stammt aus dem US-Bundesstaat Alabama. Dort wird er am 13. Mai 1914 in La Fayette geboren. Mit bürgerlichem Namen heißt er Joseph Louis Barrow. Die Mutter lässt sich scheiden und heiratet dann erneut.  Mit ihrem neuen Ehemann,  Pat Brooks, der in der Autoindustrie arbeitet und weitere acht Kinder mit in die Ehe bringt, zieht sie im Jahre 1926 nach Detroit. Der Stiefvater erhält dort einen besser dotierten Job in der dort ansässigen Autoindustrie. Dadurch ist es den Eltern möglich,  der gesamten Familie bessere Bedingungen zu bieten, so dass die Kinder beispielsweise nicht mehr wie vordem zu Dritt in einem Bett schlafen müssen.  Beide Elternteile, die Mutter und der Stiefvater, mühen sich redlich ab, um die Familie vorwärts zu bringen.

Joe Louis als Amateur

Joe beginnt  mit 17 Jahren mit dem Boxsport. Man lässt ihn ganz zu Beginn seiner Amateurlaufbahn gegen John Miler boxen. Miler ist ein erfahrener Halbschwergewichtler und steht für die USA im Olympiateam von 1932. Er schlägt Louis mehrfach zu Boden und richtet ihn übel zu. Joe wird in der zweiten Runde aus dem Kampf genommen. Sein Stiefvater rät ihm, was „Anständiges“ zu lernen; nur die Mutter ermutigt ihn, mit dem Boxen fortzufahren.  Joe nimmt nach dem Desaster-Kampf zunächst  sechs Monate Auszeit, bevor er wieder in den Ring steigt. Als Amateur wird er US-amerikanischer Halbschwergewichtsmeister, gewinnt 1933 in Detroit  gegen Joe Biskey die Golden Gloves  in der Klasse der Newcomer, verliert aber dann bei den Chicago Golden Gloves der Champions. Ein Jahr später gewinnt er das Chicago-Turnier im Halbschwergewicht. Die Amateurkarriere Louis‘ ist außerordentlich erfolgreich. Sie umfasst insgesamt 54 Kämpfe, wovon er 50 siegreich beendet, bei 43 KOs. 

Der Braune Bomber

Zwei Manager werden auf Joe Louis aufmerksam: John Roxborough und Julian Black. Sie vermitteln ihn an  „Chappie“ Jack Blackburn, der bis dahin bereits zwei Weltmeister, nämlich Sammy Mandell im Leichtgewicht und Bud Taylor im Bantamgewicht, hervorgebracht hatte. Blackburn sollte bis zu seinem Tod enger Betreuer und Trainer von Joe Louis bleiben. Er hatte selbst schwere Zeiten hinter sich, war Profi im Leichtgewicht  gewesen.  Er hatte zeit seines Lebens mit dem Alkohol zu kämpfen, musste dann sogar für längere Zeit in  den Knast, weil er bei einem Baraufenthalt einen Mit-Zecher erstochen hatte.

Jack Blackburn ist zunächst wenig angetan von seinem Schützling, weil er der Meinung ist, dass farbige Boxer in der damaligen Zeit keine Chance haben. Er hat die Anfeindungen gegen den ersten schwarzen Weltmeister, Jack Johnson, nicht vergessen. Blackburn übernimmt ihn dann doch, rät ihm aber, auf keinen Fall irgendwelche nähere Verhältnisse mit weißen Frauen  einzugehen und darauf zu achten, niemals weiße Gegner zu provozieren und Alkohol und Zigaretten zu konsumieren. Es ist bekannt, dass Joe Louis diese Grundsätze in seiner ganzen Karriere beherzigte.

Die Profikarriere Louis‘ startet, als er 20 ist.  Im ersten Kampf,  am 04. Juli 1934 in Chicago,  steht er im Schwergewicht  mit Jack Kracken  im Ring. Und siegt  in der ersten Runde mit KO. Louis ist 1,88 m groß, wiegt damals 82 kg. Das Halbschwergewicht hat er hinter sich gelassen, und ein Cruisergewicht gibt’s damals nicht. Die nächsten 11 Fights siegt er ebenfalls. Nur zwei von den ersten 12 Kämpfen gehen über die volle Distanz. Unter denen, die er auf die Bretter schickt, zählen bereits zwei Weltranglisten-Schwergewichtler, nämlich Stanley Poreda und Charley Massera.  Im Laufe des Jahres 1935 wird Louis bereits von vielen als kommender Weltmeister  gesehen. Von  den 14 Kämpfen, die er bestreitet, gewinnt er nur zwei nicht durch KO. Primo Carnera, der frühere italienische Weltmeister im Schwergewicht, der durch einen Sieg über Sharkey von 1933 bis 1934 Titelträger wurde, hat gegen ihn keine Chance. Der  1,97 m – Mann, der fast 30 kg schwerer ist als Louis, wird förmlich zerschlagen. Louis siegt durch TKO in der sechsten Runde. Ebenso ohne Chance: King Levinsky:   TKO in der ersten Runde. Dann tritt Louis gegen Max Baer an. Baer ist in den USA ungeheuer populär, ein Kämpfer, der die Massen mit seinem aggressiven Kampfstil begeistert hat. Er wird von Louis ohne Gnade vernichtet. In der vierten Runde wird er nach einigen Niederschlägen, auf den Knien kauernd, ausgezählt. Ein gebrochener Mann.

Jeder sieht nun Louis als natürlichen Herausforderer des Weltmeisters, James Jim Braddock. Und keiner gibt einen Pfifferling auf Braddock. Der aber stellt sich noch  taub. Und Joe Louis nimmt einen Kampf gegen Max Schmeling an. Zuvor aber soll er gegen den „Baskischen Holzfäller“, den Spanier Paolino Uzcudun, gehen. Der hat bis dahin, was die KO-Niederlagen angeht, eine reine Weste. Noch nie hat er den Ringboden aufsuchen müssen. Aber da ist Joe Louis. In der vierten Runde schlägt er mit seiner rechten Hand  so hart zu, dass Paolino Zähne verliert und danach mehr als zwanzig Minuten nahezu bewusstlos ist. Später sagt er, dass er niemals einen Gegner gehabt habe, der so hart zuschlagen könne. Er hält Louis für unschlagbar.  Max Schmeling sitzt am Ring und verfolgt den Kampf. Nach dem Kampf wird er nach seinen Chancen befragt, und Max antwortet, er habe eine stilistische Macke gesehen. „I’ve seen something“, das ist das Wort, was vor dem Kampf Schmeling gegen Louis die Runde macht. Aber Schmeling wird von den Journalisten verlacht. Er mache den Eindruck wie ein kleiner Junge, der vor Furcht im Walde pfeift, wird erzählt.  Kein aktueller Schwergewichtler könne Joe Louis gefährden, heißt es. Mit 16:1 liegt er bei den Wettern vorn.

Das Debakel gegen Schmeling

Schmeling, von 1930 bis 1932 Weltmeister im Schwergewicht, hatte den Titel durch einen Disqualifikationssieg gegen Jack Sharkey geholt. Im Rückkampf aber nach Punkten verloren. Die Niederlage ist ein Fehlurteil, sagen die meisten Beobachter des Kampfes. Danach hatte er gegen Mickey Walker zwar mit einem TKO gesiegt, in den nachfolgenden Kämpfen aber einen steilen Abstieg hinnehmen müssen. Max Baer hatte ihn in der wohl schwersten Niederlage seiner Laufbahn auseinandergenommen und durch TKO gesiegt. Auch gegen Steve Hamas verlor er nach Punkten. In den folgenden Aufbaukämpfen, die ihn aus dem Tal herausführen sollten, schlug er Steve Hamas entscheidend in einem Revanchekampf und siegte auch gegen Paolino Uzcudun nach Punkten. Dann stellte er sich dem Aufsteiger des europäischen Schwergewichts, dem Bochumer Walter Neusel, in einem Kampf vor 100.000 Zuschauern, einer Zahl, die in Europa vorher und danach niemals wieder erreicht wurde. Schmeling gibt Neusel keine Chance und siegt mit einem ungefährdeten TKO-Sieg.

Der Kampf Louis vs. Schmeling muss zunächst wegen Regen verlegt werden, und die Zeitungen schreiben mehr oder weniger zynisch, dass Schmelings Tod damit für einen Tag verzögert werde. Dass das Ende des Kampfes eine Sensation bietet, wie  es  die Boxfans nur selten in der Geschichte des Schwergewichtsboxens erlebt haben, ahnen die wenigsten. Schmeling verfolgt eine im Training mit seinem Betreuer Max Machon ausgetüftelte Taktik, die durch das Studium von Filmaufzeichnungen der bisherigen Kämpfe von Joe Louis entwickelt wird. Max und sein Trainer erkennen, dass der Bomber nach jeder linken Hand, seinen gefürchteten Jabs, eine hinreichende  Lücke für den rechten Cross Schmelings bietet. Vom Anfang bis zum Ende des Kampfes marschiert Schmeling in diese Richtung, schlägt ihn erstmals in der vierten Runde zu Boden, was zu nahezu tumultartigen Szenen unter den Zuschauern führt. Schmeling beschreibt in seinen „Erinnerungen“, wie sich die Fans im Kampfverlauf immer mehr zu Begeisterungsstürmen, die Schmeling gelten, hinreißen lassen. Er trifft Louis zig Mal mit seiner Rechten, bis er ihn endlich in der 12. Runde ausknocken kann. Damit hat sich Schmeling einen Titelkampf gegen Weltmeister Braddock erkämpft.

Die Zeitungswelt spielt nach dem  Kampf verrückt. Manche Blätter entschuldigen sich sogar bei Schmeling, weil sie ihm vorher nicht die geringste Chance gegen Louis eingeräumt hatten. Man sucht nach Gründen für Joes  Desaster. Manche Presseleute meinen sogar, Louis würde nicht hinreichend trainieren und zu viel schlafen und essen. Sein Trainer erkennt das Problem und gewöhnt ihm die Unart ab, nach einem linken Jab frei für einen rechten Cross zu werden.

Der Skandal

Für den Sommer 1937 ist der Titelkampf Max Schmeling gegen den Weltmeister im Schwergewicht, James Jim Braddock, vorgesehen.  In den USA geht die Furcht im Boxgeschäft um, Schmeling könne erneut Weltmeister werden und das große Geschäft nach Europa, sprich Deutschland, verlagern. Und in Deutschland regieren die Nazis. Schmeling wird als deren Vertreter gesehen, obwohl er beispielsweise nach wie vor an seinen jüdischen Trainer, Joe Jacobs,  trotz massiver Probleme mit der Naziführung, festhält. Die Eintrittskarten für den Titelkampf mit Braddock sind schon fertig, der Termin, nämlich Mitte September, festgezurrt. Das Wiegen wird angesetzt. Braddock erscheint nicht und lässt sich durch eine Arthritis im Handbereich entschuldigen. Er wird mit einer kleinen Konventionalstrafe „belangt“, nämlich tausend Dollar.  Später wird bekannt, dass Joe Gould, der Manager von Braddock, einen Vertrag mit der Louis-Gruppe abgeschlossen hat: Braddock erhält künftig für jede Kampfbörse von Joe Louis zehn Prozent, wenn er den Schmeling-Kampf aufgibt und dafür gegen Joe Louis antritt. Damit hat sich Braddock für lange Jahre gute Einnahmen gesichert.

Max Schmeling hat in seinen Erinnerungen deutlich vermerkt, dass nach seiner Meinung Louis mit diesen Machenschaften nichts zu tun habe, sondern hier nur dessen Managern Vorwürfe gemacht werden müsse.  In späteren Jahren reist er oft in die USA, hilft dem zeitweise mittellosen Louis und ist mit ihm zeitlebens freundschaftlich verbunden.

Weltmeister im Schwergewicht

Die Wiederkehr Louis‘ nach dem Debakel gegen Schmeling  wird ohne Zeitverzug vorbereitet. Schon  am 18. August  1936 tritt er gegen Jack Sharkey, Schwergewichtsweltmeister der Jahre 1932/33, im New Yorker Yankee Stadium an. Nach seinem zweifelhaften Sieg gegen Schmeling im WM-Fight von 1932 hatte Sharkey seinen Titel gegen Primo Carnera verloren und musste danach einige weitere Niederlagen, u. a. gegen King Levinsky und Tommy Loughran, hinnehmen, hatte dann aber gegen Winston und Brubacker Punktsiege erkämpfen können. Gegen Louis ist er ohne die geringste Chance und fällt ihn in der dritten Runde. Mit weiteren sechs vorzeitigen Siegen, unter anderem gegen Natie Brown, und nur einem Kampf, in dem er über die gesamte Distanz gehen muss (Punktsieg gegen Bob Pastor in New York) hat Louis sein Prestige als weltbester Schwergewichtler wieder zurechtgerückt, und er fordert nun James Jim Braddock zum Titelfight im Schwergewicht heraus.

Braddock hat die WM-Krone durch einen überraschenden Punktsieg gegen Weltmeister Max Baer im Juni 1935 im Madison Square Garden errungen. Sein Sieg wird aber nicht sehr hoch eingestuft, weil deutlich wird, dass Baer nicht austrainiert ist. Er ist bekannt für ein ziemlich ausschweifendes Leben und seine Frauengeschichten.  Im Titelkampf gegen Joe Louis am 22. Juni 1937 in Chicago ist der zehn Jahre ältere Braddock aber kein Fallobst. Er wehrt sich tapfer und hat Louis sogar in der ersten Runde kurz am Boden. Dann aber ist Louis nicht zu stoppen und knockt Braddock in der achten Runde mit einem linken Körperhaken und einer Rechten zum Kopf über die Zeit aus. Zum zweiten Male ist ein Schwarzer nach Jack Johnson Weltmeister im Schwergewicht. Er wird es zwölf Jahre lang bleiben.

Die Titelverteidigungen

Louis ist kein wahrer Weltmeister, bevor er nicht Max Schmeling besiegt hat, der wegen seiner entgangenen Titelchancen hadert (s.o.). Er bereitet sich auf diesen Kampf gegen Schmeling mit siegreichen Kämpfen gegen Tommy Farr, Nathan Mann und Harry Thomas vor. Die Welt fiebert dem Kampf entgegen. Im  brodelnden Kessel des Yankee Stadiums bleibt Louis durch einen schweren KO nach kaum zwei Minuten der ersten Runde  gegen den chancenlosen Schmeling Weltmeister (s.o.).

Im ersten Kampf nach Schmeling, am 25.01.1939, nach kaum einem halben Jahr,  knockt er im Garden  den Halbschwergewichtsweltmeister John Henry Lewis in der ersten Runde aus. Nahezu jeden Weltranglistenboxer knöpft er sich vor. Schwierigkeiten bereitet ihm aber  z.B. Billy Conn, der als überragender Techniker bekannt ist. Conn führt bis zur 13. Runde, bewegt sich elegant im Ring um Louis herum. In der 13. Runde knallt ihm Louis zwei Rechte an die Kinnpartie, und Conn bleibt über die Zeit liegen. Er willigt in einem Rückkampf ein und wird von Journalisten gefragt, ob er keine Furcht habe, von Conn ausgeboxt zu werden. Und Louis antwortet, Conn könne zwar im Ring rennen, aber sich nicht dort verstecken. Im zweiten Kampf siegt er dieses Mal  schon nach acht Runden mit einem schweren KO.   

Der Revanchekampf gegen Conn findet bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Während des Krieges hat er einige Kämpfe, meldet sich aber freiwillig zur Army und wird in der Betreuung der amerikanischen Truppen eingesetzt. Er lässt sich auf einige Schaukämpfe ein, verzichtet auf seine Gage und setzt dennoch seinen Weltmeistertitel  u. a. gegen Buddy Baer, einem Zweimetermann, der 20 kg schwerer als er selbst ist, aufs Spiel. Im ersten Kampf siegt er durch Disqualifikation, nachdem er in der ersten Runde am Boden ist.  Im Re-Match siegt er nach dreimaligem Niederschlag Baers durch KO in der ersten Runde.

Nach dem oben angesprochenen Kampf gegen Billy Conn folgen die Fights gegen Jersey Joe Walcott und Ezzard Charles. Im ersten Kampf gegen Walcott ist er in der zweiten und vierten Runde zwei Mal am Boden, siegt dann aber mit Mühe nach Punkten. Zwar knockt er ihn im Rückkampf etwa sechs Monate später im Juni 1948 im Yankee Stadium in der 11. Runde aus, ist aber auch in diesem Kampf  in der dritten Runde kurz unten. Auch der Tod seines langjährigen Trainers hat ihn offenbar zugesetzt, jedenfalls ist seine Explosivität entscheidend geschwächt.

Nach dem gewonnenen Titelkampf erklärt er seinen Rücktritt. 25 Titelverteidigungen hat er in 12 Jahren hinter sich, allesamt siegreich beendet, die meisten durch KO bzw. TKO. Ein Rekord, der vor und nach ihm nie gebrochen werden sollte.

Das Ende

Schulden treiben ihn in den Ring zurück. Am 27. September 1950 stellt er sich im Titelkampf dem seit einem Jahr amtierenden Schwergewichtsweltmeister. Es ist Ezzard Charles.  Louis verliert einstimmig nach Punkten. Er versucht’s weiter. Schlägt in weiteren acht Kämpfen unter anderem Lee Savold, zwei Mal Omelio Agramonte. Und trifft am 26. Oktober 1951 im Garden  auf Rocky Marciano. Er ist gegen Rocky ohne Chance. Nach zwei Niederschlägen, die ihn aus dem Ring werfen, siegt Marciano durch TKO in der achten Runde. Rocky soll, so wird berichtet, nach seinem Sieg in der Kabine geweint haben. Joe Louis aber tritt endgültig von Boxsport zurück.

Die Statistik: Joe Louis bestritt insgesamt 72 Kämpfe, siegte 69 Mal, 55 durch KO, bei drei Niederlagen.  Mehr als 14 Jahre dominierte er das Schwergewicht, nur in einem Kampf von Schmeling besiegt. 12 Jahre war er Weltmeister im Schwergewicht, 25 Titelverteidigungen gelangen ihm.

Nach seinem endgültigen Rücktritt verläuft sein Leben in einer Achterbahn. Er trennt sich nicht nur   einmal von seinen  Partnerinnen, heiratet dann Martha Malone-Jefferson, die ihm einigen Halt verschafft. Dann aber beginnen bei Louis psychische Probleme; auch von Drogenmissbrauch ist die Rede. Er kommt zur Behandlung ins Hospital. Nach der Entlassung wird er zeitweise als Portier und Türsteher beschäftigt, kommt wegen der reichlichen Trinkgelder und auch durch Hilfen von Freunden (u.a. Max Schmeling) zu einiger finanzieller Stabilität.

Bei der Schwergewichtsweltmeisterschaft Holmes vs. Berbick am 11. April 1981  sitzt er als Ehrengast am Ring und wird von den Zuschauern mit Begeisterungsstürmen  begrüßt. Einen Tag später, am 12. 04.1981, verstirbt Joe Louis.

Fazit  und Ausblick

Joe Louis hatte neben Ali die schnellsten Hände, die man jemals an einem Schwergewichtler  sah. Seine Schläge  kamen überaus dynamisch und in rascher Folge, häufig in Serien. Ebenso berüchtigt war die explosive  Schlagkraft, die ihn auszeichnete. Blitzartig kamen seine Hände, rechts wie links. Darüber hinaus war er bekannt für ein nahezu unglaublich gutes Timing.  Louis war auch als „Shuffling-Joe“ bekannt, weil es aussah, als schlurfe er auf flachen Schuhen, wenn er sich durch den Ring bewegte. Dieses „Shuffling“ trug  dazu bei, dass er dadurch mit seiner Kraft haushälterischer, also „ökonomischer“,  umgehen konnte,  und darüber hinaus nahezu immer eine optimale Position und einen sicheren Stand fand, aus dem er seine Schlagfolgen mit größter Energie und Effizienz hervorbringen konnte.

Ali verehrte ihn. In seiner Autobiographie  schreibt er, dass Joe Louis neben Jack Johnson zu den größten Schwergewichtlern der Boxgeschichte zähle. Die unerreichbare Zahl von Titelverteidigungen gegen nahezu alle Ranglistenboxer seiner Zeit verifiziert eine solche Einschätzung. Im Rückblick kann man davon ausgehen, dass Joe Louis von 1935 bis 1949 das Schwergewicht beherrscht hat.

In den USA war er ungeheuer beliebt, bis zuletzt einer der populärsten Sportgrößen. Dazu hat insbesondere sein Sieg im zweiten Kampf gegen den „Naziboxer“ Schmeling beigetragen, der ihn in den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit zum Sieger demokratischer und humaner Werte machte. Ein weiterer Verdienst Louis‘ ist, dass er im Zusammenhang damit zusätzlich dafür sorgte, dass der schwarzen Bevölkerung in den USA  größere Toleranz  entgegengebracht wurde und ihre Emanzipationsbestrebungen vorangetrieben werden konnten. Sein Lebensstil war exzessiv; insbesondere von einer ungebremsten Esssucht wird berichtet. Immer wieder plagten ihn Schulden, weil er nicht mit den Mitteln umgehen konnte, die ihm zur Verfügung standen. Er soll aber mal gesagt haben, dass auch weitaus höhere Einnahmen ihn nicht vor Schulden bewahrt hätten, denn auch die wären „weg gewesen“.

Ob er gegen die beherrschenden Schwergewichtler heute, also die beiden Klitschkos, Chancen gehabt hätte?  Die Frage wird gar nicht selten gestellt.  Sie ist aber deshalb kaum beantwortbar und daher müßig, weil sich die Voraussetzungen geändert haben. Joe Louis wäre bei einer Größe von 1,88 m und einem in seinen besten Zeiten  durchschnittlichen Gewicht von ca. 90 – 95 kg natürlich körperlich unterlegen. Aber man sollte dabei auch beachten, dass  generell die durchschnittliche Körpergröße der männlichen Bevölkerung  in den 1930ern nicht unerheblich geringer  als die der heutigen Bevölkerung war. Was heißt, dass im Durchschnitt auch die Schwergewichtler dieser Jahre, aber auch in den 1940ern und 50ern, im Vergleich zu den gegenwärtigen Schwergewichten  von geringerer Körpergröße und daher auch mit einem geringeren Gewicht ausgestattet waren. Was Schlagkraft, Schnelligkeit, Technik und taktische Intelligenz angeht, würde Joe Louis  den beiden, das bleibt natürlich meine private Meinung,  auf keinen Fall unterlegen sein.

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25 Kommentare

  1. Box20
    21. Januar 2012 at 20:35 —

    Sehr gut geschriebener und interessanter Beitrag, ich würde hier gerne öfter Artikel lesen über Boxer zu deren Zeit man evtl. noch zu jung oder noch garnicht geboren war.

  2. Levent aus Rottweil
    21. Januar 2012 at 21:23 —

    Jeder sieht nun Louis als natürlichen Herausforderer des Weltmeisters, James Jim Braddock..

    James Jim Braddock ist das nicht der Cinderella Man der von Russel Crowe im Film “Das Comeback” gespielt wurde?

  3. Shannon Arreola
    21. Januar 2012 at 21:42 —

    Zur Zeit, als Joe Louis geboxt hat, war mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit keiner der User dieser Seite geboren. Auch nicht Kevin22. Und Johannes Heesters ist von uns gegangen und hat sehr wahrscheinlich nicht auf dieser Seite gepostet!

  4. Mr. Wrong
    21. Januar 2012 at 22:16 —

    Joe Louis der beste Schwergewichtler aller Zeiten. Größer als Ali, Tyson und Lewis zusammen.
    Ich sage nur eins: in 13 Monaten als Profi -> 20(16ko)-0-0
    Nur Walker Smith alias Ray Robinson ist größer als Joe Louis!!!

  5. kevin22
    21. Januar 2012 at 22:26 —

    @ Mr.Wrong

    Du darfst aber nicht vergessen, dass das Boxen von damals mit dem der heutigen Zeit nur wenig zu tun hatte!
    Gibt ja noch einige Aufzeichnungen über youtube zu sehen, das ist eher ein Prügeln über Zeit als Boxen auf hohem Niveau!
    Aber so hat eben jede Zeit ihre Boxhelden und ihre eigenen Boxstyles, damals war er auf jeden Fall einer der Größten!

  6. Alonso Quijano
    21. Januar 2012 at 22:30 —

    george foreman war der beste !!!

  7. Paul
    21. Januar 2012 at 22:38 —

    @ Box20

    In der Kategorie “Boxgeschichte” findest Du schon jetzt und zukünftig eine Reihe von “alten” Boxgrößen. 😀

  8. Rock
    21. Januar 2012 at 22:46 —

    Ironisch, dass Joe Louis gegen den vermeintlichen “Nazi-Boxer” Schmeling zur Hoffnung des weißen Amerika wurde. Wie schnell sowas plötzlich immer geht. Aber Schachzug von Braddock mit den 10 Prozent war ja mal echt schlau.

  9. SemirBIH
    21. Januar 2012 at 22:54 —

    Ich frage mich immer wieso die Klitschkos mit den besten Schwergewichtlern aller Zeiten verglichen werden … Ist doch eine absolute Frechheit …

  10. Paul
    21. Januar 2012 at 23:03 —

    @ Semir

    Sie beherrschen gegenwärtig das Schwergewicht. Das kann man eben nicht abstreiten. Daher kommt’s zu Vergleichen mit früheren Größen.

  11. kevin22
    21. Januar 2012 at 23:35 —

    SemirBIH sagt:

    “Ich frage mich immer wieso die Klitschkos mit den besten Schwergewichtlern aller Zeiten verglichen werden … Ist doch eine absolute Frechheit …”

    Gut gebrüllt Löwe…
    Hast du auch Argumente?

  12. Levent aus Rottweil
    22. Januar 2012 at 00:04 —

    SemirBH hat heute etwas zu viel getrunken denke ich,anders kann man seine “Argumentation” nicht interpretieren…!

  13. Der Albaner aus...
    22. Januar 2012 at 02:09 —

    @ SemirBIH

    Ja momentan sind die Klitschkos die besten im HW, aber das Schwergewicht ist sehr sehr schwach besetzt und das merkt man auch direkt…bestes beispiel Rahman rangliste 1, Lachhaft.Die Klitschkos kann man meiner Meinung nach nicht mit den ganz ganz großen vergleichen…

    Aber der grösste ist immer noch Ali das ist so und wird es warscheinlich auch so bleiben, und dann kommen Rocky,Tyson und der rest.

  14. Tom
    22. Januar 2012 at 02:31 —

    @ Paul

    Mal wieder ein sehr guter Beitrag über einen Boxer von einst!

    Für mich ist Joe Louis der Beste Schwergewichts-WM den es je gab,aber eine Sache fehlt in deinem Bericht,das es überhaupt zu dem Kampf gegen Braddock kam ist dem Manager von Braddock hoch anzurechnen,denn der hat etwas ausgehandelt das wohl bis heute einmalig in der Boxgeschichte sein dürfte!?
    Denn der Deal war das Braddock außer seiner Börse noch zusätzlich 10% von allen Börsen von J.Louis bekommt so lange der noch boxt!

  15. Paul
    22. Januar 2012 at 11:23 —

    @ Tom

    Das mit dem Deal ist doch, wenn mich nicht alles täuscht, im Artikel erwähnt 🙂

  16. Paul
    22. Januar 2012 at 11:31 —

    @ Kevin22

    Ich würde das nicht so verallgemeinern. Einige Boxgrößen der “alten” Zeit hatten durchaus boxerische Fähigkeiten, die sich im Vergleich mit denen von heute bestimmt messen können. Ich nenne da nur mal Gene Tunney, Schmeling, Louis. Nicht wenige gegenwärtige Schwergewichtler, auch Ranglistenboxer,sind auch heute boxerisch limitiert.

  17. Mr. Wrong
    22. Januar 2012 at 11:46 —

    Die Boxer von “damals” waren den heutigen weit überlegen.
    Die haben im wahrsten Sinnen des Wortes ums Überleben gekämpft.
    Statt eines 20köpfigen Teams, hatten die nämlich nur einen Trainer.
    Nimm denn heutigen Boxern ihre “Enährungsberater” (Victor Conte und co.) weg, die werden nur ka-s-sieren.

  18. Levent aus Rottweil
    22. Januar 2012 at 12:21 —

    So jett stellt sich die Frage stellen wir die besten von damals gegen die besten von heute “inflationsbereinigt” (ohne neue erkenntnisse,trainingsmethoden etc) gegenüber könnte man durchaus sagen das die von damals gute Chancen hätten!

    Aber Leute das ist Müßig das ist genauso wie wenn man sagen würde hätte das Römische Reich 500 vor Christus die die Welt beherrschten eine Chance gegen die US Kampfkräfte heutzutage?
    Inflationsbereinigt sicherlich aber mit den mitteln Heutzutage haben sie Natürlich in etwa die gleiche Chance wie ein eiswürfel in der Hölle!

    Also wie gesagt durch neue Erkenntnisse (Ernährung,Training,Medizin usw) sind die damaligen Boxer natürlich klar hinterher!
    Genauso wie die ehutigen Besten in 50 Jahren hinterher sein werden da gibts wieder neue Erkenntnisse usw jeder in seiner Ära es sei denn man schafft es sie “inflationsbereinigt” in den Ring zu stellen und das geht wie wir wissen natürlich nicht !

  19. Rock
    22. Januar 2012 at 12:22 —

    Der einzige wirklich starke Gegner von Weltformat den ein Klitschko hatte, war Lennox Lewis. Von daher fällt es mir auch schwer die Klitschkos mit den besten Schwergewichtlern zu vergleichen.
    Letztendlich glaube ich aber, dass Leute wie Foreman, Ali oder Liston selbst unter den schlechteren Bedingungen von damals gegen die Klitschkos klar gewinnen würden.

  20. Levent aus Rottweil
    22. Januar 2012 at 12:31 —

    Rock vielleicht ist es auch nur so das die Klitschkos einfach ZU STARK für die heutige Zeit sind.
    Weil dahinter tummeln sich komischerweise gleichstarke Gegner rum.
    Sprich wenn es die Klitschkos nie gegeben hätte wäre das Schwergewicht ausgeglichen wie schon lange nicht und jeder würde sagen wow,ansichtssache!

    Ich sehe die Klitschkos gegen Foreman und Liston KLAR vorne und gegen Ali in seiner prime könnte es evtl schwer werden!

  21. Mr. Wrong
    22. Januar 2012 at 14:15 —

    ne ne, nehmen wir mal Sugar Ray Robinson oder Henry Amrstrong als Beispiel.
    Die hatten in einem Jahr mindestens 9 Kämpfe. Das heisst zwischen den Kämpfen lagen höchstens 40 Tage.
    Sie hatten teilweise einen 15 Runden Kampf, und stiegen 3 Wochen später wieder in den Ring, manchmal dann wieder 15 Runden. Und das ohne Nahrungsergänzung – bzw. Aufputschmittel. Würden die unter heutigen “medizinischen Erkentnissen” in Ring steigen, würde Pacquiao in 3 Runden gekillt werden.
    Was würde z.B. Mike Tyson ohne seine Pillen wiegen??? 85kg?

  22. Tom
    22. Januar 2012 at 17:25 —

    @ Paul

    OK,das habe ich dann letzte Nacht wohl überlesen!

  23. Rock
    22. Januar 2012 at 17:46 —

    @Levent
    Dein Argument kann ich schon nachvolziehen, aber ich bezweifle, dass das stimmt. Ich glaube nicht, dass die Gegner heute stark sind. Hast du dir mal Kämpfe von früher angeschaut? Google doch mal Gerry Cooney, der hats nie an die Spitze geschafft, aber ich glaube heutzutage würde er praktisch alle wegfegen. Hast du dir mal Listons Jab angeschaut? Der hat stärker zugehauen als die Klitschkos und hat sogar eine 5cm längere Rechweite als Wladimir. Da könnten die Klitschkos ihre(zugegeben gute) Jab-Taktik nicht mehr ausführen. Du siehst das Schwergewicht vielleicht optimistischer, aber ich würde, wenn die Klitschkos zurücktreten, keine Sekunde mehr Schwergewicht schauen, egal ob jetzt Povetkin, Haye oder sonstwer boxt. Dazu wäre mir die Qualität einfach zu gering.

  24. Tom
    22. Januar 2012 at 17:55 —

    @ Rock

    Aber wenn die Klitschkos nicht mehr boxen werden die Schwergewichtsduelle wieder spannender,denn dann kann jeder jeden besiegen und es wird wohl wieder eine Weile dauern bis es einen gibt der über alle anderen dominiert.

    Was G.Cooney betrifft da teile ich deine Meinung nicht unbedingt,der ist damals nur zu einem Titelkampf gegen Holmes gekommen weil er vorher K.Norton nach 54 Sekunden umgehauen hat und man konnte ihn sehr gut als weiße Hoffnung verkaufen.

    Cooney war eher ein Handwerker seines Berufes und ein wilder Haudrauf!

  25. Rock
    22. Januar 2012 at 18:46 —

    @Tom
    die Zweite Bundesliga ist auch oft spannend, aber ich schau dennoch lieber Champions League;-) Nein, ich habs vielleicht übertrieben, als ich schrieb ich würde ÜBERHAUPT GAR nichts mehr angucken(bei Povetkin vs. Huck werde ich wohl einschalten, wenn ich sonst nichts zu tun hätte), aber ich weiß wie ich solche Boxer einzuordnen habe. Nämlich ein paar Klassen nach unten.

    Was Cooney angeht, hast du recht, boxerisch war da nicht viel. Aber laut Foreman hat kein anderer seiner Gegner, und nicht einmal Liston, so hart geschlagen. Sanders war ja auch kein guter Boxer, aber er hat sogar Vitali erschüttert und Wladimir umgehauen.

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