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Jetzt am Samstag: Ryan Garcia vs Emmanuel Tagoe

Jetzt am Samstag: Ryan Garcia vs Emmanuel Tagoe

Ryan Garcia hat rund 8,7 Millionen Follower auf Instagram, über eine Million Abonnenten auf YouTube, ist redegewandt und – so schrieb es Lyle Fitzsimmons kürzlich im Bleacherreport – „sieht aus wie ein Filmstar oder der Frontmann einer Boygroup.“ Keine Frage: im „Schwiegermutters Liebling“-Ranking dürfte Garcia ganz oben rangieren.

Doch das Leichtgewicht aus Los Angeles hat auch eine andere Seite, eine fragile. Garcia machte im vergangenen Jahr öffentlich, dass er unter Depressionen und Angstzuständen leide, sagte zwei Kämpfe gegen Javier Fortuna und Joseph „JoJo“ Diaz ab und erklärte: „Jetzt ist wichtig, dass ich mich um meine Gesundheit und mein Wohlergehen kümmere. Ich habe beschlossen, mir eine Auszeit zu nehmen, um mich darauf zu konzentrieren, eine stärkere Version von mir selbst zu werden.“

Zwischenzeitlich musste sich Garcia einer Operation am rechten Handgelenk unterziehen, trennte sich nach mehr als drei Jahren von ‚Canelo‘-Coach Eddy Reynoso und trainiert nun wieder bei Joe Goossen. Der Wechsel erfolgte kurz nachdem Garcias nächster Kampf gegen den Ghanaer Emmanuel Tagoe angekündigt worden war.

Am morgigen Samstag stehen sich Garcia (21-0-0) und der 33 Jahre alte Tagoe (32-1-0) im Alamodome in San Antonio gegenüber, vermutlich nur ein „Testballon“ für ‚King Ry‘. Der Afrikaner kann zwar eine respektable Anzahl von Siegen vorweisen – darunter 15 durch KO – hat jedoch bislang nur zweimal außerhalb seines Heimatlandes geboxt. Traniert hat ‚The Gameboy‘ allerdings in den vergangenen vier Jahren unter den Fittichen seines Coachs Javiel Centeno in den USA.

Trotzdem muss man wohl davon ausgehen, dass Emmanuel Tagoe kaum eine Chance gegen Ryan Garcia hat, was ‚The Gameboy‘ Tagoe natürlich anders sieht: „Ryan Garcia ist ein guter Boxer, ich kenne Ryan Garcia. Er hat alles, aber ich weiß, dass jeder gegen ‘The Gameboy’ verlieren kann. Ich denke, ich werde Ryan Garcia ein anderes Boxen zeigen.”

Und so muss man sich fragen, wie dieses „andere Boxen“ denn aussehen wird. Tagoe hat zuletzt im November 2020 gekämpft, bringt also noch etwas mehr Ringrost mit als Garcia, der seit seinem Sieg über Luke Campbell im Januar 2021 nicht mehr im Ring stand.

Aber Emmanuel Tagoe ist eine „Wundertüte“, auf deren Inhalt man gespannt sein kann. Sein Onkel mütterlicherseits, Nana Yaw Konadu, ist ehemaliger WBC-Champion Titel im Superfliegengewicht und WBA-Weltmeister im Bantamgewicht. Tagoes anderer Onkel, der verstorbene Emmanuel Teiko Tagoe, war ein bekannter Trainer in Ghana. Doch Tagoe war nicht daran interessiert, selber im Ring zu stehen.

Sein Debüt am 19. Juni 2004 kam zufällig zustande. Emmanuel Tagoe war mit seinem Onkel Teiko bei einem Box-Event, als einer der Boxer nicht zum Kampf antrat. Obwohl er noch nie zuvor trainiert hatte, bot sich der 16-jährige als Ersatzmann an: „Damals wusste ich nichts über Boxen. Ich habe vorher nicht als Amateur gekämpft. Man sagte mir, ich wäre dann im Fernsehen und ich dachte nur: Okay, ich mag es, dass die Leute mich im Fernsehen sehen können. Also bin ich in den Ring gegangen und dachte: dieser Typ kann mir nichts anhaben. Ich wusste aus Straßenkämpfen, wie man kämpft“

Tagoe verlor durch KO in der fünften Runde und beschloss daraufhin, das Boxen zu erlernen: „Ich habe meine Fehler auspoliert und mir dann gesagt: Ich will nicht noch einmal verlieren. Ich hasse es zu verlieren und deshalb habe ich mich konzentriert und hart gearbeitet.“ Als Profi gewann Emmanuel Tagoe ghanaische und afrikanische Titel, gab im August 2013 sein US-Debüt und schlug Gerald Robles durch RTD 9.

Tagoe hat zwar noch nie einen WM-Gürtel der vier großen Verbände innegehabt, aber immerhin den Gürtel der IBO. 2011 besiegte Tagoe den Chilenen Oscar Bravo, was ihm den vakanten IBF Inter-Continental-Titel im Superfedergewicht bescherte. Im November 2012 holte der Ghanaer sich mit einem Sieg über George Ashie den internationalen WBA-Titel im Leichtgewicht. 2017 den IBO-Titel im Leichtgewicht, 2018 den WBO-Afrika-Leichtgewichtsgürtel. Und 2019 kamen mit einem Sieg über den Russen Vyacheslav Gusev die internationalen IBF- und WBO-Titel im Leichtgewicht dazu.

Bild: official_emmanueltagoe / Instagram
Bild: official_emmanueltagoe / Instagram

Schon 2018 hatte Lou DiBella ‘The Gameboy’ unter Vertrag genommen. „Ich verfolge Emmanuel seit ein paar Jahren genau und er ist mit jedem Kampf besser geworden“, sagte DiBella seinerzeit, auch Manager Peter Kahn ist „mit im Boot“. Beide sind übrigens auch für George Kambosos jr tätig, kein Wunder, dass Kambosos und Tagoe miteinander sparren.

Bild: official_emmanueltagoe / Instagram
Bild: official_emmanueltagoe / Instagram

Ryan Garcia sei „gesegnet mit dem Aussehen eines Filmstars und schnellen Händen“ hat „The Sun“, Großbritanniens größte Zeitung, kürzlich geschrieben. Ob der 23-jährige nun „innerlich gefestigt“ in diesen Kampf geht, bleibt abzuwarten. Zumindest äußerlich gibt es eine Veränderung: mehrere Tattoos.

Bild: kingryan / Instagram
Bild: kingryan / Instagram

Emmanuel Tagoe geht davon aus, dass Garcia Angst vor ihm hat. „Ich werde Ryan Garcia unterrichten, weil ich weiß, dass ich der Lehrer bin. Ich bin der König des Rings am 9. April.“

Insider sehen das allerdings anders: Tagoe sei zu klein, habe kurze Arme und sei weit offen für Konter, quasi für Garcia maßgeschneidert. Man darf gespannt sein.

DAZN überträgt in der Nacht zum Sonntag live ab 3:00 Uhr.

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