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Jetzt am Samstag: David Benavidez vs David Lemieux

Jetzt am Samstag: David Benavidez vs David Lemieux

Wenn ich an David Lemieux denke, dann fällt mir vor allem sein Kampf im Oktober 2015  gegen GGG ein. Lemieux fand kein Mittel gegen den harten Jab Golovkins und konnte nur gelegentlich mit einzelnen Aktionen glänzen. In der 5. Runde ging der Kanadier nach einem Leberhaken am Boden, im achten Durchgang brach Referee Steve Willis die einseitige Begegnung ab.

Natürlich bin ich im Unrecht, wenn ich Lemieux auf diese Niederlage reduziere. Der mittlerweile 33-jährige hat eine Bilanz von 43-4-0 bei 39 Siegen durch KO und kommt mit dem Rückenwind von zuletzt fünf Siegen in den Kampf gegen David Benavidez.

Der ist jedoch ein anderes Kaliber als David Zegarra, Francy Ntetu, Gary O`Sullivan, Karim Achour und Maksym Bursak, gegen den Lemieux zwar nach Punkten gewann, aber in den Runden 1 und 5 am Boden war.

Es gab Zeiten, auch wenn das schon länger her ist, in denen David Lemieux als durchaus ernstnehmender Anwärter auf eine Weltmeisterschaft gehandelt wurde. Dann kam im April 2011 der Kampf gegen Marco Antonio Rubio. Der damals 31-jährige Mexikaner stoppte den 22 Jahre alten Lemieux durch TKO 7. Lemieux verließ daraufhin seinen Trainer Russ Anber, konnte aber auch im Folgekampf gegen Joachim Alcine – den er über die Punktzettel gewann – nicht überzeugen.

Fortan galt David Lemieux als ein Boxer, der einen soliden Start hinlegt, in den mittleren Runden aber nicht mehr viel zu bieten hat. Immerhin hat Lemieux von seinen ersten 25 Fights 10 in Runde 1 gewonnen, 12 in Runde 2 und je einen in den Runden 4, 5 und 6. Nur seinem Landsmann Jason Nagler war es gelungen, über 10 Runden mit Lemieux zu gehen.

„Badlefthook“ schrieb seinerzeit: „Es ist klar, dass Lemieux sehr limitiert ist. Wie viele andere, die große Siege durch K.o. in der ersten und zweiten Runde errungen haben, wurde Lemieux als jemand entlarvt, der ab einem bestimmten Punkt in einem Kampf wenig zu bieten hat. Er passt sich nicht gut an, ist offensiv berechenbar und sieht im Moment nicht wie ein zukünftiger Herausforderer aus. (…) Er ist jung, er kann boxen, und er kann repariert werden. Die Frage ist nicht, ob er sich bessern will oder nicht, sondern ob es ihm wichtig genug ist, sich anzustrengen.“

Das scheint wohl der Fall gewesen zu sein, immerhin gewann David Lemieux im Juni 2015 den vakanten IBF-Weltmeistertitel im Mittelgewicht durch einen einstimmigen Punktsieg über Hassan N`Dam N`Jikam, auch wenn die erste Titelverteidigung gegen Gennadiy Golovkin dann „in die Hose“ ging.

Am Samstag steht Lemieux aber eine vermutlich genau so große Herausforderung bevor: im Kampf gegen den bislang ungeschlagenen David Benavidez geht es um den WBC-Interims-Titel im Supermittelgewicht. Wie Lemieux, so ist auch Benavidez ein harter Puncher mit 22 Knockout-Siegen in 25 Fights.

‚Red Flag‘ ist ein guter Boxer mit Power und Speed, lässt es aber mitunter an Disziplin missen. Im September 2017 holte sich Benavidez mit einem Sieg über Ronald Gavril den vakanten WBC-Titel im Supermittelgewicht. Ein Jahr später wurde Benavidez positiv auf Benzoylegonin getestet, den Hauptbestandteil von Kokain. Die Folge: der Titel war weg.

Im September 2019 wurde David Benavidez mit einem vorzeitigen Sieg über Anthony Dirrell erneut WBC-Weltmeister. Doch zur ersten Titelverteidigung gegen den Kolumbianer Roamer Alexis Angulo im August 2000 brachte Benavidez das Gewicht nicht, wieder war der WBC-Titel Geschichte.

Sollte ‚El Bandera Roja’ diesmal im Limit und konzentriert bei der Sache sein, dürfte ein Sieg über Lemieux zwar nicht nur Formsache, aber zu erwarten sein. In den Wettbüros ist der US-Amerikaner der klare Favorit. Benavidez ist größer, hat die bessere Reichweite und einen Gegner, der zwar nicht unbedingt ein Glaskinn hat, aber auch keines aus Eisen.

Fakt ist: beide Kontrahenten können hart zuschlagen, sodass der Kampf wohl kaum über die Distanz gehen wird. Ich gehe davon aus, dass Lemieux in der Anfangsphase des Kampfes ein paar gute Aktionen haben wird, die mangelnde Fähigkeit, auch im Rückwärtsgang zu kämpfen, wird aber einen Sieg von Benavidez begünstigen. Deshalb tippe ich auf einen Sieg von ‚Red Flag‘ in Runde 7.

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