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Jeanette Zacarias Zapata – kampfunfähig angetreten?

Jeanette Zacarias Zapata – kampfunfähig angetreten?

Das hat rund eine Woche, nachdem die 18-jährige Mexikanerin in einem Krankenhaus in Montreal an den Folgen eines Boxkampfes gestorben ist, ihr Vater behauptet.

In einem Interview mit der mexikanischen Website Proceso.com erklärte Esteban Zacarías, dass seine Tochter bereits in vorausgegangenen Boxkämpfen harte Kopftreffer genommen habe und bewusstlos gewesen sei. Die Ärzte hätten ihr gesagt, dass sie möglicherweise operiert werden müsste.

Jeanette Zacarias Zapata habe diese Warnung ignoriert. Die Antwort der 18-jährigen sei gewesen: „Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, und wenn ich beim Boxen sterbe, dann sterbe ich!”, sagte ihr Vater in dem am vergangenen Sonntag erschienenen Bericht. Er habe sie auch nicht überzeugen können, den Kampf in Montreal abzusagen.

Weil sein Pass abgelaufen war, so Esteban Zacarías weiter, konnte er seine Tochter diesmal nicht begleiten, wie bei sonst all ihren Amateur- und Profifights. Nach dem Vorfall, den er online verfolgt hatte, sei er in Panik geraten und habe die ganze Nacht nicht schlafen können. Um vier Uhr hätte er einen Anruf bekommen: die behandelnden Ärzte baten um die Genehmigung für eine sofortige Operation: „Ich habe ihnen gesagt: gebt ihr Zeit, ihr könnt sie so nicht operieren, denn sie ist so einem größeren Risiko ausgesetzt. Gebt ihr ein paar Stunden Zeit. Sie ist stark, ich weiß, dass sie reagieren wird. Sie wird eine Botschaft aussenden.”

Nachdem sich am Sonntagmorgen die Situation etwas entspannt hatte, sollen laut Esteban Zacarías die Ärzte Entwarnung gegeben haben: es sei keine OP mehr nötig. Bei einer Videokonferenz am darauffolgenden Mittwoch teilte das behandelnde Medizinerteam Jeanette Zacarias Zapatas Eltern und ihrem Trainer mit, dass die Patientin in einem ernsten Zustand, aber stabil im induzierten Koma sei. Es bestehe Hoffnung, dass die 18-jährige sich erholen könne. „Sie erklärten (…), dass das Problem Jeanettes Blutdruck sei, der sehr stark steigen und fallen würde. Sie sagten uns, dass sie sediert würde, weil sie ein Beatmungsgerät hat. Und dass es mehrere Möglichkeiten gäbe: sie wacht auf, zieht ihre Schuhe an und kommt zurück, sie wacht in 10 oder 20 Jahren auf oder ihr Gehirn versagt wegen des hohen und niedrigen Blutdrucks. Wir müssen einfach warten“, erklärte Jeanettes Trainer Luis Alberto Cruz noch am selben Mittwochabend in einem Interview.

Am Folgetag starb Jeanette Zacarias Zapata.

Doch wen kann oder muss man für den Tod der 18-jährigen zur Verantwortung ziehen? Den Organisatoren des Boxevents sind die gesundheitlichen Probleme der jungen Boxerin nicht mitgeteilt worden. „Wir fragen uns, wie das passieren konnte“, hat Vincent Morin von der Groupe Yvon Michel in einem Interview mit „Noovo Info“ erklärt. Erst als sie das Interview mit Zacarias Zapatas Vater sahen, hätten sie erfahren, dass möglicherweise Informationen zurückgehalten worden sind. Der Gerichtsmediziner von Quebec hat angekündigt, dass er den Tod der 18-jährigen untersuchen wird.

Jeanette Zacarias Zapata wird das allerdings nicht mehr helfen.

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3 Kommentare

  1. 8. September 2021 at 00:42 —

    Genau das:

    „Ich habe ihnen gesagt: gebt ihr Zeit, ihr könnt sie so nicht operieren, denn sie ist so einem größeren Risiko ausgesetzt. Gebt ihr ein paar Stunden Zeit. Sie ist stark, ich weiß, dass sie reagieren wird. Sie wird eine Botschaft aussenden.”

    … war vielleicht genau die Zeit, in der sie noch durch eine OP zu retten gewesen wäre. Jeder weis, dass es bei einer Gehirnverletzung auf jede Minute ankommen kann. Völlig unverständlich dann zu sagen “gebt ihr Zeit” … zum Sterben oder was ?

  2. 10. September 2021 at 16:59 —

    So einfach ist das eben nicht, reineckefuchs. Je nachdem welche Verletzung vorliegt, birgt ein zu früher Eingriff auch ein zu großes Risiko. In manchen und nicht gerade wenigen Fällen, muss ein Hirnschwellung erst einmal gänzlich abschwellen. Zapata stand unter ärztlicher Kontrolle und es ist beinahe normal, dass man in solchen Fällen mit einer Operation erst einmal den optimalen Zeitpunkt abwartet.

    Dem verantwortlichen Entscheidungsträger, ob nun operiert oder erst einmal zugewartet wird, einfach so die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist da nur wenig bis gar nicht hilfreich.

    Vielmehr ist entscheidend, dass Zapata nach ihrem vorletzten Kampf wohl ein dringende gesundheitliche Pause angeordnet wurde und diese weder von den Verbänden, Trainern, ihr selbst oder sonst irgendjemanden durchgesetzt wurde.

    Dazu kommt, dass man ein Missmatch, in welchem sich einer der Gegner den gesamten Kampfverlauf nicht ausreichend gegen die Schläge seines Kontrahenten schützt, zwar nicht gänzlich verhindern kann, aber auch nicht frühzeitig genug gestoppt werden.

    Und nun kann man raten, woran das wohl liegt? Mit Sportlichkeit hat es auf jedenfall nur sehr wenig zu tun!

    • 10. September 2021 at 20:25 —

      „In manchen und nicht gerade wenigen Fällen, muss ein Hirnschwellung erst einmal gänzlich abschwellen.“

      Nimm’s dir zu Herzen, diggerle!

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