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Jarrell Miller – Doping-Anhörung Anfang August

Jarrell Miller – Doping-Anhörung Anfang August

Wie bekannt geworden ist, hat die Nevada State Athletic Commission die Anhörung von ‚Big Baby‘ Miller auf den 5. August terminiert. Laut Executive Director Bob Bennett stehen Miller und der Dopingvorwurf an diesem Tag auf der Tagesordnung einer Sitzung der Kommission.

In Millers Urinproben fanden sich bei einem Test vor dem geplanten Kampf gegen Jerry Forrest am 9. Juli gleich mehrere verbotene Substanzen: GW1516, HGH und EPO. Jarrell Miller, der seit dem positiven Befund vorläufig suspendiert ist, hat bisher behauptet, er habe wissentlich keine leistungssteigernden illegalen Mittel zu sich genommen.

GW1516 – auch bekannt unter den Bezeichnungen GW-501,516, GW501516, GSK-516 und auf dem Schwarzmarkt als Endurobol – war in den 90er Jahren ein Arzneimittelkandidat für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nachdem das Mittel in Tierversuchen Krebs verursacht hatte, wurde die Entwicklung wurde im Jahr 2007 aufgegeben. Ein 2007 veröffentlichtes Forschungsergebnis zeigte, dass die Gabe hoher Dosen von GW1516 bei Mäusen deren körperliche Leistungsfähigkeit drastisch verbesserte.

HGH steht für Human Growth Hormone, auf Deutsch: Wachstumshormon. Zwei Wirkungen von HGH werden von dopenden Sportlern besonders geschätzt: die eiweiß- und damit muskelaufbauende und die ausgeprägte fettabbauende Wirkung. Vor allem in Ausdauer- und Kraftsportarten wird HGH deshalb in Trainingsphasen zur langfristigen Steigerung der Leistung genutzt. Nebenwirkungen der Verabreichung sind unter anderem Formveränderungen an Knochen.  So kann bei höheren Dosierungen das Wachstum der Kieferknochen zu Zahnlücken führen, auch Hände und Füßen werden auffällig größer.

EPO ist das Kürzel für Erythropoetin, ein körpereigenes Eiweiß-Hormon, das die Produktion der roten Blutkörperchen stimuliert. Je mehr rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind, desto mehr Sauerstoff kann aufgenommen werden. Die Folge: Ausdauer und Leistungsfähigkeit steigen, weil auch die Muskelzellen so mehr Sauerstoff erhalten.

Der Mediziner und Dopingexperte Jürgen Reul unternahm im Sommer 2007 einen Selbstversuch. Er fuhr die Tour-de-France-Etappe nach L’Alpe d’Huez am 21. Juni in ungedoptem Zustand und zwei Wochen später nochmals unter EPO-Einfluß. Ohne EPO benötigte er für die 21 Serpentinen 70 Minuten, nach erfolgtem zweiwöchigen EPO-Doping konnte er sich (trotz schlechterer Wetterbedingungen mit Kälte, Regen und Gegenwind) auf 66 Minuten verbessern. In einem Interview beschrieb Reul  auch die psychische Wirkung der EPO-Einnahme, die in einer „höheren Kampfmoral und unterschwelligen Aggressionen“ bestand.

Miller ist sich nach eigenen Angaben keiner Schuld bewusst: „Ich habe niemals bereitwillig ein Steroid zur Leistungssteigerung genommen”, hat Jarrell Miller gegenüber „Fight Network“ gesagt: „Habe ich etwas für heilende Eigenschaften, für Verletzungen genommen? Ja, das habe ich. Aber um einen Kampf zu gewinnen und während eines Trainingslagers? Nein, das habe ich nie getan.“ Angeblich hat Miller eine möglicherweise kontaminierte Substanz auch auf einem Formular aufgeführt, das der Voluntary Anti-Doping Association im Rahmen des Testprozesses vorgelegt worden ist.

Nun bleibt abzuwarten, ob und für wie lange Miller gesperrt wird. Bob Arum hat bereits angekündigt, Miller nicht weiter co-promoten zu wollen, viele Boxfans und Experten fordern eine lebenslange Sperre. Immerhin ist Miller nun bereits zum dritten Mal doping-auffällig geworden.

Der Dopingsünder sieht sich aber scheinbar nicht als Täter, sondern als Opfer. Bei Instagram postete Miller unter dem Motto „Ich gegen den Rest der Welt“ das Folgende:

 

Bild: bigbabymiller / Instagram

„GOTT, Allah hat einen Plan für uns alle. Ich stelle den Plan des SCHÖPFERS für mein Leben nie in Frage. Ich werde stark und zuversichtlich bleiben und auf dieser schwierigen Reise, für die ich aber definitiv gebaut bin, weiter voranschreiten.

An meine Familie, mein Team, meine Freunde und Fans. Ich danke Euch für Eure  anhaltende Liebe und Unterstützung in dieser schweren Zeit. Ich liebe Euch dafür, dass ihr aufrichtig zu mir gestanden habt. Ich habe gesehen und gehört, dass einige ein Boxverbot  für mich gefordert haben. Solche Idioten!

Ich habe eine Menge zu diesem Scheiß zu sagen, aber das ist ein Gespräch, das ich zu einem anderen Zeitpunkt wieder aufgreifen werde.

Mein Kampf geht weiter und ich werde ihn gewinnen. Ich habe mich noch nie in einem Kampf ergeben und ich habe mich noch nie aufgegeben. Und ich werde es auch nicht tun!! BIG BABY ist noch hier!!!!!!“

Am 5. August wird Miller oder ein Vertreter der Nevada State Athletic Commission erklären müssen, wie die verbotenen leistungssteigernden Substanzen in Millers Körper gelangt sind.  Dann – so Bennett – wird die Kommission eine Entscheidung treffen: „Wir können die Suspendierung verlängern”, erklärte der Executive Director, aber er sei nicht geneigt, darüber nachzudenken, für wie lange.

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5 Kommentare

  1. 23. Juli 2020 at 09:52 —

    In Zeiten, wo in den USA selbst der President ein ausgemachter Lügenbaron ist und die Hälfte der Bevölkerung das toleriert, kann auch ein “Big Baby Miller” behaupten, sein hochgezüchteter Body ist durch fleißiges trainieren, viel grünen Salat und mageres Hühnchenfleisch entstanden. Allein das Instagram-Bildchen sagt doch schon, woher der Wind weht.

  2. 23. Juli 2020 at 11:03 —

    Kraftmüsli?

  3. 23. Juli 2020 at 12:18 —

    Miller bezeichnet alle die eine Sperre für ihn fordern als Idioten, Miller ist der Idiot denn er lernt nicht aus seinen Fehlern/Verfehlungen! Vielleicht ist die Doperrei für Miller schon zu einer Normalität in Form einer Sucht geworden!?

    Ich wäre für eine Sperre von 5 Jahren bis lebenslänglich und das obwohl ich Miller habe gerne kämpfen sehen, aber ich denke auch das er die Kurve dopingfrei zu trainiern nicht mehr kriegt!

    • 23. Juli 2020 at 16:09 —

      Doping macht (abgesehen von reinen Aufputschmitteln) überhaupt nur Sinn, wenn man es regelmäßig betreibt.
      Alleine Kraft- und Muskelwachstum funktionieren nur konstant über Monate bzw. sogar Jahre.

      Deshalb sind 99,9% aller erwischten Doper auch Gewohnheits- und Sucht-Doper.
      Und sie betonen bei jeder Gelegenheit das genaue Gegenteil, dass es nur ein einmaliges Versehen war, als Ablenkung.

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