Jake Paul – frühe Anzeichen von CTE?

Jake Paul – frühe Anzeichen von CTE?

Zumindest hat der boxende YouTuber behauptet, das sei bei einem Gehirnscan bei ihm diagnostiziert worden. Wie der 24-jährige weiter ausführte, werde er zu dem für morgen angesetzten Kampf gegen den ehemaligen UFC-Fighter Ben Askren trotzdem antreten: „Ich liebe diesen Sport und würde ihn nicht gegen etwas anderes eintauschen. Ich bin ein Kämpfer und das werden die Leute sehen. Ob das am Samstagabend ist oder ob es in einem Jahr ist, sie werden sehen, dass ich ein Kämpfer bin.“

Fraglich ist, ob Pauls Behauptung den Tatsachen entspricht oder ob es sich nur um einen – sozusagen dramaturgischen – „Marketinggag“ handelt, was ich persönlich durchaus für möglich halte. Falls ‚The Problem Child‘ allerdings nach nur zwei Fights, die er zudem beide durch KO gewonnen hat, wirklich schon Anzeichen einer beginnenden Dementia pugilistica zeigt, sollte man dem Möchtegern-Profiboxer schnellstmöglich die Handschuhe abnehmen.  

Etwas merkwürdig ist aber der Zeitpunkt, an dem Jake Paul mit seiner angeblichen Erkrankung an die Öffentlichkeit geht, in der Regel verfahren Profikämpfer genau andersrum: erst machen Sie einen Kampf, dann machen sie ihre Verletzung oder Erkrankung publik. Sollte bei Jake Paul aber tatsächlich eine beginnende chronisch-traumatische Enzephalopathie festgestellt worden sein, dann tut er sich mit weiteren Fights keinen Gefallen: jedes Mal wenn er während der Kämpfe und den Sparrings in der Wettkampfvorbereitung Treffer an den Kopf kassiert, wird sich der Zustand seines Gehirns verschlechtern.

Das Problem dabei: CTE macht sich meist erst Jahre nach dem Ende einer sportlichen Karriere bemerkbar. Die Folgen einer Erkrankung sind unter anderem Gedächtnisverlust, Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, Sprechstörungen, Depressionen, Aggressivität und Demenz. Durch Schlageinwirkung finden abnormale Ablagerungen in Teilen des Gehirns statt, Zellen sterben ab.

Der Verlauf ist in vier Stufen unterteilt, beginnt mit Kopfschmerzen, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefiziten und endet mit kognitiven Störungen, die die Alltagsbewältigung unmöglich machen. Was die Auswirkungen angeht, ähnelt CTE der Parkinson-Krankheit.

Das Eingestehen von Gehirnschädigungen bedeutet im Profi-Kampfsport üblicherweise das Aus. In der Regel aber stellen sich die gesundheitlichen Probleme erst nach dem Karriereende ein. EX-MMA-Fighter Wanderlei Silva sagte schon Anfang 2019 in einem Interview: „Ich war in einer Vorlesung über Gehirnerschütterungen und von den zehn Symptomen, die erwähnt wurden, hatte ich acht.“

Und auch der 55 Jahre alte EX-WBU-Weltmeister Micky Ward muss nun den Preis für seine überdurchschnittlichen Nehmerfähigkeiten bezahlen. Bei ‚Irish‘ Micky Ward machten sich die ersten CTE-Symptome 2005 bemerkbar, ungefähr zwei Jahre nachdem er seine Karriere beendet hatte. Ward leidet nach eigenen Angaben rund fünf Tage in der Woche unter starken Kopfschmerzen: „Es ist schrecklich. Mir wird dann übel, es ist wie ein Schlag auf meinen Hinterkopf. Du fühlst dich einfach den ganzen Tag ausgelaugt.“, sagte Ward vor einem Jahr in einem Interview. Er hätte nicht so hart und so viel gekämpft, wenn er von den gesundheitlichen Auswirkungen gewusst hätte, die das verursachen würde, hat Ward noch erklärt.

Für Jake Paul Jake scheint all das kein Problem darzustellen. Noch nicht.

30 Gedanken zu “Jake Paul – frühe Anzeichen von CTE?

  1. Wenn ich mir diesen Schaumschläger so anschaue und was er da so von sich gibt, scheint er CTE schon von Geburt an zu haben. Sollte er mal auf die Idee kommen gegen einen richtigen Boxer anzutreten, ist er ganz schnell geerdet.

  2. Wieso wird diesen Zirkusnummern hier soviel beachtung und artikel geschenkt. das hat nichts mit boxen zu tun. das gleiche gilt für das rentnerboxen von tyson, holifield und co. ich will hier artikel zu richtigem profi boxsport haben und nicht so einen unsinn. und lieber auch zu kämpfern aus der 2. und 3. reihe als zu solchen witzfiguren.

  3. @ Brennov

    Viele Leser haben viele verschiedene Interessen. Fakt ist: das Interesse an Rentnerboxen und Youtuber-Kämpfen ist da, die PPV-Verkäufe sind oft höher, als bei „normalen“ Kämpfen.

    Auch die Profiboxer selber haben da oft keine Berührungsängste. Regis Prograis macht da den Hauptkampf und hat gesagt: „Das ist eine Gelegenheit, die man nicht ablehnen kann. Es ist eine andere Plattform, eine andere Fangemeinde (…) und es bringt mir viel Aufmerksamkeit.“

    Profiboxen wird leider zusehends zu einer Randsportart.

    1. mag sein aber du trägst dann auch dazu bei. und komm mir nicht mit ausreden wenn du es nicht macht macht es ein anderer. man muss auch mal bei solchen fehlentwicklungen nicht mitmachen wenn man es für flasch hällst. aber du tust halt alles für klicks und verkaufst deine seele vermutlich auch für ein paar mark. es gibt halt nicht viele mit einer klaren und festen haltung

  4. @ Brennov

    Ich habe also dazu beigetragen, dass es zum Beispiel bei „Mike Tyson vs Roy Jones jr“ 1,6 Millionen Pay-per-Views gegeben hat? Interessant.

    Fehlentwicklungen? Das ist Quatsch. Die Leute haben offenbar Interesse an solchen Ansetzungen. Also ist ein Markt dafür da. Dich interessert es nicht, mich auch nicht, aber reichlich andere.

  5. Gedächtnisverlust, Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen, Sprechstörungen, Depressionen, Aggressivität und Demenz … könnte schlimmer sein … könnte digger stubble sein

  6. Verstehe die ewig Gestrigen nicht, die immer noch von den Zeiten träumen, als es noch nur acht Gewichtsklassen und nur einen Weltmeister pro Klasse gab. Die immer noch von Marvin, Sugar Ray und Carlos Monzon schwadronieren und nicht begreifen können, dass sich Sport, genauso wie jede andere Art von Kultur, entwickelt und absolute Highlights eben nicht alle zehn Minuten passieren. Ob es eine Entwicklung zum Besseren oder Schlechteren ist, kann ja jeder für sich entscheiden – muss er aber auch nicht unbedingt. Vielleicht einfach mal die Entwicklung mit offenen Augen und neutral beobachten, bevor man alles in Grund und Boden redet.

    Schreiberling hat völlig den Punkt getroffen: Boxen ist eine Randsportart. Durch die Öffnung für Crossover-Kämpfe mit UFC-Stars, durch Typen wie die Pauls und durch „fitte Rentner“ wie Holyfield oder Tyson eröffnen sich neue Marktchancen. Ob das „klassische“ Boxen von einer solchen Entwicklung profitieren kann, ob es zu dessen Niedergang beiträgt oder ob das Ganze nur eine temporäre Mode ist, muss man abwarten.

    1. Das gute daran ist ja, dass jeder selber entscheiden kann ob er sich das anschaut oder eben nicht. Ich glaube es hilft dem Boxsport an sich nicht großartig weiter, aber es schadet ihm eben auch nicht, von daher sollen sie doch machen.

      1. Sehe ich genauso – Hardcorefan wird man, weil man Verbindung zu dem Sport hat und nicht, weil man irgendeinem YouTuber oder Oldschool-Fighter auf instagram folgt. Von daher werden höchstens ein paar (oder kurzfristig auch ein paar Millionen) Erfolgsfans dazukommen – aber immerhin besser, als wenn sie Tennis oder Formal 1 schauen – jedenfalls meine Meinung.

  7. @ ak, @ Sachse, @ Brennov

    Die Grenzen sind ja fließend. Ryan Garcia zum Beispiel ist auch eher so ne Art Instagram-Star. Ich vermute, viele sehen sich seine Fights nur an, weil sie weiblichen Geschlechts sind und ihn sexy finden.
    OK … boxen kann er auch. Jetzt würde mich mal – ausnahmsweise – interessieren, was der Herr Brennov von ihm hält …

    1. Da Brennov ebenfalls den Hoseninhalt und den Testosteron/Östrogenspiegel eines 14-jährigen Mädchens hat, findet er den Froschkopf Ryan Garcia auch super süß und super sexy.

      Zum Boxer Ryan Garcia kann er sich trotz 10-jähriger Mitgliedschaft auf boxen.de leider aufgrund mangelnder Kenntnis des Boxsports nicht äußern.

  8. Früher ließ man die Dorfdeppen sich den ganzen Tag gemeinsam mit den zu hütenden Schweinen auf der Dorfwiese austoben.

    Heute machen sie das alles online auf youtube, instagram & Co, verdienen sich damit dumm und dämlich und gehören plötzlich zu den oberen 1%, den „Reichen“ und „Mächtigen“.
    Und bestimmen die Welt.

    Sagt mehr über den Zustand der restlichen Welt und Gesellschaft aus als über sie selbst…

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