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Jack Sharkey und die Skandalkämpfe gegen Max Schmeling

Zwei Mal tritt Jack Sharkey gegen Max Schmeling an. Zwei Mal endet der Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht in einem Skandal. In Kampf 1 ist Sharkey punktmäßig weit vorn, bis er Schmeling mit einem Tiefschlag auf die Bretter schickt und disqualifiziert wird. Im Rematch wird er von Schmeling fünfzehn Runden lang beherrscht. Das Urteil gilt als eines der größten Skandale in der Geschichte des Schwergewichts, denn Sharkey wird zum Sieger ausgerufen, und Schmeling verliert seinen Titel. Die Laufbahn des aus Litauen stammenden Sharkey zeigt aber noch einige weitere Ereignisse, die in der Geschichte des Schwergewichts eine Rolle spielen.

Erste Schritte

Zur Kindheit und Jugend Sharkeys geben die Quellen wenig her. Erst ab seiner Zeit bei der US-Marine werden die Informationen dichter.

Als Joseph Paul Zukauskas wird Jack Sharkey am 26. Oktober 1902 in dem kleinen Ort Binghamton im Bundestaat New York geboren. Seine Eltern wanderten aus Litauen in die Vereinigten Staaten ein. In Binghamton wächst er auch auf. Schon als junger Mann zieht es  ihn nach Boston. Nach dem Eintritt der USA in den  Ersten Weltkriegs versucht er mehrfach, sich bei den US-Marines zu bewerben, scheitert aber daran, dass er noch nicht das erforderliche Alter aufweisen kann.  Erst nach Ende des Weltkrieges, da ist er 18 Jahre, wird er bei den Marines aufgenommen. Dort kommt er schon früh zum Boxsport. Von seinen Kameraden wird der für die damalige Zeit  mit seiner über 1,80 m Körpergröße und der kräftigen Statur ermutigt, mit dem Boxen ernst zu machen. In der Marine ist er bald durch seine vielen Auftritte an mehreren Marinestützpunkten, die Boxveranstaltungen anbieten, bekannt.

Sharkey als Profi

Bei seinen kurzen Heimurlauben vom Marinedienst beginnt er am 24. Januar 1924 mit dem Profiboxen. In seinem ersten Kampf besiegt er in Boston Billy Muldoon in der ersten Runde durch TKO. Mittlerweile hat er seinen Namen gewechselt. Als glühender Anhänge des Schwergewichtsweltmeisters Jack Dempsey hat er dessen Vornamen übernommen. Der Name „Sharkey“ stammt von „Sailor“ Tom Sharkey, der im Jahre 1899 gegen James J. Jeffries angetreten war und nur knapp verloren hatte.

In den weiteren Kämpfen zeigt Sharkey eher unterschiedliche Leistungen. Im Ring beweist er häufig, dass er ein überragendes Boxtalent ist, dass er sich gut und schnell bewegt und eine durchaus überzeugende Schlagkraft in den Fäusten hat. Der Haken ist, dass er äußerst unbeständig in seinen Leistungen auftritt. In einigen Kämpfen zeigt er absolute Weltklasse, in anderen ist er um Klassen schlechter und verhält sich wie ein Anfänger.  Zwei Monate nach seinem Debüt muss er schon die erste Niederlage hinnehmen. In Boston unterliegt er dem Kanadier Eddie Record nach Punkten, allerdings sehr knapp, und für manche ist die Niederlage ein Fehlurteil. Einen Monat später knockt er Record in einem Rematch in der siebten Runde aus. Nach fünf Siegen folgen drei empfindliche Niederlagen, darunter gegen den gebürtigen Ungarn Charley Weinert, der in einer sogenannten „Newspaper Decision“ den Sieg davonträgt. Sharkey verliert auch das Rematch am 10. Februar 1925 gegen den für Österreich startenden Weinert nach Punkten.  

Nachdem er sich gegen Bud Gorman eine weitere Punktniederlage eingefangen hat, gelingt es ihm, vom September 1925 bis Mai 1927 in dreizehn Kämpfen unbesiegt zu bleiben. Darunter ist ein Sieg gegen Johny Risko, der später auch ein Gegner Max Schmelings auf seinem Weg in den USA sein wird.  Auch Harry Wills, gegen den sich Jack Dempsey geweigert hatte anzutreten, besiegt er durch Disqualifikation in der dreizehnten Runde.  Den früheren Halbschwergewichtsweltmeister Mike McTigue stoppt er in der zwölften Runde, als ihn Ringrichter McParkland wegen eines schweren Cuts aus dem Kampf nimmt. Damit steht er in einem Ausscheidungskampf zur Herausforderung des aktuellen Schwergewichtsweltmeisters, Gene Tunney. Gegner ist sein Idol, Jack Dempsey.

Kampf gegen Jack Dempsey

Dempsey hatte im September 1926 seinen Titel, den er über sieben Jahre hielt, in einem denkwürdigen Kampf gegen Gene Tunney nach Punkten verloren. Mit einem Sieg über Sharkey erhoffte er sich eine erneute Chance auf den Gürtel. Der Kampf, am 21. Juli 1927 in der Bronx zu New York, sieht zunächst Sharkey vorn. Nicht viel fehlt, und er wäre als Sieger gegen sein Vorbild aus dem Ring gegangen. Sharkey beherrscht den Exweltmeister bis einschließlich der sechsten Runde. Aber: Es gelingt ihm nicht, Dempsey zu Boden zu zwingen. Dempsey, von den Massen angetrieben, kommt in den siebten Runde mit seinem typischen,  nach vorn gebeugten Haltung aus seiner Ecke geschnellt, deckt Sharkey mit harten Treffern an den Körper ein, einige davon tief angesetzt. Sharkey wendet sich an den Ringrichter, um einen Tiefschlag anzuzeigen, und gibt für Sekunden sein Kinn frei. Dempsey lässt sich nicht zwei Mal bitten, setzt einen zerstörerischen linken Haken punktgenau an Sharkeys Kinn. Der Kampf ist vorbei. Dempsey lässt sich als Sieger feiern.  Der Traum vom Kampf um die Schwergewichtsweltmeisterschaft scheint für Sharkey in weite Ferne gerückt. Allerdings: Der Kampf gegen Dempsey hat ihm bei den Boxanhängern zumindest Respekt eingebracht. Nicht wenige behaupten, dass dieser Auftritt der beste Kampf seiner gesamten Laufbahn gewesen sei.

Titelkampf gegen Max Schmeling: Die Ausgangslage

Noch einmal versucht Sharkey, einen Titelkampf gegen Tunney zu erreichen, der Jack Dempsey im Rematch um die Schwergewichtsweltmeisterschaft in Chicago nach Punkten geschlagen hatte, allerdings mit Hilfe des legendär gewordenen „Long Count“. Vor 17.000 Zuschauern im Garden schafft er aber gegen Tom Heeney nur ein mageres „Unentschieden“, so dass Heeney gegen Tunney antreten kann, aber durch TKO verliert. Unmittelbar nach dem Sieg tritt Tunney, als Schwergewichtsweltmeister unbesiegt, vom aktiven Boxen zurück, so dass der Gürtel vakant wird. Nach sieben Siegen, darunter vorzeitig gewonnene Kämpfe gegen Young Stribling, Tommy Loughran und Phil Scott,  hat er sich für den Kampf um den vakanten Schwergewichtstitel qualifiziert.

Max Schmeling, erst 1929 in die USA gekommen, hat fünf Siege in den Staaten auf seinem Konto. Amerikaweit bekannt wird er, als er in seinem ersten US-Fight Joe Monte im Madison Square Garden vorzeitig besiegt. Schmeling ist, so berichtet er in seiner Biographie, grippekrank, als er in den Kampf geht. Mit hohem Fieber geplagt, will er aufgeben. Sein Trainer, Max Machon, beschwört ihn, durchzuhalten. Er hat den wichtigsten Mann des amerikanischen Boxsports im Garden entdeckt, den großen Promoter Tex Rickard. Geschwächt versucht es Schmeling weiter, bis er in der achten Runde eine Lücke bei Monte entdeckt. Mit Aufbietung seiner letzten Kräfte, schreibt Schmeling, schmettert er ihm eine harte Reche ans Kinn, so dass Monte zusammensackt. Im Garden ist Tex Rickard aufgesprungen und ruft: „What a right Hand“. Es ist, so berichtet Schmeling, der Türöffner für ihn in die amerikanischen Ringe. Nach Siegen gegen Joe Sekyra, und Pietro Corri steht er mit dem harten Johnny Risko im Ring, den er in der neunten Runde vorzeitig besiegt. Aber: Es war ein hartes Stück arbeitet, und Schmeling musste alles aufbieten, um den Kampf durchzustehen. Der Kampf wird im Übrigen vom „Ring Magazin“ zum „Kampf des Jahres 1929“ gekürt. Nach einem Punktsieg gegen den Basken Paolino Uzcudun hat Schmeling es geschafft: Er kämpft um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht. Schmeling hat diese Entwicklung selbst ungläubig verfolgt, dass er nach einer so kurzen Zeit in den USA um den Titel kämpfen durfte.

Der Kampf

Mit seinen 93 kg hat Sharkey im Kampf um die Schwergewichtsweltmeisterschaft am 12. Juni 1930 einen Gewichtsvorteil von acht Kilogramm im Vergleich zu Schmeling, der mit seinen 1,85 m aber um zwei Zentimeter größer als sein Gegner ist und auch Vorteile in der Reichweite hat. Vor achtzigtausend Zuschauern im Yankee Stadion in der Bronx zeigt sich der jetzt in Boston ansässige Sharkey in den ersten drei Runden klar überlegen. Er deckt Schmeling besonders in der dritten Runde mit schweren Körpertreffern ein, kann den Deutschen aber nicht zu Boden schicken. Dennoch sind die Anhänger Schmelings nicht ängstlich, denn die meisten wissen, dass der „Ulan vom Rhein“ erst im zweiten Teil des Kampfes „warm“ wird. Schmeling ist bekannt dafür, ein langsamer Starter zu sein. Er braucht die ersten Runden zur Analyse seiner Gegner, um dann den Gegner zu zermürben und die krachende Rechte als Finalschlag einzusetzen. In der vierten Runde  schlägt Sharkey mit seiner Linken unkontrolliert unter die Gürtellinie, und Schmeling bricht mit einem Aufschrei zusammen, ist völlig paralysiert. Einen Tiefschutz gibt es in dieser Zeit noch nicht. Der Ringrichter, es ist Jim Crowley,  zögert. da steht Arthur Brisbane, einer der wichtigsten Boxjournalisten und auch Experten, auf, schreibt  Schmeling in seinen Erinnerungen.  Er werde den Boxsport in den USA zerstören, wenn Schmeling nicht zum Sieger durch Disqualifikation erklärt wird, ruft er in den Ring. Nach Schmelings Autobiographie zögert Crowley  noch einen Moment. Dann disqualifiziert er Sharkey. Und Ringsprecher Joe Humphrey ruft durchs Mikrophon: Neuer Weltmeister: Max Schmeling.

Für Schmeling ist es nur ein äußerst schaler Sieg, zumal ihm die New Yorker Boxkommission den Titelanspruch verweigert. Erst durch den Sieg in der Titelverteidigung gegen Young Stribling verdient er sich auch  nach seiner eigenen Einschätzung den Gürtel eines Schwergewichtsweltmeisters. Sharkeys erster Griff nach dem Weltmeistertitel aber ist misslungen.

Schwergewichtsweltmeister mit einem Skandalurteil

Ein Jahr später stellt sich Sharkey dem nur 170 cm großen Mickey Walker, der ursprünglich im Weltergewicht, dann im Mittelgewicht anzusiedeln ist und sich dort auch den Weltmeistergürtel geholt hatte. Er unternimmt aber ausgedehnte Ausflüge ins Halbschwergewicht und auch nicht selten in die höchste Gewichtsklasse. Sharkey erreicht gegen den fast vierzehn Kilogramm leichteren Walker nur ein schmales Unentschieden. Drei Monate später tritt er gegen Primo Carnera, den fast zwei Meter großen und 27 Kilogramm schwereren Italiener, an. Sharkey zertrümmert förmlich den „wandelnden Berg“ aus Venedig, schickt ihn in der vierten Runde mit einer krachenden Rechten zu Boden. Nur mit großer Mühe  kann der Italiener die 15 Runden überstehen. Damit hat er sich ein erneutes Aufeinandertreffen  mit Schmeling, dem amtierenden Weltmeister, verdient.

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In den USA ist Schmeling trotz seiner europäischen Herkunft beliebter als Sharkey. Von vielen wird er als Aufschneider und Prahler gesehen. Verziehen wird ihm nicht, dass er vor dem ersten Kampf gegen Schmeling mit dem Sternenbanner um die Schultern den Ring betreten hatte. Zudem: Schmeling gleich in frappierender Weise dem Massenidol, Jack Dempsey. Als am 25. Januar 1932 die Zeitungen in New York mit Riesenlettern auf der Titelseite ankündigen, dass Schmeling die Herausforderung angenommen hat, wartet die Boxwelt gespannt auf den Kampf, der auf den 21. Juni 1932 terminiert wird. Schmeling wird als 3:1 – Favorit gehandelt. Sharkey aber stürzt sich verbissen in die Vorbereitung. Aus seinem Lager wird berichtet, dass sein Sparringspartner, Charley Anderson, nach wenigen Tagen aus dem Camp zieht, weil er „genug von einem solchen Training“ habe.

Schmeling zeigt sich bei seiner Ankunft am 08. April in New York locker und optimistisch. Er meint, dass er keine Schiedsrichterprobleme erkenne, ihm sei gleich, wer der dritte Mann im Ring ist. Sharkey gibt sich vor der Presse ebenso zuversichtlich. Er erzählt den Reportern, er habe ein deutsches Lied gelernt: „Eins, zwei, drei, vier fünf, sechs, sieben – ich werd den Schmeling schon kriegen“.

Joe Jacobs, der Manager Schmelings, ist über die Auswahl der Ring- und Punktrichter empört, weil er glaubt, sie seien „Freunde“ Sharkeys. In der Ecke Schmelings tobt Jacobs und beschimpft die Offiziellen. Er fürchtet, dass Schmeling nur durch einen KO hier siegen kann.

Der Kampf im Madison Square Garden verläuft für Schmeling vorbildlich. Er lässt Sharkey während der gesamten Kampfzeit nicht die geringste Chance, ist dauernd im Angriff und diktierte das Geschehen im Ring. Nach fünfzehn Runden zweifelt keiner, dass Schmeling Weltmeister im Schwergewicht geblieben ist. Dann kommt das Urteil. Sieger nach Punkten: Jack Sharkey.

Ein Sturm der Entrüstung fegt durch den Garden. Schmeling ist der erste, der sich fasst. Er geht, leichenblass geworden, in Sharkeys Ecke und gibt ihm die Hand. Währenddessen  sieht man Joe Jacobs im Ring toben und schreien: „We are robbed, we are robbed”.  Gene Tunney, der Exweltmeister, wird von einem Reporter nach seinem Kommentar gefragt. Er sagt: „Ich habe mit gepunktet. Bis zur zweiten Runde ausgeglichen; dritte, vierte für Schmeling, fünfte, sechste für Sharkey; siebte offen, sachte, neunte, zehnte, elfte, zwölfte, dreizehnte, vierzehnte und die letzte für Schmeling. Mehr kann ich nicht sagen.“ Als er nach seiner Meinung zum Urteil befragt wird, sagt er: „Ich gebe Sharkey einen neuen Titel, den Titel des ersten Weltmeisters, der durch Davonlaufen gewann“. Ein Urteil, das zu den größten Skandalen der Boxgeschichte zu zählen ist.

Titelverlust gegen Primo Carnera

Ein Jahr später, am 29. Juni 1933, will er seinen Titel gegen Primo Carnera, den er im Oktober 1932 in einem Nicht-Titelkampf überzeugend besiegt hat, verteidigen. Sharkey zeigt sich vor dem Kampf vollkommen sicher, dass er den italienischen „Fleischberg“ ohne große Mühen besiegen wird. Die Boxfähigkeiten Carneras schätzte er gering ein. Auf der anderen Seite ist Carnera von seiner Titelchance deshalb überzeugt, weil er, wie er selbst behauptet, seine technischen Fertigkeiten im Ring in der Zwischenzeit verbessert habe  und auch seine körperliche Verfassung  durch systematischeres Training nicht vergleichbar mit seinem ersten Kampf gegen Sharkey sei. Der Presse teilt Carnera mit, er habe den ersten Kampf auch deshalb verloren, weil er durch einen Verkehrsunfall, der sich  kurz vor dem Fight ereignet habe, geschwächt gewesen. Er, so der Italiener, werde den Gürtel holen und ihn jahrelang nicht mehr aus der Hand geben.

Der Kampf im Madison Square Garden sieht Sharkey in den ersten Runden klar vorn. Mehrfach gelingt es ihm, den Herausforderer mit gut getimten Treffern an Kopf und Körper durchzuschütteln. Dann die sechste Runde: Carnera kommt mit einem rechten Aufwärtshaken voll durch die Deckung des Weltmeisters. Sharkey donnert auf den Ringboden, liegt flach auf dem Bauch und wird von Ringrichter Arthur Donovan nach etwas weniger als 2 ½ Minuten der sechsten Runde ausgezählt. Carnera ist neuer Schwergewichtsweltmeister.

Es gibt nicht wenige Boxhistoriker, die den Kampf als „gekauft“ betrachten, und zwar von der im Hintergrund Carneras agierenden Mafia. Sharkey hat aber bis ans Lebensende diese Gerüchte zurückgewiesen. Darüber hinaus: Der Uppercut des Italieners war exzellent und gilt für manche als der beste Schlag, der er in seiner Karriere je angesetzt hat.

Die letzten Kämpfe und der Untergang gegen Joe Louis

Mit dem Titelverlust geht die Karriere Sharkeys zu Ende. Nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Niederlagen noch im Jahr 1933 gegen King Levinsky und Tommy Loughran, nimmt er sich eine zweijährige Pause und versucht im Jahr 1935 ein Comeback. Er startet mit einer Knockout-Sieg über „Unknown“ Wilson, verliert aber nach Punkten gegen Tony Shucco, siegt dann klar gegen Phil Brubacker. Dann steht er mit Joe Louis im Ring, dem neuen Stern am Schwergewichtshimmel.

Louis, der die wichtigsten Weltklasse-Schwergewichtler quasi zermalmt hat, braucht nach seiner sensationellen Niederlage gegen Schmeling einen weiteren Weltklassemann, um sich wieder aufzubauen. Sharkey passt  hierbei genau ins Konzept der Louis-Betreuer, die seinen Ruf als unschlagbarer Kämpfer im Schwergewicht wiederherstellen wollen. Der Kampf, am 18. August 1936 in der Bronx, ist nach drei Runden vorbei. Louis schlägt ihn vernichtend, hat Sharkey bereits in der zweiten Runde am Boden. In der dritten Runde streckt ihn die Rechte Louis‘ endgültig nieder.  Es ist der Schlusspunkt in der Karriere  des Exweltmeisters. Sharkey zieht sich nach diesem Kampf endgültig vom Boxen zurück.

Die Kampfstatistik Sharkeys weist insgesamt 53 Kämpfe aus, wovon er 37 gewinnen kann (13 davon durch KO). Er erlitt 13 Niederlagen, drei unentschieden ausgegangene Kämpfe sind verzeichnet.

Nach der Karriere

In seiner aktiven Zeit war er sparsam und versuchte, seine Gagen angemessen zu investieren. Berichtet wird, dass er eine Bar erwarb und auch seine Einnahmen durch Ringrichtertätigkeiten bei Box- und Wrestlingveranstaltungen aufbessert. Im Zweiten Weltkrieg erklärte er sich bereit,  bei den alliierten Truppen in Nordafrika in der Unterhaltung mitzuwirken, unter anderem beim Schauboxen.

Jack Sharkey starb am 17. August 1994 im Alter von 91 Jahren. 

Versuch einer Beurteilung

Nach übereinstimmender Einschätzung der meisten Boxhistoriker muss man Jack Sharkey zu den schwächeren der Schwergewichtsweltmeister rechnen. Nicht zuletzt seine sehr schwankenden Leistungen im Ring lassen ein solches Urteil zu. Zutrifft wurde dieser Umstand  so beschrieben: Wenn er gut war, war er sehr gut, wenn er schlecht war, war er grottenschlecht. Zweifellos hatte er Talent, aber es gelang ihm nur selten, seine guten Ansätze in wichtigen Kämpfen zu demonstrieren. Hervorragende Leistungen zeigte er zum Beispiel in seinem Kampf gegen Dempsey, den er nur unglücklich verlor. Auch im ersten Kampf gegen Carnera und in den ersten Runden im ersten Kampf gegen Schmeling bot er zum Teil hervorragendes boxerisches Können.

Letztlich war seine Inthronisierung als Schwergewichtsweltmeister nur ein kurzes Intermezzo auf dem Weg zu einem der Größten der Boxgeschichte, zu Joe Louis. Die Niederlage in seinem letzten Kampf gegen ihn war zerstörerisch, aber da ging es ihm nicht anders als Primo Carnera, Max Baer oder im Rematch Max Schmeling, die gegen diesen Mann, der zwölf Jahre das Schwergewicht beherrschen sollte, chancenlos blieben.

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12 Kommentare

  1. Norman
    19. September 2012 at 21:15 —

    auf eurosport kommt gerade boxen Dimitrenko vs Pulev und da sagt selbst der Komentator kommt drauf an wie die Punktrichter werten es ist ja immerhin einen Sauerland Veranstaltung wenn das mal nicht schon alles sagt ???

    wann kommt endlich mal der nächste Max Schmeling der wirklich deutsch ist und auch wirklich was kann ???

  2. 300
    19. September 2012 at 21:24 —

    Deutsche Boxer sind nun mal nicht gut. Die ganze Arbeit machen eh nur Ausländer, beim Boxen ist es da nicht anders.

  3. deebak
    19. September 2012 at 22:38 —

    300..dieses mal muss ich dir zustimmen))))

  4. Alex
    19. September 2012 at 22:56 —

    @ 300

    Wenn es dannach geht ist die USA auch nicht gut im Boxen. Hast du schonmal an die ganzen braunen Amerikaner gedacht? Die machen doch auch alles für die USA. Man ist Deutsch wenn man einen Deutschen Pass hat

  5. Bangs
    19. September 2012 at 23:01 —

    Jeder Mensch ist ein Individum und es könnte jeder Zeit plötzlich ein Super Boxer in Deutschland auftauchen der auch “Deutsch” ist. 😀

    In den anderen ländern ist im moment die Amateur arbeit einfach besser.

  6. Sean
    19. September 2012 at 23:06 —

    @Alex: Sind die USA, nicht ‘ist die USA’

  7. Bangs
    19. September 2012 at 23:12 —

    Ich finde früher war das Boxen einfach härter… Es gab keinen Onkle Sauerland der irgendwelchen Mil.chbu.bis die Technick haben, eine Flasche nach der anderen vorsetzen bis sie einen kleinen Titel haben , den sie dann gegen andere Flaschen verteidigen dürfen. Die Boxer mussten wenn sie den Titel haben wollten oft von anfang an ein sehr großes Risiko eingehen. Damals wurden Niederlagen allerdings auch noch gedult selbst nach einem KO wurde man nicht so schnell wie heute abgeschrieben… Es war auch Cooler das es in jeder Gewichtsklasse nur DEN WM gab.

  8. 300
    19. September 2012 at 23:30 —

    Der Sport heutzutage, auch das Boxen sind ein Geschäftsfeld. Da gehts um viel Geld, um Verträge, um Sponsoren. Die verfolgen alle ihre eigenen Ziele und zum schluss kommt ein Riesens.ch.eiß da raus. Der dumme ist eigentlich nur der Zuschauer, denn alle anderen verdienen Kräftig daran. Die Boxer auch. Ja, selbst der Verlierer kriegt doch seine Gage. Deswegen ändert sich auch nichts, sondern wird schlimmer, denn inzwischen werden ja Boxer selber zu Promoter/Veranstalter/Abzocker
    siehe Klitschkos, Sturm usw. Ja selbst die Rapper steigen ins Boxgeschäft ein, siehe Halber Dollar/ 50 Cent……Gute Nacht Profiboxen

  9. Hubschrauberpilot
    20. September 2012 at 10:50 —

    @300: Klar, die Arbeit in Deutschland machen die Ausländer, und aufgebaut haben das Land die Türken. Da muß ich doch glatt ein bißchen weinen vor Rührung und Dankbarkeit. Den Rest kann ich unterschreiben.

  10. nickjulian
    20. September 2012 at 11:37 —

    mensch@300, was ist denn mit dir los??? ich bin ja begeistert. ich sehe das genau so!!! und fast ohne schimpfwörter!!! da wünscht man sich ja echt die zeiten von früher zurück. beschissen wurde schon immer im boxsport(genau wie in anderen sportarten auch), aber was da zur zeit abgeht ist echt der wahnsinn. da muß sich schnell was ändern, denn der richtige boxfan wird sich das nicht länger mehr antun. wrestling läßt grüßen, nur mit dem unterschied, die machen kein geheimnis daraus und verscheißern nicht die leute.

  11. Sacha
    20. September 2012 at 18:05 —

    Ich möchte mal leicht quer schießen >ohne< böse Absichten! Unbestritten war Ali sportlich ein ganz großer, aber das er zum Jahrhundertsportler gewählt wurde finde ich unverständlich! In einer Begründung hieß es, dass seine vorbildliche Haltung auch abseits vom Ring Sportsgeist zeigte… naja dem steht Schmeling in nichts nach, ich würde sogar seine Verdienste höher einstufen! Vielleicht bin ich auch befangen weil ich als kleiner Junge Schmeling auf den Senkel ging 😀
    Auf jeden Fall respektierte Scheling jeden seiner Gegner – was Ali bekanntlich nicht tat … und das als Vorbild!

  12. The big F
    21. September 2012 at 21:30 —

    Sacha sagt:
    20. September 2012 um 18:05

    ”….Auf jeden Fall respektierte Scheling jeden seiner Gegner – was Ali bekanntlich nicht tat … und das als Vorbild! ”

    Sehe ich genau so. Ali war extrem Respektlos seinen Gegnern gegenüber, außerhalb des Rings und auch im Ring.

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