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Ist Triller gut fürs Boxen?

Ist Triller gut fürs Boxen?

Eine Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist. Und die einer anderen, ähnlichen Frage gleicht: sind die Paul-Brüder gut fürs Boxen? Und damit sind wir schon bei der nächsten Fragestellung angekommen: wie soll man „gut fürs Boxen“ konkret definieren?

Ist es gut fürs Boxen, wenn auch diejenigen, die sich üblicherweise nicht für Kampfsport interessieren, sich Kämpfe anschauen? Von vielen – auch von vielen Kämpfern – wurde diese Frage mit „ja“ beantwortet.

Nachdem der „Triller Fight Club“ ins Leben gerufen wurde, setzten die Verantwortlichen den Showkampf „Mike Tyson vs Roy Jones jr“ an. Unterm Strich ein gelungener Event, wie auch Zweifler – zum Beispiel Michael Rothstein von ESPN – nach der Fightnight zugaben: „Es war keine Farce und auch nicht langweilig. Tyson sah weitgehend gut in Form aus und wie jemand, der noch kämpfen kann. Und das ist ein Schock für mich, denn ich war im Lager derer, die dachten, dieser Kampf hätte nicht passieren dürfen. Aber ich würde mir Tyson wieder anschauen. Und angesichts der niedrigen Erwartungen, die ich hatte, war ich positiv überrascht“ hatte Rothstein nach dem Event sinngemäß erklärt.

Doch mittlerweile sind die Triller-Kampfansetzungen auf ein anderes Niveau gerutscht. Mit dem „Kampf“ des fast 59 Jahre alten ehemaligen Weltmeisters Evander Holyfield gegen den 15 Jahre jüngeren Vitor Belfort ist eine Grenze überschritten worden. Und ein anderer Veranstalter, nämlich „Celebrity Boxing“ setzt noch einen drauf, wenn am 2. Oktober Riddick Bowe in den Ring zurückkehrt.

Der 54-jährige hat aufgrund der Treffer, die er im Laufe seiner Karriere genommen hat, Hirnschädigungen erlitten, artikuliert sich nur noch „verwaschen“ und dürfte wohl kaum in der Lage sein, seinem 41 Jahre alten Gegner Lamar Odom etwas entgegenzusetzen.

Kein Wunder, dass die Ansetzung bei vielen auf Ablehnung stößt. Auch WBC-Präsident Mauricio Sulaiman hat darauf hingewiesen, dass ‚Big Daddy‘ aufgrund von Gewichts- und Gesundheitsproblemen nicht in der Lage sei, zu kämpfen: „Riddick Bowe sagt, er will kämpfen. Und die Haie im Geschäft unterbreiten dann eben legendären, aber verbrauchten Kämpfern Angebote, um sie zu benutzen, ihnen Erdnüsse zu geben und Millionen zu verdienen.

Ich war in einer (…) Fernsehsendung in den Vereinigten Staaten. In meinem Team waren Holyfield, Bowe, Shawn Porter und Ryan Garcia. Bowe musste auf einen Hocker gesetzt werden, weil er lange nicht stehen und nur noch eingeschränkt gehen kann. Das ist die Boxlegende, die sie sie in den Ring holen möchten! Wir erleben derzeit einen Trend mit den unterschiedlichsten Elementen: Influencer- und Youtuber-Events, Sportler aus anderen Sportarten im Ring, Mixed-Martial-Arts-Kämpfer, die sich im Boxen versuchen. Auch Boxer im Ruhestand kehren in den Ring zurück. Dieses Phänomen ist nicht neu. Es ist in der Vergangenheit passiert, aber nur sporadisch und als einmalige und unabhängige Ereignisse.“

Doch anscheinend rechnet sich das Ganze für die Initiatoren. Und zwar so sehr, dass „Triller“ vermutlich ein kleines Vermögen ausgegeben hat, um Ex-Präsident Donald Trump als Gastkommentator für „Holyfield vs Belfort“ zu verpflichten.

Mittlerweile wird die Kritik an solchen Ansetzungen aber lauter. Das Holyfield-Debakel hat die Aufmerksamkeit mehrerer Aufsichtsbehörden geweckt, darunter auch die der Association of Boxing Commissions. Deren Präsident Mike Mazzulli hat angekündigt, er wolle „ … einige neue Vorschriften für die Zulassung von Kämpfern ab 40 Jahren herausbringen.” Das soll in Zukunft verhindern, dass – egal wie gut sie optisch daherkommen – zu alte Ex-Boxer wieder in den Ring steigen.

Und „Triller“ wird darauf reagieren müssen, hat vielleicht mit der Verpflichtung von Thorsten Meier schon einen Schritt in die richtige Richtung  gemacht. Meier ist neuer „Chief Operating Officer bei „Triller“. Er begann seine Karriere bei den Klitschko-Brüdern in Deutschland, arbeitete dann für Tom Loeffler und war zuletzt bei PBC.

Im Gespräch mit Boxberichterstatter Kevin Iole hat Meier sozusagen „Besserung gelobt!“ und erklärt: „Ich würde niemals jemanden in den Ring stellen, wenn es irgendwelche Bedenken hinsichtlich dieser Person gibt, die psychischer, medizinischer oder physischer Natur sind”, sagte Meier gegenüber „Yahoo Sports“.

“Letztendlich wollen wir im Triller Fight Club professionelle Kämpfe austragen. Wie gehen weg von den Showkämpfen. Unser Fokus liegt auf professionellen Kämpfen. Und es werden immer mehr kommen.”

Als Beleg führte Thorsten Meier die Fights zwischen Teofimo Lopez und George Kambosos und  „Franchon Crews-Dezurn vs Elin Cederroos“ an. Darüber hinaus – so Meier weiter – sei eine Heavyweight-Veranstaltung für November in Planung und man wolle sich an einigen bevorstehenden Purse Bids beteiligen.

Möglicherweise betrifft das auch die Ausrichtung des Kampfes zwischen Jaime Munguia und Sergiy Derevyanchenko und den Titelkampf „Artur Beterbiev vs Marcus Browne“.

Langfristig bleibt abzuwarten, ob Meier die Macht und die Möglichkeit hat, die Ära der Zirkusnummern mit abgehalfterten Kämpfern bei „Triller“ zu beenden.

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7 Kommentare

  1. 16. September 2021 at 11:02 —

    Nein

  2. 18. September 2021 at 19:56 —

    Egal ob Triller Youtuber gegen Priceboxer, Veteranen-Boxer gegen MMA Kämpfer oder C-Promis gegeneinander boxen lässt bzw diesen Veranstaltungen eine mediale Bühne bietet, dies wirkt sich nicht auf den “richtigen Boxsport” aus und von mir aus kann ein Logan Paul gerne um einen IBF Titel boxen ,wenn er sich auf der Rangliste nach oben geboxt hat.

    Stephan Raabs Wok WM oder das Pro7 Turmspringen haben den regulären professionellen Vertretern dieser Sportarten wohl auch nicht geschadet. Ich sehe da keine Kausalität. Im Endeffekt reguliert der Markt so etwas und fertig.

    • 19. September 2021 at 11:46 —

      gebe dir recht. wie beantwortest du dann die eingangsfrage. du bringst viele argumente dass es nicht schlecht ist aber die frage war ist es gut: hier sage ich nein. selbst wenn dieser zirkus nicht schadet, gut ist er auch nicht. ich finde er zieht boxen ins lächerliche und ist damit sogar schlecht. aber jedem seine meinung.

      • 19. September 2021 at 19:16 —

        Achso, ich denke ob es gut ist, setzt voraus “den” Boxsport zu definieren.
        Die Kämpfe sind Regelkonform und generieren Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit generiert Geld , Geld generiert Möglichkeiten. Vielleicht ist der nächste Ali ein 7 jähriger brennender Jake Paul Fan

  3. 19. September 2021 at 18:32 —

    Ich glaube, dass der Boxsport stets eine ominöse Aura des nebulösen, des unseriösen umgibt. Boxer die dopen, Boxer die aus prekären sozialen Verhältnissen stammen, Boxer die Abseits des Ringes zu Gewalttätern/Mördern werden, Boxer mit Kontakten ins Rotlichtmillieu bzw zum organisierten Verbrechen, Boxer mit manipulierten Equipment usw usw, Weltverbände die für Geld Titel vergeben, Ausländische Boxer mit peinlich eingedeutschten Namen….unterm Strich braucht es keine Pauls , um den Boxsport unseriös,peinlich und lächerlich zu finden.

    Ich glaube, ein Großteil derer, die sich einen Boxkampf WEGEN Jake Paul anschauen, können dir keine 5 aktiven Boxer aufzählen. Vor solchen Leuten hat der Boxsport nichts zu fürchten, nur meine Meinung.
    Solange es Menschen gibt,die dafür Geld zahlen um einen Paul boxen oder Tango tanzen zu sehen, ist es legitim und verständlich, dass andere dem medial eine Plattform bieten.

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