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Interview mit De Carolis: „Abraham ist Feigenbutz haushoch überlegen!“

Giovanni De Carolis hat den neuen Sauerland-Shootingstar Vincent Feigenbutz am letzten Samstag in Karlsruhe eine Lehrstunde im Ring bereitet. Die Punktrichter haben dies mit ihren einseitigen Punkturteilen von 115:113, 115:113 und 114:113 für Vincent Feigenbutz anders gesehen haben.

Solche Fehlurteile rauben den Boxfans den Spaß an ihrem Lieblingssport. Natürlich freuen sich alle, wenn neue deutsche Box-Hoffnungen eine große Karriere einschlagen und man sie auf diesem Weg unterstützen kann. Doch sollte man dabei nicht über Leichen gehen und dem Ansehen des Sports sowie des Boxers schaden!

Noch heute muss man sich fragen, wie sich der alte und neue Interimsweltmeister der WBA mit nur zwei klar gewonnen Runden über diesen vermeintlichen Sieg freuen konnte?

Giovanni De Carolis aus Rom ging vor zwei Jahren mit Weltmeister Arthur Abraham über die Runden und stellte seine Zähigkeit unter Beweis. So leicht sollte es nicht werden ihn auszuknocken, auch wenn Feigenbutz andere Parolen verlauten ließ.

Wider vielen Erwartungen entpuppte sich der „K.o.-König“ aus Karlsruhe als Aufbaugegner für De Carolis. Das Sauerland-Stück war nicht für diesen Rollentausch konzipiert worden und konnte nur skurril enden: leere Worthülsen zu einem „verdienten Sieg“ und Tränen eines fairen Verlierers!

Aber für den 31-Jährigen Italiener ging es um mehr als diesen Kampf – ein Traum war gestorben. Der Traum eines Underdogs, der endlich die Anerkennung und den Lohn für seine jahrelange Arbeit erhalten wollte, weil er aus einem Land kommt, wo das Boxen kaum noch Beachtung findet.

Der Supermittelgewichtler stammt nicht aus einer typischen Sportlerfamilie. Ihm wurde der Boxsport nicht in die Wiege gelegt, im Gegenteil: Giovanni De Carolis begann erst mit 16 Jahren zu boxen und musste zwei Jahre ausharren bis er zum ersten Mal kämpfen durfte.

Denn seine Mutter wollte nicht, dass aus ihrem Sohn ein Profiboxer wird und trotzdem ist er einer geworden. Dazu ein sehr sympathischer, der seit letzter Woche sicher einige Fans in Deutschland dazu gewonnen hat.

Was dachtest du als die Punktwertungen von 115:113, 115:113 und 114:113 zu Gunsten von Vincent Feigenbutz in Karlsruhe verlesen wurde?

„Das war eine riesen Enttäuschung! Ich war mir sicher, dass ich gewonnen hatte, genau wie die meisten der viertausend Boxfans in der Halle. Später habe ich mir das Duell noch oft angesehen und kann noch immer nicht glauben, dass ich verloren haben soll. Auf ungerechte Art und Weise wurde mir mein Traum genommen! Und das, obwohl ich Feigenbutz in der ersten Runde zu Boden geschickt habe und er in der vierten Runde stehend K.o. war. Natürlich hat er das weggesteckt und mich in der fünften und elften Runde auch in Schwierigkeiten gebracht. Aber am Ende dachte ich, dass ich es geschafft hatte, einerseits wegen der Vielzahl meiner Treffer, andererseits wegen ihrer Wirkung.“

Warum hast du das Fehlurteil so ruhig und sportlich fair aufgenommen?

„Nach dem Kampf wollte ich keinen Streit beginnen, weil ich es nicht mag eine Szene zu machen.  Vor der Kamera wurde mir leider kein Platz eingeräumt, um meine Traurigkeit auszudrücken. Aber als ich aus dem Ring stieg haben mir sehr viele Fans gesagt, dass ich der wahre Sieger sei. Das hat mich ermutigt! Denn Feigenbutz kann man nicht mit mir vergleichen. Er hat alles, um sich unter den bestmöglichen Bedingungen auf das Boxen zu konzentrieren. Zusätzlich hat er durch das Duell zehnmal mehr verdient und nicht den Alltagsstress, den ich habe. Ich arbeite zusätzlich als Boxtrainer von früh bis spät in einem Gym und bringe junge Talente zum Boxen. In Italien läuft alles etwas anders, dennoch habe ich gegen jede Vorhersage gewonnen. Ich fühle mich einfach nur bestohlen!“

Wie hast du dich taktisch auf das Gefecht vorbereitet?

„Ich analysiere meine Gegner immer sehr genau und mit meinem Trainer Italo Mattioli. Bei Feigenbutz hatten wir entschieden ein offensives Gefecht zu führen, weil er selbst sehr gut im Vorwärtsgang ist, aber Schwächen im Rückwärtsgang hat. Und genauso lief es ab.“

Was denkst du über deinen Kontrahenten Vincent Feigenbutz und sein Verhalten?

„Feigenbutz kennt keinen Respekt und ist unreif, weil er auch Samstagabend seine Lektion nicht gelernt hat. Zuerst sagte er, dass er der K.o.-König sei. Bei der Pressekonferenz, dass er ruhig wäre und beim Wiegen war er wieder überheblich und sicher, dass er mich K.o. schlagen würde. Vor unserem Kampf sind auch Videos aufgetaucht, in denen er mich beleidigt hatte und in der Halle wurde eins gezeigt, wo er ein Schaf scherte und mein Ende ankündigte. Dann ist das passiert, was ihr alle gesehen habt und er musste nach Ausreden suchen: die Grippe war schuld! Im Ring wollte er mir dazu keinen genauen Zeitpunkt für einen Rückkampf nennen und verhielt sich unangemessen. Dafür wurde er von seinen eigenen Fans ausgebuht.“

Wie verlief die Pressekonferenz?

„Ich habe die anwesenden Journalisten nach ihrer Meinung zum Kampf gefragt und sie haben nur gelacht. Dann hat Sauerland interveniert und meinte, dass sie nicht darauf antworten müssten und zum Fragen stellen da wären. Das war eine peinliche Situation, die erklärt welche Stimmung nach dem Match herrschte.“

Meinst du, dass es zu einem Rückkampf kommt?

„Objektiv gesehen denke ich, dass Feigenbutz mir gegenüber zu einem Rematch verpflichtet ist. Wenn er jetzt gegen Fedor Chudinov oder Felix Sturm boxt, dann wird er verlieren. Sollte er aber wieder gegen schwächere Boxer kämpfen, würde er seine Fans enttäuschen. Also ist der einzige Weg zurück zur Glaubwürdigkeit ein Rückkampf gegen mich! Ich hoffe, dass er den Mut dazu hat und Sauerland mir diese Chance einräumt. Ich denke, dass ich sie verdiene, oder?! Aber die Zeichen stehen gut und ich kann es kaum abwarten. Ich fühle mich bereit zu kämpfen, auch auswärts.“

Wie würde ein Rematch verlaufen? Würdest du deine Strategie ändern?

„Ich würde wieder so boxen wie im ersten Duell, aber Feigenbutz würde in Runde fünf K.o. gehen. Denn ich glaube nicht, dass er in drei oder vier Monaten das Boxen lernen wird. Nochmal werde ich das Risiko eines Fehlurteils nicht eingehen und stärker auftreten als beim ersten Aufeinandertreffen. Das nächste Mal würden die Buchmacher das Gefecht mindestens ausgeglichen sehen und ich wäre nicht mehr der Außenseiter mit einer Quote von 1 zu 7. Feigenbutz ist ein einseitiger Kämpfer, der stets dieselben Dinge macht. Bisher hat er keine guten Gegner geboxt und sich dadurch seinen Rekord aufgebaut. Außerdem fehlt ihm die Amateurkarriere, weil er bereits mit sechszehn Jahren Profiboxer geworden ist. In Italien wäre eine Profilaufbahn ohne mindestens 60 bis 70 Amateurkämpfe unmöglich.“

Wie stark ist der 20-jährige „Prince Vince“ im Vergleich zu Arthur Abraham?

„Abraham ist hundertmal besser als Feigenbutz und ihm haushoch überlegen. Seine Schläge sind viel härter und dazu hat er eine gute Deckung. Außerdem ist er ein Mann, der wenig spricht, aber viel tut. Feigenbutz ist nur ein Junge, der nicht weiß, was er sagt!“

Was bleibt dir von dem Duell am Samstagabend?

„Mir bleibt die Gewissheit, dass ich zu den besten Boxern in meiner Gewichtsklasse zähle und natürlich die Emotion vor einem unglaublichen Publikum geboxt zu haben, in einer funktionellen und modernen Halle. Das war das zweite Mal, dass ich in Deutschland geboxt habe und die Gefühle sind immer gleich: Du fühlst, dass du zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort bist! Karlsruhe war eine perfekte Austragungsstätte. Mit gerechten Punktzetteln wäre es einer der schönsten Tage meines Lebens geworden! Aber ich werde es noch einmal versuchen, da bin ich mir sicher.“

Foto: Marco Baumann

Quelle: Samira Funk

 

 

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18 Kommentare

  1. 23. Oktober 2015 at 23:41 —

    Tja wir sind uns wohl alle einig das ein Rückkampf kommen muss!

    Habe neulich irgendwo gelesen das Sauerland zwar auch über einen Rückkampf nachdenkt, aber erst nach der WM-Chance für Feigenbutz!

    Ich denke das Sauerland ohne Skrupel Feigenbutz in den WM-Kampf, vermutlich gegen Chudinov, schickt und wenn er seine Wunden geleckt hat, kommt es zum Rückkampf gegen DeCarolis, diesmal mit fairen Punktrichtern und wenn es dann ähnlich läuft wie letzten Samstag, ist die Zeit bei Sauerland für Feigenbutz beendet!!!
    Wenn er danach noch Lust hat zu boxen, wird man ihn vermutlich nur noch bei Kleinringveranstaltungen gegen eine überschaubare Gegnerschaft sehen!?

  2. 24. Oktober 2015 at 10:28 —

    Wenn er noch gegen Chudinov boxt, wird er es garnicht mehr nötig haben zu boxen !

    • 26. Oktober 2015 at 12:12 —

      Für ein Hauptkampf in SAT 1 gibt’s schon ordentlich. Bei Abraham waren es lt. Berichte 1 Mio. Der Rest ist immer das Gleiche, 20 – 30 % Management und 15 % Trainer.

  3. 24. Oktober 2015 at 11:46 —

    Sorry aber ich musste zurück kommen und etwas dazu sagen 🙂
    Für mich ist der Italiener der ware Rocky, gegen Abrahammer hat er gelenrt wie er boxen muss und besiegte die Lusche und das so haushoch das sich Sauerland wieder mal blamierte.

    Ich finde die Box-Chefs in Amerika müssen reagieren und sich die Punktrichter schnappen, jeder der so ein urteil spricht muss sofort rausgeschmissen werden.

    1. Bevor das Urteil gesprochen wurde hüpfte der junge neben Feigenbutz in die höhe, kommisch das er das urteil schon vor dem Ringrichter wusste.

    2. In der Ecke sagte Feigenbutz trainer: Wir brauchen ein KO.

    3. Der Herr Feigenbutz zeigte sein wahres gesicht nach dem Kampf. Er: Schaut ihn doch an ich habe ihm seine Augen blau geschlagen, was will der. Kaum ist der Giovanni De Carolis neben ihm sagte Feigling-butz: Hi du warst echt gut Mann umarmt ihn und verspricht ihm ein Rückkampf.

    Gegen Chudinov wird dieser Feigenbutz fallen, den der Russe ist viel härter als F. Sturm, und gegen einen Felix glaube ich nicht das Feigenb. gewinnen würde und gegen einen Abrahammer hat er mal Null Chancen.

  4. 24. Oktober 2015 at 12:20 —

    Ich finde es sehr bezeichnend, dass seitens der WBA noch nichts kam. Bei Ioka vs Reveco und Sturm vs Chudinov hat die WBA in Eigenregie Rematches ansetzen lassen bzw. lässt sie noch ansetzen, weil die Punktrichterentscheidungen “unglücklich” waren.
    Da bin ich doch sehr gespannt was die WBA in diesem Fall macht und vorallem wie sie es begründet:
    Seit einiger Zeit drehen die Weltverbände wirklich total am Rad. Ich finde es auch sehr merkwürdig warum sich das WBC derzeit sehr für Titelvereinigungen ausspricht bzw. Interimstitel nutzt um lukrative Kämpfe anzusetzen und dabei die Hand aufzuhalten. Das hätte man sich bei Mayweather niemals getraut!

  5. 24. Oktober 2015 at 14:45 —

    Guter Artikel – leider konzentrieren sich doch die meisten Artikel und Kommentare auf das „Versagen“ Feigenbutz’ und natürlich auf das schreckliche Urteil, aber es ist auch mal an der Zeit, DeCarolis’ gutem Boxen, seinem Gameplan, seiner Fairness und seiner Toughness Respekt zu zollen. Hoffe natürlich – wie die meisten Fans – inständig auf ein Rematch mit einem faireren Urteil und einer angemessenen Börse (sprich Entschädigung) für ihn.

  6. 24. Oktober 2015 at 17:25 —

    guter artikel,weiter so!
    Ok. VF hat verschissen, keine frage.
    klares fehlurteil,wie konnte das passieren?
    und die “schlagtechik” eines De Carolis sollte man doch kennen!
    Was sind diese trainer wert?
    FuM
    hast na klar recht, er hat gut geboxt, den kampf gewonnen, nach dem beschiss sich auch super verhalten, aber rückkampf sehe ich nicht.

  7. 24. Oktober 2015 at 21:58 —

    Und ich habe einen Niederländischen Nachname ^^

  8. 25. Oktober 2015 at 11:26 —

    gladio
    habe ich, alles sehr interessant, danke für den tipp. man kann nur dazulernen.

  9. 25. Oktober 2015 at 15:47 —

    ego
    Felix Sturm könnte Feigenbutz extrem gefährlich werden und wäre meiner Meinung nach überdeutlicher Favorit in diesem Duell. Feigenbutz hat weder eine ordentliche Deckung noch gute Schlagtechnik, auch keine berauschende Schlagkraft und Nehmerqualitäten auch nicht. Zusammengefasst: Bei ihm fehlt es (noch?) an allen Ecken und Kanten. Einzig seine Ausdauer scheint seiner Weltranglistenposition annähernd gerecht zu werden. Felix Sturm hat dagegen auch heute noch ordentliche Technik, immerhin mittelmäßige Deckung und ist auf diesem Niveau sehr erfahren. Er würde ihn mMn problemlos ausboxen.
    So schlecht die letzten Kämpfe von Sturm auch waren, sollte man aber auch beachten, um welche Gegner es sich handelte. Immerhin Chudinov (Top5 mMn), Stieglitz (Top15 und Ex-WM) und Soliman (Top15). Feigenbutz wurde allerdings von de Carolis besiegt, der in der Weltspitze absolut nichts verloren hat und beispielsweise gegen einen unmotivierten Arthur Abraham nicht den Hauch einer Chance hatte. Natürlich hat auch Sturm an der absoluten Weltspitze nichts mehr zu suchen, aber zu den Top15 würde ich ihn dennoch zählen

    • 25. Oktober 2015 at 17:28 —

      simon
      na klar hast du irgendwo recht.
      ein junger wiilder, da ein catic!
      dem catic ist der jab fremd geworden, also DD, pseydoangriffe,was dann?
      die schlagkraft kann es nicht sein.
      ist ja auch egal, den kampf werden wir nie sehen!

  10. 25. Oktober 2015 at 21:12 —

    ja stimmt….. ich bin zurück……

  11. 26. Oktober 2015 at 10:53 —

    @ Buckelfred1

    Über die boxerischen Defizite von Feigenbutz brauchen wir hier wohl nicht mehr diskutieren, die sollten wohl jedem Boxfan hinlänglich bekannt sein.
    Tja und das Interview nach dem Kampf………Pfeifkonzert in der Halle, Emotionen, Adrenalin, ein Umfeld der untersten Schublade, usw…………Feigenbutz hat sich dafür entschuldigt und haben wir nicht mal alle Fehler in unserer Jugend gemacht und einige machen sie noch heute!?

    Die wahren Schuldigen bei diesem Kampf bleiben für mich die Punktrichter und Sauerland!

    Und Ulli Wegner wäre meiner Meinung nach eine gute Alternative für Feigenbutz, da lernt der Junge mal eine ordentliche Deckung und Beinarbeit.

    Gotwald und Sauerland verheizen Feigenbutz aus Geldgier, da sie ihn unbedingt in diesen WM-Kampf gegen Chudinov/Sturm schicken wollen/werden.

  12. 26. Oktober 2015 at 16:29 —

    buckel
    hat er es verdient? kann mich an ähnliche situationen von catic, AA, hukic und andere erinnern.
    kampf unverdient gewonnen und große fresse.
    AA, hukic, arslan und andere sind auch nicht SO die boxvorbilder, waren aber erfolgreich.
    und als gedankenspiel: VF mit 20, scheiße gekämpft, große fresse.
    VF mit 25, gute kämpfe, große fresse, kein hauptkampf?
    Vf mit 28 , super kämpfe, tiefenentspannt, überlegte interviews( lach), kein hauptkampf?
    man, der ist boxer, kein politiker! soll leistung zeigen, darum geht es im boxen!
    wäre auch lustig, wenn ein WM kampf von VF nach einem krampf von culcay (der kann ja boxen, will es aber nicht) kommen würde, am besten als aufzeichnung.

  13. BREAKING NEWS—BREAKING NEWS—BREAKING NEWS
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    Brock Lesnar hat den Undertaker durch einen low blow besiegt!

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