Top News

Interview: Box-Promoter Ceylan über die aktuelle Lage seines Boxstalls

Erol Ceylan hat sich in der vergangenen neun Jahre seinen Platz als Promoter in Deutschland und der Welt erarbeitet. Mit seinem Stall EC Boxpromotion schafft der Hamburger Kaufmann es immer wieder hochklassige Veranstaltungen durchzuführen und seinen Boxern weltweit große Kämpfe zu besorgen.

Wie Erol Ceylan das letzte Jahr erlebt hat und was er sich für die Zukunft wünscht, erfahren Sie im Interview.

Herr Ceylan, seit neun Jahren veranstalten Sie mit großer Leidenschaft Box-Kampftage, haben in dieser Zeit viel Geld in ihre über 20 Profiboxer investiert und sich in der Szene einen guten Namen gemacht. Haben sich Ihre Träume rückblickend erfüllt?

Erol Ceylan: „Sportlich sehe ich mein Engagement durchaus positiv. Finanziell ist die Situation eine andere. Ohne TV-Sender sind internationale Kampfabende praktisch nicht mehr zu finanzieren. Ich habe fast alle Veranstaltungen aus eigener Tasche bezahlt. Das kann es nicht sein. Wenn ich bei einer so fantastischen Veranstaltung wie zuletzt beim Dinner-Boxen „THE NIGHT OF THE CHAMPIONS“ mehrere hundertausend Euro Miese mache, dann macht das keinen Sinn. Und wenn ich dann auch noch die Produktion eines regionalen TV-Senders subventionieren muss, damit wenigstens die Hauptkämpfe im Fernsehen zu sehen sind, dann macht man sich Gedanken. Aber wenn man im Ring hochwertigen Sport zeigt, dann darf die TV-Übertragung und Licht- und Tontechnik dem in nichts nachstehen.“

Warum ist das so?

Erol Ceylan: „Es fehlt nicht an guten Boxern. Das hat ja auch der letzte Kampftag in der Sporthalle Hamburg gezeigt. Aber es fehlt an Gladiatoren. Medien und Sponsoren steigen heutzutage nur noch dann groß ein, wenn bekannte und prominente nationale oder internationale Fighter im Ring stehen. Da es aber aktuell keinen Henry Maske, Axel Schulz, Dariusz Michalczewski oder auch Wladimir Klitschko gibt, befürchten die großen Sender niedrige Einschaltquoten und geringe Werbeeinnahmen. Ohne TV-Sender aber kann man heute kaum noch erfolgreich veranstalten.“

Ist das auch der Grund, warum ihr „bestes Pferd im Stall“, Christian Hammer, am 2. März nicht in Deutschland, sondern in Brooklyn gegen den Kubaner Ortiz in den Ring steigt?

Sky - Wählen Sie Ihr Lieblingsprogramm!

Erol Ceylan: „Absolut. Ich hätte den Kampf gern ersteigert. Aber ohne Fernsehsender ist das unmöglich. In den USA und auch in England gibt es diese Probleme nicht. Da hatte und hat das Boxen immer einen hohen Stellenwert. Die Veranstalter und Promoter können durch feste TV-Verträge aus dem Vollen schöpfen und dadurch mögliche finanzielle Verluste abfedern.“

In Deutschland dreht sich primär alles um Fußball, Handball, Eishockey, Skispringen, Radsport und Pferdesport. Sind diese Sportarten populärer?

Erol Ceylan: „Nein. Im Gegenteil. Ich behaupte, Boxen ist nach Fußball die beliebteste Sportart. Wenn aber die Gallionsfiguren fehlen, dann wird es schwer. Die Formel 1 hat ohne Michael Schuhmacher erheblich an Popularität verloren. Und auch Tennis hat ohne Boris Becker und Steffi Graf kaum noch eine Lobby.“

Wie bewerten Sie trotz dieser Erkenntnisse das Jahr 2018 und wie geht es 2019 weiter?

Erol Ceylan: „Sportlich war 2018 ein gutes Jahr. Ich bin nicht enttäuscht. Jeder Kampfabend ist individuell zu betrachten. Wir haben ein tolles Team im Ring und auch außerhalb. Alle ziehen mit, wir haben gute Kritiken bekommen und attraktive Kämpfe geboten. Dass die Verluste schmerzhaft waren und sind, ist normal. Darum müssen auch die Rahmenbedingungen wie TV-Sender und Sponsoring erheblich verbessert werden. Daran arbeiten wir. In diesem Zusammenhang wollen wir natürlich auch die Qualität der Boxer erhöhen. Ich werde zukünftig noch intensiver gute Amateurboxer aufbauen und drittklassige Boxer nicht mehr in Watte packen.“

Foto: Sebastian Heger

Quelle: ECB

 

Voriger Artikel

Traktor-Boxer starten selbstbewusst in die Bundesliga-Rückrunde

Nächster Artikel

Christina Hammer steht vor WM-Kampf gegen Shields

1 Kommentar

  1. 3. Februar 2019 at 17:27 —

    Ehrliches Interview. Auch wenn ich ihm nich ganz zustimme, was die Qualität guter Boxer angeht. Für die TV-Sender lohnt es sich nur, wenn ein Zugpferd da ist, der um die WM bei den großen Verbänden boxt und ggf. auch hier über Jahre erfolgreich ist.

    Die meisten hiesigen Boxer sind im internationalen Schnitt gut, allerdings nicht Weltklasse und solange da einer fehlt, der die besten seiner Gewichtsklasse fordert und dadurch Quote generiert, wird es auch nichts mit einem lukrativen Deal.

Antwort schreiben