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Im Test: neues Bewertungssystem im olympischen Boxen

Im Test: neues Bewertungssystem im olympischen Boxen

Wir schreiben das Jahr 2012. Bei den Olympischen Sommerspielen in London tritt der aserbaidschanische Bantamgewichtler Magomed Abdulhamidov gegen den Japaner Satoshi Shimizu an. In der dritten Runde schickt Shimizu seinen Gegner insgesamt sechs Mal zu Boden. Drei Mal zählt der Ringrichter Abdulhamidov nicht an. Der gewinnt erstaunlicherweise den Kampf nach Punkten. Nur eines von mehreren krassen Fehlurteilen. Verantwortlich: die AIBA, die Association Internationale de Boxe, der Weltverband des Olympischen Boxsports mit Sitz in Lausanne.

Olympische Sommerspiele 2016, Rio. Der Ire Michael Conlan wütet nach seiner Viertelfinalniederlage gegen den Russen Wladimir Nikitin im Ring: Die AIBA sei von Korruption durchzogen, ruft er in ein Mikrofon: „Sie sind verdammte Betrüger. Sie sind bekannt dafür, Betrüger zu sein. Amateurboxen stinkt von Kopf bis Fuß.“

Auch, wenn der Box-Weltverband wegen zahlreicher Proteste gegen ergangene Fehlurteile daraufhin 239 Kämpfe untersucht, ist „das Kind in den Brunnen gefallen“: das Internationale Olympische Komitee IOC suspendiert im Juni 2019 die AIBA unter anderem auch wegen Wettkampfmanipulation für die Olympischen Spiele 2020.

Verantwortlich für die Durchführung und Wertung der Boxkämpfe bei den Olympischen Sommerspielen 2020 ist nun eine ‚Taskforce’ des IOC. Leiter dieser Taskforce ist Morinari Watanabe, der auch die International Gymnastics Federation leitet.

Watanabe hat es als Geschäftsmann in der Holdinggesellschaft des größten Einzelhändlers Asiens bis zum Direktor des Sportgeschäfts gebracht. Der Japaner war aktiver Turner, hat Basketball, Baseball und Golf gespielt und Kendo ausgeübt, die moderne Version des japanischen Schwertkampfes. Ein Samurai sozusagen. Ein Samurai, der nun das olympische Boxen retten soll.

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Denn unter Watanabes Führung wird gerade ein neues Bewertungsystem getestet, das vor allem einen Anspruch hat: transparent zu sein. Das neue System, bei dem die Wertung der Richter in Echtzeit auf einem Bildschirm zu sehen ist, wird zurzeit in der Sporthalle Ryogoku Kokugikan in Tokio erprobt, wo auch im kommenden Jahr die olympischen Boxwettbewerbe ausgetragen werden.

Bei diesem neuen System müssen die Punktrichter einen Knopf drücken, wenn sie einen Treffer wahrhehmen. Möglicherweise sind dann die Bildschirme, auf denen der aktuelle ‚Trefferstand‘  angezeigt wird, nicht nur für die Punktrichter, sondern auch für das Publikum zu sehen. „Das Wichtigste ist, dass Urteile fair und transparent sind.”, hat Morinari Watanabe in einem Interview mit der ‚Japan Times‘ dargelegt.

Auch wenn die Schlaghärte mit diesem Bewertungssystem nicht erfasst wird und auch so sicher noch genug Raum für Manipulationen vorhanden ist, scheint Watanabes Idee zumindest ein Schritt in die richtige Richtung zu sein.

 

 

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2 Kommentare

  1. 30. Oktober 2019 at 09:53 —

    Fehlurteil ist bei den o.g. Beispielen das völlig falsche Wort und setzt voraus, dass die Punktrichter inkompetent waren.
    Das richtige Wort lautet “Beschiss”.

  2. 30. Oktober 2019 at 15:00 —

    Wettkampfmanipulation

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