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Heute Abend: Michael Wallisch vs Murat Gassiev

Heute Abend: Michael Wallisch vs Murat Gassiev

Nachdem er sich im Finale der „World Boxing Super Series“ im Cruisergewicht im Juli 2018 gegen Oleksandr Usyk geschlagen geben musste, ist die Karriere des russischen Boxers Murat Gassiev seitdem ziemlich ins Stocken geraten.

Im August 2018 wurde bekannt, dass Gassiev eine Schulterverletzung erlitten habe und operiert werden müsste. Im Frühjahr 2019 erklärte Gassiev dann, er wolle ins Schwergewicht aufsteigen, im Juni 2019 werde der erste Kampf in der neuen Gewichtsklasse stattfinden.

Aber das geplante Debut gegen den US-Amerikaner Joey Dawejko blieb aus: angeblich hatte Gassiev wieder Probleme mit der Schulter, der Kampf gegen Dawejko musste abgesagt werden. Auch der zweite „Anlauf ins Schwergewicht“ blieb ohne Folgen: zwar hatte Gassievs Coach Abel Sanchez dem US-amerikanischen Sportsender ESPN verraten, dass sein Schützling auf der Undercard von “Mikey Garcia vs Jessie Vargas” im Februar 2020 antreten werde, doch auch dieser Kampf gegen Jerry Forrest kam nicht zustande. Wie es hieß, hatte Gassiev Probleme damit gehabt, geeignete Sparringspartner zu finden.

Murat Gassiev selber postete seinerzeit die folgende Erklärung: „Mit großer Enttäuschung muss ich mitteilen, dass ich und (mein) Trainer Abel Sanchez vor einigen Tagen beschlossen haben, den Kampf mit Jerry Forrest am 29. Februar nicht anzunehmen. Ich bin gesund und trainiere, aber aufgrund einiger Meinungsverschiedenheiten innerhalb unseres Teams ist die Vorbereitung auf den Kampf nicht richtig organisiert worden, was mir die Möglichkeit genommen hat, ein vollständiges Trainingslager zu absolvieren. So unvorbereitet einen Kampf zu machen wäre eine Respektlosigkeit gegenüber den Fans, dem Gegner und DAZN. Ich hoffe, dass nach der Beilegung aller Streitigkeiten ein neuer Termin für den Kampf bekannt gegeben wird und ich meine Fans zufrieden stellen kann. Vielen Dank für die Unterstützung”.

Im Oktober 2020 kam es dann doch – nach über zwei Jahren Ringabstinenz – endlich zum ersten Schwergewichtskampf von Murat Gassiev. Zwar war ursprünglich ‚King Pin‘ Kevin Johnson als Gegner vorgesehen, doch Johnson sagte ab, der in der Schweiz lebende Albaner Sefer Seferi wurde als Ersatz verpflichtet. Weil Seferi dann aber angeblich positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sprang sein Bruder ein, der 43 Jahre alte Nuri Seferi, der eigentlich ein Cruisergewichtler ist. Da half dann auch der Kampfname ‚Albanian Tyson‘ nicht viel: bereits nach dem ersten Wirkungstreffer von Murat Gassiev musste Nuri Seferi zu Boden. Sieger durch TKO nach 1:47 Minuten der ersten Runde: Murat Gassiev. Eine wirkliche Standortbestimmung im Schwergewicht hat Gassiev also noch vor sich.

Ob die Begegnung mit dem deutschen Schwergewichtler Michael Wallisch eine solche Standortbestimmung ist, darüber kann man vermutlich geteilter Meinung sein. Zumindest ist der EC-Boxer aus München mit 35 Jahren noch in einem guten Alter und kein „aufgepustetes“ Cruiserweight. Mit einer Größe von 197 cm und einer Reichweite von 196 cm übertrifft Wallisch die Werte von Gassiev, der fünf cm kleiner ist, mit 193 cm aber über eine nur unwesentlich kleinere Reichweite verfügt.

Zwei wesentliche Vorteile dürfte allerdings Gassiev auf seiner Seite haben: Technik und Schlagkraft. Das US-Amerikanische Schwergewicht Chris Arreola hat Gassiev mal als „den härtesten Puncher, mit dem ich je im Sparring war“ bezeichnet. Ohne Michael Wallisch etwas Böses zu wollen, gehe ich davon aus, dass der Kampf nicht über die Runden geht und dass am Ende der Sieger Murat Gassiev heißt. Auch gegen Joe Joyce, Tony Yoka und Efe Ajagba zog Wallisch schon den Kürzeren. Gegen Gassiev zu verlieren, ist keine Schande. Bleibt zu hoffen, dass Wallisch sich so gut verkauft, wie er kann.

Beim gestrigen Wiegen brachte Wallisch 102,6 kg, fast vier kg mehr hatte Gassiev mit 106,5 kg. Der Kampf am heutigen Abend aus der Dynamo Volleyball Arena in Moskau wird anscheinend nur vom russischen TV Sender „REN TV“ übertragen und beginnt gegen 23:00 Uhr russischer, sprich 22:00 Uhr deutscher Zeit.

Ein Punktsieg für Michael Wallisch über Murat Gassiev? Das funktioniert vermutlich nur in einer „Fight Night Champion Simulation“.

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8 Kommentare

  1. 22. Juli 2021 at 18:22 —

    Ich glaub, da kriegt Wallisch heute aufs Maul.

  2. 22. Juli 2021 at 20:36 —

    Gassiev hat die perfekte Powerlifter-, Ringer- oder Gewichtheberfigur. Fürs HW ist er viel zu klein und gedrungen. Gegen jeden halbwegs ordentlichen Techniker mit guter Range wird er Probleme bekommen.

    • 22. Juli 2021 at 22:33 —

      Gegen gute Techniker hat er seine Probleme, was ja der Kampf gegen Usyk gezeigt hat. Aber findest du wirklich das er mit 192 cm zu klein ist für das HW? Er kommt ja eh mehr über die Schlagkraft, von daher denke ich das er im HW besser aufgehoben ist als im Cruiser, denn der schnellste war er nie.

      • 23. Juli 2021 at 02:06 —

        Mmh … finde, es fehlt ihm auch an Beweglichkeit und Schnelligkeit, Reichweite ist auch nicht gut und die Größe halt bestenfalls Mittelmaß für heutige HW-Verhältnisse. Die Power ist auch für diese GK zwar nicht gerade durchschnittlich, aber auch nicht Top Tier – im Cruiser war er eine Besonderheit. Aber klar, hier geht’s um die Kohle, und die liegt halt in der „Königsklasse“. Es ist irgendwie schade, dass die Top Cruiser alle lieber mittelmäßige HW sein wollen, denn diese Klasse verbindet in meinen Augen die Power des HW mit dem Tempo des LHW und ich sehe die Fights dort eigentlich sehr gerne.

        @ Schreiberling – Murat mit Mike Tyson zu vergleichen ist komplett lächerlich, das weißt du wohl am besten selbst.

        • 23. Juli 2021 at 10:04 —

          Wir reden hier nur von der Powerlifter-, Ringer- oder Gewichtheberfigur.

        • 23. Juli 2021 at 14:59 —

          Ich glaube weniger, dass Gassiev im HW an der Physis scheitern wird..
          Eher daran, dass er auch für seine Größe nicht der schnellste ist und dass es ihm an Variabilität mangelt..
          Zudem wirkt er schon sehr hüftsteif, aber das ist ja im HW nichts außergewöhnliches….

  3. 22. Juli 2021 at 20:49 —

    @ ak

    So wie Mike Tyson?

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