Top News

Henry Maske vs Graciano Rocchigiani – Punktrichter waren „umgarnt“

Nach fast genau 25 Jahren äußert sich der damalige Matchmaker Jean-Marcel Nartz in einem Interview auf RTL.de zum beinahe schon legendären Kampf zwischen Henry Maske und Graciano Rocchigiani. Gemeint ist die erste Begegnung am 27. Mai 1995 in der Dortmunder Westfalenhalle. Dieser Kampf wurde im Vorfeld als „Ost-West Duell“ hochgejubelt. Der offizielle Kampftitel war damals „Eine Frage der Ehre“. Es war ein Fight zwischen „Gentleman“ Maske und Rocky, dem „Berliner Straßenköter“. Zwei Boxer, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten.

Jean-Marcel Nartz sagt nach so langer Zeit genau das, was viele Boxfans bereits damals dachten. Das Kampfurteil (116:114, 116:112 und 117:111) war nicht sauber. Nartz sagt auch klar und deutlich, was er von diesem Kampf hielt:

“Ich persönlich wollte den Kampf nie. Ich war damals bei Sauerland angestellt und musste für Maske sein, aber mein Herz schlug auch für Rocky. Denn Rocky hat unter meiner Regie als Matchmaker keinen einzigen Kampf verloren. Er war ja zwischendurch weg, weil ihn Sauerland nicht so gut behandelte, wie er den Henry behandelte, weil Rocky immer der Beschissene war. Deswegen wollte ich den Kampf nicht, obwohl ich wusste, dass er viel Geld bringen würde für beide. Und Rocky brauchte das Geld dringender als Henry.”

Auf die Frage nach seiner Meinung zu dem damaligen Urteil sagt Nartz :

“Ein Skandalurteil würde ich es nicht nennen. Auf meinem Punktzettel stand ein Unentschieden mit Tendenz zu Rocky. Das spiegelte sich ja auch in der Zuschauerreaktionen wider. Als Rocky als Erster in den Ring kam, wurde er ausgepfiffen und Henry danach bejubelt. Nach dem Kampf wurde Rocky bejubelt und Henry ausgepfiffen. Das sagt eigentlich alles aus. Ich würde es eher RTL-Heimurteil nennen. Die Punkturteile, also die Einzelwertungen, die waren skandalös, machten am Ende aber nichts aus. Es war ja egal, ob Henry zwei oder vier oder sechs Punkte vorne lag. Das war nicht korrekt, wie die Punktrichter gepunktet haben. Aber das lag wahrscheinlich daran, dass die drei Herren im Vorfeld mit Samthandschuhen behandelt und umgarnt wurden.”

Nicht nur die Punktrichter waren damals auf Maskes Seite, auch der Ringrichter schien seine „Order“ zu haben. Als Maske in Runde 12 geschwächt zu Boden ging, war das nicht weil Rocky ihn runter geschoben hätte. Maske wäre auch ohne Berührung von seinem Gegner runter gegangen. Ringrichter Robert Ferrara lies weiter boxen und zählte Maske nicht an.

Es war eines von den Urteilen, wo die Punktrichter so urteilten, wie sie urteilen sollten. Das war nicht nur bei diesem Kampf so. Solche Urteile gibt es bis heute immer wieder. Denken wir nur zurück an Huck vs Ramirez, als man Huck unbedingt zum WBO-Weltmeister machen wollte oder den Kampf gegen Lebedev, den er eigentlich verloren hat. Das gleiche Spiel gibt es auch bei Frauenkämpfen. Das Urteil im Kampf zwischen Katie Taylor und Delfine Persoon war ebenso wenig ok, wie die Punktrichterentscheidung beim Kampf zwischen Ema Kozin und Maria Lindberg. Kozin hat keine einzige Runde tatsächlich gewonnen und wurde dennoch mit 98:94 und zwei Mal 96:94 zur Siegerin gemacht.

Ähnliche Verhaltensweisen der Punktrichter gibt es immer wieder. Ein ehemaliger Ringarzt (Name der Redaktion bekannt), der früher häufig bei Universum-Veranstaltungen dabei war, brachte es auf den Punkt: „Wer auch bei der nächsten Gelegenheit als Punktrichter eingesetzt werden will, urteilt im Sinne des Veranstalters.“

Hier noch einmal dieser sehenswerte Kampf, den 13 000 Zuschauer in der Halle und 13 Millionen auf RTL live verfolgten:

Voriger Artikel

Boxpodcast 244  – Erdogan-Kritiker Ünsal Arik legt gegen Oliver Pocher und Ismail Özen-Otto nach

Nächster Artikel

Floyd Mayweather übernimmt die Kosten für die Beerdigung von George Floyd

2 Kommentare

  1. 2. Juni 2020 at 10:21 —

    ich habe mal einen “Kampf” mit Maske gesehen, da hatte er den Gegner (weiß leider nicht mehr welcher) an den Seilen (kam auch mal vor 😉 ) und der Ringrichter gab Maske Kampfanweisungen.
    “Mehr arbeiten, Henry!”
    😀 😀 😀
    nicht zu fassen

  2. 2. Juni 2020 at 11:10 —

    War glaube ich gegen Andrea Magi, so gegen Ende seinder Karriere. In diesem Gefecht hat Maske gefühlt 5 Schläge pro Runde gesetzt. Glück für Maske das Magi zwar geschlagen hat aber nicht boxen konnte. Der hat unheimlich viel in die Deckung und ins Leere gepoppt. Da hat Maske auch eine Trefferquote von 2 Treffern pro Runde zum Sieg gereicht.

Antwort schreiben