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Gürtelflut beim WBC – kein Ende abzusehen

Gürtelflut beim WBC – kein Ende abzusehen

Es gab Zeiten, da wurden die Champions des World Boxing Council mit Trophäen in Form eines Globus ausgezeichnet. Irgendwann in den 1960er Jahren begann der WBC dann, Gürtel zu vergeben. Die ersten Exemplare waren aus schwarzem Leder oder Satin. Daran befestigt: eine silberne Plakette, auf der unter anderem die Gewichtsklasse stand.

Die mittlerweile etablierte Kombination „grün-gold“ kam in den 1970er Jahren auf. Adidas war offizieller Sponsor der ersten grün-goldenen Gürtel, Muhammad Ali gewann einen davon beim „Rumble in the Jungle”. Die späteren Versionen dieses Gürtels waren ähnlich, aber schwarz beschriftet. Nach seinem Sieg über Richard Dunn am 24. Mai 1976 trug ‚The Greatest‘ einen solchen Gürtel. In der Mitte befindet sich eine große ovale, goldfarbene Platte, die rechts und links von zwei kleineren Platten flankiert wird.

Viele Jahre lang war WBC-Präsident Jose Sulaiman für die Entwürfe der WBC-Gürtel verantwortlich. Kleinere Änderungen gab es immer wieder, so steht zum Beispiel seit dem Jahr 2000 die Gewichtsklasse auch auf der Rückseite. Nach wie vor ist aber Boxhandschuhhersteller Cleto Reyes an der Herstellung der Gürtel beteiligt. Und immer waren die Gürtel vor allem eines: Weltmeistergürtel.

2009 „verwässerte“ der WBC seine Praxis und schuf den „Diamond Championship“-Gürtel. Dieser Gürtel sollte den „Gewinner eines historischen Kampfes zwischen zwei hochkarätigen und Elite-Boxern“ ehren. Verliehen wurde der Diamantgürtel zum Beispiel an Manny Pacquiao, als er seinen sechsten Weltmeistertitel durch einen TKO 12 gegen Miguel Cotto gewann.

2010 kam dann der WBC-Silver-Titel dazu. Natürlich mitsamt dem dazugehörigen Gürtel. Das machte die Angelegenheit ziemlich schwammig, denn die WBC-Regularien besagen: „Ein Boxer, der den Silber-Titel hält, kann nicht den vollen Titel erben, wenn der vakant wird. Der WBC erkennt Interims- und Silber-Champions sowie Interims-Silber-Champions an.“

Vor ein paar Jahren zog WBC-Präsident Mauricio Sulaiman dann den „WBC-Smaragd-Gürtel“ aus dem Hut, kreiert für den Kampf zwischen Floyd Mayweather jr und Manny Pacquiao, besetzt mit 3.017 Smaragden. Wert: mehr als 1 Million US-Dollar. 

Ein Ehrengürtel durfte da natürlich nicht fehlen: die „WBC Eternal Championship“ ist eine Auszeichnung, die an dominante Champions vergeben wird, die noch nie einen Weltmeistertitel verloren haben und ungeschlagen in den Ruhestand gegangen sind, obwohl sie eine große Anzahl erfolgreicher Titelverteidigungen absolviert haben. Am 12. Dezember 2016 wurde Vitali Klitschko aufgrund von zehn erfolgreichen WBC-Titelverteidigungen im Schwergewicht als „Eternal Champion“ ausgezeichnet.

Daneben gab es noch den „Money Belt“ für den Gewinner der Begegnung zwischen Floyd Mayweather jr und Conor McGregor, den WBC-Gürtel „Adolfo López Mateos“ für den Sieger aus „Saul Alvarez vs Gennady Golovkin II“ und den „WBC-Mayan-Belt“ für „Tyson Fury vs Otto Wallin“.

Fast könnte man sagen: wenn es in einem Kampf um nichts geht, dann zumindest um einen Phantasie-Gürtel des WBC. Und dem Einfallsreichtum der Erschaffer sind dabei anscheinend keine Grenzen gesetzt. Da darf es auch mal Alligatorleder sein, über 25 Millionen Jahre alter Bernstein oder 1,5 Kilogramm massives 24-karätiges Gold, Hauptsache Gürtel!

Manchmal allerdings gibt es einen „Extra-Gürtel einfach so „on top“, auch wenn es sowieso um mehrere Gürtel geht. Die Verantwortlichen des WBC haben sich nämlich überlegt, für den Gewinner des Fights zwischen Saul Alvarez und Billy Joe Saunders einen speziellen „Mestizo“-Gürtel zu kreieren. Wie WBC-Präsident Mauricio Sulaiman erklärt hat: „ … um den beiden beteiligten Kämpfern eine zusätzliche Motivation zu bieten.“

Was schwerlich gelingen dürfte. Beide Boxer kämpfen wohl vorrangig des Geldes wegen und nicht, um einen schicken Gürtel für die Vitrine zu gewinnen. Während sich die WBC-Verantwortlichen vermutlich gegenseitig auf die Schultern klopfen und zu ihren „töften“ Gürtelideen beglückwünschen, sehen Boxfans die Praxis, am laufenden Band unsinnige Gürtel zu erfinden in einem anderen Licht. Wie ein Boxenthusiast es auf den Punkt gebracht hat: „Die Möglichkeit, einem Gürtel einen Mehrwert zu verleihen, besteht darin, dass der WBC-Meisterschaftsgürtel der WBC-Meisterschaftsgürtel ist. Kein Mestize, kein Diamant, kein Platin, kein Franchise, kein Super, kein Interim, kein Regular, kein Intercontinental. Du bist entweder ein Champion oder nicht.“

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3 Kommentare

  1. 6. April 2021 at 22:07 —

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  2. 8. April 2021 at 17:04 —

    Kleiner Irrtum vom Schreiberling: Vitali Klitschko hat zwar den Kampf gegen Lennox Lewis verloren, aber keinen WM-Titel. Den hatte damals Lewis, der nach seinem Abbruchsieg zurücktrat.

  3. 8. April 2021 at 21:15 —

    @ mike

    In der Tat, Du hast Recht! Ich habe den Satz gelöscht, Danke für den Hinweis.

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