Top News

Frankie Randall – Tod mit 59

Frankie Randall – Tod mit 59

Frankie Billy Randall ist am gestrigen Mittwoch in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in seiner Heimatstadt Morristown, Tennessee, nach einem langwierigen Kampf gegen Demenz und Parkinson gestorben. ‚The Surgeon‘ Randall stand von 1983 bis 2005 im Ring, war Weltmeister der WBC und zweimaliger WBA-Weltmeister. Den Großteil seiner Profikarriere war Randall bei Don King unter Vertrag, trainiert wurde er von Aaron Snowell. Vorausgegangen war eine überaus erfolgreiche Amateurkarriere: Frankie Randall gewann 263 von 286 Kämpfen.

Auch als Profi hatte Frankie Randall Erfolg. Erst in seinem 24sten Kampf verließ er den Ring nicht als Sieger: dem ehemaligen WBC-Champion Edwin Rosario gelang es am 16. Juni 1985 in London, Randall nach Punkten zu schlagen.

Doch der 23-jährige kehrte wieder auf die Siegerstraße zurück und gewann acht der folgenden neun Kämpfe (sieben davon durch KO), bevor er erneut einen Fight verlor. Diesmal war es der Mexikaner Primo Ramos, der Randall durch KO besiegen konnte. Ein sportlicher und vor allem finanzieller Rückschritt, der Randall weiterhin dazu zwang, für Börsen zwischen 1.500 und 5.000 US-Dollar anzutreten.

In den folgenden sechs Jahren nahm Randall jeden Gegner auseinander: Olympiasieger Jerry Page, Rodolfo Aguilar und auch Julio Cesar Chavez. Bis zu diesem Kampf am 29. Januar 1994 war Chavez in 89 Kämpfen noch nie besiegt worden und trat als 17-zu-1-Favorit an. Doch Randall schaffte das schier Unmögliche, arbeitete gut mit seinem rechten Cross, schlug Kombinationen und glänzte mit einem steinharten Kinn, das alles aushielt, was Chavez zu bieten hatte. Es gelang Frankie Randall sogar, Chavez mit einer Rechten zu Boden zu schicken, der erste Niederschlag, den ‚JC‘ in seiner Karriere hinnehmen musste.

Den gewonnenen WBC-Titel im Superleichtgewicht verlor ‚The Surgeon‘ schon drei Monate später im Rückkampf wieder. Sieben Runden lang war es ein ausgeglichenes Gefecht, dann aber öffnete ein „accidental butt“ einen Cut auf Chavez` Stirn. Der Kampf wurde abgebrochen. Weil eine WBC-Regel aber vorschrieb, dass dem unverletzten Kämpfer ein Punkt abgezogen wird, endete das Ganze als „Technical Decision“. Chavez wurde zum Sieger erklärt.

Randall trat danach gegen WBA-Weltmeister Juan Martin Coggi an und besiegte den Argentinier nach Punkten. Zwei Mal verteidigte er diesen Titel, bevor es im Rückkampf gegen Coggi zu einer bizarren Szene kam. Coggi musste in der ersten Runde schon zu Boden und zog nach einem unabsichtlichen Kopfstoß in Runde 5 wohl die „Notbremse“: der Argentinier drehte sich ab und hockte sich auf den Ringboden. Mehr als acht Minuten verharrte Coggi in dieser Position, ließ sich auch mit Sauerstoff versorgen. Vielen kam es so vor, als wolle der Argentinier den Abbruch des Kampfes provozieren, was ihm schlussendlich auch gelang. Der Kampf wurde daraufhin über die Scorecards entschieden, Coggi zum Sieger erklärt.

Sechs Monate später kam es aufgrund dieses Vorfalls erneut zu einem Kampf zwischen Randall und Coggi, den Frankie Randall nach 12 geboxten Runden nach Punkten für sich entscheiden konnte. Danach ging es mit Randall bergab. Schon bei der ersten Titelverteidigung verlor er gegen den Franzosen Khalid Rahilou, er trat als „Steigbügelhalter“ gegen Oba Carr, Michele Piccirillo, Antonio Margarito, Jose Antonio Rivera, Peter Manfredo und Marco Antonio Rubio an.

2004 stand Randall noch einmal mit Julio Cesar Chavez im Ring. Beide Boxer waren schon weit über ihre Blütezeit hinaus. Chavez gewann einstimmig nach Punkten, erklärte aber später in einem Interview: „Die Wahrheit ist, dass Frankie Randalls Stil für mich immer kompliziert war. Selbst im dritten Kampf!“

Randall verlor 13 seiner letzten 16 Kämpfe, bevor er 2005 mit einer Bilanz von 58-18-1 in den Ruhestand ging. Später machten sich die Folgen des Boxens bemerkbar: eine Verletzung des Gehirnfrontallappens hatte Auswirkungen auf Sprache und motorische Fähigkeiten, Randalls geistige Stabilität war angegriffen.

Im kommenden Jahr soll Frankie Randall in die Alabama Boxing Hall of Fame aufgenommen werden. Ruhe in Frieden.

Hier der erste Kampf zwischen Randall und Juan Martin Coggi

Voriger Artikel

Tippspiel KW 52 - 26.-31.12.2020

Nächster Artikel

Weihnachten bei „Boxers“

2 Kommentare

  1. 29. Dezember 2020 at 06:19 —

    Tod mit 59 Jahren….eigentlich zu früh, andererseits…bei Parkinson UND Demenz wohl eher eine Erlösung!?

    Kann mich noch dunkel an Randall erinnern, ein ganz guter Kämpfer…der allerdings zu spät aufgehört hat und da er hauptsächlich bei D.King unter Vertrag war, wird er auch keine Reichtümer angehäuft haben!?

    R.I.P. Frankie

  2. 30. Dezember 2020 at 21:03 —

    R.I.P. frankie

    erinnere mich noch schwach (zu viel yamas in den letzten jahren) an den ersten fight mit julio .
    chavez war damals einfach ne maschine und ich war geschockt als er zum ende hin zu boden gegangen ist (10 oder 11 rd.) und verdient verloren hat. der rückkampf naja,war sehr merkwürdig,als ob sie julio etwas unter die arme gegriffen haben….wie auch immer ,ein übles schicksal frankie…shit….
    ruhe in frieden,champ…

Antwort schreiben