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Firat Arslan vs Sefer Seferi – „Die Rache des Bruders“

Ein Beitrag von F. W.:

George Foreman gelang es im Alter von 46 Jahren, Bernard Hopkins mit 49, Wladimir Klitschko denkt noch darüber nach und Firat Arslan ist schon auf dem Weg dorthin: Er will der älteste Box-Weltmeister aller Zeiten werden.

Auf dem Weg zu diesem Ziel verteidigt der 48 Jahre alte Cruisergewichtler seine Titel – den WM-Titel der GBU und den Inter-Continental-Titel der WBO – am 17. November gegen Sefer Seferi. Richtig gelesen: Firat Arslan ist eigentlich schon Weltmeister, aber es soll der Titel eines großen Verbandes sein, mit dem der sich zur Ruhe setzen möchte …

Boxen.de: Warum ist das so wichtig, Firat? Ist Weltmeister nicht gleich Weltmeister? Warum muss es „großer“ Titel sein?

Firat Arslan: Ganz einfach: weil in der Box-Fachwelt nur die großen Verbände Anerkennung und Wertschätzung verdienen und auch bekommen. Bernard Hopkins hat 2013 den Weltrekord als ältester Boxweltmeister aller Zeiten und aller Klassen im Alter von 49 Jahren aufgestellt und zwar in einem der großen und anerkannten Weltverbände, der IBF, gegen einen starken Mann. Ich war Weltmeister in einem der großen Verbände, bei der WBA, ich habe dem WBC-Champion Grigory Drozd die einzige Niederlage zugefügt, im ersten Duell Marco Huck um die WBO Weltmeisterschaft klar besiegt, aber wie die ganze Boxwelt weiß, wurde ich durch ein Fehlurteil um meinen Sieg gebracht. Das wäre damals schon der Weltrekord als ältester Weltmeister im Cruisergewicht gewesen, bei der IBF habe ich Weltmeister Yoan Pablo Hernandez besiegt. Der damalige ARD-Kommentator und auch ARD-Experte Henry Maske waren sich einig, dass ich der neue Weltmeister bin, leider werteten die Punktrichter zu Gunsten von Hernandez. Er hat nach diesem Kampf übrigens nie wieder geboxt. Ich habe danach in 10 Kämpfen 10 Siege errungen. Deswegen kann mein Ziel nur der Gürtel eines großen Verbandes sein!

Boxen.de: Wenn man sich die Ranglisten anschaut, ist das ne klare Sache: Du liegst rund 50 Plätze vor Deinem Herausforderer … also platt gefragt: ne einfache Sache für Dich?

Firat Arslan: Ich sag`s mal so: die Weltrangliste ist eine Sache, aber es kommt auch immer auf den Boxstil beider Boxer an, wer wem liegt zum Beispiel. In den Top 100 der Weltrangliste könnte vermutlich jeder jeden schlagen. Ich weiß, dass ich einen starken Gegner vor den Fäusten habe, der im Cruisergewicht noch nie verloren hat und seine beiden Niederlagen hat er gegen 2 Weltmeister im Schwergewicht erlitten, gegen WBA-Weltmeister Manuel Charr und gegen Tyson Fury, also den Mann, der Wladimir Klitschko alle Titel abgenommen hat. Sefer Seferi ist ein starker Junge und ich freu mich auf den Kampf!

Boxen.de: Deine Fans kennen Dich als „sachlichen“ Menschen … Übertreibungen und heiße Luft sind nicht die Welt von Firat Arslan. Der Kampf gegen Sefer Seferi wird angekündigt als „Die Rache des Bruders“. So gesehen ok, Du hast 2016 Sefers Bruder Nuri geschlagen und Sefer sagt: “Unsere Familie hat mit Firat noch eine Rechnung offen, die will ich nun begleichen”. Ist sowas und das Motto „Die Rache des Bruders“ wirklich Deins?

Firat Arslan: Ich habe Nuri in einem harten und fairen Kampf geschlagen. Klar, es gibt sicher Leute, die sagen: das war knapp, für mich war es jedenfalls eine klare Angelegenheit: ich war der Aktivere mit weitaus mehr Treffern, aber Nuri hat einen starken Kampf gemacht, sehr fair … ich schätze ihn als Sportler und als Mensch. Ob das Ganze von den Medien jetzt als „Rache des Bruders“ verkauft wird, ist mir eigentlich egal. Für mich zählt der Kampf, alles andere drum herum ist für mich unwichtig!

Boxen.de: Du hast in einem Interview gesagt: “Ich erlebe gerade die stärkste Phase meiner Karriere”. Was heißt das konkret? Auf was können wir Zuschauer uns freuen bei dieser Begegnung?

Firat Arslan: Ich habe mich sehr gut vorbereitet, ich habe mit Günter Dreher aus Frankenthal einen Spitzenmann, der meine Leistungwerte messen und auswerten kann, ich bin topfit und habe die Erfahrung von mittlerweile 30 Jahren im Boxring. Die Zuschauer können sich auf einen guten harten Kampf freuen, alles Weitere werden wir am Samstag sehen.

Boxen.de: Nochmal zurück zu deinem Ziel, einen WM-Gürtel bei einem der großen Verbände zu holen. Gemeint sind damit WBO, WBA, IBF und WBC. Dummerweise sind zurzeit alle WM-Titel in einer Hand, nämlich der von Oleksandr Usyk. Ist damit nicht das Ende der Fahnenstange erreicht?

Firat Arslan: Stimmt, Oleksandr Usyk hat die Titel der vier großen Verbände, aber er ist genauso schlagbar wie jeder andere. Außerdem liebäugelt Usyk ja mit einem Kampf gegen Anthony Joshua, aber dazu müsste er ins Schwergewicht aufsteigen und dann wären alle 4 Titel vakant. In diesem Fall käme ein Kampf gegen Krzysztof Glowacki um den WBO-Gürtel für mich in Frage. Oder um den WBA-Titel gegen Beibut Shumenov. Auch die IBO nehm ich ernst: Klitschko, Joshua, Golovkin, Alvarez oder Floyd Mayweather, Thomas Hearns, Lennox Lewis … alle hatten oder haben den IBO-Gürtel … da gibt es aktuell Kevin Lerena aus Südafrika, das zum Thema „Ende der Fahnenstange“!

Boxen.de: Aber vorher wartet noch Sefer Seferi, „die Rache des Bruders“ Zu sehen ist der Kampfabend aus der Göppinger EWS Arena am 17. November ab 19:00 Uhr live auf ranFIGHTING.de. Firat, vielen Dank für das Interview, wir drücken Dir die Daumen.

Im Vorprogramm boxt der ungeschlagene Münchner James Kraft gegen den Tschechen Ondrej Budera um den vakanten Junioren-WM-Titel der WBO im Supermittelgewicht. Außerdem tritt Jack Pascali gegen Joseph Mulema aus Frankreich an und Yavuz Erturk steht gegen den Argentinier Gabriel Angel Ladesma im Ring. In weiteren Kämpfen sind zu sehen: Emre Cukur, Erik Pfeiffer und Danilo Milacic.

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1 Kommentar

  1. 17. November 2018 at 11:25 —

    Seferi hat seine Siege doch nur gegen sogenannte Laufkundschaft eingefahren, da war kaum einer dabei mit einen positiven Kampfrekord. Alles andere als ein klarer Sieg von Arslan würde mich schon überraschen.

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