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Firat Arslan – Kampfende nach Handtuchwurf in Runde 6

Fotos: Marco Baumann

Ein etwas seltsames Ende nahm der WM-Kampf zwischen IBO-Champ Kevin Larena und Firat Arslan in Göppingen. Promoter Erol Celan warf in Runde 6 ein Handtuch in den Ring. Ringrichter Leszek Jankowiak nahm das wahr und beendete nach diesem Zeichen der Aufgabe aus Arslans Ecke folgerichtig den Kampf. Arslan zeigte sich überrascht und war nicht damit einverstanden. Er akzeptierte dann aber was geschehen war. So hatte sich das der 49-jährige bestimmt nicht gedacht.

Doch erst einmal zum Kampf. Firat Arslan boxte im gleichen Stil, wie man es schon immer von ihm kennt. Doppeldeckung hoch und auf den Gegner zumarschieren. Gelegentlich schlagen und gleich wieder die Deckung hoch in seine Grundposition. Was man in der ersten Runde vielleicht noch gut finden konnte, entpuppte sich aber im weiteren Verlauf des Kampfes als zu einseitig. Es reicht eben nicht aus, auf einen Gegner zu zumarschieren und nur ab und zu mal zu schlagen. Larena war beweglich genug auf den Beinen und hatte sich schnell auf Arslan eingestellt. Er beantwortete jede Aktion von Arslan prompt und ging immer mehr dazu über, seine Schläge auch durch die Doppeldeckung hindurch ins Ziel zu bringen. Es gelangen auch Aufwärtshaken oder er landete Kopfhaken um die Deckung herum. Die so massiv aussehende Deckung von Arslan war also überwindbar.

Von den 6 geboxten Runden kann man bestenfalls eine an Arslan geben. Wie der Kampf in der zweiten Hälfte weiter gegangen wäre, wissen wir nicht und werden es nie erfahren. Vielleicht hätte Arslan den Kampf mit einer massiven Aktion zu seinen Gunsten drehen können, aber um zu gewinnen, wäre es nötig gewesen, Larena zu finishen. Danach sah es allerdings nicht aus. Nach Punkten war der Kampf auf alle Fälle weg.

In der 6. Runde kam dann das „Aus“. Bei einem Angriff des Titelverteidigers kam Arslan etwas ins Straucheln. Er wackelte ein bisschen und genau das reichte scheinbar Promoter Erol Celan aus, um ein Handtuch in den Ring zu werfen. Arslan war überrascht, als er realisierte, dass der Kampf beendet wurde. Das ein Promoter nicht einfach das Handtuch werfen kann, sollte klar sein. Auch wenn er meint, die Gesundheit des Boxers schützen zu müssen. Womöglich geht dieser Handtuchwurf genau so in die Boxgeschichte ein, wie 2008 in Spanien das vorzeitige Läuten der Pausenglocke und der Handtuchwurf durch Amed Öhner beim Kampf zwischen Airich und Williams.

Hier der Kampf:

Bei der anschließenden Pressekonferenz machte Arslan deutlich, dass er durchaus nicht angeschlagen war und den Kampf gerne fortgesetzt hätte. Er fand sich aber mit der Situation ab und will nicht gegen diese Entscheidung vorgehen. Arslan ließ offen, ob dieser Kampf womöglich sein letzter war. Auch er wird sicherlich gemerkt haben, dass es für die Weltspitze nicht mehr reichen wird. Trotzdem wäre er auf jeden Fall in der Lage, seinen Fans noch den einen oder anderen Kampf gegen machbare Gegnerschaft zu präsentieren. Wir haben gewiss Respekt vor der Leistung eines Boxers, der auf die 50 zugeht. 

Hier Arslans Statement nach dem Kampf:

Bei ihrem Comeback im Ring, 10 Monate nach ihrer ersten Niederlage gegen Claressa Shields in den USA, bezwang die Dortmunderin Christina Hammer ihre Gegnerin Florence Muthoni aus Kenia. Die Gegnerin zeigte sich fit genug, um mit Christina Hammer 8 Runden locker runter zu boxen. Für Hammer war das sicher kaum mehr als ein Sparringskampf und der gelungene Restart ihrer boxerischen Laufbahn. Sie will wieder Weltmeisterin werden und ihren Gürtel zurück erobern. Das kann durchaus gelingen, falls Claressa Shields nicht weiter im Supermittel boxt und den Gürtel nieder legt. Man wird sehen, wie es mit ihrer Karriere weiter geht. Dieser Kampf gegen eine “machbare” Gegnerin war gewiss erst einmal richtig und wichtig. Jetzt können wieder stärkere Herausforderungen kommen.

Hier der Kampf:

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6 Kommentare

  1. 9. Februar 2020 at 15:42 —

    Klar könnte Arslan noch den einen oder anderen Kampf machen, aber ich denke es ist an der Zeit die Handschuhe an den Nagel zu hängen. Arslan muss niemanden noch etwas beweisen, hat viel erreicht in seiner Karriere und ist vor allen Dingen aus seinen Kämpfen gesund wieder herausgekommen!

    Das der Promoter das Handtuch in den Ring wirft ist wohl eher ein Unding, aber ich glaube auch nicht das Arslan den Kampf noch hätte drehen können. Das er enttäuscht war ist verständlich, aber letztendlich geht es auch um die Gesundheit eines Boxers.

    Bin übrigens nicht der Meinung das Arslan wegen seines Alters nach Punkten zurück lag, auch in seiner besten Zeit hätte er kaum einen Stich gemacht, Lerena ist einfach zu stark.
    Der hat Schläge durchgebracht das es einen schlecht werden konnte, hatte auch den Eindruck das er von Runde zu Runde stärker wurde!

  2. 9. Februar 2020 at 15:48 —

    Spannendster Kampf des Abends war aber wohl die Ansetzung zwischen Emre Cukur vs Davide Faraci!? Eigentlich kann man froh sein das der Kampf zwischen Cukur und Brähmer geplatzt ist, Brähmer hätte Cukur vernichtet!

    Und Teper sollte seine Handschuhe an den Nagel hängen, das war gar nichts was er geboten hat und wie immer übergewichtig.

  3. 10. Februar 2020 at 13:24 —

    Ich finde über die gesamte Historie von Arslan hinweg: Seine Gegner haben nicht diese gute Defensive, daher wirken Arslans Treffer aus der Deckung immer etwas Spektakulärer oder Überraschener, was sich sicher auch trotz vllt. weniger Schläge als sein Gegner auf die Punktzettel auswirkt. Nur so eine Theorie. Das musst du erstmal schaffen, einen eigenen Stil kreieren, das hat Arslan in seiner Karriere geschafft und genau deshalb bleibt er in Erinnerung. Vorallendingen ein Boxer mit dem ich gerne mal ein Bier an der Theke trinken würde. Super Typ ausserhalb des Rings. Big Fan 😉

    • Arslan ist wirklich einer der wenigen Boxer in Deutschland, den ihr erfolg nicht zu kopf gestiegen ist.

      Firat blieb immer gleich, ohne künstliche Skandale oder sonstiges Affentheater wie bei Hukics, Sturmic etc.

      In dem alter sollte einfach Ruhe sein. Respekt für seine Leistungen im Ring, aber anstatt über verkürzte Runden zu reden, sollte man lieber über ein Boxverbot ab einem bestimmten Alter reden.

  4. 10. Februar 2020 at 13:27 —

    ps: Und immer fit im Ring gewesen!

  5. 10. Februar 2020 at 22:03 —

    Wer weiß, wie seine Karriere verlaufen wäre, wenn er in den knappen Kämpfen gegen Huck (1) oder Hernandez den Sieg zugesprochen bekommen hatte. Ob er die Titel lange behalten hätte, weiß man nicht.

    Auf jeden Fall hätte er gutes Geld verdienen können. Aber gegen Sauerland Boxer bei Sauerland – WM-Kämpfen zu gewinnen ist schon schwierig.

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