Top News

Felix Sturm zu 3 Jahren Haft verurteilt

Beitragsbild: Marco Baumann

Das Urteil gegen den Kölner Ex-Weltmeister Felix Sturm wurde am heutigen 30. April verkündet: 3 Jahre Haft ohne Bewährung. Der Tatvorwurf: Steuerhinterziehung und Körperverletzung. Dieses Urteil liegt damit knapp unter dem Antrag des Staatsanwalts, aber über den Erwartungen der meisten Boxfans. Man kann wohl davon ausgehen, dass Sturm und seine Rechtsbeistände dagegen in Berufung gehen werden.

Sturm wurde zuerst vorgeworfen, in zurück liegenden Jahren zusammen mit einer Beraterfirma aus der Schweiz Steuern in Höhe von über fünf Millionen € hinterzogen zu haben. Angeblich sollen seine Börsen an diese Firma gegangen sein, die das Geld dann auf verschlungenen Wegen auf Sturms Privatkonto „jongliert“ haben sollen. Letztendlich wurde die Summe, für die er verurteilt wurde, dann auf „nur“ eine Million herunter gebrochen.

Der zweite Vorwurf wegen der Körperverletzung ist wohl etwas abenteuerlich und steht in der Beweislage auf wackeligen Beinen. Sturm soll vor dem Kampf gegen Chudinov mit Stanozolol gedopt haben. Damit soll der Kampf regelwidrig gewesen sein. Wenn es denn so war, was nie rechtsicher bewiesen wurde, dann wäre das natürlich ein klarer Verstoß gegen die Anti-Dopinggesetze.

Der Staatsanwalt hatte für beide Gesetzesverstöße eine Gesamtstrafe von 3 Jahren und 3 Monaten gefordert. Das Gericht kam dann mit 3 Jahren raus. Ob es dabei bleibt, ist fraglich. Und ob Sturm seine Haft voll absitzen muss, ist erst Recht fraglich. Schließlich hat er bereits 8 Monate in der U-Haft abgesessen und kam nur gegen eine Kaution von 300 000 € und Hinterlegung seines Passes kurz vor Weihnachten 2019 wieder frei.

Falls er wirklich wieder „einfahren“ muss, kann er nur darauf hoffen, dass er sehr bald zum „Freigänger“ wird. Schließlich hat Sturm vor, wenigstens noch den Kampf gegen Arthur Abraham zu machen. Obwohl dieser Kampf schon viel früher hätte kommen sollen, würden sich sowohl die „Hardcore-Fans“ von Sturm, als auch von Abraham darauf freuen, endlich diesen Kampf zu sehen. Sturm und sein Team hatten ja früher einen Vertrag mit SAT1. Es ist möglicherweise davon auszugehen, dass es da immer noch ein gutes Verhältnis gibt und Sturm vs Abraham im TV zu sehen sein wird. Jetzt ist erst einmal abzuwarten, ob und wann welches Urteil rechtskräftig wird.

Hier einige Meinungen zum heutigen Urteil. Zitiert wird von der Internetseite von RTL und aus dem „Express Köln“:

Uli Wegner: “Das Strafmaß ist für mich ziemlich hoch. Es tut mir als Trainer leid. Er hat für die Gesellschaft unheimlich viel getan. Er hat die Fans begeistert mit seinen tollen Kämpfen. Ich hoffe, dass er sein Leben trotzdem wieder in den Griff kriegt und nach vorne blickt.”

Nationale Anti Doping Agentur (NADA): „Die Entscheidung des Landgerichts Köln, Felix Sturm auch wegen eines Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz und wegen Körperverletzung zu sanktionieren, ist sehr bemerkenswert. Es ist ein wichtiger Meilenstein für das Anti-Doping-Gesetz und kann richtungsweisend auch für zukünftige Strafverfahren sein.“

Roland Bebak: „Mir fehlen die Worte. Vor allem, dass Felix wegen Dopings verurteilt wurde, kann ich nicht verstehen. Es war schon mal eingestellt worden und mehrere Doping-Experten hatten das entsprechend begründet.“

Thomas Pütz: „Ich bin schockiert. Ich hätte nicht mit einem solchen Urteil gerechnet. Vor allem die Doping-Vorwürfe sind meiner Meinung nach unhaltbar.“

Jean Marcel Nartz: „Wenn man Scheiße baut, soll man bestraft werden. Doch wenn ich den Fall Sturm mit Uli Hoeneß vergleiche, stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht. Dann hätte Hoeneß zehn Jahre kriegen müssen. Ich finde, ein Jahr für Sturm wäre berechtigt gewesen. Zum Thema Doping: Dann müsste man Herrn Pütz vom BDB direkt mit in den Knast jagen, denn er hat das zugelassen.”

Arthur Abraham: „Ich möchte das Urteil nicht kommentieren. Das ist eine private Angelegenheit. Sportlich wäre ich jederzeit bereit, gegen ihn zu boxen. Ich bin ein Kämpfer.“

Sturm-Fans und -Hater werden sich wohl jeweils eine eigene Meinung zu dem vorläufigen Aushang des Verfahrens bilden. Das mit der Steuerhinterziehung ist ja noch halbwegs einleuchtend. Das mit der Körperverletzung ist eine recht kippelige Angelegenheit. Wird das Urteil auch wegen der Körperverletzung rechtskräftig, kommt womöglich der Russe Chudinov auf die glorreiche Idee, Sturm als nächstes auf Schadensersatz zu verklagen. Schließlich hat er ja bei dem fraglichen Kampf den WBA-WM Gürtel an Sturm verloren. Mit diesem Titel hätte er anschließend noch weiter gute Börsen verdienen können. Vielleicht kämpft er ja nach dem Ende der Corona-Krise erneut darum. Immerhin hat er den WBA-Gold Gürtel im Schrank und könnte jederzeit um den jetzt wieder vakanten WM-Titel boxen.

Wie es mit Felix Sturm und diesem Verfahren weiter geht, ist noch abzuwarten. Es ist in dieser Sache sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen. 

 

Voriger Artikel

„Fury vs Wilder III“ verschoben

Nächster Artikel

„We love MMA 54“ in München wird verschoben

13 Kommentare

  1. 1. Mai 2020 at 08:13 —

    Ich hätte ihn 10 Jahre gegeben!!!!
    Er ist eine Schande für das Boxen!!!

  2. 1. Mai 2020 at 09:36 —

    Bedenkt man die Dreistigkeit mit der er u.a. Axel Schulz gegenüber nach dem Chudi-Fight aufgetreten ist, wie er dann über Jahre nach Bosnien geflüchtet ist, ist das Urteil fast noch zu milde. Jetzt noch den BdB…

  3. 1. Mai 2020 at 13:54 —

    Doping geht natürlich gar nicht, aber die Steuerhinterziehung rechne ich ihm hoch an.

  4. 2. Mai 2020 at 14:09 —

    Dieses Urteil geht mit runter wie Öl, auch wenn seine Anwälte wohl versuchen werden da noch was anderes raus zu schlagen….ich hoffe das dass Urteil bestätigt wird!?
    Jeden Anderen der vielleicht nicht so in der Öffentlichkeit steht hätte man auch zu einer Haftstrafe verdonnert, aber ein Herr Catic hat sich ja anscheinend so sicher gefühlt oder so unantastbar das er seine Heimat Bosnien verlassen hat und nach Deutschland gereist ist!

    Na ja, letztendlich würde er für seine nachgewiesenen Steuerhinterziehungen verurteilt…..

    .ABER was Doping betrifft das sollte weltweit heftiger geahndet werden ….Jeder Sportler der dopt, ungeachtet seiner Persönlichkeit, ein lebenslanges Verbot in seinen Sport und mindestens X Jahre Knast würden meiner Ansicht nach so einiges regeln!? Und rückwirkend sollte der Staat alle Gelder entziehen…im Zweifel gegen den Angeklagten…..Nur so lässt sich das in den Griff bekommen!

    Aber das sehen vermutlich einige/viele Leute anders!?

    • 2. Mai 2020 at 20:55 —

      Ich bin selbstverständlich auch gegen Doping, aber man wird es nicht in den Griff bekommen. Manche dopen ja ganz offiziell und es geht auch ganz offiziell durch. Norwegische Skiläufer sind das beste Bespiel: von 4 haben 3 angeblich Asthma und dürfen sich vor jedem Wettkampf mit Medikamenten zuknallen, die die Sauerstoffzufuhr erhöhen.

      Andere nehmen ihre Mittelchen für den Muskelaufbau und lassen es weg, wenn der Wettkampf näher rückt. Sie haben dann aber in kurzer Zeit die gewünschten körperlichen Vorteile erwirkt, aber haben nicht den Aufwand wie andere, die nicht dopen. Beispiel: Ein Söhnchen einer gewissen Berliner Promoterin, der selbst geboxt und dann als Trainer bis auf 128 kg zugenommen hat. Dann wollte er einen Kampf gegen einen ehemaligen Schützling machen … Binnen weniger Wochen war er runter auf 90 kg und sah total durchtrainiert aus. Man dachte, es ist eine völlig andere Person. Dass er dann im Ring schon in Runde 2 schlapp gemacht hat, steht auf einem anderen Blatt.

      So lange es Sport gibt, wird auch mit unlauteren Mitteln gearbeitet. Und meistens sind die Doper und ihre Apotheker den Kontrollen 3 Armlängen voraus. Was vielleicht hilft, sind vielmehr unangemeldete Tests. Sportler sollten sich keinen Tag lang sicher sein, dass nicht eine Dopingkontrolle kommt.

      Das, was ich an Sturm nicht leiden kann, ist etwas ganz anderes: seine arrogante Art mit Medienvertretern, den Boxfans und dem Publikum umzugehen, die ihm nicht genug huldigen. Und Kritik verträgt er auch absolut nicht. Er glaubte, er sei der Nabel der Welt und kann nach Belieben tun und lassen was er gerne will. Ich denke, er hat es übertrieben und ist bei den Behörden in Köln auf Gegenwind gestoßen. Irgendwem hat es wohl gereicht, denke ich mal. Dass man ihn erstmal 8 Monate in U-Haft behalten hat, kam nicht von ungefähr.

      • 4. Mai 2020 at 11:19 —

        Und meistens sind die Doper und ihre Apotheker den Kontrollen 3 Armlängen voraus.

        —-

        Das vermittelt den Eindruck, als würden die Athleten und die Apotheker hinter dem Doping stecken, aber das stimmt so nicht. Ein dopender Athlet würde ohne entsprechendem Umfeld an keiner Dopingkontrolle vorbei kommen. Er würde seine Karriere schneller beenden müssen, als er sie anfangen könnte.

        Die, die am meisten am Doping verdienen, dass sind auch die wahren Übeltäter, die von ihren Athleten erwarten, dass sie Leistungsteigernde Mittel zu sich nehmen.

        So lassen sich auch die Zustände bei den unterschiedlichsten Doping-Agenturen erklären!

  5. 3. Mai 2020 at 08:02 —

    Mit dem letzten Absatz könnten wir den Disput salomonisch beenden 🙂

  6. 4. Mai 2020 at 11:22 —

    Das Urteil ist noch lange nicht rechtskräftig. das wird durch alle Instanzen gehen. Mal sehen was am ende dabei übrig bleibt.

    • 6. Mai 2020 at 12:08 —

      frage doch mal den Staatsanwalt, ob du nicht an seiner statt ins Gefängnis gehen kannst. Zeig mal ein wenig Einsatz, Nuthugger!

Antwort schreiben