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Felix Sturm verliert gegen Istvan Szili

Felix Sturm verliert gegen Istvan Szili

Damit hat sich der Traum des 43-jährigen, noch einmal Weltmeister zu werden, wohl erledigt. In der Dortmunder Westfalenhalle musste sich Sturm am gestrigen Samstag vor nur rund 4000 Zuschauern geschlagen geben. Das Recht, IBO-Weltmeister Lerrone Richards herauszufordern, sicherte sich Sturms Gegner Istvan Szili. Das Urteil der Punktrichter nach 12 geboxten Runden: Marco Morales wertete 115:113, Giulio Piras sah es 116:11 und Ferenc Budai hatte die Begegnung mit 114:114 unentschieden.

Szili der aktivere Mann, Sturm vor allem zu Kampfbeginn eher verhalten. Felix Sturm aber schon nach dem ersten Durchgang im Gesicht gezeichnet, was – wie sich im weiteren Verlauf herausstellt – nicht unbedingt nur auf die Schlaghärte seines Gegners zurückzuführen ist: immer wieder geht der Ungar mit dem Kopf voran in den Mann.

Die Folge: in Runde 3 hat Sturm schon einen offenen Cut an der Stirn, im vierten Durchgang hat der 43-jährige zunehmend Probleme, das Blut läuft ins Auge, zudem wirkt Sturm angeschlagen.

Im siebten Durchgang eine kurze Unterbrechung: Referee Ingo Barrabas lässt den Ringarzt einen Blick auf die Platzwunden von Sturm werfen, der Kampf wird wieder freigegeben. Sturm, dessen Oberkörper blutüberströmt ist, schüttelt den Kopf.

Bild: Marco Baumann

Szili muss seinen ständigen Angriffen etwas Tribut zollen, kurzzeitig scheinen ihm die „Körner“ auszugehen. Der Ungar boxt auch zusehends unsauberer. Trotzdem arbeitet Istvan Szili weiter, womit es ihm gelingt, Felix Sturm durchgängig zu beschäftigen. Der ehemalige Weltmeister lässt sich Szilis Stil aufzwängen, setzt seinen guten Jab kaum ein. „Sturm muss sich etwas einfallen lassen!“ sagt Bild-TV-Kommentator Tobias Drews, womit er recht hat.

Kurz vor Ende der achten Runde bringt Sturm dann mal einen kurz geschlagenen Haken ins Ziel, der Szili zu beeindrucken scheint. Der Ungar wackelt kurz, geht aber nicht zu Boden und Sturm kann auch weiterhin nicht an frühere Leistungen anknüpfen. So wird mit zunehmendem Rundenverlauf klar: nur ein KO kann noch den Sieg bringen. Istvan Szili reißt allerdings schon 10 Sekunden vor dem Schlussgong die Arme hoch und siegt nach Punkten. Warum ausgerechnet sein Landsmann Ferenc Budai den Kampf unentschieden wertet, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

„Es war ein harter Kampf. Etwas ganz anderes, als ich erwartet habe. Es war leider sehr unsauber, aber der Ringrichter hat das laufen lassen. Aber ich bin Sportsmann und akzeptiere das Urteil”, erklärte Sturm nach dem Kampf und wollte sich noch nicht auf sein Karriereende festlegen lassen: „Ich rede jetzt mit meiner Familie, ich bin gesund. Wir setzen uns mit dem Promoter zusammen und treffen dann die richtige Entscheidung.”

Hier eine Zusammenfassung des Kampfes KLICK

Am Rande des Geschehens hat auch Oliver Pocher einen Treffer kassiert. Der 44-jährige Comedian bekam unerwartet eine schallende Ohrfeige. Pocher saß in der Dortmunder Westfalenhalle in der ersten Zuschauer-Reihe, als sich plötzlich ein Mann näherte und zuschlug. „Komm mal mit!“ forderte der Täter Pocher dann noch mehrfach auf.

Bei dem „Zuschläger“ handelt es sich angeblich um Comedian „Fat Comedy“, der sich später bei Instagram für seine Tat wie folgt gerechtfertigt haben soll: „Weil du so einen unschönen Charakter hast, Menschen gerne erniedrigst, Menschen unterstützt, die behaupten vergewaltigt worden zu sein, obwohl es nicht stimmt – die Anzeige nehme ich sehr gerne in Kauf, liebe Grüße Omar.“

Omar ist wohl der bürgerliche Name von “Fat Comedy”. Einem Bericht der “Bild” zufolge, ist er ein Freund des Rappers Samra, gegen es im vergangenen Jahr Vergewaltigungsvorwürfe gab, die auch Pocher thematisiert hatte.

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27 Kommentare

  1. 27. März 2022 at 10:15 —

    Was für ein lächerliches, peinliches Urteil

  2. 27. März 2022 at 11:08 —

    Genauso wie der ringrichter, man hätte wirklich die kopfstöße und hinterkopfschläge energischer unterbinden müssen. 3 cuts nach kopfstöße. kein einziger nach schlagwirkung

  3. 27. März 2022 at 11:48 —

    ansich übrigens eine top hochglanzveranstaltung, mit live free tv, große halle, großes publikum, viele stars, schulz, ebel, drews. nur fehlen die vermarktbaren boxer um das langfristig zu machen. schade. boxen in deutschland hätte wirklich potential. aber sturm wird jetzt wohl seine karriere beenden und anderen 3 alten star (brähmer, huck, charr) werden auch nicht mehr lange boxen, wenn sie überhaupt nochmal boxen. und ob die jüngeren wie baraou, kabayel oder andere wirklich so ziehen müssen sie erst zeigen

  4. 27. März 2022 at 12:57 —

    Der Punktsieg geht vollkommen in Ordnung, aber die Wertung war zu niedrig. Catic hat bestenfalls 2 Runden gewonnen.

    Catic pausenlos unter Druck zu setzen war die einzige und beste Strategie um ihn nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

    Seit doch mal ehrlich, Catic war nach seiner eigentlichen Karriere nur noch ein besserer Journeyman der nur durch Doping nochmal gewinnen konnte…..Und die 2 Comebackkämpfe gegen Boxer aus der 4. und 5. Reihe waren gar nichts!

  5. 27. März 2022 at 13:19 —

    Die Schelle für Pocher war das Beste…wie er gleich flüchtet. Da hat selbst Kokser Christoph nicht schlecht geschaut. ^^

    • 27. März 2022 at 14:28 —

      Irgendwie fehlte der Rest vom Post und vom eigentlichen Kampf. Bisschen schmutzig geführt vom Ungarn, aber ganz ehrlich, man muss ja irgendwie zum Erfolg kommen. Der Sieg war dennoch verdient. Bei Sturm hat man auch gesehen, es reicht halt eben nicht mehr für die Spitze, was aber auch mit 43 Jahren irgendwo normal ist. Er ist halt kein Foreman oder Hopkins, der hier nochmal im spätesten Herbst seiner Karriere nochmal nen Gürtel holt. Die drei Jahre Abstinenz machen sich zudem noch bemerkbar.

    • 28. März 2022 at 10:50 —

      Hmm, Leute eine zu schmieren, scheint grad “In” zu sein. Bei den Oscars gestern hat der gute Will Smith Chris Rock auch ordentlich ne Schelle auf der Bühne gegeben.

  6. 27. März 2022 at 13:26 —

    Grundsätzlich lobenswert, dass Sturm in dem alter noch so gut in Form ist, aber von WM-Niveau war er auch vor seiner Zwangspause schon weit entfernt…
    Hätte vllt. noch 2 Fights gegen machbare Gegner und dann einen Payday gegen Feigenbutz machen können (sofern der überhaupt noch aktiv ist…)

    • 27. März 2022 at 15:56 —

      Verstehe auch nicht, warum alle inaktiv sind anstatt ein Turnier untereinander zu machen. Brähmer, Sturm, Abraham, Feigenbutz, Zeuge, Kölling, Bösel etc…
      Bei den Engländern sind es auch nicht immer WM-Veranstaltungen sondern gute Cards um Commenwealth oder britische Meisterschaften.

      Aber in Deutschland sind sie gedanklich alle in den 90ern stehen geblieben. Kai Ebel, Axel Schulz etc Das hat man gestern wieder gesehen. Abgehalfterte Ex-Promis werden an den Ring gekarrt. Die „Rap“-Einlage war dann nur noch zum Fremdschämen.

      • 27. März 2022 at 16:02 —

        Ja, hier wird halt das Wort Weltmeister schon so inflationär gebraucht, dass eine EM oder DM halt keinen mehr hinter dem Ofen hervorlockt..:
        (Weder Boxer, noch Zuschauer…)

      • 27. März 2022 at 16:03 —

        Deutsch-deutsche Duelle wären schon noch eine interessante Option, aber da hat dann jeder Angst, zu verlieren, weil man dann halt schon mal schnell ganz weg vom Fenster ist…

        • 27. März 2022 at 19:23 —

          Könnte man ja Garantiesummen festlegen bzw. faire prozentuale Verteilung. Wenn jeder gegen jeden der Modus wäre wie damals bei der Super6-Serie.

          • 27. März 2022 at 19:43

            Ja, wäre an sich eine coole Sache und würde sicher auch viele Anhänger finden…

      • 27. März 2022 at 20:58 —

        Sturm hätte gegen Brähmer, Feigenbutz oder Zeuge in Durchschnittsform imo keine Chance mehr.

        • 27. März 2022 at 22:55 —

          Die Durchschnittsform von Zeuge ist allerdings auch eher eine Einheit im Graubereich.. Woran und auf welche Zeitspanne bezogen willst Du die denn festsetzen..?

          • 28. März 2022 at 03:23

            Haste natürlich recht, wobei sich die „guten“ Leistungen „Tyrons“ ja auch an einer Hand abzählen lassen. Hab dabei an den ersten DeCarolis-Fight, also nicht gerade die Überflieger-Performance, gedacht.

  7. 27. März 2022 at 20:57 —

    Hab immer gesagt, Sturm besitzt beeindruckende Fitness, auch wenn ich ihn als Person nicht abkann. Aber diese Fitness ist nur noch Oberfläche (Sixpack, relativ jugendliche Gesichtszüge, Haarwuchs). Die Dinge, die ihn früher so stark gemacht hat, seine schnellen Beine, die Reflexe, sein blitzartiger Jab, seine gute Defense, sind weg. Absolut keine Schande für einen 42-Jährigen – er sollte nur so viel Selbsteinsicht haben und erkennen, was gesundheitlich für ihn gut ist.

    • 28. März 2022 at 08:46 —

      100% Zustimmung. Optik ist nicht alles. Evander holyfield sah auch krass aus. Das Ergebnis ist bekannt.

      Apropos bekannt… Bekannt ist auch: Sturm kommt mit Boxern, welche pausenlos nach Vorne marschieren, nicht gut zurecht.
      Soliman, Chudinov, usw.
      Da muss (!) ein 5maliger Weltmeister doch einen Plan B haben?

      • 28. März 2022 at 21:36 —

        Auch Dariusz Michalczewski sah bei seinem letzten Kampf
        (körperlich) noch ganz gut aus. Aber das alleine reicht halt nicht.

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