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Felix Sturm – Anklage wegen Dopingvergehen

Fotos: Marco Baumann

Es war lange Zeit still um den Ex-Weltmeister Felix Sturm. Man hörte zuletzt, dass er in Köln seine Zelte abgebrochen hat und nach Bosnien übersiedelt ist. Jetzt, nach 2 Jahren Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft Köln, soll es zu einer Anklage kommen. Die Gründe: Selbstdoping, Teilnahme an einem sportlichen Wettbewerb unter Doping und Körperverletzung.

Dabei geht es um eine Dopingprobe, die im Zusammenhang mit dem Rematch-Kampf gegen Fedor Chudinov steht. Es war Sturms bisher letzter Fight im Februar 2016. Unmittelbar danach gab es gleich erstmal einen riesigen Auflauf wegen dem Urteil, mit dem eigentlich nur die „Sturm-Partei“ incl. seiner Fanbase einverstanden sein konnte. Den ersten Kampf hatte Sturm mit 110:118, 116:112 und 112:116 verloren. Der Punktrichter, der Sturm dabei vorne gesehen hatte, muss Schwierigkeiten mit seiner Wahrnehmung gehabt haben. Der zweite Kampf endete nach Willen der Punktrichter mit 114:114 und 2x 115:113. Also knapp zu Gunsten des Kölners.

Das Sturm im zweiten Kampf besser gekämpft hat, steht außer Frage. Das er diesen Kampf gewonnen hat, steht in Frage. Gleich nach dem Kampf gab es eine Pressekonferenz, in der Sturm zu einer verbalen Keule gegen die Medien ausholte, die seiner Meinung nach immer so schlecht über ihn berichten würden. Die Begriffe „Lügen-Presse“ und „Fake-News“ waren damals noch nicht in Mode, sonst wären auch die gefallen. Sturm zeigte auf die Handschuhe und wollte den Verdacht erwecken, die Gegenseite hätte daran irgend etwas manipuliert. Er bot Chudinov an, in Russland gegen ihn zu boxen, wenn die Russen es denn bezahlen können. Es sollte nicht dazu kommen. Und das bestimmt nicht, weil die russische Seite finanziell klamm wäre.

Kaum hatte man sich mit diesem Urteil kopfschüttelnd abgefunden, platzte die Bombe: In Sturms A-Probe wurde die anabole Substanz Hydroxy-Stanzolol gefunden. Das Öffnen der B-Probe wurde immer wieder verzögert. Schließlich war auch das Ergebnis der B-Probe nicht in Ordnung. Sturm schloss sein Gym in Köln und verlegte seinen Hauptwohnsitz nach Bosnien. Den Gürtel legte er im Oktober 2016 nieder. Offiziell hieß es, weil er ihn in der nächsten Zeit wegen gesundheitlicher Probleme und anstehenden OP`s nicht verteidigen könne. Damit war der Titel vakant und fiel nicht wegen des Dopingvorwurfs automatisch an Chudinov, wie es normalerweise der Fall gewesen wäre. Immerhin konnte Chudinov erneut um den Gürtel kämpfen, verlor dann allerdings im Mai 2017 gegen den Briten George Groves.

Der WBA-Titel wurde Sturm nicht aberkannt und es gab auch weder eine Sperre von der WBA oder dem BDB. Thomas Pütz, Präsident des BDB sagte: “Sturms Anwalt hat da eine Lücke, einen Formfehler, gefunden und ihm den Kopf aus der Schlinge gezogen“. Diese „Lücke“ war ein fehlendes Blatt im Protokoll über den Transport der Proben. Es fehlt die Angabe, wo drin steht wann die Probe im Labor angekommen ist, wer sie entgegen genommen hat und wer die Probe analysiert hat. So einfach geht das. Und schon ist die ganze Prozedur Schall und Rauch.

In der Anklageschrift der Kölner Staatsanaltschaft wird ausgeführt, dass Chudinov den Kampf gegen Sturm unter der Voraussetzung bestritten habe, es bestehe Chancengleichheit. Wenn ein gedopter Boxer im Ring stehe und dem Gegner Schaden zufüge, bestünde der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung. Darauf muss man auch erstmal kommen. Da Doping neuerdings ein Straftatbestand ist, kann man eigentlich kaum nachvollziehen, dass private Organisationen die Kontrollen ohne staatliche Aufsicht durchführen können. Damit ließen sich gewiss einige plötzlich immer wieder mal auftretenden Formfehler ausschließen.

Felix Sturm hat jetzt erst einmal die Gelegenheit, sich zu äußern. Ob es überhaupt zu einem Strafprozess kommt, ist noch nicht absehbar. Was es allerdings gibt, sind Forderungen von Fedor Chudinov. Der Russe hat zwar nach Willen der Kampfrichter gegen Sturm verloren, aber würde den Titel normalerweise zurück bekommen haben, wenn man Sturm des Dopings überführt hätte. Er hätte mit dem Gürtel gute Börsen erzielen können und wäre bestimmt nicht gleich auf die Idee gekommen sich Groves, dem damals stärksten Gegner zu stellen. Falls Felix Sturm irgend eine Schuld gerichtlich nachgewiesen wird, kann das dazu beitragen, dass Chudinov berechtigte Aussichten hat, eine Entschädigung für entgangene Börsen einzuklagen. Sturm selber müsste mit einer Geldstrafe, schlimmstenfalls sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen.

Bemerkenswert an dieser ganzen Sache ist so nebenbei, dass Sturms Anwalt, der Amerikaner Pat English, auch Manuel Charr vertritt. Auch in dieser unklaren Dopinggeschichte gelang es dem Advocaten, einen Formfehler nachzuweisen und das gegen Charr anhängige Dopingverfahren in Zweifel zu ziehen.

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12 Kommentare

  1. 22. November 2018 at 09:50 —

    Warum überhaupt ein Artikel über diesen Boxer ? Er war und ist ein mittelmäßiger Boxer der sich selbst immer überschätzt hat !! Und unsympathisch oben rein !! Keiner vermisst ihm , er war für mich mich nie authentisch!! Es gibt weit aus interessante Nachrichten was bei Boxsport passieren , den man hier berichten kann , aber leider nicht berichtet wird ! Aber über Felix Sturm , kann ich nicht verstehen ! Bin ja froh das es diese Seite gibt , bin auch regelmäßig hier und bin sehr dankbar an die Leute die das Seite hier betreiben ! Deswegen kann man solche Artikel sparen !

  2. 22. November 2018 at 13:43 —

    Mal wieder ein Staatsanwalt der sich auf kosten eines promineten profilieren will.
    wie bei Wulff oder Kachelmann. Man kennt das schon. In beiden fällen wurde alle vorwürfe als falsch entlarvt und zusätzlich zum vollumfänglichen freispruch auch die staatsanwaltschaft deutlichst gerügt.
    nun wieder so ein fall wo schon klar ist dass die probe nicht gerichtsverwertbar ist und somit der einzige beweis wegfällt. wird im sande verlaufen

    • Sehe ich auch so Brennov.

      Auch Uli Hoeneß war eigentlich unschuldig, er hat bei der Steuererklärung einfach nur ausversehen vergessen 6 Nullen mehr anzugeben.

    • 23. November 2018 at 16:48 —

      Genau.. Dem armen Adnan bleibt aber auch keine Ungerechtigkeit erspart..
      Die unverdiente Niederlage vs die blonde der Chudinov-Sisters, die absolut unverdiente schlechte Berichterstattung und nun der böse, böse Staatsanwalt, der sich nur im Glanz des größten Boxers unserer Zeit sonnen will..

  3. 22. November 2018 at 13:44 —

    “Bemerkenswert an dieser ganzen Sache ist so nebenbei, dass Sturms Anwalt, der Amerikaner Pat English, auch Manuel Charr vertritt. Auch in dieser unklaren Dopinggeschichte gelang es dem Advocaten, einen Formfehler nachzuweisen und das gegen Charr anhängige Dopingverfahren in Zweifel zu ziehen.´”

    wieso soll das bemerkenswert sein wenn man sich einen fachmann für solche verfahren als anwalt nimmer.

    wenn du wegen steuerhinterziehung angeklagt bist hast du auch keinen anwalt für scheidungsrecht?

    • 22. November 2018 at 14:24 —

      Wahnsinn deine messerscharfen Analysen, dir macht aber auch keiner so schnell was vor. Du verblüffst mich immer wieder mit deinem fachmännischen Durchblick. Deine Metapher mit dem Scheidungsanwalt, ich konnte nicht mehr, ich hab mir fast in den Schlüppi gemacht vor lachen. Du bist so gebildet, wie du mit Worten spielst, bei deinem Kommentaren, hab ich es wie ein Film vor Augen. Bitte bleib noch lange auf dieser Seite aktiv und ich würde mich freuen wenn du in Zukunft zu allen Artikeln was schreibst, gerne auch mehrfach, es bereichert meinen Tag. P.S. ich wäre soooo gern wie du, du Fuchs. Vielleicht schreibst du ja mal einen Artikel über die Gesamtsituation im Boxen mit deiner Weisheit, ich denke den würden einige Promoter sowie Trainer als Bibel des Boxen verschlingen. Ich hab dich lieb Dein Sachse.

  4. 22. November 2018 at 20:16 —

    Nun ja, wenn man alle in den oberen Reihen wo es um ordentlich Kohle geht 100 Prozent prüfen würde, käme keiner mit einem blauen Auge davon.

  5. 22. November 2018 at 20:57 —

    Für Brennov war das ein Festtag: Endlich wieder ein Artikel über sein Idol.
    Natürlich schreibt er hier auch ein Plädoyer für den Ehrenmann Felix Sturm. Die Vorwürfe sind daher natürlich haltlos.
    Er ist genau so ein feiner Kerl wie Herr Wulff (Vorwürfe natürlich alle falsch), Hoeneß, Maschmeyer, Schröder etc.

    Ich frage mich, wieso Sturm erst jetzt angeklagt wird.
    Ebenso war das Erscheiniúngsbild der WBA und des BDB auch in dieser Sache – wie nicht anders zu erwarten – erbärmlich.

    Ich bedauerte damals das Karriereende von Sturm, da ich ihn gerne gegen Golovkin gesehen hätte.
    Naja, die anderthalb Sparringsrunden hatten wohl damals gereicht…

  6. 23. November 2018 at 09:04 —

    Man muss Sportsfreund Brennov allerdings auch verstehen:
    Schließlich ist Felix Sturm einer der wenigen Boxer, der genau so kleine Eier hat wie er selbst.

  7. 23. November 2018 at 18:34 —

    Hier ein Artikel von Ebby Thust:

    boxen1.com/der-fall-felix-sturm-die-medien-toben-sich-auf-dem-ruecken-des-ex-champions-aus-33561/

    Wenigstens weiß ich jetzt wer sich hinter dem Pseudonym “Brennov” verbirgt!
    Hätte aber eher mit Neger-Kalle gerechnet. 😀

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