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Errol Spence jr besiegt Jordanis Ugas vorzeitig

Bei einem Titel-Vereinigungskampf (WBA, WBC und IBF) im Weltergewicht trafen gestern Abend in Arlington/ USA Errol Spence jr (WBC/IBF-Champ) und Jordanis Ugas (WBA-Champ) aufeinander. Der Kampf endete vorzeitig in Runde 10, weil Ugas wegen einem zugeschwollenem Auge aus dem Kampf genommen wurde. Die beiden Kontrahenten lieferten sich bis dahin ein erbittertes Gefecht.

Nach drei relativ engen ersten Runden konnte sich Spence in den Runden 4 und 5 immer besser durchsetzen. In Runde 6 war es der Kubaner, der Druck aufbauen konnte und dem Boxer aus den USA mit Kopftreffern zusetzte. Spence verlor den Mundschutz und genau in einem Moment, wo Spence dringend eine Pause zum Durchschnaufen brauchte, bekam er die vom Ringrichter wegen des fehlenden Mundschutzes.

Zu diesem Zeitpunkt begann bereits das Auge von Ugas zuzuschwellen, was in den nächsten Runden zum Problem wurde. Spence sah darin seine Chance und feuerte auf Ugas ab, was die Fäuste hergaben. Bereits zum Ende der 7. Runde war klar, dass dieser Kampf nicht über die Runden gehen wird. Nach 8 Runden hätte der Ref um der Gesundheit des Kubaners Willen den Kampf bereits abbrechen können. Aber immerhin ging es hier um einen Titelvereinigungskampf. Da überlegt sich so mancher Ringrichter, ob er frühzeitig abbricht oder nicht. Schließlich will er ja dem angeschlagenen Boxer noch alle Chancen lassen.

In Runde 9 wurde es dann aber überdeutlich, dass nichts mehr zu machen ist für Ugas. Er kassierte viele Schläge, die er einfach nicht kommen sah. Er selbst blieb allerdings auch noch halbwegs gefährlich und landete bei Spence immerhin ein paar gute Körpertreffer. Nach erneuter Rücksprache mit dem Ringarzt kam dann das „Aus“ für Ugas in Runde 10, weil der Kampf einfach nicht mehr zu verantworten war. Es war eine richtige Entscheidung des Ringrichters, den Kampf abzubrechen. Zu diesem Zeitpunkt lag Spence auf allen Punktrichterzetteln mit gutem Vorsprung vorne. Ugas hätte nur noch durch KO gewinnen können, doch danach sah es absolut nicht aus. Ob diese Verletzung ein Rematch rechtfertigt, sei mal dahin gestellt.

Man kann jetzt gerne darüber spekulieren, ob der Ref etwas parteiisch war oder nicht. Immerhin war Spence in Runde 6 ziemlich angeklingelt, verlor dann „zufällig“ den Mundschutz und der Ringrichter ließ sich bei der Kampfunterbrechung etwas Zeit, in der Spence ein paar Mal durchatmen konnte. Ob Ugas ihn in dieser Situation hätte „knacken“ können, werden wir nie erfahren.

Nach diesem Sieg von Spence jr meldete sich WBO-Champ Terence Crawford zu Wort und sagte sinngemäß, dass es nun kein Ausweichen mehr gibt und das es Zeit wird für einen Kampf zwischen ihm und Spence. Auch Spence jr forderte nach seinem Sieg Crawford als nächsten Gegner. Ob und wann es dazu kommt, wissen wir noch nicht. Passiert nichts Unvorhersehbares, wie so eine Verletzung von Ugas, dürfte Spence gegen Crawford kein Land sehen.

Hier der Kampf:

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9 Kommentare

  1. 17. April 2022 at 15:09 —

    Guter, spannender Fight, insgesamt tolle Leistung von Spence, trotz des Wacklers in der 6. Runde.

    Ich habe die Szene so gesehen: Konter von Ugas in die Schlagserie von Spence, der voll gessessen und Spence das Mouthpiece herausgeschlagen hat. Spence war daraufhin verwirrt, er dachte wohl, ein Stopkommando gehört zu haben und ist nach dem Mundschutz, der auf dem Boden lag, gegangen, um ihn einzusammeln. Das Stopkommando hätte eigentlich auch kommen müssen, aber der RR hat den Mundschutz evtl. nicht wegfliegen sehen. So musste der deckungslose Spence noch 3 Volltreffer nehmen, wobei ihn einer davon in die Seile katapultierte, was eigentlich dann – wenn es schon weiterging – ein KD hätte sein müssen. Irgendwann kurz danach begriff der RR, dass Spence keinen Mundschutz mehr hatte und unterbrach, was ihm die nötige Erholung gab. Danach kam Spence wieder stark zurück und dominierte den Rest der Runde sogar. Insgesamt ein bizarrer Rundenverlauf.

    So etwas darf ihm gegen TBC natürlich nicht passieren und Spence hat die Szene nach dem Kampf auch recht selbstkritisch kommentiert. Ich bin als Boxfan für Spence, dessen aggressiver Style und das Volumepunching mir einfach attraktiver erscheint, aber rational natürlich klar bei Bud. Denke aber, dass dieser Kampf den Gap ein wenig enger gemacht hat (auch für die Oddsmaker). Bin mal gespannt, wie es weitergeht.

    • 17. April 2022 at 15:50 —

      “Das Stopkommando hätte eigentlich auch kommen müssen”
      Mitten in der Aktion..? Seh ich anders..

      Abgesehen davon wars ein guter Sieg, wobei ich persönlich nicht sehe, inwiefern sich die Lücke zu Crawford verkleinert haben soll..
      Bud ist nach wie vor in einer anderen Liga als Spence..

      • 17. April 2022 at 16:42 —

        Naja, wenn der Ref sieht, dass der Mundschutz herumfliegt, muss er es entweder gleich stoppen, oder halt Ugas die Chance geben, seinen Vorteil zu nutzen und den Kampf erst dann unterbrechen, wenn sich die Situation beruhigt hat, also bspw. die Boxer klammern oder zu weit auseinanderstehen, um unmittelbar zu schlagen. So oder so muss er imo Spence anzählen nach dem Flug in die Ropes – dann kann der ja bei dieser Gelegenheit auch gleich den Mundschutz aufsammeln.

        • 17. April 2022 at 17:05 —

          Da stimme ich zu, nur finde ich nicht, dass er es während Ugas´ Offensivaktion einfach so stoppen könnte / sollte..

  2. 17. April 2022 at 16:42 —

    Ob Spence wirklich so chancenlos gegen Crawford wäre?
    Bud hat sicher niemals zuvor gegen einen so physisch großen schlagstarken Soutzpaw geboxt, und technisch ist Spence ja nun auch keine Nulpe.
    Sehe das nur 60:40 Crawford, der mir einfach stabiler und reifer wirkt.

    Zu der Mundschutz-Szene… “protect yourself at all times”.
    Der Referee muss mit einem break warten, bis die aktuelle Situation vorüber ist. Von daher sehr unglückliche Aktion…
    Dennoch hat Spence insgesamt einen guten Kampf gemacht – ich hätte das insgesamt deutlich knapper erwartet.

    • 17. April 2022 at 17:07 —

      Zum ersten Abschnitt:
      Chancenlos natürlich nicht.. Ich sehe es 80/20..

      Dem 2. Abschnitt stimme ich 100% zu..

  3. 17. April 2022 at 17:15 —

    Ich sehe nur, dass das MU Bud vs. Spence international wesentlich enger gesehen wird als hier auf dieser Seite, wobei hier sich sowieso nur 5 – 10 Leute für diese GK interessieren. Deshalb bin ich auch mal auf die Quoten gespannt, sobald der Kampf in greifbare Nähe rückt. Nicht, dass das irgendetwas an der Ausgangslage ändert, aber ich finde es halt immer interessant, wie sich die Blickwinkel teilweise anpassen, wenn es um konkrete Gewinne oder eben Verluste geht.

    Spence baut schon einen perversen Druck auf und gegen Bud wird er keinen Ringrost mehr spüren. Hält er die Disziplin und die Kraft, wird er versuchen, noch physischer und rücksichtsloser zu agieren. Andererseits darf man die Power Buds wirklich auch nicht unterschätzen. Ich habe neulich einen Clip gesehen, wo er ohne Aufwärmen und in Streetwear ansatzlos 180 kg deadliftet. Hier kann ich sagen, für einen geübten Powerlifter ist das zwar jetzt nicht die Welt, aber für ein „Hemd“ wie Crawford mit in der Offseason vielleicht 70, 75 kg Körpergewicht ist es krass. So leicht, wie er das gehoben hat, schätze ich sein One-Rep-Max auf 200 bis 210 kg, ca. das Dreifache seines eigenen Gewichts – definitiv brutal! Und dann kommen noch die Boxing Skills dazu …

    • 17. April 2022 at 17:33 —

      Man muss es ja nicht immer so sehen wie die Mehrheit, ob national oder international..
      Noch dazu bin ich bei der Ansetzung ziemlich emotionslos, weil ich keinen von beiden besonders mag oder nicht..

      Skillwise ist Crawford wie gesagt für mich in einer anderen Liga und den nach vorne pressenden Spence wird er mMn früher oder später entscheidend abkontern und wenns dann ums finishen geht ist Crawford halt nochmal ne ganze Klasse besser als Porter oder Ugas..

  4. 22. April 2022 at 08:17 —

    Sehr gute Performance von Spence. Nach dem Unfall und seiner Augen OP ist er in einer beeindruckenden Verfassung zurückgekommen.
    Was den Kampf betrifft: Ugas hatte mir in den ersten 3 Runden gefallen, sein Jab zum Körper hatte Spence einige Probleme bereitet. Was dann kam, war aus Sicht von Ugas für mich nicht nachvollziehbar. Du kannst dich gegen einen Mann wie Spence nicht toe to toe in die Pocket hinstellen, wenn du kein inside game besitzt und schon gar nicht die Power hast. Es war dann nur eine der Zeit bis die hooks und uppercuts richtig Wirkung zeigten. In der 6. Runde hatte Ugas durch einen Anfängerfehler von Spence noch die Gelegenheit, das Blatt zu seinem Gunsten zu wenden. Er hatte wohl nicht mehr so viel im Tank, um Spence richtig weh zu tun. Warum Spence nicht angezählt wurde, zeigt mal wieder wie korrupt dieser Sport ist. Nichtsdestotrotz hat Spence den Kampf über weite Strecken dominiert und letztendlich durch TKO gewonnen. Was mir wieder bei den kubanischen Profis aufgefallen ist, dass sie natürlich durch ihr starkes Amateur Programm eine sehr gute Ausbildung genossen, aber für das Pro Game irgendwie für ganz oben nicht geeignet sind. Du kannst mit so einem geringen punch output nicht die Runden geschweige denn den Kampf gewinnen. Zudem finde ich Ismael Salas overrated, ich weiß nicht was für eine Strategie er vorbereitet hatte, es wirkte für mich so als wäre er total planlos. Schließlich hat Spence nichts neues gezeigt, was man vorher nicht gesehen hatte.

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