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Erkan Teper – Quo vadis?

Ein Beitrag von F. W., Fotos: Marco Baumann

Waldenbuch, den 29. September 2018. Ritter Sport Stadion. Es geht um die Wurst. Für Erkan Teper. Und für Robert Helenius. „Letzte Chance für zwei Boxer der europäischen Spitzenklasse.“ titelt Ranfighting.de. Helenius gewinnt.

Fast zwei Monate ist es nun her, dass „the Nordic Nightmare“ Tepers hängende Deckung ausnutzen konnte und den Ahlener KO schlug. “Tut mir leid, Leute”, sagte Helenius danach und ans Publikum adressiert: „Ich habe sehr gut trainiert, sehr lange trainiert und ich wollte den Gürtel mitnehmen!“ Leid tat es auch Erkan Teper.

Boxen.de: Erkan, was geht einem in so einem Moment durch den Kopf, wenn – mal ganz salopp formuliert – „der Blitz einschlägt und die Lichter ausgehen?“

Erkan Teper: Ich sag’s mal so: in dem Moment denkt man nichts. Höchstens: „Scheiße, ich hab verloren!“ Nicht schön, ne!

Boxen.de: Jetzt geht es im deutschen Boxen ja komisch zu. Kaum hat ein Boxer mal einen Kampf verloren, lautet die erste Frage, die Fans und Journalisten auf der Zunge liegt: „Hören Sie jetzt auf? Treten Sie jetzt zurück?“ Wenn Hertha BSC den FC Bayern besiegt, würde niemand auf die Idee kommen, Uli Hoeneß zu fragen: „Lösen Sie die Mannschaft jetzt auf!“

 

Erkan Teper: Ja, das ist wohl ein rein deutsches Phänomen! Sobald jemand verliert, heißt es: „Ach, der ist shot, der kann nix mehr, is` vorbei!“ Das ist eigentlich Schwachsinn: Du kannst nen Superkampf machen und dann kann sowas – also ein KO – Dir trotzdem passieren, das gehört dazu! In England oder den USA steht der Kampf an sich viel mehr im Vordergrund. Wenn das ein spektakulärer Kampf ist, dann sind die Fans begeistert, auch wenn man verliert. Und man wird weiter gehyped. In Deutschland wird man dann fallengelassen wie `ne heiße Kartoffel.

Boxen.de: Trotzdem vermute ich, Du hast Dir überlegt, ob es eine Zukunft für Erkan Teper im Boxen gibt und wie diese Zukunft aussehen könnte. Dein Trainer Oktay Urkal hat uns gesagt: „Wenn Erkan aufhören möchtest, dann kann ich das verstehen!“ Wie sieht Deine Zukunft aus? Was wäre denn ein Ziel für Dich? Firat Arslan möchte der älteste Weltmeister werden … was möchte Erkan Teper?

Erkan Teper: Erst mal allergrößten Respekt für Firat! Er ist immer noch topfit. Ich könnte das nicht! Irgendwann wird man müde. Ich mach das jetzt 16, 17 Jahre „am Stück“ ununterbrochen Und irgendwann ist die Luft raus! Ich gönn` mir gerade eine kleine Pause und dann geb` ich wieder Gas! Ich denke mal, im Februar … März kann man wieder mit mir rechnen!

Boxen.de: Hast Du Dir ein Ziel gesetzt, gibt es einen Wunschgegner? Wie sieht es zum Beispiel mit einem Kampf gegen Manuel Charr aus? Da wäre ja auch ein Titel im Spiel.

Erkan Teper: Ich weiß gar nicht genau, ob der „Diamond Boy“ seinen Gürtel noch hat oder ob ihm der Titel aberkannt wurde … das geht da ja immer hin und her. Aber den würde ich gerne mal boxen. Weltmeister ist Weltmeister!

Boxen.de: Wir sind gespannt und freuen uns auf das Comeback von Erkan Teper. Danke für das Interview.

 

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