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Edgar Berlanga? Nie gehört!

Edgar Berlanga? Nie gehört!

Falls dem geneigten Leser dieser Name nichts sagt: keine Panik, bei mir war`s nicht viel anders. Der amerikanische Supermittelgewichtler ist mittlerweile 23 Jahre alt und begann schon im Alter von sieben Jahren zu boxen. Berlanga machte 179 Amateurfights, von denen er 162 gewann und debütierte im April 2016 als Profi.

Seinen ersten Kampf im Profilager gegen Jorge Pedroza  – der ebenfalls zum ersten Mal als Profi im Ring stand – gewann Berlanga durch KO in Runde 1. Und so blieb es auch in den Folgekämpfen: insgesamt 16 Mal stand Edgar Berlanga im Ring und genauso oft gewann er durch KO, 16 Mal siegte er in Runde 1. Kein Wunder, dass Berlanga mittlerweile den Kampfnamen ‚The chosen One‘ – der Auserwählte – trägt.

16 Kämpfe und 16 Erstrundensiege: ungewöhnlich, aber nicht einzigartig. Ali Raymi aus dem Jemen zum Beispiel hat während seiner aktiven Zeit ähnliches geleistet: will man einen RTD-Sieg mit dazu zählen, dann konnte der Fliegengewichtler sogar 21 Erstrundensiege in Folge durch Knockout für sich verbuchen. So oder so muss man allerdings festhalten: Die boxerischen Fähigkeiten von Raymi hielten sich in Grenzen und so war auch die Gegnerschaft von überschaubarer Qualität.

Klar, auch die Gegner von Edgar Berlanga waren nicht von Beginn an hochkarätige Kämpfer, wie sein Trainer Andre Rozier offen zugibt, doch spätestens bei Cesar Nunez in Kampf Nr. 13 und Eric Moon im vierzehnten Gefecht, hatte man erwartet, dass das Geschehen im Ring länger dauern wird. Doch Edgar Berlanga blieb sich treu und schickte Nunez kurz vor Rundenende nach mehreren Niederschlägen endgültig uns Reich der Träume, für Moon endete der Kampf schon nach 62 Sekunden.

„Ich bin ein guter Boxer.“ hat Berlanga der „New York Post“ seinerzeit erklärt: „Meine Beinarbeit ist gut, ich bewege meinen Kopf gut. Und ich bin ein Puncher. Ich kann es kaum erwarten, mein Können unter Beweis zu stellen.“

Berlangas Promoter Bob Arum ist jedenfalls zuversichtlich:

Quelle: Bob Arum / Twitter

„Edgar Berlanga jr ist das größte Power-Punching-Phänomen, das ich seit der Blütezeit des jungen Mike Tyson gesehen habe” schrieb Arum bei Twitter: „Ich bin absolut erstaunt, wenn ich diese unglaubliche Kraft seiner Schläge im Ring sehe.”

Fraglich ist aber, was passiert, wenn ein besserer Gegner Berlanga den Gang über mehrere Runden abverlangt. Hat  ‚The chosen One‘ genug Ausdauer? Hat er einen Plan B, wenn er seinen Gegner nicht kurzrundig ausschalten kann? Was, wenn ein Gegner der brachialen Schlagkraft ein gutes Kinn entgegenzusetzen hat?

Auch Berlangas Trainer Andre Rozier kann diese Fragen nicht beantworten: „Viele Leute sagen, dass er mehr Runden boxen muss. Aber nur weil sich das nicht ergibt, heißt das nicht, dass er nicht bereit für sie ist. Er ist bereit für 10 Runden, er ist bereit für 12 Runden.“

Aber grau ist alle Theorie, wie es so schön heißt. Auch Top Rank hätte gerne die Gewissheit, dass Berlanga „es draufhat“:  „Wenn Sie einen Kämpfer mit einer solchen Kraft haben, dass er seine Kämpfe vorzeitig beendet, wird es immer das Fragezeichen geben, wie er aussehen würde, wenn es mehr Runden gibt. Das ist das,  was wir wollen jetzt sehen.” hat Top Rank Vizepräsident Carl Moretti vor einiger Zeit gesagt.

Geplant ist, dass Edgar Berlanga bald ins Halbschwergewicht aufsteigt. Möglicherweise werden sich dann die offenen Fragen sehr schnell beantworten. Berlanga selber sieht es locker: „Im Prinzip ist Boxen Unterhaltung. Wir sind Entertainer. Wir gehen in den Ring und unterhalten die Leute. Sie zahlen, um dich zu sehen“

„In zwei Jahren oder weniger“ will der 23-jährige New Yorker es nach eigenem Bekunden bis an die Weltspitze geschafft haben. Da er schon jetzt den sechsten Platz in der WBA-Rangliste belegt und die Nummer acht im WBO-Ranking ist, kein unrealistischer Wusch.

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3 Kommentare

  1. 15. Dezember 2020 at 15:57 —

    Abwarten wie er sich schlägt, wenn mal einer zurückschlägt und nicht nur in DD vorm steht.

  2. 16. Dezember 2020 at 09:46 —

    So sieht es aus, wobei man sagen muss, dass Top Rank weltweit die beste Promotion ist, wenn es darum geht Talente zu entdecken bzw. aufzubauen. Sie sind so lange im Geschäft, sie wissen einfach was sie tun. Für Puerto Rico wünsche ich mir, dass sie nach Trinidad, Camacho und Cotto endlich wieder einen Superstar in ihren Reihen haben. Im Halbschwergewicht könnten bald Leute wie Benavidez und Gilberto Ramirez warten. Wer möchte nicht Mexico vs Puerto Rico sehen.

    • 16. Dezember 2020 at 11:25 —

      „Wobei man sagen muss, dass Top Rank weltweit die beste Promotion ist, wenn es darum geht Talente zu entdecken bzw. aufzubauen.“

      Endlich mal jemand, der nicht nur sagt, dass Promoter (nur) scheisse sind und das Geld aus ihren Fightern heraussaugen, bis sie tot sind. Arum mag seinen Namen „Greedy Bob“ völlig zu Recht tragen und er ist als Anwalt bestimmt kein Engel, wenn es darum geht, vorteilhafte Verträge für sich und seine Company auszuhandeln, aber er tut auch etwas für seine Boxer: nämlich genau das, was er tun muss – sie bekannt zu machen, damit das breite Publikum sie sehen möchte, wenn sie ihre Prime erreichen. Und er hat seinen Verstand auch mit 89 noch beisammen im Gegensatz zum in etwa gleichalten „Delirium Don“ King.

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