Eddie Hearn auf dünnem Eis

Eddie Hearn auf dünnem Eis

Seitdem bekannt geworden ist, dass Eddie Hearn das Königreich Saudi-Arabien als Austragungsort für den Rückkampf zwischen Joshua und Ruiz Jr. gewählt hat, erntete der Matchroom Boxing-Chef viel Kritik. Nun hat sich der 40-jährige Promoter zu Wort gemeldet und seine Entscheidung verteidigt.

Anstatt allerdings anklingen zu lassen, dass die Summe von rund 100 Mio. US-Dollar, die finanzstarke Unternehmen in Saudi-Arabien bereitstellen, um den Kampf ins Land zu holen, durchaus eine gewisse Rolle gespielt haben könnte, redet Hearn sich um Kopf und Kragen.

Es ginge ihm um die Popularität des Boxsports im Nahen Osten, sagte Hearn in einem Interview mit „The Guardian“: „Wir müssen erkennen, dass es außerhalb von Cardiff und dem Madison Square Garden auch noch eine andere Welt gibt. Und wir haben die Verpflichtung, den Boxsport in neuen Gebieten und Regionen bekannt zu machen.“

Für mich hat Hearn damit nicht nur jeden Funken Glaubwürdigkeit verloren, sondern sich auch zum Kasper gemacht. Eddie Hearn scheint offenbar zu glauben, dass der Rest der Welt „sich die Hosen mit der Kneifzange anzieht“.

Würde Matchroom Boxing mit der Wahl des Austragungsortes Saudi-Arabien weniger Geld machen, als mit Cardiff oder New York, wäre man unter Umständen ja noch geneigt, Hearns Aussagen eine gewisse Glaubwürdigkeit zuzugestehen. In der Realität sieht das Ganze jedoch anders aus: Hearn geht dahin, wo es am meisten Kohle gibt und versucht nun, sich reinzuwaschen.

Peinlicherweise bemüht sich der Promoter sogar, Kritiker mundtot zu machen, in dem er behauptet, dass die negative Berichterstattung dazu führen könnte, dass mehr Menschen den Kampf verfolgen.

Darüber hinaus – so Hearn weiter – würde er sich eher auf Boxen als auf Menschenrechte konzentrieren. Außerdem seien ja auch andere Sportarten nach Saudi-Arabien gekommen: die Formel 1 mit der Formel A, die europäische Golftour, der italienische Superpokal, die World Boxing Super Series und die WWE.

„Für diejenigen, die die Reise machen, wird es eine unglaubliche Erfahrung“, führte Eddie Hearn weiter aus: „Es wird Veranstaltungen und Musikfestivals rund um den Event geben. Das ist eine gigantische Gelegenheit fürs Boxen, ein ikonischer Moment. Und mit der Resonanz, die wir bekommen haben – hauptsächlich positiv, teilweise negativ -, garantiere ich Ihnen, dass die ganze Welt diesen Kampf am 7. Dezember mit Neugier verfolgen wird. Diese Veranstaltung könnte das Boxen für immer verändern. Ich weiß, dass Saudi-Arabien alles tun wird, um dies zu einem Ereignis zu machen, das Ihre Erwartungen erfüllen und Ihnen den Atem rauben wird.“

Fast fühlt man sich hier an US-Präsident Donald Trump erinnert. Es mag durchaus saudi-arabische Medien gegen, die sich positiv geäußert haben, der Rest der Medienwelt berichtete allerdings eher kritisch-negativ.

Hearn wies in diesem Zusammenhang auch Berichte zurück, wonach Andy Ruiz noch nicht zugestimmt habe, in Saudi-Arabien zu kämpfen: „Er hat den Vertrag für diesen Kampf zu 100% unterschrieben.“

Nachdem Hearn allerdings auch noch erklärt hat „Ich konzentriere mich nur darauf, das Evangelium des Sports zu verbreiten!“, fühle ich mich geneigt, ihm zu antworten: „Und ich bin nicht gläubig!“

Unterm Strich bleibt das Gefühl, dass es peinlicher kaum noch geht. Eddie Hearn wandelt auf den Spuren von Amir Khan, der trotz Folter und Menschenrechtsverletzungen Saudi-Arabien zu einem seiner Lieblingsländer erklärt hat. Frei nach dem Motto „Augen zu und durch!“, gab „King“ Khan aber zumindest zu: „Sie werfen viel Geld auf den Tisch und am Ende des Tages sind wir Preiskämpfer. Ich wäre dumm, diese Gelegenheit nicht zu nutzen.“

Würde Hearn ähnlich argumentieren, wäre er zumindest glaubwürdig. So mutiert der selbsternannte  Boxmessias aber nur zur Witzfigur.

8 Gedanken zu “Eddie Hearn auf dünnem Eis

  1. Ich verstehe die ganze Aufregung um den Austragungsort nicht. Gerade der Boxsport hatte sich schon immer an den Meistbietenden orientiert. Kämpfe wie in Kinshasa oder Manila fanden ja auch nicht statt um neue Märkte zu erschließen. Da hatten die damaligen Machthaber (Mobutu und Marcos) in die Staatskasse gegriffen und schon war die Boxwelt versammelt. Daher sollte man jetzt nicht so tun als hätte es so was noch nie gegeben.

Schreibe einen Kommentar