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„Doppelter Angriff. Teil 1.“

„Doppelter Angriff. Teil 1.“

Das, was hier als Headline etwas merkwürdig anmutet, ist der Titel eines Videoclips, den Oleksandr Usyk in einem sozialen Netzwerk geteilt hat. Der 34-jährige hat zuletzt im Oktober 2020 gegen Dereck Chisora gewonnen und wartet nun auf seinen nächsten Kampf.

Wie es heißt, könnte es zu einer Begegnung mit Joe Joyce kommen. Die Informationen, die diesbezüglich die Runde machen, sind breit gefächert. Mal heißt es, die WBO habe „Usyk vs Joyce“ angeordnet, dann ist wieder zu lesen: sollte es zu dem Kampf kommen, sei die WBO gewillt, den Interims-Gürtel auszuloben. Angeblich laufen Gespräche zwischen Usyks Team und Frank Warren, dem Promoter von Joe Joyce.

Insider vermuten, dass der Gewinner dieser Begegnung vom Interims-Champion vom „vollen“ Weltmeister aufgewertet wird. Anthony Joshua wäre dann Super-Champion. Allerdings könnte die WBO dabei über ihr eigenes Regelwerk stolpern, denn die Nominierung für diesen Status ist an bestimmte Kriterien gebunden. Unter anderem muss ein Anwärter seinen WBO Meistertitel mindestens zehn Mal erfolgreich verteidigt haben. Ein „Hintertürchen“ gibt es allerdings: bei einer geringeren Anzahl erfolgreicher Titelverteidigungen reicht es aus, wenn die Gegner hohe Reputation oder sportliche Qualität haben.

Anreiz genug also für Oleksandr Usyk, sich möglicherweise verhältnismäßig leicht einen regulären Weltmeistertitel zu holen. Bereits 2013 standen sich Usyk und Joyce bei der World Series Boxing gegenüber, Joyce musste sich nach Punkten geschlagen geben.

Sam Jones, der Manager von Joyce, erklärte dazu in einem Interview: „Joe war zu dieser Zeit noch unerfahren und Usyk hatte zu viel Know-how. Joyce ist seit diesem Kampf viel besser geworden. Er ist größer, er ist stärker und er hat bessere Beine. Joe Joyce wird Usyk die Hölle heiß machen.“

Und auch der ‚Juggernaut‘ selber rechnet sich gute Chancen aus: „Usyk ist ein ziemlich kleines Schwergewicht, aber er ist gut, er ist geschickt. Es ist schwer, ihn zu schlagen, aber zusammen mit meinem Team könnte ich das schaffen, weil ich ein erfahrener Kämpfer bin. Er hat mehr Muskeln aufgebaut, also ist er etwas langsamer. Aber er boxt intelligent, hat gute Beinarbeit und gute Kopfbewegungen. Es wäre ein schwieriger Kampf, aber einer, den ich will und einer, den ich gewinnen könnte.“

Aber zurück zum Clip von Oleksandr Usyk. Der zeigt den Ukrainer, wie er mit zwei Gegnern im Ring arbeitet. Für ein richtiges Sparring sieht das Ganze definitiv zu locker aus. Möglicherweise handelt es sich um jüngere Boxeleven. Das kurze Video hatte trotzdem innerhalb von einer Stunde nach dem Hochladen schon fast 150.000 Klicks, mittlerweile haben sich 317.000 User den Streifen angesehen. Möglicherweise auch Joe Joyce.

Fraglich ist, ob Oleksandr Usyk mit der Veröffentlichung dieses Clips etwas bezwecken möchte. Soll das Video Joe Joyce verunsichern? Möchte Usyk damit demonstrieren: ich komme auch mit zwei Sparringspartnern klar? Ist das angedeutete Sparring mit zwei Gegnern effektiver? Oder ist das Ganze nur ein Jokus?

Der Umstand, dass die Bezeichnung des Video den Zusatz „Teil 1“ trägt, lässt vermuten, dass bald eine Fortsetzung folgt.

Man darf also gespannt sein …

Hier noch einmal das erste Aufeinandertreffen von Usyk und Joyce vor 8 Jahren.

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11 Kommentare

  1. 7. März 2021 at 08:02 —

    Sam Jones, der Manager von Joyce, erklärte dazu in einem Interview: „Joe war zu dieser Zeit noch unerfahren und Usyk hatte zu viel Know-how. Joyce ist seit diesem Kampf viel besser geworden. Er ist größer, er ist stärker und er hat bessere Beine. Joe Joyce wird Usyk die Hölle heiß machen.“

    Und auch der ‚Juggernaut‘ selber rechnet sich gute Chancen aus: „Usyk ist ein ziemlich kleines Schwergewicht, aber er ist gut, er ist geschickt. Es ist schwer, ihn zu schlagen, aber zusammen mit meinem Team könnte ich das schaffen, weil ich ein erfahrener Kämpfer bin. Er hat mehr Muskeln aufgebaut, also ist er etwas langsamer. Aber er boxt intelligent, hat gute Beinarbeit und gute Kopfbewegungen. Es wäre ein schwieriger Kampf, aber einer, den ich will und einer, den ich gewinnen könnte.“

    ———

    Sehr gute Einschätzung und kein bisschen überheblich. Oder aber, Sam Jones und Joe Joyce sind Volltrottel, die absolut keinen Plan vom Boxen haben, weil: “Usyk ist zu schnell, thats it.”

    • 8. März 2021 at 07:58 —

      Also bitte, was sollen sie denn auch sagen..? 😀

      Du wirst es schon sehen..

    • 8. März 2021 at 08:02 —

      Nichtmal der Trainer von Yildirim hat sich vor dem Kampf hingestellt und gesagt: “Den Fight kann Avni nicht gewinnen, dieser Canelo ist viel zu gut..”

  2. 7. März 2021 at 09:58 —

    Joyce ist seit diesem Kampf viel besser geworden. Er ist größer, er ist stärker und er hat bessere Beine. Joe Joyce wird Usyk die Hölle heiß machen.“

    Krass hat sich Joyce verbessert, er ist sogar nochmal gewachsen und jetzt noch größer als beim ersten Aufeinandertreffen 🙈😂

    • 7. März 2021 at 17:56 —

      @ Sachse – hier liegt ein Übersetzungsmissverständnis vor. Im Original sagte Jones, Joyce sei jetzt „bigger“, was sich im Englischen eher auf die Körperfülle, speziell die Muskulatur bezieht – die korrekte Übersetzung wäre hier also eher „massiger“ oder „muskulöser“ gewesen. Wäre er tatsächlich gewachsen, hätte Jones „taller“ gesagt.

      Was Jones und Joyce natürlich nicht erwähnen, ist, dass nicht nur Usyk durch den Muskelaufbau an Speed verloren hat …

  3. 7. März 2021 at 16:11 —

    Joyce hat seine ehemalige Spritzigkeit verloren das ist passiert. Nichtsdestotrotz wird es für beide ein harter Kampf wo Usyk 12 Runden Schwerstarbeit leisten muss weil er Joyce körperlich total unterlegen ist. Ich denke die technische Finesse von Usyk wird sich am Ende durchsetzen.

  4. 7. März 2021 at 18:09 —

    Faire Einschätzung von Buckelfred – so kann man das zusammenfassen. Wäre ich der Trainer von Joyce, würde ich ihm raten, er solle eine Art „Lomachenko vs. Salido 2“ aus dem Kampf machen, sprich das Ganze für Usyk körperlich so unangenehm wie möglich. Heißt: Bodyshots, Infight mit viel Halten, Klammern, Auflehnen und Ringen bis an die Grenze des Erlaubten, um dem Spitzentechniker Usyk die Lust und die Luft zu nehmen. Boxerisch hat Joyce meiner Meinung nach keine Chance, auch Distanzboxen wäre nicht 100-prozentig erfolgversprechend (zu langsam auf den Beinen) und die Megapower hat er auch nicht – mehr als Usyk, aber nicht genug, um den Ukrainer ernsthaft zu gefährden.

    80/20-Kampf für Usyk imo.

  5. 7. März 2021 at 18:24 —

    @ Schreiberling – ich weiß ehrlich gesagt selbst nicht richtig, was die WBO da genau mit der Titelvergabe plant, aber wie ich es verstanden habe, gibt es hier (anders als bei der WBA) nicht Superchamp und „Regular“-Champ auf einmal. Bei diesem Kampf geht es meiner Meinung nach darum, den Pflichtherausforderer für den Sieger des Megafights Fury vs. AJ zu ermitteln – das war eine der Bedingungen von Team Usyk, von seinem jetzt schon manifesten PH ggü. AJ zurückzutreten. Sprich, der Gewinner von AJ vs. Fury MUSS danach gegen den Sieger dieses Kampfes antreten – oder aber den WBO-Gürtel niederlegen. Das ist natürlich im Augenblick sehr wahrscheinlich, dass er das tut, weil AJ vs. Fury ja eine RK-Klausel enthält (hier würde es dann „nur“ noch um drei Gürtel gehen). Jedoch erhoffen sie sich im Team von Usyk, dass der Sieger des zweiten Kampfes danach eine erneute Titelvereinigung anstrebt – und zwar dann gegen ihn. Bis dort ist es natürlich noch lange hin … aber es ist auch klar, dass sich Usyk mit einem sekundären WM-Titel nicht zufrieden geben wird, sondern einen der „Big Fishes“ boxen möchte.

    Vielleicht weißt du aber auch mehr, und es gibt doch auch bei der WBO den „Superchamp“ (ohne Pflichtverteidungsmandat) und den „regulären“ Champ – wer blickt da schon genau durch?

  6. 7. März 2021 at 21:40 —

    @ ak
    Wir reden hier doch von der WBO.
    Bei der WBA wird der reguläre Titel bei der Ernennung eines Superchampions vakant, ich dachte bislang, bei der WBO wäre das auch so. Ich erinnere mich zugegebenermaßen auch nicht daran, was zum Beispiel mit dem regulären Titel von Marco Huck passierte, als er 2014 WBO-Superchamp wurde.

    Interessanterweise lässt sich zu der Thematik – zumindest auf die schnelle – nichts finden. Ich vermute aber: wenn sich damit Geld verdienen lässt, geht alles. Vielleicht gibt es dann auch bald den Superduper-Champion.

    • 8. März 2021 at 02:39 —

      🤣 Auf jeden Fall, der fehlt ja bisher noch! Bei der WBA ist mittlerweile, glaube, bis auf das Fliegengewicht, jede GK mit mindestens zwei, die meisten sogar mit drei Champions besetzt (Super-, Regular- und Interim-bzw. Gold-Champ) – bei der WBO sind Superchamps nur vereinigte Champs oder solche, die ihren Titel 10 mal verteidigt haben. Interimchamp (gibt es dort im Augenblick gewichtsklassenübergreifend gar nicht ) ist bei der WBO einfach nur ein anderes Wort für Pflichtherausforderer. Aber kann natürlich sein, dass die WBO sich so langsam genötigt fühlt, mit der WBA/C mitzuziehen und ihre Schleusen für die Titelflut ebenfalls zu öffnen – wir werden es mitbekommen.

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