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Dopingsumpf Großbritannien?

Dopingsumpf Großbritannien?

Die Dopingaffäre um den britischen Schwergewichtler Dillian Whyte wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Zustände in Großbritannien. Der 2017 getroffene Beschluss der britischen Regierung, Dopingsünder nicht mehr strafrechtlich zu verfolgen, sondern das sogenannten Sportgerichten zu überlassen, scheint in einer Sackgasse zu enden. Während Doping zum Beispiel in Australien, Frankreich und Italien eine Straftat darstellt, ist man in Großbritannien der Ansicht, dass die “Kriminalisierung des Dopings” nicht zu seiner Bekämpfung beitragen würde.

Nach den Irritationen um die positive A-Probe von Dillian Whyte, der trotz des Befundes im Boxring antreten durfte, sind Kämpfer aus anderen Ländern unsicher darüber, ob sie eine Reise auf die Insel nicht besser vermeiden sollten.

Ein prominentes Beispiel ist Schwergewichtsweltmeister Andy Ruiz, der im Gerangel um einen Austragungsort für den Rückkampf gegen Anthony Joshua unter Berufung auf die Affäre Dillian Whyte mehrfach bekräftigt hatte, nicht in Großbritannien kämpfen zu wollen: „Letztendlich möchte ich nur einen fairen Austragungsort. Die Tatsache, dass Rivas keine Ahnung davon hatte, ist etwas dürftig.“

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Auch Top Rank-Chef Bob Arum hat jüngst in einem BBC-Interview seine Besorgnis über die Zustände geäußert. Arum glaubt, dass die Verwirrung darüber, wie mit Rivas umgegangen wurde, zu einer Unsicherheit unter den ausländischen Kämpfern beigetragen würde. Er selber habe mittlerweile Vorbehalte, den bei ihm unter Vertrag stehenden Vasyl Lomachenko am 31. August nach Großbritannien zu schicken, um gegen Luke Campbell anzutreten: “Normalerweise wäre ich nicht besorgt, aber wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich es bin: ja, ich bin es, denn ich traue dem British Boxing Board of Control nicht.“

Institutionen, die völlig unfähig wirken würden, sollten durch international anerkannte ersetzt werden, fordert der amerikanische Promoter: “Ich war sehr verärgert über das, was ich über die Whyte-Situation gelesen habe. Was mich ärgerlich gemacht hat, war nicht die letztendliche Entscheidung, ihn kämpfen zu lassen, sondern die Tatsache, dass dem Gegner nie mitgeteilt wurde, dass Whytes  A-Probe positiv getestet wurde. Das war absolut falsch. Das tust du einem Gegner nicht an. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, hat einen schrecklichen Fehler gemacht. Das ist eine ernste Angelegenheit – es kann zu Verletzungen führen! Boxen braucht einen Standard für Drogentests“

Arum würde gerne einheitliche Tests und eine konsequentere Kontrolle sehen: „Kämpfer können Designerdrogen einnehmen, dann für einen Kampf unterschreiben und im Laufe einer Woche verschwindet jede (nachweisbare) Spur der Droge, aber der Effekt ist da.“

Der 87-jährige Promoter sähe das gerne in den Händen der Voluntary Anti-Doping Association, doch ausgerechnet deren Tests durchlief „Body Snatcher“ Whyte ohne positiven Befund.

 

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1 Kommentar

  1. 6. August 2019 at 15:05 —

    Sicher, dass es Arum die Boxer geht oder vielleicht doch nur um Loma? Da würde er einen Vorteil abgeben.
    Die Idee des FranScheiss-Gürtels fand er doch auch toll.
    Da hat er sicher den einen oder anderen seiner Kämpfer im Auge. Da holt er sich wieder Vorteile.

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